Hi Matthias,
ich sehe Dich gerade online.
Hast Du Zeit und Lust mir zu erklären wie man zu einem anderen Thread verlinkt, auf den man aufmerksam machen möchte?
LG Manfred
Hi Matthias,
ich sehe Dich gerade online.
Hast Du Zeit und Lust mir zu erklären wie man zu einem anderen Thread verlinkt, auf den man aufmerksam machen möchte?
LG Manfred
ZitatIch möchte dich fragen wie du mit Risikominimierung umgehst heute und in den Jahren überhaupt, gibt es so was für dich wie Feier mit Alkohol, Freude/Bekannte die trinken? machte oder macht dir das etwas aus wenn jemand in deiner Gegenwart trinkt? Gehst du heute Kompromisse ein oder brauchtest du kein Risikominimierung?
Hallo Maria,
bevor ich auf Deine Fragen eingehe, möchte ich nochmal betonen, dass mein Weg keine Empfehlung oder Orientierung darstellt. Ich habe es eben so gut gemacht wie ich konnte.
Am Anfang meiner Trockenheit (ca. die ersten 6 Monate) war mein Erschrecken und meine Erschütterung über meinen Tiefpunkt so groß, dass es mir nichts ausgemacht hat, wenn andere in meiner Gegenwart Alkohol getrunken haben. Ich hatte keinen Suchtdruck oder dergleichen.
Eigenartigerweise wurden auch während meiner LZT (1989) die Themen „Suchtgedächtnis“ oder „Suchtdruck“ nicht besonders thematisiert. Es wurde dort in erster Linie mit der lebensgeschichtlichen Herangehensweise gearbeitet.
Später (nach der Therapie und in den Jahren danach) habe ich mich dort wo Alkohol getrunken wurde (Familienfeiern, Kneipen, Bekannten/Freundeskreis, Weihnachtsfeiern) nicht besonders wohl gefühlt. Mich hat einfach diese angetrunkene Atmosphäre genervt. Mit meinem Suchtgedächtnis habe ich das nicht in Verbindung gebracht. Dieser Begriff ist mir erst hier im Forum so oft begegnet, dass ich jetzt beginne mich damit intensiver zu beschäftigen.
Die genannten Feiern habe ich dann meistens früh verlassen oder ich bin zu einigen auch nicht mehr hingegangen.
Heute ist es so, dass ich Orte und Anlässe an denen es nur um Alkohol trinken geht grundsätzlich nicht mehr besuche.
Wenn heute in meiner Gegenwart jemand Alkohol trinkt, dann grenze ich mich fast automatisch ab. Das ist nicht mehr meine Welt. Ich will klar und unabhängig bleiben.
Das ist nicht immer leicht, weil ich es in den letzten Jahren versäumt habe mir einen alkoholfreien Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen. Aber ich setze mich lieber mit meinen Einsamkeitsgefühlen auseinander, statt irgendwelche Kompromisse und/oder Abhängigkeitsverhältnisse einzugehen.
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Ich wollte mit diesem Thread mir und Anderen nochmal deutlich machen, dass das Bewusstsein darüber, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann, für mich oberste Priorität hat. Alles Weitere baut darauf auf, so schwer oder schwierig es auch immer sein mag.
Bei mir waren in den letzten Jahren sicher eine Menge schwerer und schwieriger Tage dabei. Und das hat sicher in erster Linie mit mir und meiner Geschichte zu tun. Ich habe es eben so gut gemacht wie ich konnte.
Aber es gab eben auch gute Tage und schöne Momente, die ich nicht erlebt hätte, wenn ich wieder getrunken hätte.
Ich habe mir vor nunmehr über 21 Jahren vorgenommen mein Leben (als trockener Alkoholiker) so anzunehmen, wie es ist und wie es kommt. Mit allen Höhen und Tiefen.
Jeden Tag schaue ich dabei auf meinen Handlungs-, Bewegungs- und Gestaltungsspielraum.
Liebe Grüße
Manfred
Hallo Rose,
das mit dem „Mehrfachkapitulieren“ hat nicht die gleiche Qualität und Intensität wie die erste Kapitulation.
Es ist für mich ein intensives Bewusstmachen dessen, das ich trockener Alkoholiker bin und Alkohol nicht kontrolliert trinken kann.
So habe ich es in den vergangenen Jahren gemacht. Und ja, es war bisweilen sehr anstrengend, da ich häufig weder auf mich noch auf mein Suchtgedächtnis Rücksicht genommen habe.
Ich möchte hier auch niemanden meinen Weg empfehlen. Ich schreibe nur wie ich es gemacht habe.
Unterm Strich war es in jedem Fall besser als wieder zu saufen.
Ich habe mich hier angemeldet um meinen bisherigen Weg zu reflektieren und um mich zu sortieren.
Das Lesen und Austauschen hier im Forum in den letzten 9 Monaten hat mir schon eine Menge Anregungen gegeben. Es fühlt sich in jedem Fall besser an, als diese einsamen Auseinandersetzungen der letzten 15 Jahre.
Liebe Grüße
Manfred
ZitatZitat:
In schwierigen Situationen kapituliere ich daher jedes mal aufs Neue vor dem Alkohol. Insbesondere in Situationen, in denen sich das Suchtgedächtnis meldet.
Ich möchte das verstehen, mich besser verstehen noch etwas lernen mir reichen die 4 Jahre ohne Alkohol nicht.
Gibt es denn so was wie Kapitulation oder ergeben oder sind das nur leere Worte?
Liebe Maria,
das mit der Kapitulation kann ich nur für mich beschreiben, wie auch alles Andere, wie ich mit meiner Alkoholkrankheit umgehe.
Für mich ist das ein sich wiederholender Vorgang, eine Art inneres Ritual. Es hat etwas damit zu tun, dass ich annehme/ akzeptiere, dass es eine höhere Macht gibt als mich selbst.
Ich bin kein religiöser Mensch und ich weiß auch nicht, ob es Gott oder etwas ähnliches gibt, aber irgendeine größere Macht als ich selbst hat entschieden: In diesem Leben bin ich Alkoholiker.
Und in der Summe meiner bisher gemachten Lebenserfahrungen bin ich froh, dass ich das erkennen durfte. Es hat für mich auch etwas mit Freiheit zu tun. Ich bin befreit von dem Zwang Alkohol trinken zu müssen. Aber ich habe auch gleichzeitig die Freiheit bekommen, über mich und mein Leben komplett neu nachdenken und nachfühlen zu können.
Dieses Neudenken, Neufühlen und auch Neuhandeln ist für mich ein fortlaufender Prozess, der mich auch immer wieder in Konfliktsituationen bringt. Mit mir und mit anderen Menschen.
Aber ich habe jeden Tag die Chance etwas neu zu denken, zu fühlen, zu handeln. Wenn ich Alkohol trinken würde, dann läuft Alles wieder auf den Zwang hinaus, Alkohol trinken zu müssen.
Vor langer Zeit hörte ich in einer SHG jemand sagen, dass es wohl Menschen gebe, die einmal vor dem Alkohol kapitulieren und dann zufrieden trocken leben könnten. Und das es Menschen geben würde, die immer wieder neu vor dem Alkohol kapitulieren.
Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Ich jedenfalls zähle mich zu den „Mehrfachkapitulierern“.
Kann sein, dass es anders wäre, wenn ich in den letzten 15 Jahren eine SHG besucht hätte, aber ich kann nur über das schreiben, wie ich es erlebt habe.
Das regelmäßige Besuchen einer SHG ist ja auch eine Art Ritual, wobei es da ja sehr unterschiedliche SHG-Ansätze gibt.
In welche SHG gehst Du denn und gibt es da auch einen „spirituellen Ansatz“ (höhere Macht) ?
Liebe Grüße
Manfred
Hallo Maria,
Deine Gedanken und Fragen bringen mich sehr zum Nachdenken. Danke. ![]()
Nachdem ich mehr oder weniger vehement gegen den Suchtdruck geschrieben habe, frage ich mich jetzt: Warum?
Warum beschäftigt mich das im Moment so stark?
Brauen sich da irgendwo in mir „Trinkgedanken“ zusammen?
In den ersten Jahren meiner Trockenheit hatte ich ein starkes Abgrenzungsgefühl gegenüber dem Alkohol. Das hatte sicher wesentlich mit meinem horrorhaften Tiefpunkt zu tun. Alkohol trinken war für mich verbunden mit Verelendung und Verrücktwerden. Nach diesem Erlebnis fiel mir die Kapitulation leicht. In schwierigen Zeiten rufe ich mir dieses Erlebnis auch immer wieder vor Augen.
Aber: Im Laufe der letzten 20 Jahre verblassen die Erinnerungen daran nach und nach. Nicht das sie vollkommen weg sind, aber sie sind nicht mehr so präsent.
In schwierigen Situationen kapituliere ich daher jedes mal aufs Neue vor dem Alkohol. Insbesondere in Situationen, in denen sich das Suchtgedächtnis meldet.
Da ich in den letzten 15 Jahren in keiner SHG war, war das also immer ein ziemlich einsamer Kapitulations- und Demutsprozess. Diese eher einsame und kraftraubende Auseinandersetzung mit meiner Alkoholkrankheit hat mich letztlich ja auch dazu veranlasst hier im Forum zu schreiben.
Unabhängig von meiner Alkoholkrankheit gibt es dann auch noch ein frühkindliches Trauma, das ich jetzt versuche mit einer Therapeutin aufzuarbeiten. Ich möchte einfach mit mir in der Summe nicht mehr so destruktiv umgehen. Dieser destruktive Umgang mit mir, der hat sich auch in meiner Trockenzeit bisher nie ganz gelegt. Ich möchte mich einfach in Zukunft mehr mögen als jetzt.
Das tückische am Alkohol trinken war für mich, dass es zu Beginn eine entlastende Wirkung hatte und sich dann aber sehr schnell in das Gegenteil verkehrt. Also zerstörerisch wirkte. Für mich ist es Selbstmord auf Raten.
Wenn ich jetzt also so stark gegen den Suchtdruck argumentiere, dann sage ich in erster Linie mir selbst:
Bleibe weiterhin wachsam und demütig und suche Dir Unterstützung bei der Bewältigung Deiner destruktiven Gefühle und Gedanken.
Liebe Grüße
Manfred
Hallo Maria, pfundi und Hans,
vielen Dank für Eure Antworten.
@ Maria
ZitatDas beschäftigt mich jetzt aber, auch wenn du den Beitrag an dich gerichtet hast.
Der Beitrag war schon auch an mich gerichtet, aber ich freue mich immer über Rückmeldungen (hätte ich auch dazu schreiben können ![]()
ZitatMeine Gedanken immer, wenn die Sucht so einfach wäre, ich mit Sport oder Putzen oder eben Blumen pflücken sie so zusagen besiegen könnte dann gebe es keine Rückfälle und ich wäre heute eine Sportlerin, Putzfee oder sonnst wer aber das bin ich nicht, ich bin ja Alkoholikerin und das bleib ja auch und das heiß für mich Risikominimierung, Dankbarkeit und Demut.
Ich empfinde den Umgang mit mir und meiner Sucht auch nicht immer einfach. Und ich danke Dir, dass Du mich wieder auf die Begriffe „Demut“ und „Dankbarkeit“ hingewiesen hast. Zusammen mit der „Risikominimierung“ sind sie auch für mich von zentraler Bedeutung.
Mit meinem Beitrag wollte ich vor allem etwas gegen den „Automatismus“ schreiben, der vom Suchtdruck quasi direkt zum Trinken führt.
Hans hat das in einem anderen Thread m.E. sehr schön beschrieben. In meine Worte übersetzt ungefähr so: Es geht darum, dass ich einen Weg finde mit meiner Sucht zu leben.
Mir gefällt auch folgender Satz von Hans sehr gut:
ZitatIch habe mich "mit meinem Suchtgedächtnis geeinigt", dass ich es freundlich begrüße, wenn es sich meldet. Dann wende ich mich anderen Dingen zu und komme dadurch gar nicht in ein höheres Stadium. Das verstehe ich unter "mich ergeben".
Liebe Grüße und für Hans noch: Schönen Abend noch
Manfred
Hallo zusammen,
in meinem ersten Beitrag in diesem thread habe ich ja etwas über meine Gedanken und den Umgang mit meinem Suchtgedächtnis geschrieben.
Jetzt gibt es einen weiteren Begriff, der auch immer wieder auftaucht: Suchtdruck.
Was ist das eigentlich? Wo kommt er her? Wie wird er ausgelöst? Wie kann ich ihn verhindern/vermeiden?
Bin ich dem hilflos ausgeliefert?
Meine Antwort: Es gibt keinen Suchtdruck!
Suchtdruck ist – nach meiner Erfahrung - der Oberbegriff für: Irgendetwas in mir ist aus der Balance.
In der Regel ist es ein aufkommendes Gefühl, für das ich (aus welchen Gründen auch immer) noch keine Bewältigungsstrategie gefunden habe. Das gilt für sogenannte negative wie positive Gefühle gleichermaßen.
Was kann ich also tun?
1. Ich spüre dem Gefühl nach, welches mir da gerade so zu schaffen macht. Ist es z.B. Wut, Trauer, Einsamkeit oder aber auch Freude oder Glück, die ich nicht annehmen kann.
2. Ich kann mich auf die Suche machen, was mir bei der Bewältigung helfen könnte: Reden, Schreien, Weinen, Laufen, Entspannungsübungen, Putzen, Basteln ...
3. Ich kann mich therapeutisch begleiten lassen und herausfinden woher bestimmte Gefühle kommen und wie ich lerne damit besser zurecht zu zu kommen.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Begründung für einen Rückfall sehr schnell und leichtfertig mit „Suchtdruck“ beschrieben wird. Als wenn es einen nicht zu stoppenden Automatismus geben würde, etwa nach folgendem Muster:
„Mein Gehirn hat sich komplett ausgeschaltet und ich wollte nur noch trinken“
Also ich glaube nicht, dass sich das Gehirn so komplett ausschaltet, dass da nicht noch Bereiche aktiv wären, die Alternativen aufzeigen könnten …
Meine Anregung für Alle, die an diese „Komplettausschaltung“ bzw. „Suchtdruck“ glauben:
Schreibt doch mal auf einen Zettel (den Ihr in Eurer Wohnung aufhängt und/oder bei Euch tragt) folgende Sätze:
Ich bin trockener Alkoholiker und kann Alkohol nicht kontrolliert trinken.
Es gibt keinen Suchtdruck. Es gibt Alternativen.
Diese Sätze sind jeden aktuellen Tag für 24 Stunden gültig.
Ach ja, wenn ich hier so „schlaue“ Sachen schreibe, dann sind sie in erster Linie an mich selbst gerichtet ![]()
Ich wünsche Euch allen einen trockenen und möglichst entspannten Tag.
Liebe Grüße
Manfred
Liebe Martha,
Deine Frage möchte ich am liebsten mit folgender Gegenfrage beantworten:
Warum ist das für Dich wichtig?
Habe ich jetzt ja auch gemacht ![]()
ZitatSprich, wenn der Alkoholiker trocken ist, wird er dann zum ehrlichen, einfühlsamen Menschen der verantwortungsbewusst für sich und andere lebt?
Ich kann nicht für den Alkoholiker sprechen. Ich kann nur von mir sprechen:
In meiner „nassen“ Zeit habe ich nicht darüber nachgedacht, ob ich ehrlich, einfühlsam oder verantwortungsbewusst bin. Ich hätte gar nicht sagen können, was diese Worte für mich bedeuten. Ich habe schlicht nicht in diesen Kategorien oder Begriffen gedacht.
Mein Denken war ausschließlich damit befasst: Wie kann ich bestmöglich meine Sucht nach Alkohol befriedigen. Ethische oder moralische Werte spielten dabei keine Rolle.
Erst nach meinem Tiefpunkt und mit Beginn meines Trockenprozesses (der immer noch anhält) habe ich begonnen mich damit zu beschäftigen wer ich bin und welche Werte mir wichtig sind.
An guten Tagen bin ich heute ehrlich, einfühlsam und verantwortungsbewusst. An schlechten Tagen muss ich mich ganz schön anstrengen ![]()
Das Thema „Ehrlichkeit“ finde ich dabei besonders vielschichtig:
Es beginnt mit der Ehrlichkeit zu mir selbst. Wo fange ich da an? Wie tief kann/will ich in mich hineinschauen? Bin ich bereit mich vollständig anzunehmen? Wähle ich nicht in einigen Situation doch (unbewusst) wieder eine Rolle?
Insbesondere im beruflichen Kontext stellen sich für mich im Bezug auf „Ehrlichkeit“ weitere Fragen:
Wie ehrlich bin ich zu meinen Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kunden? Wie „ehrlich“ ist das Produkt, das ich verkaufe?
Du siehst, der Begriff „Ehrlichkeit“ hat es mir besonders angetan ![]()
Für mich ist das ein fortlaufender Prozess, den ich täglich überprüfe. Das gilt selbstverständlich auch für „Einfühlsamkeit“ und „Verantwortungsbewusstsein“.
Meine bisherigen Erfahrungen, insbesondere im beruflichen Umfeld, sind, dass ich mit meinem „Wertegerüst“ eher als Idealist betrachtet werde. Und „Idealismus“ hat im Moment keine Konjunktur …
Ich hatte gerade heute über dieses Thema einen recht interessanten Gedankenaustausch, deshalb ist meine Antwort wohl auch so lang geraten. Obwohl meine Beiträge ja auch sonst gerade nicht kurz sind ![]()
Gerne würde ich mit Dir und Anderen das Thema „Ehrlichkeit im Beruf“ einmal vertiefender besprechen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das hier im offenen Forum so gut passt, weil dann ja Beruf, Position und Aufgabe näher zur Sprache kämen und damit die Anonymität nicht mehr gewährleistet wäre.
Möglicherweise wäre das auch ein Grund um ins „geschlossene“ Forum zu wechseln …
Wie siehst Du das?
Liebe Grüße
Manfred
Liebe Martha,
vielen Dank für Deine freundlichen Worte. ![]()
Schön, dass wir wieder mal direkt miteinander "sprechen".
Zitatich lese natürlich immer was Du schreibst. Ich möchte dann gerne was dazu schreiben, aber oft gibt es dem einfach nichts mehr hinzu zu setzten, was Du schreibst, da ist alles drin
Das geht mir umgekehrt oft genauso ![]()
Auch Dir eine gute Nacht und liebe Grüße
Manfred
Hallo Michi,
jetzt bin ich aber gerührt. ![]()
Danke für Deine lieben Worte. Und das noch aus der Heimatstadt ![]()
Liebe Grüße
Manfred
Lieber Karsten, Michael und Matthias,
vielen Dank für Eure Antworten. ![]()
Es ist ja häufig so:
Erst wenn man eine Antwort bekommt, weiß man was man gesagt/geschrieben hat. ![]()
Liebe Grüße
Manfred
Hi Matthias,
isch habe gar kein Auto ![]()
Willkommen zurück ![]()
Liebe Grüße
Manfred
Als Alkoholiker geboren …
Ich habe hier im Forum schon viel über „Ursachen der Sucht“, „individueller Weg“, „Grundbausteine“, etc. gelesen.
Hier meine Erfahrungen und Gedanken dazu:
Vor über 21 Jahren habe ich nach einem schlimmen Entzugsdelir aufgehört Alkohol zu trinken. Alkohol getrunken habe ich von meinem 15. bis 31. Lebensjahr. Das etwas mit meinem Alkoholkonsum nicht stimmt, dass habe ich etwa seit meinem 21. Lebensjahr gespürt.
Nachdem ich angefangen hatte über meinen Alkoholkonsum nachzudenken habe ich dann also noch 10 Jahre gebraucht um aufhören zu können.
In diesen 10 Jahren war ich in Beratungsstellen und hin und wieder auch in Selbsthilfegruppen (besonders zum Ende hin). Außerdem habe ich vieles über Alkoholismus gelesen.
Trotz allen Wissens und aller Hilfsangebote hat sich mein Alkoholkonsum stetig gesteigert. Bis zur völligen körperlichen und psychischen Abhängigkeit.
Selbst wenn mir jemand drei Wochen vor meinem Tiefpunkt gesagt hätte, dass es so kommen wird, dann hätte ich es nicht geglaubt …
Ich habe offensichtlich diese Erfahrungen des Entzugsdelirs gebraucht um meinen Hochmut wahrzunehmen.
Während des Delirs hatte ich buchstäblich für einige Tage meinen Verstand verloren. Ich dachte ich wäre jetzt verrückt geworden und dass das jetzt so bleiben würde. Ich befand mich mitten in einem Horrorfilm (die Details lasse ich hier mal weg) ohne das ich den Aus-Knopf drücken konnte.
Nach diesem Erlebnis habe ich mir gesagt: Jetzt ist Schluss. Ich weiß, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann. Ich bin Alkoholiker.
Ich stelle mich jetzt dem Leben und alles was damit zusammen hängt ohne Alkohol. Und zwar Tag für Tag. Ich habe noch nie gesagt, dass ich nie wieder Alkohol trinken werde (auch nicht nach schlimmsten Exzessen). Nach all meinen Erfahrungen und nach allem was ich über Alkoholismus weiß, wäre das aus meiner Sicht anmaßend und hochmütig. Ich kann mit meiner Krankheit nur Tag für Tag umgehen.
Wie mache ich das? Woran orientiere ich mich?
Zu Beginn meiner Trockenzeit habe ich eine LZT (1989, 6 Monate) gemacht (komme ich noch drauf zurück) und danach verschiedene Selbsthilfegruppen (AA, Guttempler) besucht. Am Besten gefallen haben mir dabei die AA´s. Ich finde das 12-Schritte Programm sehr schlüssig. Leider habe ich keine Gruppe gefunden, bei der ich mich wohl gefühlt habe. Das hatte aber mehr mit der Zusammensetzung der Gruppe als mit dem Programm zu tun. Ich habe nach 5 Jahren suchen nach der geeigneten Gruppe dann keine mehr besucht. Da mir aber der Austausch fehlt und diese ständige einsame Auseinandersetzung mit meiner Krankheit sehr viel Kraft kostet, werde ich mich jetzt auf den Weg machen und mir eine neue Gruppe suchen.
Der Austausch hier im Forum ist also wieder ein Einstieg in das Gespräch mit anderen Betroffenen. Ich habe in den letzten Monaten meines Hierseins schon eine Menge von Anregungen und Erfahrungen zu lesen bekommen, die mir den Mut geben, wieder mehr in den Kontakt zu gehen.
In den ersten Jahren meiner SHG-Zeit hat jemand mal in einem Meeting gesagt, dass er als Alkoholiker geboren wurde.
Ich habe das am Anfang nicht ganz verstanden. Heute verstehe ich es so:
Es geht nicht um eine irgendwie genetische Vererbung von Alkoholismus. Es geht um die Akzeptanz der Krankheit.
Es gibt viele Menschen, die unter schlechteren und schlimmeren Bedingungen aufgewachsen sind als ich. Sie können Alkohol kontrolliert trinken.
Möglicherweise haben sie andere Krankheiten entwickelt, aber Alkohol können sie kontrolliert trinken. Ich kann das nicht.
Für mich gibt es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Lebensgeschichte und Alkoholismus.
In vielen LZT´s wird dieser Behandlungsansatz trotzdem gewählt. Ich halte ihn für kontraproduktiv.
Warum?
Weil den Patienten/ Klienten suggeriert wird, dass wenn sie nicht alle ihre Gefühls-, Denk- und Verhaltensmuster „bearbeitet“ hätten, dann „müssten“ sie wieder trinken.
Bei vielen Patienten/ Klienten verwandeln sich dann die Ursachen in Gründe …
Ich habe das in meiner LZT so erlebt und auch in anderen Kliniken und Beratungsstellen in denen ich zu Beginn der 90er Jahre ca. 5 Jahre gearbeitet habe.
Für mich ist es konstruktiver zu akzeptieren, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann, unabhängig von meiner Lebensgeschichte oder meiner aktuellen Lebenssituation.
Ich bin als Alkoholiker geboren.
Dazu gehört auch, das ich Alkohol in jeder Form (Speisen, Getränke, sogenannte alkoholfreie Biere, etc., Deos, etc.) meide.
Für mich ist die Einnahme von Alkohol lebensgefährlich!!
Zufriedene Trockenheit
Dieser Begriff wurde hier ja auch schon häufiger diskutiert.
Hier finde ich eine lebensgeschichtliche Auseinandersetzung schon sinnvoll, aber ohne das zu sehr mit dem Begriff „Trockenheit“ in Verbindung zu bringen. Es geht für mich um zufriedenes Leben, unabhängig von meiner Unfähigkeit Alkohol kontrolliert trinken zu können.
Wie ein zufriedenes Leben aussieht, wie es sich anfühlt, dass ist nun individuell wirklich sehr verschieden.
Ich lese bei den Co´s häufig folgende Vorstellung heraus: Partnerschaft, Kinder, Job, Haus, Auto …
Ich kann das gut nachvollziehen. Diese Werte wurden ja von Generation zu Generation weitergegeben und stehen heute gesamtgesellschaftlich immer noch für ein gelungenes Leben.
Ich habe diese Dinge nie bewusst angestrebt, weil ich früh miterlebt habe, welcher Preis häufig dafür bezahlt wird: Unehrlichkeit, Angst, Kontrolle, Manipulation, etc. Also alles Dinge, die etwas mit Sucht zu tun haben. Man findet sie in allen Lebensbereichen, nicht nur bei Alkoholikern.
Seit ich trocken bin bemühe ich mich jeden Tag darum „unsüchtig“ zu leben. Der Gegenbegriff lautet glaube ich „nüchtern“.
Suchtgedächtnis
Auch dieser Begriff wird immer wieder angesprochen.
Ja, das habe ich auch. Ein Suchtgedächtnis.
Jahrelanger exzessiver Alkoholmissbrauch (und wohl auch weniger) prägt sich offensichtlich tief ins Gedächtnis ein.
Ich mache aber einen Unterschied zwischen lebensgeschichtlich bedingten Gefühlen und alkoholbedingten Bewältigungsversuchen.
Meine Gefühle, die aus nicht erfüllten und erfüllten Bedürfnissen aus meiner Lebensgeschichte bzw. meiner aktuellen Lebenssituation herrühren, sind das Eine.
Meine alkoholbedingten Bewältigungen und die daraus resultierenden Erinnerungen und Prägungen sind das Andere.
Wenn ich akzeptiert und verinnerlicht habe, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann, dann habe ich alle Möglichkeiten mit Gefühlen und Bedürfnissen anders umzugehen.
Das fällt mir nicht immer leicht und ich habe da auch heute noch kein Patentrezept. Und schon gar keine „schnelle“ Lösung. Da darf jeder sein eigenes Bewältigungskonzept entwickeln …
Eins scheidet von vornherein aus: Alkohol trinken.
Ich habe das 15 Jahre lang als Bewältigungsmuster ausgetestet. Jeder weitere Versuch könnte tödlich sein ...
Zu Beginn habe ich geschrieben: Ich stelle mich jetzt dem Leben.
Mittlerweile habe ich erkannt, dass das nicht reicht. Mich „nur“ zu stellen. Wenn ich zufriedener werden möchte, dann muss ich mich auch bewegen. Martha würde sagen: Ich darf mich auch bewegen ![]()
Und noch etwas:
Nach allem, was ich in den letzten Jahren erlebt, gehört und gelesen habe, sind viele seelischen Erkrankungen darin begründet, dass wir uns selbst nicht ausreichend gern haben.
Machen wir uns doch auf den Weg uns etwas mehr zu mögen. Mit all unseren Neurosen, Makeln und Defiziten. Und mit all unseren Schätzen, die darin verborgen sind …
Ich will neurotisch, mit Makeln behaftet und defizitär sein dürfen, ohne das sofort jemand schreit: Vorsicht Rückfall!!
Lasst mich doch so wie ich bin. Ich bin ein liebenswerter Mensch. Ich bin trockener Alkoholiker.
Liebe Grüße
Manfred
Hallo Peter,
für mich klingt das sehr konstruktiv wie Du mit der Situation umgehst.
So ein kompletter Wechsel der Lebensumstände ist ja keine Kleinigkeit.
Spontan fallen mir dazu noch folgende Fragen/ Anregungen ein:
- Gibt es möglicherweise eine Organisation in Hamburg, die Erfahrungen mit dem Arbeitsplatzwechsel nach Norwegen hat?
Ich kann mir gut vorstellen, dass das schon einige gemacht haben.
- Wenn Du im September vor Ort bist, dann könntest Du Dich dort ja auch schon mal nach einer SHG erkundigen. AA-Gruppe oder ähnliche.
Vielleicht weißt Du das Alles aber auch schon ![]()
Grundsätzlich kann ich Deinen Wunsch (bei so einer Arbeitsplatzatmosphäre) nach Veränderung gut nachvollziehen.
Es arbeitet sich um Einiges leichter, wenn man das Gefühl hat am Arbeitsplatz auch willkommen zu sein.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Mut und Klarheit bei allen anstehenden Entscheidungen.
Liebe Grüße
Manfred
Liebe espoir,
es tut mir leid, dass Du Dich im Moment in so einer schwierigen Lebenssituation befindest.
Vielleicht kannst Du es momentan gar nicht hören oder aufnehmen, aber ich schreibe es trotzdem
:
Ich bin ziemlich sicher – so wie ich Dich hier im Forum kennengelernt habe - , dass wenn Du diese Phase überwunden hast, dass Du dann auch den Mann findest bzw. kennen lernst, der zu Deinem neuen, trockenen Leben passt.
Bei all Deiner Traurigkeit finde ich 2 Dinge positiv:
1. Du verspürst keinen Wunsch zu trinken
2. Du kannst weinen
Ich wünsche Dir viel Energie bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation.
Liebe Grüße
Manfred
Lieber Matthias,
ich wünsche Dir und Deiner "Gutsten" einen entspannten und erholsamen Urlaub hier bei "uns" im Norden. ![]()
Bis bald!
Liebe Grüße
Manfred
Hi Frank,
Du hast mal bei mir irgendetwas von "Vorbild" geschrieben. Ich glaube umgekehrt wird ein Schuh draus ![]()
Sollte mich nochmal jemand fragen, wie man trocken wird, dann werde ich sagen: Lies mal bei Frank! ![]()
Im Ernst:
Jeder geht seinen Weg. Und Dein Weg liest sich wirklich gut. Ich bin beeindruckt.
Alles Gute weiterhin und liebe Grüße!
Manfred
Hallo Monty,
auch ich habe Deinen – teilweise sehr dramatischen – Thread verfolgt.
Am Ende dachte ich: Toll, sie hat es, mit Heulen und Zähne klappern, geschafft sich aus dieser ungesunden Beziehung zu befreien.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat er Dich jetzt in seine SHG mitgenommen. Und Ihr wollt jetzt dort irgendwie gemeinsam einen neuen Weg finden?
Das klingt für mich nicht besonders unabhängig.
Es wird hier im Forum ja oft von Deins und Seins gesprochen. Wie wäre es denn für Dich, wenn Du Dir Deine SHG suchst, unabhängig davon was er macht.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie Du unbefangen von Dir und von Deiner Abhängigkeitsproblematik in dieser SHG sprechen kannst, wenn er mit am Tisch sitzt.
Es geht Dir doch in einer SHG in erster Linie um Deine Co-Abhängigkeit, oder?
Vielleicht ist der folgende Vergleich etwas hart, aber so empfinde ich es:
Es ist ein bischen so, als wenn ein Alkoholiker seinen Stoff mit in die SHG bringt und hin und wieder einen Schluck trinkt.
Liebe Monty, Unabhängigkeit fühlt sich toll an. Am Anfang ist es sicher schwer, aber es lohnt sich sich auf den Weg zu machen.
Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem weiteren Weg!
Liebe Grüße
Manfred
Hallo Honey,
bei mir war es so (und das gilt nur für mich. Andere trockene Alkoholiker können letztlich auch nur von sich schreiben, da die Wege in den Alkoholismus und wieder heraus so vielfältig sind wie die Menschen selbst):
Ich habe mit ca. 15 J. angefangen zu trinken. Ich habe von Beginn an immer mehr getrunken als nur 1 oder 2 Gläser.
Für mich hat sich ein Rausch toll angefühlt. Es war wie fliegen können … Alles Schwere und Bedrückende hatte sich „aufgelöst“ …
Es war aber keine rationale Entscheidung in dem Sinne, dass ich gedacht habe: Ich hatte eine schwere Kindheit und mein Elternhaus ist so gefühlskalt also trinke ich jetzt mal ordentlich Alkohol damit es mir besser geht. Ich habe schlicht „erlebt“, dass viel Alkohol trinken sich toll anfühlt.
Dieses tolle Gefühl hielt bis ungefähr Anfang 20. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich nicht weniger trinken kann, wenn ich es möchte. Mir dämmerte langsam, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann.
Ich habe dann etwa 10 Jahre lang versucht „kontrolliert“ zu trinken. Ich wollte dieses Gefühl des Rausches nicht missen. Ich wollte mich kontrolliert berauschen können ...
Das hat aber nicht geklappt. Im Gegenteil. Ich habe immer mehr getrunken und war schließlich psychisch und physisch total abhängig. Ich musste trinken. Das hat nun mit „fliegen können“ überhaupt nichts mehr zu tun. Das ist ein „am Boden dahin krabbeln“ gewesen …
Das es zu diesem Zustand gekommen ist, habe ich mir nicht freiwillig ausgesucht. Ich habe nicht irgendwann gesagt: So, das Leben ist irgendwie total scheiße, also werde ich jetzt Alkoholiker. Das war ein schleichender, tückischer Prozess an dessen Ende ich beinahe verrückt geworden wäre.
Trinken oder nicht trinken hatte für mich eine existenzielle Bedeutung bekommen, wie atmen.
Ich kann mir vorstellen, dass das für Außenstehende, für Nicht-Alkoholkiker nicht nachvollziehbar ist, das sich ein Mensch so zu Grunde richten kann. Und das er dem ohnmächtig gegenübersteht.
Die Empfehlung (an Angehörige, etc.) „In Liebe loslassen“ und etwas für sich zu tun, sich mit seinen eigenen Abhängigkeitsstrukturen auseinander zu setzten finde ich daher richtig und sinnvoll.
Ich kann mir auch vorstellen wie schwierig das am Anfang ist. Vielleicht ist es am Anfang genauso schwer wie für den Alkoholiker sich von seinem „Lebenselixier“ zu verabschieden, da das „Lebenselixier“ für den Co-Abhängigen der Partner ist.
Bei mir war es so, dass ich niemals auf Druck von außen aufgehört hätte. Ob es sich dabei um Partner, Therapeut, Selbsthilfegruppe oder wem auch immer gehandelt hätte.
Diese für mich existentielle Entscheidung wollte und will ich jeden Tag nur für mich selbst treffen, unabhängig von Empfehlungen, Meinungen oder Anregungen von Außen.
Wenn ich diese Entscheidung von äußeren Bedingungen oder anderen Menschen abhängig machen würde, dann hätten diese Bedingungen oder Menschen nach meinem Gefühl die Macht über meine Existenz zu entscheiden. Das ist für mich ein unerträglicher Gedanke. Niemand soll in meinem Leben jemals wieder die Macht über mich bekommen, die der Alkohol über mich hatte.
Liebe Grüße
Manfred
Guten Morgen espoir,
ich wünsche Dir einen entspannten und erholsamen Urlaub.
War es für Dich auch hilfreich nochmal auf den Anfang zu schauen?
Ich mache das für mich auch immer mal wieder und stelle fest, dass es bei mir ganz anders war (als beispielsweise bei Dir oder anderern hier im Forum), aber es mir trotzdem hilft, wenn ich von den "Anfängen" der Anderen lese.
Liebe Grüße
Manfred