Liebe Gotti,
ja, keine Ahnung, was noch alles passieren muss, damit ich diese dämliche Hoffnung endlich begrabe.
Im Moment lullt er mich total ein. Ich war, um ehrlich zu sein, zunächst mal gegen die Therapie (zumal so weit weg). Das bedeutet für mich wieder warten und entbehren. Das mache ich jetzt bereits seit einem Jahr.
Bisher wollte er an sein Alkohol-Problem nicht ran. Er hat also stationäre Therapie gemacht, um wieder zu sich selbst zu finden und Eigenverantwortung zu übernehmen und vor allem, um seine Kindheits-Traumata zu verarbeiten...nur hat er von diesen Traumata dort kaum etwas erzählt und munter weiter getrunken. Viel zu lange haben die in der Klinik nicht geschnallt, was er da macht. er war sogar stolz, wie toll er die an der Nase herum führt.
Mich hat er teilweise verleugnet, ich war wahlweise seine Ex oder gar nicht existent. Ich durfte ihn auch nicht besuchen dort. Denn schließlich ging es ja nicht um mich, sondern darum, Eigenverantwortung zu erlernen...bla...bla....bla.
Seit die in der Klinik sein wahres Problem erkannt haben, will er da nicht mehr hin.
Mittlerweile ist ihm aber die Krankenkasse aufs Dach gestiegen mit der Drohung, dass wenn er nicht zur Mitarbeit an seinem Problem bereit sei, er kein Krankengeld mehr erhalten würde.
Die Krankenkasse schlug den Aufenthalt in dieser Suchtklinik vor.
Ich war erst mal voller Zweifel: Wieder ein wenig Wellness und Heldentum für ihn, 3 Monate ohne Partner für mich. Ich war sicher, er würde in der neuen Klinik die gleiche Show abziehen. Wozu also?
Tja...aber nun...er sagt, er gehe wegen seiner Abhängigkeit dort hin, so ginge es ja nicht mehr weiter. Er müsse wieder auf die Füße kommen und sich dem Problem stellen. Nur an das Trauma dürften die nicht ran. Er hat Angst, dass er danach gefragt wird, warum er trinkt.
Er würde sich davon versprechen, gestärkt daraus hervorzugehen und wieder ein ganzer Mensch zu werden. Und: Er tue das auch für uns und wolle mich dieses Mal mit einbeziehen. Er würde mich über alles lieben und möchte eine gemeinsame Zukunft mit mir und meiner Tochter.
Ich bin hin- und hergerissen. Ob er das wirklich so meint?
Ich habe so überlegt, dass ich mich schließlich auch nach diesen 12 Wochen von ihm trennen kann, falls sich wieder nichts verändert hat. Und dass mir der Abstand sicher auch ganz gut tut.
Nur andererseits bin ich manchmal auch so verzweifelt und traurig und grüblerisch, dass ich am Liebsten alles sofort hinschmeißen würde.
Zweifel habe ich auch wieder seit der Aussage am Telefon, er trinke quasi für mich. Damit er gut drauf ist und seine anderen Probleme vergisst und für mich ein Partner sein kann.
Bähhhh...er meint das wirklich so....aber ich empfinde das einfach nur als fiese Manipulation. Er treibt mich in eine Sackgasse. Und dann stell dir vor, was die ihm wohl in der Klinik raten, wenn er das dort auch so darstellt.......die Frau tut Ihnen nicht gut, werden die sagen.
Ja, so geht es wahrscheinlich aus. Dann bin ichs wieder Schuld nur alleine dadurch, dass ich existiere. Und er wird sich dafür vielleicht auch noch trösten lassen, dass er nun das Opfer für seine psychische Gesundheit bringen muss, mich loszulassen. Der Arme...
und vielleicht wird er dann gar noch an mein Verständnis appellieren und mir sagen, wie weh ihm das alles tut, mir so weh tun zu müssen.
Ich habe Angst vor so einem Ausgang und dass ich mich dann noch viel schrecklicher fühle.
Andererseits: Vielleicht meint er ja dieses Mal wirklich Ernst? Wer weiß das schon...
Irgendwie kann ich da keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Und das Komische ist: Mein eigenes Leben verläuft ansonsten richtig geordnet und gut. Ich bin erfolgreich, habe keine Geldsorgen, meine Tochter ist ein wahrer Schatz, ich habe ein Pferd und auch andere Hobbies....alles paletti also.
Ich habe mittlerweile gemerkt, dass mein Leben auch ohne ihn weiter geht, vielleicht sogar besser.
Nur das Leben mit ihm gesatltet sich schwierig. Wenn da nicht diese verflixte Liebe wäre, dieses vertraute Gefühl, wenn ich ihn höre oder bei ihm bin, die Geborgenheit, die das bei mir auslöst. Und die Hoffnung...
Ich glaube, ich habe das Geühl dafür verloren, was ich wert bin. Alles, was passiert ist, hat mich emotional so beansprucht und meine Grenzen so überdehnt, dass ich mich das gar nicht mehr frage. Eigentlich kann ich mit dieser Frage noch nicht mal etwas anfangen.
Und dass sich dir die Nackenhaare sträuben, tut mir irgendwie gut. Es erstaunt mich aber auch. Ja, ist es wirklich so schlimm?
Nun, ich weiß nicht, was ich noch für mich tun soll, ich tue schließlich ganz viel. Nur diese Sehnsucht nach Familie, Zärtlichkeit, Geborgenheit, willkommen zu sein kann ich mir schlecht selber erfüllen.
Liebe Grüße
Zimt