Co-Kuscheln.

Also wenn ich eine Sache wirklich gruselig fand, in meiner ganzen Zeit in der ich mich mit mir selbst auseinandergesetzt habe und nach wie vor tue, dann sind es solche Begrifflichkeiten mit denen gerne mal umher geworfen wird.
Damals, vor 4 Jahren, ging's für mich primär um den Alkohol als ich her kam, nachdem der weg war, dann um meine Co-Strukturen.
Und als ich anfing mich damit auseinanderzusetzen, durchaus auch im Austausch mit Anderen, hier im Forum, aber auch anderswo, fand ich im Nachhinein das Schlimmste was mir passiert ist - Schubladendenken. Schubladendenken, welches ich natürlich übernommen habe. Und mich dann wieder aus der Schublade befreien wollte. Und so erst recht ein Problem mit mir bekam.
Jedes beliebige Verhalten kann als Co klassifiziert werden wenn man will. Co-Kuscheln. Co-Wut. Co-Allesrichtigmachenwollen. Co-Reden. Co-Denken. Oder weiss der Geier. Jedes bleibige Verhalten kann als nasses Denken oder sonstwas klassifiziert werden. Da reichts schon wenn einer mal Langeweile hat und deswegen 2 Nachrichten mehr schreibt. Irgendwer findet sich sicherlich, der da gleich mal ein Problem mit sich selbst attestiert.
In Mariechens Thread hab ich aufgedreht, da beisst die Maus keinen Faden ab. Im Thread vom weinenden Engel war ich nur einen Tag vorher kuschelig.
Was bin ich jetzt?
Ein Co-Kuschler?
Ein Co-Draufhauer der sich in den Rausch redet um seine iegnen Probleme nicht sehen zu müssen?
Oder bin ich direkt ein zutieftst gestörter und ambivalenter Irrer, der nie so richtig weiss, was er nun will?
Oder bin ich vielleicht einfach ein Mensch? Der sich mal so fühlt und mal so, immer eigene Baustellen hat, die mit reinspielen. Mit denen ich mich durchaus auseinandersetzen sollte, wenn sie überhand nehmen. Und mich auch mal aus dem Forum zurücknehmen, wenn ich merke, dass viel zu viel bei mir angesprochen wird und ich anfange mir über jeden Blödsinn nun Gedanken zu machen und an mir rumzubiegen.
Ich leg mich nicht mehr in Schubladen. Danach hab ich das Problem da wieder raus zu müssen.
Ich halte die grundsätzlich Klassifizierung von Verhalten für viel problematischer als beliebiges Verhalten selbst.
Ich finde es einfach völlig normal - und wunderbar, daß Menschen verschieden sind. Daß Menschen anders reagieren. Der Eine so, der Andere so. Der Eine heute mal so und morgen ganz anders. Das letzte woran ich Interesse hätte, wäre, daß alle das gleiche quatschen. Ob nun kuschelig oder knüppelhart. Ich freu mich an der Vielfalt und kann aus dieser weit mehr mitnehmen, als davon, wenn jeder alles nun genau "richtig" macht.
Zu der ganzen Thematik - besonders zum anschliessenden Ausufern in Mariechens Thread mag ich eine kurze Geschichte aus dem Zen wiedergeben.
Zwei junge Zen Schüler gingen am Tag nach einem Regen einen Weg entlang. Der Weg war aufgeweicht und schlammig. Sie begegneten einer Frau. Die Frau bat die beiden Zen Schüler, dass einer sie bitte über den Weg tragen möge, damit sie sich nicht Schuhe und Kleidung schmutzig mache. Einer der beiden junden Mönche nahm sie auf die Schultern und trug sie über den Weg. Dann gingen beide weiter ihres Weges.
Bereits Stunden später, als beide immer noch gingen, sagte der junge Mönch, der die Frau nicht getragen hatte zum Anderen.
"Warum hast Du die Frau getragen? Sollen wir nicht Gelassenheit lernen? Ist das richtig anderen in ihren Eitelkeiten zu helfen? Das hätten wir nicht tun dürfen"
Worauf der andere entgegnete:
"Trägst Du sie etwa immer noch?"