Beiträge von Kaleu

    Hallo Frank

    Zitat

    Ein schönes Leben führen, ohne vernebelt zu sein, mit der Einsicht wirklich nicht mehr trinken zu wollen, weil ich süchtig bin und meine Abhängigkeit nur zum Stillstand bringen kann Idee das wünsche ich mir!

    Das halte ich für einen guten Ansatz. Das Wofür - wofür tu ich das, das war bei mir elementar wichtig. Denn durch das Saufen wollte ich ja vor allem abhauen. Vor dem leben und vor allem vor mir selbst.

    Wenn ich heute ganz ehrlich bin, hab ich damals als ich aufgehört habe, genauso den ganzen Scheiss runter gelabert ich höre für mich auf. Aber ich hab's nur nachgeplappert weil alle das hören wollten und ich ja alles richtig machen wollte. Tatsache ist, ich hatte eigentlich null Plan was das eigentlich ist. Wer ist das? Dieses Ich? Warum soll ich für den irgendwas machen wenn ich doch am liebsten vor ihm abhaue?

    Ich hab damals aufgehört weil ich schlicht und einfach meine Familie nicht verlieren wollte. Dass ich damit tatsächlich schon was für mich tue, weil ich anfange meine Werte zu verändern, hab ich damals auch noch nicht begrabbelt. Das hat alles schon eine ganze Weile gebraucht und war weit mehr als nur Saufen aufhören.

    Warum sauf ich heute nicht? Weil ich mit Alkohol nicht glücklich sein kann. Und ich meine damit nicht mal die gesundheitlichen oder langfristigen Folgen. Sondern ich meine jeden einzelnen Moment. Um wirklich glücklich zu sein, brauche ich alle meine Sinne um mich ganz auf den Moment einlassen zu können. Mit Alkohol nehme ich mir genau das aber weg. Ich nehme mir mich selbst weg und das ist heute für mich etwas unvorstellbares mir sowas anzutun.

    Besoffenes Glück ist keines. Es ist nur ein Schatten von echtem Glück, echter Liebe, echtem Vertrauen, echter Dankbarkeit. Es ist erstunken und erlogen.

    Ein guter Vorsatz wird aber nicht reichen. Denn der hält nur eine Weile an, er verschwindet einfach im Alltag wieder. Bau Dir ein paar Sicherheiten ein. Ich hab damals als ich mein Problem erkannte radikal gehandelt. Binnen einer Woche hatte ich das Forum, eine reale SHG, die Suchtberatung und alle Freunde, Bekannte, Eltern, Familie, Kollegen usw. informiert. Ich bin unheimlich aggressiv da ran gegangen, denn es war mir bitter ernst. Ich wollte diesen Scheiss nicht mehr. Rückwirkend betrachtet wollte ich damals schon leben, wenn ich auch eigentlich keinen Plan hatte was das nun ist.

    Unternimm mehr als einen guten Vorsatz.

    Und vor allem - tu's nicht um zu kämpfen, sondern um den Kampf zu beenden und zu leben!

    Hey, und in Deinem Fall - um zu lieben.

    Gibt's was Lohnenderes?

    Viel Erfolg. Ich weiß, daß Du's kannst.

    Liebe Grüße

    Kaleu

    Hallo Frank,

    ich möchte mal ein bisschen näher ausführen, worauf ich hinaus will.

    Besteht die Möglichkeit - daß mal saufen dürfen endlich mal Urlaub vom dauernden Müssen müssen ist?

    Vieles von dem was ich in Deinem Thread gelesen habe klingt irgendwie nicht echt. Mehr so, als versuchst Du es Anderen recht zu machen. Weil Du eben das vielleicht einfach so musst.

    Ich möchte mir nicht rausnehmen, das zu beurteilen, es ist einfach ein Eindruck.

    Ich kann mich erinnern, als ich hier angefangen habe, daß ich den Austausch mit Dir damals immer Klasse fand. Schade, wirklich schade finde ich, daß ich heute hier reinkomme und sehe, daß Du immer noch zu kämpfen hast.

    Könnte es ein Ansatz sein, wenn Du einfach viel mehr darfst? Es erleben darfst, ein schönes Leben zu führen, ohne immer wieder vernebelt zu sein?

    Ich wünsche es Dir!

    Liebe Grüße

    Kaleu

    Hallo Frank,

    Zitat

    Richtig, waren zuviel müssen in meinem letzten Text.

    Findest Du? Mir ist eigentlich wurscht, wieviele Müssens in Deinen Texten sind - für Dich sollte es eher wichtig sein wieviele in Deinen Gedanken sind.

    Dein sofortiges Einlenken sieht stark danach aus, daß Du alles richtig machen musst.

    Mal drüber nachgedacht, ob das was mit dem Alkohol zu tun haben könnte?

    Gruß

    Kaleu

    Hallo Frank,

    hab mich so ein wenig durch Deinen Thread geblättert und war ein bisschen erstaunt.

    Nüchtern sein musst Du. Dir musst Du das versprechen. Ihr musst Du das versprechen. Nüchtern sein musst Du. Damit Du hart arbeiten kannst. Denn hart arbeiten musst Du. Urlaub musst Du auch mal haben.

    Was Du alles so musst.

    Bestimmt musst Du es unbedingt schaffen.

    Da fragte ich mich gerade, darfst Du auch mal was?

    Darfst Du eigentlich mal geniessen? Geniessen einen freien Kopf zu haben? Darfst Du mal in eine tolle Beziehung fallen und dort ohne vernebelt zu sein die Anwesenheit des Anderen erleben? Darfst Du mal mit klarem Kopf Deine Arbeit tun? Darfst Du es ohne Alkohol geniessen wie es sich anfühlt zu leben?

    Darfst Du mal was?

    Wie würde es sich anfühlen etwas zu dürfen?

    Vermutlich gibt es genauso viele Erklärungsversuche wie es Menschen gibt die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Mir sind schon die abstruseseten Erklärungsversuche untergekommen.

    Aber letzten Endes unterscheidet sich nur das Wie. Das Warum ist irgendwie tatsächlich genauso einfach und so billig wie es nunmal ist.

    Weil man's eben so gelernt hat.

    Liebe Mäuki,

    wo Liebe ist und wo nicht, das muss nun wirklich Jeder für sich selbst herausfinden. ich denke nicht, daß das überhaupt irgendwem Anders zusteht. Nichtmal beim eigenen partner kann man aufgrund seines Verhaltens auf das Vorhandensein oder eben nicht Vorhandensein von liebe schlussfolgern. Weder trennung noch zusammenbleiben sagen irgend etwas über Liebe aus.

    Dennoch wundert mich eine Sache. Wenn Du Deine Beziehung in solch schillernden Fraben ausmalst, was zieht Dich dann in dieses Forum?

    Bist Du hier um Deinen Partner zu heilen?

    cocomel , Du machst Dir das alles viel zu kompliziert. Das ist nichtmal halbwegs so kompliziert, das ist auch der Grund warum viele das nicht verstehen. Das ist im Grunde so einfach, daß schon lächerlich ist.

    Wieso soll denn ein Alkoholiker nicht lieben können? Klar kann er. Nur hat das Saufen halt einen viel höheren Stellenwert denn Saufen heißt überleben. Liebe ist ein Gefühl und Gefühle sind genau das was ich mir weggesoffen habe. Klar hab ich mal geliebt. Das hielt dann so 10 Minuten an unhd ob das dann Liebe war oder was Anderes konnt ich gar nicht auseinanderhalten, dann war's wieder weg. Weggesoffen oder vergessen.

    Ich war auch nie manipulativ, so komplizierte Sachen waren mir gar nicht möglich. Wenn ich Jemandem gesagt habe, ich hör auf zu saufen - dann weil ich das in dem Moment so meinte.

    10 Minuten später wars vergessen.

    Das ist alles. Das ist nicht kompliziert, es ist alles total billig.

    Du kannst nur nicht die Messlatte die Du hast anlegen. Die funktioniert nicht.

    Der Fehler den die Partner immer machen ist - sie wollen das große Geheimnis lüften. Da ist keins. Nur Leere und Vergessen und ein großer Matschklumpen aus vergessenen Gefühlen, Gedanken und was weiß ich noch.

    Mehr ist da nicht!

    Zitat

    was ich nie verstehen können werde ,außer ich gehe auch in diese seine Welt!!
    Und das werde ich niemals tun.

    Verstehen kann man das schon, aber dafür brauchts emotionalen Abstand dazu. Man muss sich dabei immer wieder vor Augen halten - dort funktioniert NICHTS! Mehr braucht man nicht wissen um das zu verstehen. Alles Andere ergibt sich daraus von allein.

    Natürlich auch die Konsequenz, eine Partnerschaft - geht nicht. Es funktioniert nicht. Es funktioniert einfach nicht. Die wird der Partner immer allein führen und sich deswegen auch einsam fühlen. Weil man sich dann nicht einsam fühlen will, versucht man zwangsweise den Anderen zu verändern und das ist der Einstieg in die Co-Abhängigkeit.

    Dafür muss man nichtmal selber 'ne Macke haben, kein Mensch will eine Partnerschaft in der man sich einsam fühlt, aber mit einem Suchti funktioniert nunmal keine Partnerschaft und die Folge ist immer, daß man sich als Partner einsam fühlt. Und das zieht Handlungsdruck nach sich.

    Lenkt man diesen Handlungsdruck in Richtung Partnerschaft heisst das auch - ich gehe rüber in diese Welt. Und da dort nichts funktioniert ist klar was passieren muss. Der Partner, selbst wenn der gesund war, muss sich zwangsläufig verändern und 'ne Macke kriegen. Einsam bleibt er trotzdem. Der Suchti ist genauso einsam. Nur der merkts nicht. Der merkt eigentlich gar nix mehr.

    Das einzige was funktionieren kann ist - ich bleibe dort, wo was funktionieren kann.

    Punkt! Aus. Kein Wenn, kein Aber.

    Man kann dann, wenn man will, sogar die Partnerschaft behalten. Aber immer zu dem Preis der Einsamkeit und das man sie im Grunde allein führt. Wenn man das dann merkt, geht man sowieso.

    Die Partnerschaft mit einem Suchti lässt sich nicht in der Partnerschaft reparieren. Es geht nicht.

    Zitat

    Kaleu : es ist zwar ein ernstes Thema, wie du es beschrieben hast,da musste ich auch schmunzeln;-)

    So soll es auch sein. Jedes Wort war völlig ehrlich. Damals hätte ich es allerdings nie so formulieren oder wiedergeben können, denn Niemand durfte das wissen - mit Niemand meine ich wörtlich Niemand - mich eingeschlossen. Erst im Nachhinein - und da braucht es schon eine lange Zeit der Trockenheit und auch Weiterentwicklung, kann ich das so ehrlich und offen überhaupt erst ausformulieren.

    Und ehrlich gesagt, muss ich darüber heute selber schmunzeln. Ab einem gewissen Abstand ist das meiner Meinung nach auch der beste Umgang damit.

    Da das Thema Lügen immer wieder aufkommt, was ich dazu geschrieben habe ist wörtlich zu nehmen. Ich hab nicht gelogen. Aus damaliger Sicht nicht - aber auch rückblickend nicht.

    Die Lüge ist eine Verleugnung der Wahrheit. Aber Wahrheit war etwas, was für mich überhaupt nicht mehr existiert hat. Nicht in dem Sinne wie sie erst viel später wieder existierte. Ich habe Wahrheit geschaffen. In jedem Moment. Die sah mal so aus und mal so. Je nach Tageslaune und Situation. Für mich war's dennoch wahr. Ich hab nie gelogen.

    Selbst wenn ich 2 sich vollkommen widersprechende Sätze direkt hinterinander gesagt habe, ja nur gedacht habe, waren dennoch Beide für mich wahr.

    Wie ich schon schrieb. Wenn man dort ist - funktioniert NICHTS!

    Cooler Thread um mal wieder zurückzublicken. Na dann auf geht's. Halten Sie sich fest, wir reisen ein paar Jahre zurück mitten hinein in die finstersten Geheimnisse meines Innersten. Ich hoffe sie haben einen starken Magen!

    Zitat

    hat er sich nach ner Zeit entschieden,nichts mehr für mich zu empfinden und die Beziehung ganz aufzugeben.Auch die 8 Jahre gemeinsame Zeit scheinen für ihn von einem auf den anderen Tag erledigt zu sein und ich hätte ihn nicht verdient.

    Gefühle abschalten? Kinderkram. Mach ich in Sekunden. Ich hab Sachen im Griff, da träumt ihr da draussen davon. Schmerz? Liebe? Alles Blödsinn. Brauch ich nicht, will ich nicht, mach ich weg. Ich hab alles im Griff!

    Zitat

    Normalerweise sollte man doch froh sein,wenn man einen Partner hat,der einem Halt gibt,oder?

    Partner? Wasdasdenn? Wovon redet die da wieder? Die olle Zicke die mir auf den Geist geht und mich von meinem Hobby abhalten will und nichts versteht? Mein Partner ist die Flasche. Die gibt Halt. Nur die. Auf die ist Verlass. Alle Anderen wollen mir nur alles kaputt machen was ich mir so mühevoll aufbaue.

    Zitat

    Ist das Bewusstsein und die Realität auch getrübt,wenn man dann mal vermeintlich "nüchtern" ist?

    Was für eine Bewusstseinstrübung? Wovon redet die jetzt schon wieder? ICH seh doch klar. Ausser mir kapiert doch eigentlich keiner was. Ich bin der einzige der überhaupt noch was im Griff hat. Woher soll ICH denn eine Bewusstseinstrübung haben? Weil ich mal was trinke oder wie?
    Nüchtern sein? Ach das. Das ist die super anstrengende Zeit. Da hab ich keine Zeit zum Nachdenken. Da bin ich gestresst. Und was interessiert mich heute, was ich gestern gefaselt habe als ich nüchtern war? Mann, das hab ich doch nur gesagt, damit ich meine Ruhe hab.

    Zitat

    Wie war das bei euch?Habt ihr z.B nur gelogen,wenns um euer Trinkverhalten ging oder auch in anderen Bereichen?

    Lügen? Was denn für Lügen? Ich lebe nur in meiner Welt. Und die funktioniert nach meinen Regeln. Das sind keine Lügen. Ich überleb hier nur. Irgendwie. Und wer mich nicht versteht, versteht sowieso nichts. Die da draussen verstehn doch alle nichts. Als würde ich lügen. Diese Unterstellungen kotzen mich an. Ich lüge nicht - ihr vertseht nur nicht. Dafür kann ich nichts!

    Zitat

    Wie intensiv konntet ihr noch fühlen,begreifen etc?

    Oh, fühlen geht super intensiv. Wenn ich will. Nur manchmal kommt der Scheiss hoch den ich nicht will. Wenn's so weh tut. Aber das kann ich ja dann wieder abschalten. Begreifen? Wieso ich? Ich brauch nichts begreifen. Ich bin doch der einzige der längst begriffen hat wie alles funktioniert. Ihr da draussen begreift doch nichts.

    Zitat

    Konntet ihr Dinge verarbeiten oder geht sowas wirklich erst wenn man den Weg in die Trockenheit geht?

    Verarbeiten? Brauch ich nicht. Ist viel zu anstrengend. Ich hab 'ne Lösung dafür. Was macht ihr's euch eigentlich alle so schwer da draussen mit eurem lästigen Psychokram? Leute, ihr versteht doch nix vom Leben.

    Iregndwie weiß ich, ich hab nichts mehr im Griff. Aber ich will das nicht fühlen, das tut zu weh. Hier drin hab ich ein bisschen Kontrolle. Da draussen hab ich gar nichts. Und der, der mir die Tür aufmachen will ist sowieso nur ein böser Feind der mir hier drin das bisschen Kontrolle was ich noch habe, auch noch wegnehmen will. Von wegen Hilfe. Mir will keiner helfen. Kann auch keiner. Wozu auch? Ach, was red ich da schon wieder für Bullshit. Ich hab doch alles im Griff! Nur die Anderen die verstehen nicht.


    So, schalten wir die Lampen wieder ein und kommen zurück in's Heute mit einem Kommentar Jahre später.

    Ist ziemlich Scheisse da drin. Es funktioniert nichts. Gar nichts. Gesunder Menschenverstand ist nicht. Denken? Ist nicht. Fühlen? Ist nicht! Mal ein paar helle Momente, ja, aber das sind Momente. Nachher schon wieder weg.
    Das Problem ist nur - die Tür ist zu. Eigentlich ist da schon keine Tür mehr. Ist sehr eng da drin. Wohl fühlen ist nicht. Das bisschen Kontakt mit der Welt da draussen ist viel Show, mehr kontrolliert und einstudiert als irgendwie authentisch. Da drin ist's dunkel.

    Nüchternheit reicht manchmal für einen lichten Moment, aber bis es wirklich wieder heller in der Birne wird, brauchts schon ein paar Monate Nüchternheit. Oder'n Jahr. Oder zwei.

    Denn es sind nicht nur die Giftstoffe die das bewirken. Es ist auch der Rückzug aus dem Leben, die Flucht vor sich selbst, die Flucht vor allem.

    Und Niemand von da draussen erreicht Dich. Niemand! Das ist ja auch Sinn der Sache.


    Ich hoffe unser kleiner Ausflug hat Ihnen gefallen und wenn ich dem geneigten Leser einen kleine Wegzehrung mit auf den Reise geben darf:

    BLEIBEN SIE DORT WEG! GEHEN SIE NIE DORT HIN!

    Mir fällt in diesem Zusammenhang immer eine sinnblidliche Frage ein, die ich sehr mag und gerne auch für mich immer wieder als Wegweiser benutze. Vielleicht gefällt sie dem Ein- oder Anderen ebensogut und kann sie für sich mitnehmen.

    Wer ist denn der Hungrige noch, würde er plötzlich beginnen zu essen?

    Und das hat sehr, sehr viel mit dem zu tun was hier Thema ist.

    Zitat

    Also wenn ich Kaleu richtig verstanden habe, will er keineswegs Krankheiten wie Depressionen verharmlosen oder negieren.

    Danke Carpenter. Das ist richtig. Das habe ich weder unterstellen, nichtmal andeuten wollen. Vielleicht ist mir das einfach nur nicht gut gelungen.

    Zitat

    In dem Sinne kann es auch eine Abgabe der eigenen Verantwortlichkeit sein, sich "krank" zu fühlen...so nach dem Motto "ich habe eine Krankheit, ich kann eigentlich gar nix dafür".

    Ich kann hier nur für mich sprechen. Für mich selbst ist das so. Noch darüber hinaus, indem ich krank bin kann ich doch gar nicht gesund handeln.

    Mir genügen heute augenblickliche Zustandbeschreibungen. Ich fühl mich gerade soundso. Fertig.

    Ich hab gesoffen. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Kein Weil, keine Krankheit, kein Gar nichts. Damit gibt es dafür nur einen Verantwortlichen. Sowohl für das Vergangene als auch für das Heute. Mich. Nur wenn ich meine Verantwortung ganz annehme, habe ich die Möglichkeit etwas zu ändern. Indem ich das nicht tue, nehme ich mir diese Möglichkeit wieder.

    Gleiches gilt für die Co-Abhängigkeit. Ich habe mich an eine Beziehung geklammert die mir nicht gut tat. Punkt. Aus. Ende. Kein Weil. Kein Aber. Keine umständlichen Erklärungsversuche um irgendwas vor mir selbst zu verschleiern.

    Und das ist nunmal nicht ohne, ich hab dafür lange gebraucht zu verstehen, was Eigenverantwortung ist und tatsächlich für mich und mein Leben bedeutet. Aber eben auch welche Möglichkeiten die ich vorher nicht einmal sehen konnte sich damit für mich eröffnen.

    Eigenverantwortung bedeutet auch - Hilfe suchen und annehmen, wenn man mit sich selbst überfordert ist. Eigenverantwortung bereitwillig abgeben wenn nötig, wenn man merkt, daß man mit dieser überfordert ist um ebenso eigenverantwortlich wieder zu einer Erholung zu finden.

    Mit Schuldsuche hat das nichts zu tun, sogar ganz im Gegenteil. Schuldsuche verhindert jede Eigenverantwortung.

    Letzten Endes hat mich das Loslassen von allen Wenn und Abers und vor allem von allen Erklärungsversuchen dahin gebracht.

    @Sunshine, als ich mal so reagiert habe, wie Du in Deiner Antwort, hab ich mich gefragt, wie ich nicht an einer Krankheit klammere wenn ich sie doch unbedingt behalten will.

    Ich behaupte nicht, daß Du das tun sollst noch daß dies der Weisheit letzter Schluss ist. Für mich brachte es das was ich gesucht habe. Die Erkenntnis, daß ich an allem klammere. Und das letzten Endes das verhindert, was ich suchte.

    Hier ging es nur darum, ob man Co-Abhängigkeit hinter sich lassen kann. Und deswegen behaupte ich weiter Ja. Man muss es aber schon wollen - und machen!

    Es ist nur ein Wort auf einem Schild. Mehr nicht. Ob man's in seiner Handtasche tragen will oder um seinen Hals oder in den Müll wirft, entscheidet jeder selbst.

    Liebe Aurora,

    Zitat

    wenn du deine Coabhängigkeit hinter dir lassen konntest, kannst, dann ist das toll für dich. Ich kann das nicht.

    Für mich selbst zumindest, hab ich erkannt, daß nichts mir selbst mehr im Weg stand, als eine ebensolche Aussage. Die sich irgendwann zur Überzeugung manifestiert. Und nie und nimmer kann ich irgendwas loswerden von dem ich überzeugt bin, daß es gar nicht möglich wäre. Wenn ich mich selbst in ein Korsett quetsche, was irgendwer irgendwann mal erfunden hat und millionfach kopiert und für richtig und gut erachtet wurde, mach ich nichts weiter als mir die Freiheit zu nehmen, ich selbst zu sein. Ich gebe mir also nichts - ich nehme mir etwas. Einen Teil von mir. Die Möglichkeit so zu sein wie ich es eben möchte.

    Zitat

    Und diesen Teil kann ich nicht einfach ausradieren.

    Das kann ich auch nicht. Will ich auch nicht. Und es bringt nichts, allein der Versuch wäre so lebensfremd, daß es mich ebenfalls nur von mir wegbringen kann.

    Für mich war der Weg nur immer hin zu mir. Und ich hab lange gebraucht um überhaupt verstehen zu können, was das tatsächlich bedeutet. Ich wollte nicht Halt machen wenn ich schonmal dabei bin und nur wieder weitere Wege kopieren, andere die vermeintlich besser wären. Wenn die Ursache bei mir doch genau darin lag alles immer richtig machen zu wollen, konnte die Lösung für mich nicht sein, es anders richtig machen wollen.

    Oh sicher, ich tappe immer wieder in Fallen, die ich als co-abhängige Muster bezeichnen könnte. Alte Gewohnheiten sind alte Gewohnheiten und die sind über so viele Jahre antrainiert, da findet sich immer wieder Neues, unentdecktes und damit auch spannendes. Alles Teile von mir, alles ich. Und genauso hab ich es in der Hand ob ich da jetzt einen Aufkleber "ich bin ja so co" drauf pappe oder einfach nur das Gefühl, den Moment, das Leben, auch in schwierigen Situationen annehme. Ohne ein Schild drauf zu kleben in welche Schublade nun mein Verhalten gehört. Dann hab ich eben gerade Angst. Dann fühl ich mich eben gerade überfordert. Dann bin ich eben gerade trurig. Dann mach ich eben gerde naiven Unsinn. Das hat schon alles seinen Sinn.

    Eine weitere Baustelle war für mich Eigenverantwortung vollumfänglich anzunehmen. Und auch da hat es ein paar Gedankensprünge gebraucht um zu verstehen was das denn nun eigentlich bedeutet und wie das geht. Wie weitreichend das tatsächlich ist und daß ich mit Alkoholsucht als Krankheit einen Teil davon schon wieder abgebe.

    Für mich ist jedes Etikett, auch das der Krankheit schlicht freiheitsberaubend. Wie soll ich denn was nicht haben was ich mir selber attestiert habe? Mir wäre es auch zu anstrengend dauernd überprüfen zu müssen, ob ich vielleicht nun gerade auf dem Weg der Besserung bin oder nicht, ob ich vielleicht die Krankheit noch schlimm habe oder weniger schlimm und durch weitere Bewertungen an meinem kleinen Schildchen um den Hals herumdoktern und immer wieder nachjustieren muss.

    Ich möchte sein. Mehr nicht. Nichts dahinter. Kein Wie. Kein Was. Kein Aber. Und es geht. Ich hab gemerkt, es geht. Nur muss man dafür nicht die Medaille rumdrehen um auf der anderen Seite das gleiche Hamsterrad zu drehen, sondern die Medaille einfach in den Mülleimer werfen.

    Zitat

    Das schlimmste davon, dass eben meine Tochter bei der Geburt ihres zweiten Kindes, das auch tot ist, verstarb.

    Hier möchte ich Dir sehr gern mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken. Ich selbst weiß, was der Tod eines geliebten Menschen bedeutet. Und ich bin heute glücklich und dankbar, daß ich sogar das klaren Bewusstseins erleben durfte. Tief empfundene Trauer und wirkliches Loslassen in Liebe haben für mich die Welt verändert. Denn darin lag am Ende wirkliches Begreifen für mich.

    Dir mag ich wünschen, daß nicht die Vergangenheit Dich dadurch einholt und Du verzweifelst, sondern die damit verbunde Trauer zulassen und annehmen kannst. Denn auch dieses Gefühl wurde uns mit gutem Grund mitgegeben. Hinter jeder Träne verbirgt sich auch die Hoffnung, die Liebe und das Leben. Dir von Herzen alles Liebe auf diesem Weg.

    Ach, ich drück mich nimmer hier rum. Dieses dauernd anhaltende Suhlen in der Vergangenheit um alles noch ein bisschen richtiger zu machen ist nicht mehr so meins. Ich schau alle paar Jahre mal aus Nostalgiegründen rein und der Thread hat mich mal angesprochen.

    Ich freu mich aber immer wieder, daß Du als Foreninventar nicht verloren gehst und auch, daß es Dir offensichtlich Bestens geht. Wenn ich mir da bei Jemandem keine Gedanken mache, dann bei Dir. Ich hab mir bei Dir damals mehr mitnehmen können als bei irgendwem sonst und bin froh, daß auch Andere diesen Vorteil geniessen dürfen.

    @Alle Anderen, sorry für's kurze Offtopic, mal 'n alten Freund herzen und knuddeln ist bestimmt mal drin :)

    Zitat

    So, nun will ich nicht weiter am eigentlichen Thema vorbeischrammen, es ging ja schließlich um die CO-Abhängigkeit.

    Richtig! Um nichts Anderes ging's mir auch. Denn zumindest bei mir war die Ursache des Alkoholismus die Co-Abhängigkeit - oder besser gesagt, das als co-abhängig klassifizierte Verhalten. Ich hab's nicht mehr so mit Schubladendenken.

    Und für mich selbst war und ist nichts mehr Co möglichst regelkonformes Verhalten, Schubaldendenken und vor allem - das festklammern an Süchten. Auch an der Eigenen.

    Die Eingangesfrage war, ob man dieses verhalten hinter sich lassen kann, grundsätzlich. Und ich meine Ja. Allerdings eben nur wenn man aufhört sich irgendwie daran zu klammern.

    Das einzige was mir wirklich geholfen hat, war radikale Selbstakzeptanz. Und mir einzugestehen, daß ich Fehler machen werde. Immer. Mein Leben lang. Und das das verdammt gut und richtig ist.

    Ich hab mich mein Leben lang nach irgendwelchen vermeintlichen gesellschaftlichen Richtlinien gerichtet, was letzten Endes die Ursache von allem war - Selbstverleugnung um dazuzugehören. Irgendwie passend zu sein.

    Erst als ich radikal damit aufgehört habe, konnte ich auch die Co-Abhängigkeit hinter mir lassen.

    Mich erinnert's Einkaufen heute jedenfalls nicht mehr an's Saufen. Dafür bin ich viel zu beschäftigt mit Dingen die mir gut tun um ängstlich am Bierregal vorbeizuschleichen.

    Prima wenn man 'ne anerkannte Krankheit hat. Da hat man doch gleich schonmal Anerkennung. Nach DSM V hab ich ja heute auch 'ne anerkannte Depression wenn ich länger als 2 Wochen nach dem Tod eines Familienmitglieds noch traurig bin. Auch schick. Krankheitsgewinn ist immer ein pima Versteck. Ich bin dann lieber doch einfach nur traurig. Ist zwar nicht anerkannt, dafür ehrlich.

    Moin Matthias übrigens. Freut mich Dich zu lesen. :)

    War klar, daß der Hammer wieder kommt. Deswgen vermeide ich es meine Meinung darüber noch irgendwo kund zu tun. Für mich jedenfalls war "alles richtig machen" der Kern der Co-Abhängigkeit was bei mir dann zur Sucht führte.

    Muss deswegen längst nicht allgemeingültig sein. Den mir immer wieder prophezeiten Rückfall weil ich nicht mit den Wölfen heule, mag ich mir aber doch noch 'n bisschen aufheben ;)

    Hallo,

    auch ich bin der Meinung, man kann das komplett hinter sich lassen, so daß es letzten Endes keine wirkliche Rolle mehr spielt. Ich behaupte dies nicht nur von der Co-Abhängigkeit sondern auch von der Alkholsucht. Oder jeder beliebigen anderen Sucht.

    Jedoch gehört dabei mehr dazu als eine Krankheitseinsicht. Denn diese wird irgendwann zur selbsterfüllenden Prophezeiung, zu einem Dogma. Und wenn ich mir selbst, zum Beispiel Verhaltensmuster als unabänderlich brandmarke, dann ist die logische Folge, daß ich diese niemals hinter mir lassen kann.

    Sowhl was co-abhängiges Verhalten als auch meine Alkoholsucht anging, war für mich der einzige Weg mich vollumfänglich anzunehmen. Ohne mir selbst eine Krankheit anzudichten. Das erst lies für mich zu all das hinter mir lassen zu können und letzten Endes ich zu sein. Ohne Dogmen, ohne Vorschriften, ohne Brandzeichen und Do's und Don'ts. Das erst lies zu, daß ich mich erleben wollte, bewusst erleben. Und erst das schliesst Suchtverhalten aus. Denn jede Form von Sucht verhindert, daß ich mich überhaupt bewusst erleben kann.
    Selbstverständlich erlebe ich heute immer wieder Verhaltensmuster an mir, die ich als co-abhängig einstufen könnte.

    Der Punkt ist - und das ist das einzige was für mich eine Bedeutung hat, wenn ich ein Verhaltensmuster an mir wahrnehme, was ich als co einstufe - geht's mir scheisse.

    Wenn ich die Schultern zucke und drüber lache ist es nach 2 Minuten vergessen und ich leb mein Leben weiter.

    Ich leg mir selber keine Minenfelder mehr.

    Nun liebe Nys,

    bist dann nicht jetzt Du der tatsächliche tragische Held Deiner Geschichte?

    Tragische Vorgeschichte mit heldenhaftem Aufstieg - oder sollte ich sagen Ausstieg?

    Ist Leidensfähigkeit Beweis von Mut und Größe? Oder nicht doch viel mehr das zurücklassen des - selbst auferlegten - Leidens?