Beiträge von pfundi

    Bin nun in der 5. Woche und es erschließt sich mir doch einiges. Mir ist z.B. klar geworden, dass ich 20 Jahre nur in Verbindung mit dem Suchtmittel in der Lage war, soziale Kontakte zu knüpfen. Schon als Kind und Jugendlicher hatte ich nie ein gutes Selbstwertgefühl. Als ich das Suchtmittel entdeckte lief alles anders. Ich konnte bereits in frühen Jahren gut trinken und hatte dementsprechende "Freunde". Aber auch einige in meinem heutigen Leben wichtige Personen, sind nur durch den Alkohol zustande gekommen. Es ist nunmal der leichtere Weg.
    Nun gehe ich den unbequemen Weg, stelle mich meinen Problemen und muss viel an mir arbeiten. Es ist aber möglich Schritt für Schritt ein Stück weiter zu kommen. Ich bin psychisch oft unausgeglichen, merke aber, dass es mir um Oktaven besser geht, wenn ich mich durch Sport richtig auspowere. Hier muss ich anknüpfen und aktiv bleiben, wenn ich wieder nach HN zurückkehre. Darüber hinaus wünsche ich mir mehr Kontakte in der Freizeit zu anderen abstinent lebenden Zeitgenossen im Raum HN, die es ernst meinen und nicht zwischen Tankstelle und Entgiftung zuhause sind.
    Einen schönen Wochenbeginn wünscht Euch Dirk.

    Ich nutze einfach mal diesen Thread um euch Grüße aus Friedrichsdorf zu übermitteln. Ich habe mich inzwischen in der Klinik gut eingelebt. Die Therapiestunden laufen ganz gut, wobei ich ja nach 3 Wochen noch ganz am Anfang stehe. Verstanden habe ich alles, aber ohne den berühmten "Klick" auf der emotionalen Ebene kann kein Mensch grundlegende Einstellungen ändern, die für eine abstinente Zukunft unerlässlich sind. Ich lebe inzwischen über ein Vierteljahr ohne Suchtmittel, mehr aber auch nicht.

    Ich habe zwischen Entgiftung und LZT alle Bekannten von meiner Krankheit unterrichtet. Mir ist es auch nicht leicht gefallen, aber diesen Schritt halte ich fast für den wichtigsten überhaupt. Dein Umfeld kann dich schützen und wird es auch tun, sofern es sich um wirkliche Freunde handelt. Ich fühle mich einfach besser, wenn alle wissen, dass ich nicht mehr trinken will und bin auf sehr viel Verständnis gestoßen.

    Wir beschäftigen uns hier in der LZT natürlich auch mit Entzugserscheinungen. In einem Vortrag erklärte ein Referent, dass sogar 50 Prozent aller Alkoholiker so etwas gar nicht kennen.
    Nun, aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich je nach psychischem Zustand und der aufgenommenen Alkoholmenge unterschiedlich starken Entzug hatte. Das ging von der üblichen inneren Unruhe bishin zu durchgeschwitzten Bettlaken verbunden mit totalem Zappelzustand. Maßgebend hierfür ist schließlich auch die weiche Masse unter der Kopfhaut, die man auch Gehirn nennt. Und das funtkioniert bekanntlich nicht immer linear. :wink:

    Bin am Donnerstag gut in der Salus-Klinik angekommen. Die Klinik befindet sich im Zentrum von Friedrichsdorf mit S-Bahn Anschluss nach Frankfurt. Es geht hier somit darum, die Verhaltenstechniken direkt in einer realen Umgebung praktizieren zu können und nicht in einer "Käseglocke". Ich denke, dass wird schon. :wink:

    War gestern nach meinem Entzug das erste Mal im Hallenbad. Gerade das, war eine besondere Herausforderung, da ich aufgrund meiner Panikstörung auch Probleme hatte mit großen Temperaturschwankungen. Es kam öfters zu einer Attacke, wenn ich vom Kalten ins Warme gekommen bin.
    Gestern hat alles funktioniert und das zeigt doch, dass ich auch psychisch auf dem Weg der Besserung bin.
    Hatte gegen später aber wieder Suchtdruck, als meine Begleitung in der Stadt dann "trinkende Freunde" getroffen hat. Ihm gings aber wohl ähnlich, wir haben uns auch schnell vom Acker gemacht. :wink:

    Huhu, :D

    an dieser Stelle möchte ich mitteilen, dass ich bereits nächste Woche Donnerstag meine LZT antreten kann.
    Ich bin schon mächtig aufgeregt, keine Ahnung was die da mit mir machen.

    Gesundheitlich gehts mir immer besser. Ich habe auf die Zeichen meines Körpers/Psyche gehört und will jetzt da raus. Der Ausstieg lohnt sich von Tag zu Tag mehr, auch wenn das Suchtteufelchen es manchmal lieber anders hätte. Ich akzeptiere das als Teil der Krankheit und das gibt der Sache eine ganz andere Betrachtung. Die Entscheidung ob ich Suchtmittel konsumiere, liegt schließlich bei mir.

    Danke für Eure Antworten. :D

    Zitat von Oliver

    Ich gehe fest davon aus das der psychische Aspekt der davon ausging, endlich etwas gegen die Sucht zu unternehmen, dabei ein große Rolle spielte.

    Ich denke das ist es. Ich habe ja sozusagen ein Doppelleben geführt und den Anspruch an mich selbst gehabt, auf der Arbeit immer supergut auszusehen. Habe natürlich immer deutlicher gespürt, dass ich den Druck mit der immer stärker werdenden Sucht nicht mehr aushalten konnte. Irgendwann ist Schicht im Schacht. :wink:

    ich eröffne mal einen Thread zum Thema Panikattacken. Kurz bevor ich mich zur Entgiftung entschlossen habe, bin ich ja infolge einer ersten (wahrscheinlich entzugsbedingten) Panikattacke auf der Arbeit zusammengebrochen. Ich hockte ja jeden morgen leicht entzügig im Büro, meine Hände immer klatschnass wie ein Schwamm - trinken ging nicht in diesen Räumlichkeiten, ich wäre sofort aufgefallen. Gegen Mittag wurde es meist etwas besser.
    Dann passierte es: Wie von einer Welle wurde ich in einen Sog gezogen, als ob mir jemand den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Herzrasen wie irre und Schweißausbrüche, Zittern, etc. ohne Ende. Bin direkt ins Krankenhaus gekommen und mit edit versorgt worden.
    Viele weitere Attacken folgten. In Kaufhäusern, an der Kasse und insbesondere am Ort des ersten Vorfalls, auch nach meiner Entgiftung. Es wird aber besser. Ich bekomme Medikamente und habe ein Selbsthilfebuch durchgeackert. Seit 3 Wochen keine größere Attacke mehr, meistens nur kleinere Schübe. Bin 2 1/2 Monate trocken. Hat jemand ähnliches erlebt ?


    edit keine medikamentennamen nennen danke hartmut

    Dein Freund ist Alkoholiker.

    Alkoholiker sind nicht immer nur die, die auf Parkbänken dahinvegetieren, sondern auch die besseren süchtigen Freunde, die noch in Arbeit und Brot stehen.

    Trinkpausen können vorkommen. Ich habe selbst oft nur 3 -4 Halbe in der Woche getrunken um mich darauf vorzubereiten, dass ich mich am WE wieder komplett abknallen kann. Die WEs waren bei mir ein Produkt des Zufalls. Hin und wieder hatte ich Glück und es lief mal etwas besser. Das habe aber nicht ich bestimmt.

    Zitat von Fliegender Stern

    und konnte schlecht einschlafen...

    Psychisch war er unausgeglichen, ruhelos,unzufrieden,dachte oft sehr negativ..

    Schlafstörungen, innere Unruhe, etc. sind aus meiner Sicht auch Entzugserscheinungen. War bei mir auch oft so. Oft kam es aber auch schlimmer, je nach Menge und Art des Alks. :wink:

    Zitat von kindi1

    zumal du ja vorher als Vieltrinkerin bekannt warst...

    als Vieltrinker... :wink:

    Essen gehen kann gefährlich sein, ich weiß es. Ich gönne mir das aber gerne mal, wenn ich gut drauf bin. Wenn ich daran denke, wie oft ich mir nur zwanghaft was reingewürgt habe...
    Wenn ich in meiner nassen Zeit mal nicht ganz so nass war, habe ich das auch gemacht und wieder mal geglaubt, dass doch alles gar nicht so schlimm sei. (Der Threadtitel hats in sich. ;))

    Hallo Tiffany, :D
    ich mache mir auch Gedanken, wie es mir gehen wird, wenn ich das erste Mal in Bedrängnis komme und Stellung beziehen muss. Mir fehlt da einfach noch der Mumm in den Knochen.

    Eine Situation: Mit meinen Eltern war ich letztens beim Griechen und bekam direkt nen Ouzo in die Hand gedrückt. Der Laden war voll und wir mussten auf unseren Tisch noch warten. Da mir meine Eltern Stabilität geben, habe ich das gut rumgebracht und mein Vater hat ihn dann getrunken.
    Was hätte ich getan, wenn ich mit Geschäftskollegen dagewesen wäre, die nicht alle Bescheid wissen sollen und mich als jemanden in Erinnerung haben, der nichts anbrennen lässt ?

    Ich bin jetzt im 3. Trockenheitsmonat und muss nach wie vor Zurückhaltung üben und war bisher nur mit Personen weg, die von meiner Krankheit wissen und es akzeptieren und entsprechende Rücksicht nehmen.

    Wenn ich nur ansatzweise den Titel dieses Threads wieder anfange zu glauben, ist der Rückfall bestimmt nich weit.

    Ich melde mich einfach mal wieder. :D Mir geht es gut. SHG am Dienstag war klasse. Ich habe dort mal ein Buch vorgestellt. "ALK - Fast ein medizinisches Sachbuch" von Simon Borowiak. Der Autor versteht es ganz hervorragend, das Thema mit Witz, Ironie und handfesten Tatsachen aufzubereiten und sehr treffend zu formulieren. Er beschreibt ferner den Aufenthalt in Entgiftungskliniken und das dort anzutreffende Klientel bishin zum Pflegepersonal, Ärzten und Psychologen. Ich konnte alles so nachempfinden.
    Heute war ich in der ambulanten Nachsorge und besuchte eine dortige Gruppe für Rückfallprävention. Wir hatten einen Neuling, der gerade seinen Lappen los war und sozusagen ein "Partylöwe" ist. Suchtgedächtnis scheint bereits vorhanden, nur weiß er es noch nicht. So ging es mir in etwa vor 13 Jahren. Schade, dass ihm noch jegliche Motivation fehlt und er denselben Weg gehen wird, wie ich und viele andere hier.

    Ich leider neben meiner Alkoholkrankheit auch unter einer psychosomatischen Störung (Panikattacken) und habe vom Rentenversicherungsträger die Salus-Klinik in Friedrichsdorf empfohlen bekommen, wo ich ab 05.04 meine LZT beginne.

    edit Karsten - bitte keine Links einbinden, danke - edit

    Der Direktor der Klinik hat übrigens die "Suchtfibel" geschrieben, die hier ja sicherlich bekannt sein wird.

    Das einzig wichtige für mich ist momentan die Suchtmittelfreie Zone zu Hause. In meiner Vitrine stehen noch ne Menge Weizenbiergläser. Aus denen kann ich auch Apfelschorle trinken. Der Entschluss keinen Alk zu trinken ist wichtig für mich. Unsere SHG trifft sich auch in einer Gaststätte und auch dort gibts Apfelschorle aus Biergläsern. Daran stört sich niemand und einige sind schon 15 Jahre trocken. Die innere Überzeugung ist meineserachtens die Grundlage um bestehen zu können.

    danke für Eure lieben Antworten. Psychisch gehts immer mal auf mal ab, aber mit steigender Aufwärtstendenz. Ich mache gerade "Hamburger Modell" und bin mit 6 Arbeitsstunden pro Tag in der Endphase und will ab 25.01. wieder Vollzeit arbeiten.

    Meine LZT beginnt voraussichtlich am 05.04. Ich gehe in die Salus-Klinik nach Friedrichsdorf im Taunus. Habe noch 3 Wochen Resturlaub vor der Therapie, den ich vorwiegend bei meinen Eltern verbringen möchte, die mich überall unterstützen, wo sie nur können. Leider liegen knappe 300 km zwischen uns.

    Ich habe zu spüren bekommen, wie nah Rückfall und Trockenheit doch zusammenliegen können. Habe am Sonntag nur Zigaretten an der "früheren Tankstelle meines Vertrauens" geholt und dort unterhielt sich der Verkäufer mit einem stark angetrunkenen Mann. Ich musste schnell da raus und mich erstmal erholen und künftig besser aufpassen. Ich kanns einfach nicht riechen...

    Ich trinke oft Tee und Sprudel zu Hause. Das hilft mir ganz gut. Heute abend fahre ich in meine SHG. Außerdem habe ich noch Fahrdienst übernommen, da wir auch Personen haben, die sich in Entgiftung / Therapie befinden.

    Einen schönen trockenen Tag.

    zunächst einmal möchte ich mich für die Bereitstellung dieser sehr informativen Plattform bedanken, die mich bei meinen ersten Schritten begleitet hat.
    Ich habe 20 Jahre lang sehr viel Alkohol getrunken und litt immer wieder unter starkem Kontrollverlust. Direkt zu Beginn meiner Alkoholkarriere gehörte ich leider zu den Menschen, die das Suchtmittel "lieben" gelernt haben. Ich hörte nicht mehr auf und begann auch frühzeitig, alleine zu trinken. Es gab Phasen, wo ich es besser im Griff hatte und solche, wo es wieder schlechter war. Mit knappen 3 Promille habe ich vor 13 Jahren meinen Führerschein verloren und kam durch engagierte Arbeit und gute Rhetorik nach 12 Monaten durch die MPU. Ich hatte aber mit meinem Problem nicht wirklich abgeschlossen, sondern mich nur angepasst verhalten und mich im selben Zuge beruflich verändert, was dem Ganzen sicherlich zu Gute kam.
    Es folgten Zeiten heftiger Abstürze und Zeiten in denen ich mich immer wieder fing. Vor rund 7 Jahren bemerkte ich erste körperliche Reaktionen nach total besoffenen Tagen, die mich veranlasst haben öfters auch tagsüber zu trinken. Ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam, dass ich plötzlich jeden Tag trank. Nicht immer viel, denn ich musste ja arbeiten. Die Phasen unkontrollierten Trinkens häuften sich aber immens, ich bekam dann immer stärkeren Entzug und saß nur noch wach im Wohnzimmer, trank nachts manchmal noch etwas und versuchte immer noch mit wahnsinniger psychischer Energie meine Körperreaktionen während der Arbeitszeit unauffällig erscheinen zu lassen und mich in der Woche wieder zu "normalisieren". Das funktionierte eine Weile und wenn ich allen erzählte, dass "es mir gut geht", glaubte ich das auch selbst recht bald.
    Bis Ende Oktober habe ich das so durchgehalten und bin dann infolge einer heftigen Panikattacke im Büro zusammengebrochen. Kurz darauf habe ich mich für eine Entgiftungsbehandlung entschlossen und warte nun auf meine LZT. Ich besuche nun regelmäßig eine SHG und freue mich darüber, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich hatte zuletzt noch kleinere Panikattacken und muss dafür Medikamente nehmen. Zwei trockene Monate liegen jetzt hinter mir und psychisch gehts endlich wieder (nach 2 Monaten!) aufwärts.
    Warum muss erst so ne Kacke passieren, bis man erwacht. Jahrelang habe ich mich schick in meiner Wohnung alleine zugeknallt, entsorgt und wieder eingekauft und auf den nächsten Totalausfall gewartet und gehofft, dass sich der Entzug in Grenzen hält, um auf der Arbeit wieder den "Perfekten" raushängen lassen zu können.
    Nun, die Sucht besiegt uns alle irgendwann und ich glaubte lange Zeit, sowas wie die besondere Ausnahme zu sein. Aber ich steckte bereits Jahre in tiefer Abhängigkeit und keiner hats gemerkt.
    Allen hier eine schöne trockene Woche.