Liebe Martha
nein - ich schaffe es nicht alleine.
Ich schaffe es nicht, mich von ihm zu trennen/ trennen zu wollen. Ich will mit ihm zusammenbleiben. Nur er will nicht mehr.
Er hat mir gestern durch die Tür gesagt, ich bräuchte mir wegen Heiligabend keine Gedanken machen, er sei dann nicht da. Obwohl ich das aus dem ersten Impuls ja auch nicht wollte, hat mich das total fertig gemacht. Er meint es also ernst. Er gibt unserer Beziehung keine Chance mehr.
Dann bin ich um 23.00 Uhr weggefahren, um Zigarretten zu holen (meine Droge). Er fragte, ob ich noch mit den Hunden gehe. Ich wollte nicht sprechen, was geht ihn das noch an, wenn er nicht mehr mit mir zusammen sein will? Trotzreaktion? Nein, ich dachte nur, warum fragt er, es interessiert ihn doch eh nicht. Ich wollte es aber nicht sagen, weil es wieder ein "typisches Verhalten" von meiner Seite gewesen wäre. Es hätte ihn bestätigt, dass ich mich nicht verändert hatte. Er sieht nie, wenn ich leide, er hält mich nur für bockig. Er sieht nie, wenn ich heule, weil ich mich dann verstecke. Er schaut auch niemals nach, wenn ich eine lane Zeit im Bad oder Keller war, um mich auszuheulen. Dann sehe ich, wie er zum Fenster mir nachschaut. Das gibt mir doch wieder Hoffnung: Interessiert es ihn doch noch?
Ja- ich kann nicht anders. Ich schwanke zwischen Traurigkeit und manchmal auch Wut und Hass. Und all das mache ich mit mir alleine aus.
Gestern rief meine Schwester an. Er gab mir das Telefon mit dem Kommentar, dass ich es ihr erzählen kann. Ich sagte ihr, dass er Schluss gemacht hat und ihr Kommentar: "Da muss ich erst mal seine Seite hören." Was gibt es da zu hören? Es ist doch Fakt. Kann sie mir nicht einfach Trost geben. Da gibt es doch keine andere Seite oder unterschiedlichen Sichtweisen. Schluss ist Schluss! Ich habe doch nichts weiter gesagt, als das er unsere Beziehung beendet hat. Keinen Grund, keine Erzählungen, keine Interpretationen!
Ich möchte doch nur, dass ich auch mal etwas Verständnis bekomme. Immer stand er im Vordergrund, immer war ich der Buhmann- selbst bei meiner Schwester, mit der er sich oft unterhalten hatte und mir das erst später erzählte. Ich war die Nörglerin, diejenige, die Unfrieden ins Haus bringt. Erst vor einigen Wochen kam ich dazu, meiner Schwester zu erzählen, warum ich genörgelt habe, was hier eigendlich zu Hause immer los war.
Ich habe mich immer um alles gekümmert, währemd er besoffen vor dem Fernseher lag. Er lag z.B. draussen saufend im Liegestuhl und ich schleppte schwere Betonplatten im Garten. Er sah mir zu und meinte: Du suchst dir die Arbeit doch aus, also sieh mal zu. Oder ich kroch auf Knien im Vorgarten, der mit Unkraut übersät war. Ihn störte es nicht. Dann fing ich an, vorne zu pflastern, damit das ein Ende hat und ich krieg während seines Therapieurlaubs nur den Kommentar, ich würde ihn damit unter Druck setzen, weil die Nachbarn ja sehen würden, was ich mache und er da im schlechten Bild stehen würde.
Das ich dann auch mal wütend bin oder einen Spruch ablasse, finde ich normal. Er geht aber zu seiner, meiner Familie und Freunden und macht mich schlecht. Sagt, ich wäre nur am meckern, würde erwarten, dass er Arbeiten macht, die ich mir aussuche. Dann seine Aussage: Er macht das aber nicht und er steht auch erst mittags auf, damit ich ihm bloß keine Arbeit aufs Augen drücken kann.
Ich stehe wirklich vor allen blöd da, das hat er geschickt gemacht. Und ich stelle es nicht klar, weil ich denke, dass es eine Sache zwischen ihm und mir ist.
Vielleicht habe ich auch deshalb Angst, mir Hilfe von aussen zu suchen. Ich habe nun mal jahrelang die Erfahrung gemacht, dass ich die Schuldige sein soll. Jeder hat nach seinen Aussagen ihn ja bedauert, in welch schrecklicher Beziehung er ja lebt. So dass ich es schon selbst glaube. Mein Gemecker hat unsere Beziehung zerstört. Aber niemand will sehen, warum ich so gehandelt habe. Warum ich nörgelte, wenn er nur besoffen war und nichts- gar nichts getan hat und für nichts Interesse zeigte.
Später habe ich es dann hingenommen, habe ihn saufen lassen und dann die nüchternen Momente genutzt, um mit ihm zu sprechen. Ihn dann zu motivieren, zu loben, wenn er mal Interesse ansatzweise zeigte. Aber- huch- das war dann auch schon wieder Mist. Es kam dann sofort Gegenwehr, ich bräuchte mir nicht einbilden, dass es so bleibt.
Und jetzt, wo ich Hoffnung hatte, dass sich etwas ändert, darf ich nicht mehr daran teilhaben. Es hat sich etwas geändert, aber er will mich daraus ausschließen. Da habe ich den Eindruck, dass ihm in seiner Therapie mal wieder bestätigt wurde, dass es an mir / unserer Beziehung liegt und es besser wäre, diese zu beenden.
Soll ich da dann nicht wieder bestätigt werden, dass ich die Schuldige, die Böse bin? Ich habe hier einen Beitrag gelsen, in dem beschrieben steht, dass man in den Therapien nur auf die Sichtweisen des Alkoholikers eingeht, weil er sich vornehmlich mit seinen Problemen nun selbst auseinandersetzen soll. Oft ist das Ergebnis dann eine Trennung. Ja- toll.
Mein Partner hat schon vorher regelmäßig getrunken, er hatte aber noch keinen Kontrollverlust- das hat sich nach jedem Jahr mehr eingeschlichen.
Ich bin es langsam leid, immer als Schuldige dargestellt zu werden. Ich leide darunter und ich finde es ungerecht, jetzt keine Chance mehr zu bekommen. Wieviel Chancen habe ich ihm gegeben? Warum bin ich es nicht wert, eine von ihm zu bekommen? Und da soll ich mich nicht wertlos fühlen?
Ich habe nur meine Hundefreunde, die mir beistehen- und jetzt vielleicht auch Euch.
Es tur mir alles so weh, ich will das alles nicht. Ich kann nicht zu einem Arzt gehen- nicht zu meinem Hausarzt. Zu einer SHG?? Ich bin doch nicht mehr mit ihm zusammen?
Irgenwie habe ich das Gefühl, gar keinen Anspruch auf Hilfe zu haben
Ich kann auch nicht raus- ich habe fast nur Heulattacken und danach bin ich so fertig, sehe unmöglich aus mit meinen verqollenen Augen, dass ich mich nicht traue, in die Öffentlichkeit zu gehen.
Ich traue mich auch nicht, mich wirklich emotional aus meinem Umfeld anzuvertrauen. Meinen Hundefreunden habe ich es erzählt- wie eine Berichterstattung und Thema wieder weg- nur keine Emotionen aufkommen lassen- ablenken angesagt. Nach Hilfeangebot von ihrer Seite schnell wieder vom Thema weg. Beim Telefonat mit meiner Schwester kam der Kommentar mit der Nichtanwesenheit am Heiligabend. Ich fing an zu Weinen, als er wieder die Treppe runter gegangen ist. Meine Schwester bot mir in diesem Augenblick Hilfe an - aber war es wirklich ernst gemeint? Ich zweifelte daran und habe mich deshalb wieder gefangen und das Telefonat beendet.
Ich vertraue keinem Menschen aus meinem Umfeld (außer meinen Hundefreunden-- weil die nur meine Freunde sind und ihn nicht kennen) wirklich, weil ich meine, sie meinen es nicht ernst, ich bin doch die Schuldige.
Ich kann zu niemanden gehen, der uns beide kennt, weil er alle auf seine Seite gezogen hat. Er hat alle involviert und seine Sichtweise dargestellt und niemals hat mich jemand nach meiner Sicht gefragt. Ich habe mich auch niemals jemanden wirklich anvertraut, aber es wäre für ich nur eine Art Kampf gewesen: Wer zieht wen auf seine Seite! Das wollte ich nicht. Er selbst hat mir erzählt, was alle anderen über mich denken und es hat mich enttäuscht, dass sie sich eine Meinung von mir machen ohne meine Sichtweise zu kennen.
Und dann meine Schwester, die dann doch tatsächlich sagt, sie müsse erst mal seine Seite hören. Das erste Mal erzähle ich etwas und dann so was!
Ich fühle mich ganz schön alleine. Ich weiß, ich habe mich isoliert und anderen nicht mitgeteilt- aber sollte ich denn jedem mein Leid klagen- die Ohren volljammern, nur um den Kommentar, den ich ja eigendlich nicht wahrhaben will, zu hören: Trenne dich!
Es tut mir leid, dass ich euch etwas vorjammere, aber hier kann ich es. Hier kennt mich niemand und hier kann ich jederzeit aufhören, wenn ich es nicht mehr schaffe. Hier habe ich euch für mich. Hier habe ich das Gefühl, steht mal jemand auf meiner Seite. Ich bin traurig. Ich weiß nicht, ob ich es jemals schaffe, mir Hilfe zu holen.
Liebe Grüße
elke