Und ich befürchte es gibt kein einfaches Patentrezept wie man das Vertrauen lernen kann, oder?
Doch, sogar ein sehr einfaches und es ist auch das Einzige was funktioniert. Die Natur hat es uns ja mitgegeben. Jeder Mensch will ja Vertrauen, nenn es genetischen Bauplan oder Instinkt oder, oder.
Im Grunde lernt man es also nur so, wie es ein Kind lernt. Wenn ein Kind auf die Welt kommt, hat es keien Wahl, es muss den Eltern vertrauen, da es ohne sie nicht lebensfähig ist. Wird dieses Vertrauen erschüttert, immer wieder, bildet sich kein Ur-Vertrauen, sondern Ur-Misstrauen.
Das ändert aber nichts daran, dass das Kind immer noch vertrauen will, denn das muss es um zu überleben. Könnte das Kind bereits kognitiv denken könnte man den Zwiespalt in seinen Gedanken erkennen "Ich trau meiner Mutter nicht, denn immer wieder lässt sie mich im Stich, aber ich habe keine Wahl als ihr trotzdem zu vertrauen, denn sonst sterbe ich"
Das Problem ist, dass sich das später manifestiert. Der Gedanke, ich muss dem menschen vertrauen dem ich eigentlich misstrauen müsste, denn sonst sterbe ich. Deswegen suchen sich Kinder aus dysfunktionalen Familien später gerne Partner die sie ebenfalls missbräuchlich oder zumindest nicht vertrauenswürdig behandeln und rennen lieber den Menschen nach die ihnen eigentlich nicht gut tun. Sie versuchen so zu beweisen, dass sich das vertrauen in die nicht vertrauenswürdige Person doch lohnt. Der Schuss geht natürlich nach hinten los und verfestigt das Ur-Misstrauen nur immer mehr.
Im Grunde gilt es also den gleichen Rahmen zu schaffen, den ein Kind hatte, welches Vertrauen gelernt hat. Eben gesunde Sicherheit. Heute ist das möglich, denn man ist ja erwachsen und auch wenn man des gefühl Vertrauen und Sicherheit nicht als Gefühl kennt, bzw. es sogar beängstigend, weil unbekannt für einen ist, so kann man dennoch kognitiv herausfinden ob jemand oder eine Situation sicher und vertrauenswürdig ist. Hat man das sichergestellt, gilt es "nur noch" sich darauf einzulassen und zu vertrauen. Nur noch ist hier eher rethorisch, denn genau das ist das schwierigste, die Umsetzung, dafür muss man über seinen Schatten springen und das gelernte Ur-Misstrauen tatsächlich mal für einen Moment ignorrieren, selbst wenn es einem Angst macht.
Je öfter es gelingt sich auf einen solchen Moment einzulassen, unabhängig ob er von anderen menschen oder von sich selbst geschaffen wurde, und je weniger man enttäuscht wurde - eben weil man sich auf einen vertrauenswürdigen Moment bzw. vertrauenswürdigen Menschen eingelassen hat, um so mehr wird das Ur-Misstrauen abgebaut. Das ist zwar ein langer Prozess, das geht nicht über Nacht, aber es ist prinzipiell möglich. Der Nachteil heute ist, dass man nicht mehr wie ein Kind ist und das berits gelernte Ur-Misstrauen und destruktive Strukturen einen behindert - der Vorteil ist, dass man heute erwachsen ist und sich so selbst über kognitive Fähigkeiten auf die Sprünge helfen kann.
Insgesamt gilt es nur, die dysfunktionalen Strukturen zu erkennen und nicht dort zu versuchen funktionale Strukturen aufzubauen. Das hat man bereits in der Kindheit versucht und es ist gescheitert.
Oder anders gesagt, der alkohlkranke Vater oder der missbrauchende Partner ist die denkbar schlechteste Adresse um Vertrauen zu lernen, auch wenn man es genau da eigentlich am meissten will.
Auch das ist ein Weg Vertrauen zu lernen. Die Welt dreht sich auch übermorgen noch. Auch ohne den Blick auf VZ. Der Unterschied zu dem kognitiven Wissen, dass es so ist und dem Gefühl "Vertrauen" ist, dass einem das Wissen keine Sicherheit gibt, das Gefühl des Vertrauens aber schon.
Da ist kein problem, lass sie einfach. Wenn sie will, wird sie sich von selbst melden. Lass sie in Ruhe. Lass sie auf Dich zukommen wenn sie es möchte.
[quote]Das ist ein schönes Gefühl im Moment!