Hallo Dagmar,
zu dem Zeitpunkt, als ich mich entschlossen hatte mein Leben zu ändern, plagten mich die Selbstzweifel. Ich habe mich gefragt, ob ich mit 52 Jahren und als Vater von drei Kindern überhaupt noch das (moralische) Recht habe, diese Familie zu zerstören und mein eigenes Leben zu leben. Ist das nicht nur Egoismus, Rücksichtslosigkeit gegenüber meinen Familienmitgliedern usw.?
Darf man in diesem Alter denn überhaupt noch an sich denken, oder hat man nicht eher die Pflicht, für die anderen da zu sein? Nicht für den alkoholkranken Partner, dem kann sowieso niemand helfen. Sondern für die Kinder, für die Verwandtschaft, für das soziale Umfeld?
Heute, acht Monate später, bin ich überzeugt davon, das Richtige zu tun resp. das Richtige getan zu haben. Auch wenn der Scheidungskrieg in vollem Gange ist und an den Nerven zerrt, es werden danach ruhigere Zeiten kommen. Und schönere. Und wenn es nur wenige Monate sein sollten - es lohnt sich, meine ich. Vielleicht sollte man als Co-Abhängiger sich ein Zitat (von Martin Luther?) abwandeln: "und wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich trotzdem heute noch mein Leben leben wollen..."- Oder so ähnlich.
Wie auch immer- ich kenne eine Frau, die hat die Liebe ihres Lebens kennengelernt, da war sie 72 Jahre alt. Worauf will man also in einer kaputten Beziehung oder Ehe mit einem alkoholkranken Partner warten? Auf bessere Zeiten? Die kommen erst nach der Trennung; die Trennung ist die Voraussetzung für die besseren Zeiten.
Meine persönliche Erfahrung.
idS Daniel