Hallo Karamasow,
ich wünsche dir einen schönen abstinenten Sonntag. Was hast du heute schönes für dich vor?
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Bilanz zu ziehen über positive Veränderungen.
Das finde ich überhaupt nicht Kindergarten, sondern ein selbstwirksames Konzept. Wie gut, dass du so aufmerksam mit dir bist und siehst, wo die kleinen aber feinen Unterschiede zu früher sind und was sie mit dir machen.
Nur weiter so, du machst das gut!
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Das mit der Kapitulation verstehe ich noch nicht richtig. Meinst du Kapitulation im Sinne einer Selbstaufgabe oder Kapitulation im Sinne eines Nachgebens?
Weiß nicht.
Irgendwie weder noch. Oder von beidem ein bisschen.
Ich weigere mich, mich dem Alkohol zu "unterwerfen". Ich finde, die Kategorien des Kampfes sind hier fehl am Platz. Daher habe ich mich mit diesem Begriff auch so lange so schwer getan, er hat sofort Trotz hervorgerufen, und Trotz ist keine Hilfe auf dem trockenen Weg.
Ich will mich nicht selbst aufgeben, denn das habe ich mit dem Trinken jeden Tag ein Stück weiter betrieben.
Im Gegenteil, ich will mein Leber wieder zurückerobern. Ich will jeden Tag ein Stückchen mehr ich selber sein. Nicht mich aufgeben, sondern mich in allen Facetten wieder erleben. Mich wohl fühlen mit mir selber.
Dazu musste ich mir eingestehen, was der Alkohol für mich bedeutet hat. Welche Macht er in meinem Leben hatte. Wie die Suchtstrukturen bei mir gewirkt haben. Was sie alles zerstört haben.
Ich musste also eine Realität anerkennen, vor der ich jahrzehntelang auf der Flucht war. Das ging nicht von heute auf morgen.
Am persönlichen Tiefpunkt wusste ich nur, dass ich zukünftig ohne Alkohol leben will. Ob mir das gelingen würde, wie es überhaupt anzustellen sei, davon wusste ich nichts. Das kam später.
Die Kapitulation bedeutete für mich, die Vorurteile gegenüber den Heilsversprechungen des Alks aufzugeben und die Illusion zu durchschauen. Mir klarzuwerden, auf welchem Holzweg ich war.
Ich konnte meine nasse Vergangenheit akzeptieren und habe mich nicht länger geschämt. Erst war das nur ein zartes Pflänzchen, es ist aber stetig gewachsen.
Nachgeben? Nein. Nachgeben bedeutet ja Schwäche oder Weichwerden, im krassesten Fall sogar Rückfall. Weil ein anderer "stärker" war. Womit ich dann wieder nichts für einen Rückfall könnte, sondern die Sucht, der Alk wars - nicht ich.
So komme ich aber nicht weiter.
Das Gegenteil von Nachgeben war für mich aber nicht das Ankämpfen.
Das Gegenteil war für mich eine Veränderung meiner Kategorien und Haltungen.
Ich merkte, dass das Nicht-Trinken nicht mit dem Verlust verbunden war, den ich gedanklich vorweggenommen war. Sondern dass ich keinen Verzicht empfand, wenn ich mir meine neue Realität anguckte.
Nicht zu verzichten, sondern die Verantwortung für mein Wohlergehen, für meine Zufriedenheit, für mein Glück wieder in meine eigenen Hände zu nehmen, sie nicht an den Alk outzusourcen - das war´s für mich.
Seitdem fahre ich gut damit.
LG viola