Hallo ihr lieben!
Nun möchte ich noch mal versuchen etwas mehr über mich zu schreiben. Wie ihr euch vorstellen könnt fällt mir das gar nicht so leicht. Am liebste rede ich nicht viel über mich, ganz besonders seit meiner Therapie in der mir gesagt wurde das wenn ich mich zu kleinmache ich Menschen anziehe die mich ausnutzen. Das stimmt ja auch soweit, aber dann muss ich ja wieder alles in mich rein fressen was auch wieder nicht gut ist. Die Therapie hat mir zwar sicher einiges gebracht, aber grad in solchen Sachen bin ich nur umso mehr verunsichert. Ich hoffe hier eine Plattform gefunden zu haben wo ich mich ein wenig mehr verstanden fühle und gleichgesinnte finde die mir bei meinen Problemen ein wenig helfen können.
Im Moment stelle ich mir ständig die Frage wie lange sie wohl schon diese Probleme hat. Es klingt sicher bei einigen wesentlich krasser, aber das was ich an Auswirkungen an mir sehe geht schon so lange zurück... Ich dachte immer es wäre erst seit sie aus dem Job, eine Kindereinrichtung die hauptsächlich sie ins Leben gerufen und aufgebaut hat, raus gemoppt wurde losgegangen. Das ist jedoch erst ca. 8 Jahre her.
Während meiner Therapie sind wir, glaube ich, gar nicht so auf das Alkoholproblem eingegangen. Ich habe sie immer eher als liebevolle, aber etwas überforderte Mutter gesehen. Sie hat selbst zugegeben das als meine 1. Schwester geboren wurde (ich war damals 7) sie meinte ich hätte sie als Mutter für die kleine frei gegeben. Doch welche 7jährige kann schon so eine Entscheidung treffen. Seit dem musste ich mehr oder weniger auf eigenen Beinen stehen.
Allgemein kann ich mich an nicht viel von meiner Kindheit erinnern. Ich kenne einige Geschichten aber eben von ihr, nicht das ich mich selbst daran erinnern könnte. Bei den ersten bruchstückhaften Erinnerungen die ich habe war ich sicher schon 5 oder 6 und das sind auch nur sehr kleine Teile. Ich hör immer von Leuten die sich so genau an ihre Kindheit erinnern, da frag ich mich manchmal warum ich mich nicht erinnern kann.
Jetzt will ich aber mal versuchen die Defizite die ich bei mir sehe zu beschreiben. Ich nehme mir dazu mal die Zusammenfassung von Roa aus dem Beitrag Merkmale für einen EKA. Der kleine Perfektionist will ja nichts vergessen...
Fühlen
Ein hohes Maß an Empathie? Ich weiß nicht ob man das so beschreiben kann. Wenn einer in einer Gruppe von den anderen ständig nieder gemacht wird zwingt es mich schon dazu auf dessen Seite zu stehen. Aber ich weiß nicht ob das so damit gemeint ist. In viele Menschen kann ich mich auch bei bestem Willen nicht hineinversetzen.
Selbstwert
Ja an Selbstbewusstsein fehlt es mir gewaltig, auch wenn das ein Punkt ist der seit meiner Therapie besser geworden ist. Meine Mutter hat mir oft gesagt das sie mich liebt, besonders wenn ich mal wieder ohne richtigen Grund am heulen war (besonders in der Pubertät), doch ich konnte es ihr nicht glauben. Auch wenn ich nicht mal sagen kann warum ich es ihr nicht glauben konnte. Vielleicht weil ich mich selbst schon als so absolut nicht liebenswert empfand.
Manchmal habe ich auch das Gefühl sie braucht es das ich wegen meiner Probleme ihr die Ohren voll heule. Irgendwie scheint ihr das gut zutun, sie fühlt sich dann wohl gebraucht. Sie hat ein stank ausgeprägtes Helfersyndrom, das sie besonders in ehrenamtlichen Tätigkeiten auslebt, für die sie dann aber immer wieder nur Ar...tritte erntet.
Heut erzähl ich ihr kaum noch wenn es mir schlecht geht und tu gegebenen Falls lieber so als ob es mir super ging. Wenn ich eine Schulter zum anlehnen brauch dann tu ich das lieber bei meinem besten Freund, obwohl der auch nicht der bester Zuhörer ist und erst wenn ich völlig am Boden bin und entweder total ruhig werde oder auf einmal das heulen anfange bereit ist das aufzunehmen was mich bedrückt.
Ich habe allgemein das Gefühl das alle ihre Probleme gern bei mir abladen (wie ich schon geschrieben habe), aber wenn ich was sagen will hört keiner zu und wenn ich 3 Mal angefangen habe zu reden und mir wird einfach reingeredet dann hab ich auch keinen Bock mehr.
Nähe
Ja das kenne ich auch so dass man fast süchtig danach ist, es dann aber nicht erträgt. Ich kann die Begrüßungsumarmungen unter Freunden oder der Familie bis heute nur halbwegs ertragen und bin froh wenn mein Gegenüber das nicht gar so ausdehnt. Es meldet sich bei mir schon der Fluchtreflex wenn jemand ein paar Sekunden zu lange meinen Unterarm festhält um mir zu zeigen wie kalt seine Hände sind. Kommt mir jemand unerwartet zu nahe ist es schon passieren das ich rückwärts über irgendetwas gestolpert und fast gefallen bin bevor ich überhaupt merkte was geht. Solche Situationen sind etwas peinlich, aber es hat zum Glück noch nie jemand nachgefragt. Ich könnt da ja auch keine richtige Erklärung dafür abgeben, geschweige denn das ich es bisher damit in Zusammenhang gebracht hätte.
Autoaggression
Dass das sich selbst Schmerzen zufügen etwas damit zutun hat das man sich selbst fühlen will habe ich bisher noch nicht so gesehen. Ich hatte lange das Problem dass ich es nicht geschafft habe um Hilfe zu bitten wenn ich ein Problem nicht selbst gelöst bekam, z.B. auf Arbeit im Lager etwas suchen, wo mir eigentlich gesagt wurde wo es liegen soll. Das schlug dann sehr schnell in Aggression und Selbsthass über. Ich habe dann oft auf Türrahmen oder meine Oberschenkel mit Fäusten eingeschlagen. Hauptsache ich konnte mir weh tun, nix ging kaputt und es konnte keiner was sehen.
Und das rauchen muss ich noch definitiv als Autoaggression aufzählen. Ich versuche es seit einigen Jahren wieder aufzuhören...
Angst
Angst vorm Tod kenne ich eigentlich nicht.
Aber das oft beschriebene Gefühl das wenn jemand stirbt das man nicht trauern kann das kenne ich gut. Nur um meine Tiere habe ich immer geweint, das waren ja auch immer meine engsten Freunde, auch wenn ich manchmal dachte "Wenn sie es sich aussuchen könnten wären sie sicher nicht bei mir!". Trotzdem habe ich mich aufopfernd um sie gekümmert. Sie waren auch immer meine Versicherung gegen Suizidgedanken. Ich habe mindestens 2 Abschiedsbriefe im Alter zw. 16 und 22 geschrieben, aber was sollte dann aus den 2 Hunden, 3 Katzen, 2 Hasen und 4 Mäusen werden? Die konnte ich halt nicht in dieser Familie lassen. Es hätte sich doch keiner so gekümmert. (Für manche klingt das lächerlich, aber so ist das bei mir und ob es mich noch ohne sie gäbe kann ich nicht sagen.)
Kontrolle
Das kenne ich auch. Am liebsten alles selber machen, die anderen machen es eh nicht richtig, nicht so schön und nicht so ordentlich. Auf Arbeit darf ich manchmal bissel Chef spielen, wie ich gern sage, hab also die Leitung eines Discountmarktes für eine Schicht. Es geht immer besser, aber es fällt mir schwer da Aufgaben an andere weiter zu geben.
Vorsicht
Besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das kenn ich auch. Freundschaften erledigen sich meist schon nach ein paar Wochen, weil ich Angst habe ausgenutzt zu werden, dass man mich nicht wirklich mag und weil ich Nähe und Forderungen nicht ertrage.
Was mir noch einfällt aber nirgends so recht reinzupassen scheint ist mein Problem mit Kritik. Kritisiert man mich balle ich das Gesicht zur Faust und wirke sehr abwesend, aber innerlich nehme ich es mir zu sehr zu Hezen und habe lange daran zu knaubeln.
Das soll´s erst mal gewesen sein. Meinen Respekt an jeden der den Roman bis zu Ende gelesen hat.
LG Maria