Hallo,
ich mag was dazu schreiben, mag aber auch vorher ausdrücklich betonen, daß das nicht auf selbst gemachten Erfahrungen basiert, sondern teils angelesen ist, teils übertragen aus eigenen Erfahrungen.
Ich hab mal gelesen, daß der Schlüssel bei Angststörungen und Panikattacken in der Akzeptanz liegt. Panikattacken gehen zurück, wenn derjenige aufhört dagegen anzukämpfen. Ähnlch ist es wohl auch mit vielen anderen psychischen Problemen.
Soll heissen, am Anfang ist da eine Panikattacke. Dann kommt eine neue und eine neue. Die beeinträchtigen das Leben in den Momenten in denen sie auftreten. Da ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll, fange ich an dagegen anzukämpfen. Das schürt die Angst vor neuen Panikattacken. Aus der Angst entwickelt sich die Angst vor der Angst und ein Teufelskreis beginnt der kein Ende mehr nehmen kann.
Mit dem Alkoholiker ist es ja ähnlich, irgendwann errreicht er den Punkt, an dem er trinkt um zu vergessen, daß er trinkt. Auch da ist Akzeptanz der Schlüssel zu Veränderungen, erst wenn ich akzeptiere Alkoholiker zu sein, verändert sich vieles. Auch wenn ich mein Leben lang Alkoholiker bleibe, bin ich nicht mehr gezwungen mich wie ein nasser Alkoholiker zu verhalten, der Teufelskreis ist durchbrochen. Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht.
Eine weitere Erfahrung die ich selbst gemacht habe ist, ich bin co-abhängig. Dagegen habe ich lange angekämpft und mein psychischer Zustand verschlechterte sich dadurch merklich. Erst die Akzeptanz Co-Abhängig zu sein, veränderte sehr vieles. Akzeptanz ist dabei mehr als nur zu sagen, das hab ich sondern sich auch die Erlaubnis zu geben, das darf ich auch haben.
Bei Angststörungen soll es ähnlich sein. Das ist wie gesagt angelesen, ich könnte mir aber vorstellen, daß das zutrifft. Der erste Schritt sei wohl die Akzeptanz. Ich hab das, ich hab 'ne Panikstörung, was soll's. Der zweite Schritt ist die Beeinträchtigungen des Lebens anzusehen, und zu sagen, ok, ich habe Panikattacken, was kann ich während einer Panikattacke tun, um die halbwegs zu überstehen ohne daran zu zerbrechen. Hier setzt der erste Lernprozess ein, der Umgang mit der beeinträcghtigung. Nicht mehr Flucht oder Vermeidung sondern aktiver Umgang damit. Ich lerne also mit meiner Beeinträchtigung umzugehen. In der Folge verschwindet dadurch nach und nach die Angst vor der Angst, denn ich weiß wie ich mit meiner Attacke umgehen kann und brauche mich nicht davor zu fürchten. Lagsam und umerklich sollen auf diesem Wege irgendwann sogar die Attacken selbst nachlassen bis hin zu ganz verschwinden.
Da ich keine Angststörung habe, kann ich nicht versichern, daß das zutrifft, für mich ergibt das aber Sinn und sowohl bei Co-Abhängigkeit als auch Alkoholismus hab ich selbst erfahren daß ohne die volle Akzeptanz eine Veränderung im Grundsatz nicht möglich war.
Ich betone auch, daß ich damit nicht sage, hey, mach's doch einfach so und so, denn sicher ist das nicht mal einfach so umgesetzt. Aber Alkoholismus und Co-Abhängigkeit sind gleichermaßen Dinge die einen lebenslangen Lernprozess nach sich ziehen.
Letzten Endes entsteht die Beeinträchtigung die sich auf das gesamte Leben auswirkt immer aus der Angst vor einem persönlichen Defizit welches aber gar keine Auswirkung auf das gesamte Leben hat sondern meißt auf unangenehme Momente. Lähmend wird eigentlich erst die Angst vor diesen Momenten.
Liebe Grüße
Kaleu