Hallo liebe community,
vielen Dank für eure Beiträge, es ist viel geschrieben worden, worüber ich oft nachdenke.
Das meine Mutter die alleinige Schuld an ihrer Sucht trägt scheint mir mittlerweile plausibel, aber ich brauch wohl einige Zeit um das richtig zu verarbeiten und zu verstehen ( vielleicht ein Leben lang ).
Naja aber wie gesagt eure Beiträge haben einiges bewirkt, trotzdem möchte ich meine Story weitererzählen, damit ich mir meinen Kummer von der Seele reden kann.
Wir zogen also damals in einen sozialen Brennpunkt in Aachen, ich war so um die 9 Jahre alt.
Die Wohnung war o.K. und auch die Umgebung schien nett zu sein, mit Spielplatz und Jugendtreff und so aber ich hatte schon damals kein Selbstvertrauen und so brauchte ich fast 2 Jahre um die ersten Kontakte zu knüpfen. In der Schule und in meiner Klasse war ich anerkannt und wurde auch gemocht, aber bis heute brauche ich unheimlich lange um mich Menschen gegenüber zu öffnen. Als die ersten Kontakte dann entstanden war von einem auf den anderen tag mein Vater weg, spurlos verschwunden. Keine Erklärung, nichts. Ich denke die beiden haben versucht ihre Beziehung zu retten aber der Alkohol hatte gesiegt.
Und jetzt kommt eine unheimlich wichtige Frage für mich, an der ich bis heute zerbreche:
Lässt ein Vater seine zwei Söhne alleine bei einer alkoholkranken Mutter zurück?
Ohne ein Wort, eine Telefonnummer, eine Adresse?
Ich kann damit wie gesagt bis heute nicht umgehen.
Irgendwann, durch puren Zufall, traff ich meinen Vater nach der Schule in der Stadt. Wir redeten kurz und er sagte er würde sich melden....das wars!
Es kam, wie kommen mußte, meine Mutter trank noch mehr und viel auf einmal einfach um. Der Rettungswagen kam und sie wurde ins Kranken haus gebracht. Ich denke das war so ein halbes Jahr nach der Trennung meines Vaters. Zum Glück hatte sie jemanden kennengelertn, Gott alleine weiß wo, und dieser Mann kümmerte sich um uns Kinder. Nicht immer sehr behutsam, aber er tat sein bestes. Ich danke ihm bis heute für all das was er für mich und meinen Bruder getan hat.
Naja, sie hat überlebt, kurz vor dem Nierenversagen, und dieser neue Lebenspartner erzählte mir eines Abends wie schlecht es um meine Mutter gestanden hat und das sie alkoholkrank sei.
Er hat ihr damals so richtig den Kopf gewaschen und sie versprach Besserung. Komischerweise blieb dieser Mann bei meiner Mutter und die zwei heirateten. Ich habe sehr viel von diesem Menschen gelernt und er war in schlimmen Stunden für unsere Familie da, mehr als mein Vater es jemals sein wird.
Man sah bei meiner Mutter wirklich Besserung und es schien als täte ihr dieser Mann sehr gut. Der Kontakt zu meinem Vater war sporadisch und er bezahlte auch nur das was er mußte. Irgendwann brach der Kontakt völlig ab.
So ging die Zeit ins Land und alles schien in Ordnung zu Hause, was mein Umfeld betrifft so muß ich leider sagen, das ich mit Leuten in Verbindung kam, die schlecht für mich waren. Gras war an der Tagesordnung.
Ich hatte keine eigene Meinung und tat immer das was andere mir sagten. Nebenbei lief die Schule nur noch so. Da ich aber einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitze, konnte ich mich aus so manch krummen Dingen raushalten. Mit den fadenscheinlichsten Ausreden natürlich. Ich hatte einen Freund ( damals dachte ich es wäre einer ) der total von mir Besitz ergriffen hatte. ich weiß das klingt blöd, war aber so. Damals denke ich begann die Zeit wo es Anfing das ich dachte, ich sei nicht normal. Und das mit den wahnwitzigsten Vorstellungen. Beispiele hierfür will ich euch später aufführen. Von Selbstvertrauen will ich gar nicht reden.
Die Zeit verging und es folgten eineige traumatische Ereignisse. Von einem will ich jetzt berichten.
Wie gesagt ich war mit 14 der Meinung , miene Mutter hat die Alkoholsucht überstanden. Über Weihnachten und Neujahr fuhren wir immer nach Österreich in Urlaub, das war für uns Kinder totlangweilig. Ich hatte ein Doppelzimmer mit meinem Bruder zusammen und meine Mutter brachte die leeren Koffer in unseren Schrank. Jetzt kam es das ich einen nachmittag auf meinem Bett lag und versuchte zu schlafen. Ich drehte dem Schrank den Rücken zu. Aufeinmal kam meine Mutter herein und öffnete den Schrank. Ich stellte mich schlafend und hörte wie sie eine Flasch öffnete und daraus trank. Sie verschloss wieder alles und ging raus. Ich schaute nach und fand 5 Sektflaschen mit Drehverschluß.
Von da an wußte ich das das alles wohl doch noch nicht vorbei war.
Puh, für heute genug geschrieben. Ich hoffe auf eure Meinungen.
Bis dahin habt euch wohl.
LG Zampano