Beiträge von Manfred

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für Eure Beiträge. :D

    Bei mir war und ist das so mit den Bedürfnissen:

    Meine mir nicht bewussten Bedürfnisse nach Sicherheit, Schutz, Nähe, Wärme, Geborgenheit, Zugehörigkeit, etc. (die Liste ließe sich noch ziemlich lang weiterschreiben) habe ich im Alter von 15 Jahren begonnen mit Alkohol zu erfüllen.

    Das war natürlich nur eine Scheinerfüllung, aber das habe ich lange Zeit weder wahrgenommen noch verstanden.

    Ich konnte übrigens von Beginn an nie nur ein oder zwei Gläser trinken. Es waren immer mehrere Gläser oder Flaschen.

    Mit Anfang 20 war mir dann klar dass ich Alkohol nicht „Normal“ trinken kann. Seitdem mir das zum ersten mal klar war, konnte ich Alkohol nicht mehr so trinken wie vorher. Diese Form der Bedürfniserfüllung oder Bewältigung meiner Defizite war damit ein für allemal vorbei. Das heißt nicht, dass ich sofort aufgehört habe zu trinken. Das hat noch 10 Jahre gedauert. Aber seit mir klar war, dass ich Alkohol nicht kontrolliert trinken kann, seitdem war der „Entspannungs – und Wohlfühlfaktor“ weg.

    Die 10 Jahre bis zu meinem 31. Lebensjahr waren geprägt von dem Versuch kein Alkoholiker zu sein. Mit allen möglichen und unmöglichen Versuchen kontrolliert trinken zu können. Am Ende musste ich trinken. Rund um die Uhr. Trinken war für mich wie atmen. Niemand von außen hätte mich davon abbringen können.
    Ich wollte diese existentielle Entscheidung selbst treffen. Unabhängig von Therapeuten, Ärzten, Angehörigen, Selbsthilfegruppen, etc. Ich wollte nicht, dass jemand anderes die Macht bekommt existentiell über mein Leben zu entscheiden. Für mich hätte es sich so angefühlt, das ich dann in meiner Existenz abhängig von einem anderen Menschen oder Gruppe wäre. Das wollte und will ich auf gar keinen Fall. Die Frage ob ich trinke oder nicht, die entscheide ich vollkommen autonom.

    Wie ist das jetzt mit den Bedürfnissen? (die aus der o.g. Liste)

    Mir wird erst nach und nach klar, was eigentlich meine konkreten, tieferen Bedürfnisse sind. Während meiner vergangenen Trockenzeit habe ich mich überwiegend mit beruflichen Plänen, Zielen und Projekten beschäftigt. Ich habe wohl unbewusst versucht die o.g. Bedürfnisse darüber zu erfüllen. Was natürlich nur ansatz- und phasenweise gelang. Erst jetzt, nachdem dieses Aktionsfeld nicht mehr zur Verfügung steht, beginne ich langsam Klarheit darüber zu gewinnen, wie wenig zielführend meine bisherigen Strategien waren.

    Das mir das Alles vergleichsweise spät bewusst wird, dass hat sicher auch damit zu tun, dass ich in den vergangenen 15 Jahren keinen Austausch mit anderen Alkoholikern gesucht habe. Seitdem ich hier im Forum schreibe und lese klären sich so nach und nach viele Verhaltensweisen in der Vergangenheit.

    Hinzu kommt, dass ich mich seit kurzem auch wieder verstärkt mit dem Begriff „Demut“ beschäftige. Auch und gerade im Zusammenhang mit der Erfüllung von Bedürfnissen.

    Einerseits ist es für mich wichtig, dass ich gut auf mich achte und gut für mich sorge (da ist sicher noch eine ganze Menge zu tun). Andererseits ist es für mich genauso wichtig, dass ich mich nicht für den Mittelpunkt der Welt halte, obwohl ich natürlich einzigartig und etwas besonderes bin. Aber alle anderen Menschen um mich herum sind das auch.

    Eine demutsvolle Haltung hat für mich etwas mit Spiritualität zu tun. Letztlich mit der Anerkennung einer höheren Macht als mich selbst, wie immer man auch diese Macht benennt. Und ich stelle mir diese Macht als etwas umfassend Gütiges vor, die mich in all meiner Begrenztheit annimmt und wertschätzt.

    Da ich mich diesem spirituellem Gedanken erst seit kurzem wieder annähere, kann ich es noch nicht so richtig stimmig beschreiben. Für mich ist es ein Prozess, dem ich mich erst wieder neu annähere.

    Auf welche Weise sich dieser Prozess weiterentwickelt kann ich heute noch nicht sagen. Ich spüre aber, dass es der für mich richtige Prozess ist um wieder mehr mit mir in Verbindung zu kommen. Mich mehr zu mögen, zu lieben, wert zu schätzen, als ich es in der Vergangenheit getan habe.

    Liebe Grüße
    Manfred

    PS:
    Jede/r darf hier alles schreiben, was ihn bewegt. Dazu noch folgender Schlaumeier-Spruch :wink: :

    Das Griechische di-a-logoi wird mit „Welt-Ursprung“ übersetzt. Durch Dialog entsteht die Welt. Gefällt mir gut. :D

    Hallo Hans,

    habe ich Dich richtig verstanden: Du bist zufriedener und trockener Alkoholiker gewoden, weil Du gegen Deine Bedürfnisse gehandelt hast?

    Gegen welche Bedürfnisse hast Du denn gehandelt?

    Viele Grüße
    Manfred

    Hi Martha,

    vielen Dank für Deine Ergänzungen. :D

    Hi Kijara,

    Zitat

    Hmmm....und das ist, so denke ich der sehr,sehr schmale Grat damit eben kein therapeutischer Tutsch entsteht in der Kommunikation unter Gleichgesinnten in einem Alkoholiker Forum. Ich würde da irgendwann "dicht" machen. Spätestens wenn ich das Gefühl bekäme analysiert zu werden oder das meine Gedanken/Gefühle nicht respektiert werden würden.

    Das sehe ich genauso.

    Nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht habe, glaube ich, dass die „Aussen-Kommunikation“ (wie Martha es beschrieben hat) hier in einem Internetforum nur schwer umsetzbar ist.

    Ich orientiere mich daher auch eher nach Innen (meine Gefühle und Bedürfnisse) und schreibe darüber wie ich im Alltag damit umgehe, so gut es eben geht und so viel ich eben möchte.

    Und ich freue mich darüber, wenn andere ihre Strategien und Wege beschreiben, wie sie ihre Bedürfnisse erfüllen.

    Jetzt habe ich das Bedürfnis etwas zu essen und gehe in die Küche und schmiere mir ein Brot. :wink: Selbst dieses eher schlichte Bedürfnis und die leichte Strategie um es zu erfüllen verdränge ich manchmal.

    Um mich zu mögen und gut für mich zu sorgen besinne ich mich manchmal auf diese ganz einfachen Bedürfnisse.

    Ich wünsche allen einen „satten“ Feiertag!

    Viele Grüße
    Manfred

    Hi Matthias,
    ich freue mich, dass Dir die GFK offenbar gut gefällt und dass Du Dich so intensiv damit beschäftigst. :D

    Deine „Textanalyse“ von Kijara geht schon in die richtige Richtung, aber in der GFK (so wie ich sie verstanden hab) würde man die einzelnen Aussagen nochmal differenzierter betrachten und weiter nachfragen.

    Wenn Du noch tiefer in das Thema eintauchen möchtest, dann lass Dir doch mal das Buch dazu schenken. :wink:

    -----------------
    Im übrigen bin ich hier ja nicht der GFK-Papst, der die GFK als neue Religion ausrufen möchte ;)

    Sie ist ein Angebot (unter vielen), dass man bei seiner Trocken- und Lebensarbeit nutzen kann. Ob, wann und wo entscheidet jeder selbst.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Zitat

    och kenn einige leute die ihre "trockenheit" auf ihren christlichen glaube stützen + damit sehr stabil sind
    HansHa hat Folgendes geschrieben:
    Manfred hat Folgendes geschrieben:
    Im Kern geht es bei der GFK darum, wie man sein Leben, seine Beziehungen in Übereinstimmung mit seinen Werten, seinen Gefühlen und Bedürfnissen gestalten kann.

    Und das trifft dann auch auf trockene Süchtige zu, die damit zu tun haben das normale Leben, Fühlen und Denken zu lernen? Ist das nicht wieder mal zu viel ?
    ich denke das das allgemeingültig is - für mich darfs des "Guten" immer noch mehr geben

    Hallo Hans, hallo alle Anderen,

    ich habe nochmal darüber nachgedacht, worin möglicherweise die Skepsis gegenüber der GFK besteht.

    Ich vermute das hängt mit der bisweilen formelhaft wirkenden Sprache zusammen. Die Formulierungen wirken am Anfang etwas konstruiert und bekommen dadurch eine gewisse Künstlichkeit.

    Ich empfinde das auch so, weil eben so im Alltag nicht gesprochen wird. Es ist eben ungewohnt, wenn jemand nach diesem Muster spricht:

    Ich beobachte, lese, höre, etc. dieses oder jenes und ich fühle dieses oder jenes dabei, weil ich ein Bedürfnis nach x oder y habe und ich bitte Dich um X oder y.

    Das sind die vier Komponenten der GFK: Beobachtung, Gefühle, Bedürfnisse, Bitten.

    Hinzu kommt, dass man immer in der Ich-Form bleibt. Also von sich schreibt oder spricht. Wenn man konsequent in dieser Haltung bleibt, ist man also im Idealfall immer im guten Kontakt mit sich selbst.

    Es geht also bei der GFK – wie bei vielen anderen Angeboten zur Selbstwahrnehmung auch – darum mit sich selbst gut in Kontakt zu kommen.

    Ich finde, dass es gerade für „trockene Süchtige“ (klingt irgendwie paradox, oder?) hilfreich ist, wenn sie gut mit sich in Kontakt kommen, wenn sie herausfinden was Ihnen gut tut.

    Mir fällt das jeden Tag aufs Neue schwer. Und deshalb nutze ich die GFK als eine Art Orientierungsrahmen. Sowie ich auch andere Grundbausteine, Schritte o.ä. versuche in mein Leben zu integrieren.

    Ich orientiere mich also im Wesentlichen an der Grundidee der GFK. Wobei ich nicht immer konsequent in der o.g. formalen Grundstruktur spreche oder schreibe. Die passt für mich im Alltag nicht immer.

    Insbesondere in Konfliktsituationen finde ich die Grundstruktur aber sehr hilfreich. Um dann in einen Klärungsprozess zu kommen ist es m.E. natürlich schon wichtig, dass mein Gegenüber überhaupt an einer Klärung interessiert ist und auch bereit ist von sich und seinen Gefühlen zu sprechen. Auch das ist ja im Alltag nicht immer gegeben. Aber ich kann mir ja mindestens über meine Gefühle und Bedürfnisse klar werden und sie aussprechen.

    Und das ist dann schon eine ganze Menge. :D

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo zusammen,
    ich denke die unterschiedlichen Positionen sind deutlich geworden.

    Für mich ist "sich selbst lieben" ein zentrales, ganzheitliches Thema und ich finde, dass es hier gut aufgehoben ist.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Linde, Hallo HansHa,

    also ich kann nicht erkennen, dass es sich bei der gewaltfreien Kommunikation (GFK) um eine Geheimsprache oder etwas Sektenhaftes handeln könnte.

    Jeder kann und darf sich im Internet informieren worum es bei der GFK geht. Jeder kann und darf für sich frei entscheiden ob und was er möglicherweise aus der GFK für sich heraus liest.

    Für den einen ist das etwas für den anderen nicht.

    Da für mich die GFK eine hilfreiche Orientierung ist, habe ich sie hier häufiger angesprochen, weil ich davon ausgehe, dass auch andere davon profitieren könnten.

    Im Kern geht es bei der GFK darum, wie man sein Leben, seine Beziehungen in Übereinstimmung mit seinen Werten, seinen Gefühlen und Bedürfnissen gestalten kann.

    Also wer Lust hat sich ein wenig näher mit der GFK zu beschäftigen kann das tun. Wer keine Lust hat, der lässt es einfach.

    Liebe Grüße (hat nichts mit der GFK zu tun)
    Manfred

    Liebe Martha,

    Zitat

    Ich musste ja etwas schmunzeln, dass ausgerechnet Dir der Computer versagt hat. War es der Wink von oben, etwas mehr ins Aussen zu gehen ?

    Ja, das ist gut möglich. Habe ich auch sofort dran gedacht. :wink:

    Zitat

    Hier im Forum erfülle ich mir ein anders Bedürfnis.

    Das finde ich spannend. Welches denn?

    Zitat

    Und wenn Du Dir in diesem Forum erhoffst, Empathie zu bekommen, wirst Du glaube ich eher entäuscht werden.

    Ja, das kann sein. Ich werde meine Erwartungshaltung nochmal überprüfen.

    Auch Dir einen schönen Tag!

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo zusammen,

    nachdem ich nun einige Tage Forumpause hatte versuche ich mal den Faden wieder aufzunehmen.

    @ Kaleu
    Vielen Dank für den Netbook-Tipp. :D

    Ich habe eine ganz gute PC-Lösung gefunden, die meinen Bedürfnissen entspricht. Ich muss mich mit den neuen Sachen noch ein wenig anfreunden, aber das ruckelt sich schon zurecht. Fast wie im richtigen Leben :wink:

    In den letzten Tagen wurden im Forum ja ganz spannende Beiträge geschrieben, die sich für mich auch hier gut einbinden lassen.

    Martha hat in einem Beitrag sinngemäß geschrieben, dass wir alle letztlich in unseren Gefühlen und Bedürfnissen wahrgenommen und verstanden werden wollen. Dass in dieser Wahrnehmung und Annahme auch der Heilungsprozess möglich ist.

    Ich sehe das ganz ähnlich:

    Wenn ich hier von meinen Gefühlen und Bedürfnissen schreibe, dann sind das für mich gewissermaßen „Kostbarkeiten“, die ich von mir offenbare. Und da wünsche ich mir, dass diese einfühlsam wertgeschätzt werden.

    Das ist sicher ein hoher Anspruch, der sicher nicht immer zu erfüllen ist, auch von mir selbstverständlich nicht. Insbesondere in einem Forum, in dem einem ja nur das schriftliche Wort zur Verfügung steht. In einem persönlichen Gespräch wäre sicher vieles leichter.

    Außerdem setzt ein einfühlsames Zuhören auch voraus, dass man mit sich selbst einigermaßen im Klaren ist. Und da ja die Meisten hier sich eher in einer schwierigen Lebenssituation befinden, ist das schlicht in vielen Fällen einfach nicht leistbar.

    Ich werde in Zukunft weiter darauf achten, dass ich zuallererst bei mir bleibe und von mir schreibe. Bei den Themen, die mir besonders nahegehen werde ich zukünftig darauf achten, ob ich sie hier anspreche oder eher im geschützten Rahmen der Therapie.

    @ Matthias
    Aufgeben kommt überhaupt nicht in Frage!!!

    Ich habe schon manchen „Dschungel“ durchquert. Und wer weiß, vielleicht lerne ich ihn auch irgendwann lieben :wink:

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo zusammen,

    ich sitze gerade in einem Internet-Café und schreibe diese Zeilen.

    Mein Rechner hat gestern den Geist aufgegeben.

    Ich bin jetzt auf der Suche nach einer kostengünstigen Lösung. Das kann ein paar Tage dauern.

    Dann schreibe ich wieder etwas ausführlicher.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Lieber Kaleu,
    für mich sind alle Fragen um das Thema (Ur)-Vertrauen sehr elementar.

    Dass für Dich die Kommunikation mit mir schwierig ist, das hängt möglicherweise damit zusammen, dass Du mich oder das Thema „greifen“ möchtest. Ich glaube nicht, dass man Menschen oder Themen immer „greifen“ kann.

    Insbesondere bei diesem Thema bin ich sicher mal übervorsichtig, mal hochsensibel und auch mal trotzig.

    Mir wird nach und nach klar, dass mir eine vertiefende Betrachtung auf diesem (schreibenden) Weg nicht gut tut.

    Deshalb werde ich das Thema zukünftig in einem geschützten Rahmen besprechen, in einem persönlichen, therapeutischen Gespräch.

    Deine Anregungen werde ich dort mit hinnehmen.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Lieber Kaleu,

    danke für Deine ausführliche Antwort. Bisweilen klingt da für mich wieder dieser „Dozentensound“ durch, aber in einem offenen Internetforum kann ich ja nicht erwarten, dass sich alle immer auf meinen Sound einstimmen ;)

    Zu dem ganzen Thema „Vertrauen“ möchte ich an dieser Stelle nicht mehr viel sagen. Nur soviel:
    Da ja niemand „in meinen Schuhen gehen kann“, ist es sicher auch schwer nachzuempfinden was ich empfinde.
    Ich werde das Thema zukünftig in einem geschützten therapeutischen Rahmen besprechen.

    Zum „Dschungelbild“:
    Das ist ganz stimmig beschrieben. Wie ich jetzt damit umgehe? Siehe oben.

    Zu den Grundüberzeugungen:
    Diesen Wechsel von „Ich muss“ zum „Ich darf“ haben wir ja schon einmal mit Martha besprochen. Das ist sicher ein Schlüssel zum zufriedeneren Leben.

    Lieber Matthias,

    Zitat

    bin jetzt bissl verwirrt - was der kaleu zu deinem garten geschrieben hat könnte stimmen? - das gefällt mir nich

    Ich habe nicht ganz verstanden, was Dir nicht gefällt. Kannst Du mir das bitte noch mal kurz erklären?

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Zeter, hallo Kaleu,

    vielen Dank für Euer Feedback.

    Zitat

    Ich schäme mich nicht mehr für meine Gefühle, (meine Bedürfnisse). Wage sie in Worte zu fassen. Denn habe so oft festgestellt, dass was ich fühle, richtig ist. Richtig für mich. Also hör in Dich hinein. Fühlst du Dich unwohl, ist irgend etwas nicht gut für Dich. Ganz persönlich für Dich.

    Versuche es in Ruhe auszusprechen. Gelingt mir nicht immer.

    Ja, das ist sicher ein sinnvoller Ansatz.

    Bei mir hat das dazu geführt, dass ich mich mehr und mehr abgegrenzt habe, weil mir mein Gefühl häufig gesagt hat, diese oder jene Situation tut mir nicht gut.

    Gerne würde ich in Zukunft mal wieder in Situationen kommen, in denen es mir gut geht. In denen ich mich wohl fühle und in denen ich mich mehr öffnen mag, weil ich darauf vertrauen kann, dass ich dadurch keine Nachteile erfahre.

    Zitat

    Worin könntest Du vertrauen. Ich meine heute. Oder Morgen? In ein Gefühl? Eine Situation? Einen Menschen?

    Ja Kaleu, das sind gute anregende Fragen, die Du da stellst.

    Tja, so ganz und voll vertraue ich im Moment wohl weder einem Gefühl, einer Situation oder einem Menschen. Es bleibt immer ein gewisser Rest von Skepsis.

    Ich würde heute weder einer Situation noch einem Menschen bedingungslos vertrauen. Vertrauen in Situationen oder Menschen entwickelt sich ja auch in einem Prozess, der regelmäßig von den Beteiligten gestaltet wird. In die eine oder andere Richtung.

    Zitat

    Wie würde es sich anfühlen sich auf dieses Vertrauen einmal einzulassen, diesen Wunsch nach Vertrauen zuzulassen?

    Ich verstehe die Frage so, dass Du mit Vertrauen bedingungsloses Vertrauen meinst, also ohne Skepsis.

    Für mich würde es bedeuten, dass ich mein Abwehr- und Alarmsystem einmal vollkommen abschalten müsste bzw. könnte.

    Das löst bei mir ambivalente Gefühle aus.

    Einerseits wäre ich sehr froh, wenn ich einmal die Anspannung los wäre, die ich benötige um das Alarmsystem in Betrieb zu halten.

    Andererseits löst das mir auch (bisweilen existentielle) Ängste aus, wenn ich verteidigungsunfähig bin.

    Ich befürchte dann, dass andere Menschen Kontrolle über mich und mein Leben haben, die möglicherweise damit nichts Gutes im Sinn haben.

    Das gilt auch für positive Gefühle, die ich nicht unbedingt jedem mitteile, da ich befürchte, dass man mir diese wieder wegnimmt oder sie in negative Gefühle verwandeln möchte.

    Trotz alledem ist da nach wie vor die große Sehnsucht, dass ich (alle) meine Gefühle mit Jemandem teilen kann. Und ich möchte dabei nicht, dass die Gefühle „weggeredet“ oder „wegtherapiert“ werden.

    Ob, wann und wo es mir gelingt meine Gefühle offener zu zeigen und zu leben, dass wird die Zukunft zeigen.

    Zur Zeit vermisse ich auch eine stabile innere und äußere Struktur. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Leben sich in einem Auflösungsprozess befindet. Nichts hat auf Dauer bestand. Es gibt wenig feste Konstanten.

    Mein Leben ist im Moment eine einzige Baustelle. Oder wenn ich das Bild eines „Gartens“ verwende ein einziger Dschungel.

    Ob, wie und wann es mir gelingt neue, klare und gesunde Strukturen für mich zu finden, dass kann ich im Moment nicht sagen.

    Ich denke auch darüber nach, noch mal eine stationäre Therapie zu machen. Um mir dort das notwendige Fundament für mein weiteres Leben zu erarbeiten. Ein Leben ohne Beruf und mit wenig Einkommen.

    Vielleicht klärt sich aber einiges auch schon in meiner ambulanten Therapie, die ja Mitte Mai richtig beginnt.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Annastasia,

    Zitat

    Und dann gibt es noch die "kontrollierten Trinker", oder soll ich fast sagen Genußtrinker. Sie haben nach früheren heftigen Alkoholkonsum die Kurve gekriegt. Sie haben sich irgendwann mal Gedanken über ihr Trinkverhalten gemacht und haben die Kurve noch bekommen.

    Deswegen denke ich, man kann nicht alles verallgemeinern, es gibt schon individuelle Unterschiede. Irgendwie muß doch jeder Mensch, seinen eigenen persönlichen Weg finden.

    Wir können nicht wissen, was andere Menschen denken und empfinden, wenn sie Alkohol trinken. Wir können nur darüber berichten wie es bei uns war.

    Bei mir war es so:

    Ich wusste schon sehr früh (Anfang 20), dass etwas mit meinem Alkoholkonsum nicht stimmt. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich mal nur 1 Glas getrunken hätte. Es waren immer mehrere Gläser ...

    Ich habe dann 10 Jahre gebraucht um zu akzeptieren, dass ich Alkoholiker bin. In diesen 10 Jahren habe ich Alles versucht um meinen Alkoholkonsum zu reduzieren bzw. zu verändern:

    Keine „harten Sachen“ trinken, nur „edelste“ Marken trinken, nicht vor 18 h trinken, „abgezählte“ Mengen trinken, usw, usw.

    Ich habe diese Vorhaben immer nur kurze Zeit durchgehalten. Das Ergebnis nach 10 Jahren war: fast nur noch „harte Sachen“ getrunken, rund um die Uhr, Marken spielten überhaupt keine Rolle mehr.

    Nach all diesen Versuchen Alkohol „normal“ zu trinken stand und steht für mich bis heute fest: Ich kann Alkohol nicht kontrolliert zu mir nehmen. In keiner Form. Ich bin Alkoholiker.

    Warum sollte ich jemals wieder Kraft und Energie aufwenden um mir und Anderen zu „beweisen“, dass ich Alkohol kontrolliert trinken kann? Für mich ist das lebensgefährlich.

    Wie ist das bei Dir, Annastasia?

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo zusammen,

    ich möchte noch mal auf meinen letzten Beitrag in diesem Thread eingehen. Da ging es um den Begriff „Halbdistanz“.

    Ich hatte den Begriff ja in erster Linie in Bezug auf andere Menschen verwendet. Nach längerem Nachdenken darüber ist mir klar geworden, dass er auch in Bezug auf den Umgang mit mir selbst und meinen Gefühlen zutrifft.

    Wahrscheinlich ist es so, dass je mehr ich mich annehme und mag desto mehr mag ich auch andere Menschen.

    Wie gehe ich also mit mir um?
    In welcher Haltung begegne ich mir selbst?
    Welche Botschaften habe ich an mich selbst?
    Wann mag ich mich und wann nicht?
    Was mag an mir und was nicht?

    Rückblickend und zusammenfassend würde ich sagen, dass ich in der (trockenen) Vergangenheit überwiegend so mit mir umgegangen bin:

    Kritisch, analysierend, fordernd, im Bestreben einem idealisierten Selbstbild zu entsprechen.

    So etwas wie Zuwendung, Güte, Liebe kam da so gut wie nie vor.

    Da sind auch Botschaften (so wie ich sie wahrgenommen habe) aus der LZT (1989) mit eingeflossen: Kritische Analyse der Lebensgeschichte und mein Anspruch es Allen zu zeigen, dass ich in der Lage bin etwas zu leisten, dass ich eine hohe Frustrationstoleranz besitze, etc.

    Ich bin insgesamt sehr hart mit mir gewesen und habe mir nur wenig Schönes erlaubt. Es ist dieses tiefe Gefühl von „Ich muss es mir erst verdienen“.

    In den ersten 15 Jahren meines Lebens habe ich es meinen Eltern „nicht recht gemacht“. Dann 16 Jahre getrunken und es allen Anderen „nicht recht gemacht“.

    Da hatte ich häufig in den letzten 21 Jahren Trockenheit das Gefühl, dass ich etwas wieder gutmachen muss.

    Dass ich auch etwas in mir selbst „gut machen“ muss, ja „gut machen“ darf, dieses Gefühl, diese Botschaft sickert erst langsam durch. Insbesondere deshalb, weil ich nicht mehr durch berufliche Aktivitäten abgelenkt bin bzw. nicht mehr die tief liegenden Gefühle verdrängen und abwehren kann.

    Diese jahrelange Verdrängung und Abwehr hatte sicher auch eine Schutzfunktion. Ich hatte schlicht kein Vertrauen in die äußeren Rahmenbedingungen um meine innere Befindlichkeit leben zu können. Mein Leben war eher geprägt von den Gedanken:

    Wenn Ihr kein Interesse an mir habt, wenn meine Gefühle und Bedürfnisse Euch nicht interessieren, dann zeige ich Euch, dass ich auch ohne Euch klar komme.

    Die Krux daran war, dass ich lange nicht gemerkt habe, dass ich mich auch nicht wirklich um meine Gefühle und Bedürfnisse gekümmert habe. Außer dem Bedürfnis beruflich erfolgreich zu sein, zu zeigen dass ich in der Lage bin auch schwierigste berufliche Herausforderungen zu meistern, zu zeigen dass ich etwas leisten kann.

    Mit dieser beruflichen Leistungsorientierung ist es nun seit einiger Zeit vorbei. Und jetzt wird mir nach und nach klar, dass ich in allen anderen Lebensbereichen Vieles nachzuholen habe, soweit das überhaupt möglich ist.

    Insofern ist diese berufslose Zeit einerseits sehr schwer auszuhalten, andererseits auch eine Chance, die mir die Gelegenheit gibt, mir klarer darüber zu werden: Wie gern habe ich mich? Unabhängig von Firma, Familie, Freunden.

    Ich stehe also jetzt mit 52 Jahren vor der Aufgabe bei mir noch mal von vorn zu beginnen. Wie kann ich mein in der Summe destruktives Verhalten mir selbst gegenüber verändern? Wie kann ich die selbst zerstörerischen Beweggründe verändern? Wie komme ich zu mehr Annahme statt Ablehung? Zu mehr Öffnung statt Abgrenzung?

    Einen ersten Schritt habe ich mit der Einleitung meiner Traumatherapie gemacht. Welche weiteren Schritte noch folgen, dass kann ich im Moment nicht einschätzen.

    Ich glaube, dass es im Kern etwas mit Vertrauen zu tun hat. Vertrauen im Sinne von Urvertrauen.
    Urvertrauen, das ich nicht kenne.

    Wie entwickle ich Urvertrauen?

    Kennt sich jemand damit aus? Ist das möglich?

    Wenn ich bei einigen EKA´s lese, dann entdecke ich dort viele Parallelen in der Grunddisposition. Insbesondere in dem Beschreiben und den Auswirkungen von emotionaler Vernachlässigung und seelischem und körperlichem Missbrauch.

    Ich bin mir im Moment sehr unsicher an wen ich mich (außer meiner Therapeutin) mit den Fragen nach dem Urvertrauen zu einem weiteren Austausch wenden soll.

    Vielleicht hat jemand von Euch eine Idee?

    Ich wünsche allen Lesern noch einen schönen Restsonntag.


    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Annastasia,

    für mich liest sich das was Du schreibst alles sehr positiv und klar. :D

    Da ja Dein Beruf eine zentrale Rolle in Deinem Leben einnimmt, passt das Thema, wie ich finde, hier sehr gut. Es geht ja dort auch, wie auch sonst im Leben, häufig um „Grenzen setzen“. Also um die Frage: Was tut mir gut und wann wird es mir zuviel?

    Offensichtlich bist Du da auf einem guten Weg. Und wenn es in dem Unternehmen für Dich Handlungsalternativen gibt, so ist das doch klasse. :D
    Sich hierbei von einem Coach begleiten zu lassen, dass kann schon sehr hilfreich sein.

    Zitat

    Nun, ich hoffe meine Antworten verschrecken dich nicht.


    Nein, warum sollten sie?

    Folgender Satz von Dir ist mir besonders aufgefallen:

    Zitat

    Mit dem Gefühl dafür, gut zu mir zu sein, verlässt mich der Wunsch nach Alkohol.

    Das ist doch ein guter Leitgedanke für die Zukunft.

    Mir hat vor langer, langer Zeit mal jemand in einer SHG gesagt:

    Wer einmal angefangen hat darüber nachzudenken, ob er Alkohol kontrolliert trinken kann, der wird nie wieder Alkohol trinken können, wie vor diesem Gedanken. Das ist ein für allemal vorbei.

    Deshalb finde ich es auch sinnvoller und konstruktiver sich damit zu beschäftigen, welche Möglichkeiten habe ich um mir etwas Gutes zu tun. Und welche Möglichkeiten habe ich schwierige Lebenssituationen zu bewältigen.

    „Der flexible Mensch“ ist übrigens kein Ratgeberbuch. Es hilft aber ein wenig dabei seinen Horizont zu erweitern. Und das ist doch Dein Thema :wink:

    Ich wünsche Dir ein entspanntes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Frank,

    alles Gute für die Zahn-OP morgen. Daumen sind gedrückt.

    Hatte ich auch schon 2 x. Ich vertraue da immer ganz auf die Kompetenz der Ärzte. Was bleibt einem auch sonst übrig. Mithelfen kann man ja in so einer Situation nur bedingt :wink:

    Liebe Grüße und eine gute Nacht!
    Manfred

    Hallo Annastasia,

    Zitat

    In der letzten Zeit hat sich viel getan, ich hatte einige Gelegenheiten die GfK-Kommunikation zu testen und hatte viel Freunde und habe fast so etwas wie einen Durchbruch in meiner persönlichen Kommunikation erlebt.

    Es soll sicher heißen … hatte viel Freude … :wink:

    Wow, da ist das Buch aber auf einen sehr fruchtbaren Boden gefallen. Toll.

    Zitat

    Kann mir mal einer erklären warum der Stresspegel im Geschäftsleben stetig ansteigt?

    Also, dazu gibt es ja die unterschiedlichsten Perspektiven und Analysen und meterweise Literatur. Eine, wie ich finde, sehr aufschlussreiche, leicht zu lesende, soziologische Betrachtung hat Richard Sennett geschrieben: „Der flexible Mensch“.

    Zitat

    Ich habe das Gefühl, je mehr ich erledige umso mehr bekomme ich Neues dazu. ... ich bin echt ratlos

    Hier geht es ja um Deinen persönlichen Stresspegel und um Dein persönliches Wohlbefinden.

    Aus der Entfernung, ohne Kenntnis der Umstände vor Ort, ist es natürlich schwer eine Empfehlung zu geben. Deshalb hier einige fragende Anregungen:

    - Kannst Du die Situation in einem klärenden Gespräch mit Deiner/m Vorgesetzten verändern? (nach den Grundregeln der GFK?)
    - Gibt es die Möglichkeit Deinen Verantwortungs- und Aufgabenbereich im Unternehmen zu verändern?
    - Wie wichtig ist Dir Deine berufliche Karriere grundsätzlich?
    - Wärst Du auch zu Einkommenseinbußen bereit?
    - Käme auch ein Arbeitsplatzwechsel in Frage?

    Da es hier ja um einen Klärungsprozess mit möglicherweise weit reichenden Folgen geht, bietet sich eventuell auch ein Gespräch mit einem professionellen Coach an, mit dem Du die o.g. Fragen klärst, bevor Du mit Deiner/m Vorgesetzten sprichst. Manchmal ist es hilfreich, sich erst mit einer neutralen Person zu beraten.

    Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen und wünsche Dir viel Erfolg bei Deinen Klärungsprozessen.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Annastasia,

    ich freue mich, dass Dir die GFK so gut gefällt. :D
    Sie ist ja auch eine gute Möglichkeit, immer wieder mit sich selbst in Kontakt zu kommen.

    Was das Schreiben im offenen Forum betrifft:

    Ich schreibe so, dass wenn Personen, Institutionen, Betriebe, etc. darin vorkommen, dass ich denen das Geschriebene auch persönlich sagen würde.

    Im Übrigen schreibe ich in erster Linie von mir und für mich. Mir hilft das Schreiben beim Sortieren meiner Gedanken. Ich freue mich auch immer über ein konstruktives Feedback, über andere Sichtweisen, über Anregungen und Ideen.

    Ich sehe es so:
    Ich habe hier die Gelegenheit vor einer gewissen Anzahl von Zuhörern von meinem Leben zu sprechen.
    Viele hören einfach nur zu. Das ist vollkommen o.k. Vielleicht nimmt ja der Eine oder Andere etwas aus meiner Geschichte mit. Etwas das ihn inspiriert oder anregt oder gar in seinem Lebensprozess bewegt.

    Dann gibt es einige Zuhörer, die mich auf mein Geschriebenes ansprechen. Mit denen habe ich dann die Gelegenheit mich für einen bestimmten Zeitraum auszutauschen.

    Und so ist es bei jedem Beitrag, den ich schreibe: Viele hören zu, mit Einigen tausche ich mich aus.

    Umgekehrt als Zuhörender ist es genauso: Ich höre Vielen zu, mit Einigen tausche ich mich aus.

    Mehr ist m.E. in einem offenen Forum auch nicht leistbar.

    Ergänzende, vertiefende Angebote kann dann ja jeder noch in einer realen SHG und/oder Therapie wahrnehmen.

    Ich habe Dir bisher gerne zugehört und würde mich freuen bald wieder von Dir zu hören.

    Liebe Grüße
    Manfred