hallo meermädchen,
auch von mir willkommen hier!
nein, du machst und siehst nichts falsch! ein alkoholiker trinkt, aus welchen gründen auch immer, und die angehörigen leiden (mit) und müssen sich - genau wie der alkoholiker - in erster linie um sich selbst kümmern. dass das sehr schwer fällt, weiss ich nur zu genau.
ich bin etwa so alt wie du, habe auch trinkende eltern, habe auch mehrfach den kontakt abgebrochen, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, habe mit den selben schuldgefühlen gekämpft (bin auch katholisch - und das auch noch aus überzeugung
) und habe auch den kontakt zu meinem trinkenden vater erst da wieder aufgenommen, als er die diagnose krebs bekam. und ehrlich gesagt hab ich das nicht um seinet- sondern um meinetwillen getan. ich hatte angst davor, dass er eines tages stirbt, ohne dass wir im frieden miteinander gewesen sind.
als er gestorben ist, war auch frieden, darüber bin ich sehr froh. geliebt hab ich ihn dennoch nicht, nicht mal richtig gemocht, aber dazu stehe ich (jetzt). dass ich meine eltern nicht lieben kann, hat mich lange belastet. sehr geholfen hat mir da ein seelsorgegespräch mit meinem pfarrer, dem ich mal gesagt habe, ich müsse doch meine eltern lieben. von ihm kam dann, dass eltern eltern sind, wenn sie sich wie eltern benehmen, und das täten meine ja wohl nicht, und ich sei nicht auf der welt, um opfer zu sein und zu leiden. eigentlich ist es ja doof, dass man für solch eine selbstverständlichkeit eine art "absolution" braucht, aber mir hat es geholfen.
ja, und die bindung an die eltern wird mal wohl trotz allem nicht los. meine mutter lebt noch und trinkt (in abständen) weiter. immer wenn ich das mitbekomme, belastet es mich natürlich, aber längst nicht mehr in dem masse wie früher, und das find ich richtig. war aber auch ein hartes stück arbeit, sich emotional so zu distanzieren, aber für mich war es eine frage des überlebens, und die macken, die trotz allem geblieben sind, reichen immer noch... aber ich sage mir immer "es ist ihr leben". wenn sie lügen will, soll sie das tun, ich falle aber nicht mehr drauf rein. wenn sie sich tottrinken will, wird sie das tun, ich kann sie nicht daran hindern. das ist tragisch, aber es ist so. es ist ihr leben. und ich hab meins, und das ist mir mehr wert.
wünsche dir alles gute - und wenn immer du fragen hast oder austausch suchst - immer gerne hier!
lieben gruß
lavendel