Lieber HansHa,
ich finde, so wie Du das beurteilst und ernsthaft Veränderungen vornimmst, indem Du Dich bspw. aus dem direkten barbetrieb raus nimmst, unternimmst Du schon einige wichtige Schritte. Auch die Therapie find ich eine gute Idee. Ich würde Dir raten zusätzlich zur Suchtberatung zu gehen, mir hilft das sehr. Ist kostenlos.
Mir wird mittlerweile auch dauernd um die Ohren gehauen, ich müsse unbedingt mein gesamtes Leben auf den Kopf stellen und so langsam fängt es an zu nerven. Ich gehe in eine reale SHG und während ich mein Leben trocken und ohne Alkohol und glücklich lebe, gehe ich mittlerweile depressiv aus der SHG und überlege mir da nicht mehr hinzugehen. Ich gehe ohne Aufdrauck und glücklich rein, und depressiv und mit Saufdruck raus. Grund dafür ist bei mir, dass ich dauernd vor den Kopf geknallt bekomme, ich müsste mein gesamtes Leben ändern. Die Lehrbuchvariante. Das mag ja in vielen Fällen zutreffen in denen das gesmate leben am Alkohol ausgreichtet wurde, das war jedoch bei mir nicht der Fall. Ich habe in der Suchtberatung ausführlich darüber gesprochen und mein Berater der seit über 20 Jahren diese Tätigkeit ausführt, zudem Streeetworker ist, sagt auch, dass das Käse ist. Alles was in meinem Leben zu ändern ist, sind die Dinge die mich zum Alkohol trinken verleitet haben. So änder ich zur Zeit den Umgang mit zum Beispiel emotionalen Tiefpunkten völlig und erarbeite mir grundsätzliche Strategien wie ich zukünftig besser und sicher vomAlkohol damit umgehen kann.
Dauernd bekomm ich zu hören, ich solle doch Sport machen weil das so gut wäre. Ich bin jedoch überhaupt kein Sportfan und wäre nur frustriert. Statt dessen klebe ich jetzt wieder Modelle was mir viel mehr bringt, weil ich dabei zur Ruhe komme und mich wohl fühle. Meine Beziehung möchte ich wieder beleben und auch da hör ich dauernd, ich soll das lasen, weil meine freundin und ich früher mal was getrunken haben und weil meine Freundin nach wie vor gerne mal ein Glas Sekt mit ihren Freundinnen trinken möchte. Was sie aber in meiner Gegenwart überhaupt nicht mehr macht und damit auch gar kein Problem hat.
Ich glaube hier wird viel übertragen. Ich bin jung und sehr selbständig, ich führe insgesamt ein glückliches und zufriednes Leben, durch meine Therapie hab ich mich weiterentwickelt und ich habe endlich erkannt, dass ich aber viel zu viel gesoffen habe und so mein leben auf's Spiel gesetzt habe. Ich möchte dieses Leben aber weiterleben, denn es macht mich glücklich und ich möchte dieses Glück ohne Alkohol erleben, da der mir nicht gut tut. Mir dauernd anzuhören, ich müsse mein gesamtes leben von Null beginnen und alles alte abbrechen würde mir die Lebensgrundlage entziehen. Trocken - aber depressiv.
Mein Suchtberater ist da Gott sei Dank ganz anders. Er erarbeitet mit mir Startegien wie ich die Kleinigkeiten umstellen kann, die mit meinem Alkoholkonsum zu tun hatten, ohne, dass ich die Dinge verändern muss, die mich glücklich machen. Das hilft mir enorm und ich habe viele kleinigkeiten in meinemLeben bereits verändert, die allesamt nicht nur dafür sorgen, dass ich wesentlich einfacher dem Alkohol fern bleiben kann und die mich zusätzlich auch zufrieden machen. Bspw. ausgiebiges Frühstücken, Rückzugspunkte, mein Modellbau usw.
Warum ich Dir das schreibe - das wichtigste ist, dass Du Deinen Weg findest! Von Erfahrungen kannst Du immer profitieren, aber Erfahrungen die Dich unglücklich werden lassen, führen nur dazu, dass es Dir schlecht geht. Einen wichtigen Schritt hast Du vorgenommen, indem Du Dich vom Barbetrieb zurückziehst. Wenn die gastronomie für Dich Berufung ist und Dich glücklich macht, finde ich solltest Du das beinehalten. Um es Dir nicht unnötig schwer zu machen, ist es aber tatsächlich besser wenn Du Dich dabei vom Alkohol fern hälst, so gut es eben möglich ist. Allein aus Selbstschutz. Ob das funktioniert, kannst nur Du herausfinden. Ich empfehle Dir, Dir Hilfe zu suchen die Dir Wege aufzeigt wie Du das so gut als möglich umsetzen kannst. manchmal finden sich durch Hilfe von aussen Kleinigkeiten die man verändern kann, auf die man von alleine gar nicht gekommen wäre.
Ich kann schon verstehen, dass viele raten diesen Job aufzugeben, eben weil er verdammt nah am Alkohol ist. Wenn Du Dir damit aber die Lebensgrundlage (nicht nur finanzielle, sondern auch in Sachen Erfüllung) nehmen würdest, halte ich das für einen schlechten Rat!
Das einzige wozu ich Dir rate ist - überprüfe Dich selbst, ob der Gastroomiebtrieb an sich Deine Erfüllung ist, oder ob es ein verstecktes Hinterttürchen ist um trotzdem weiter zu trinken irgendwann. Hintertürchen musst Du unbedingt verriegeln und verrammeln!
Ich wünsche Dir jedenfalls viel Erfolg auf Deinem trockenen Weg!