hallo wibo,
in ganz vielem was du schreibst erkenne ich mich vor einem jahr wieder. damals wollte ich auch noch um jeden preis meine beziehung retten, und ich hab ähnliches kassiert wie du. ich war empört, hab mich geärgert über die anmaßung, mit der "fremde" über meine doch ganz individuelle und völlig anders als andere seiende beziehung "gerichtet" haben. manches mal wäre ich gerne gegangen.
warum ich das nicht getan habe: ich bin gleichzeitig in eine selbsthilfegruppe des kreuzbundes gegangen. theoretisch sind diese gruppen für alkis und angehörige, in meinem fall saßen da nur trockene alkis. wenn ich denen dann das gleiche erzählt habe wie hier, habe ich letztlich den gleichen rat bekommen, nämlich "trenn dich", der wurde mir aber ganz anders nähergebracht. da haben mir die alkis nämlich aus ihrer sicht meinen freund "erklärt" - und wer konnte sich besser in ihn reindenken als sie - die sie alle genau dieselben dinge gemacht haben - die frau angemault, wenn die über den alk geschimpft hat, alles bagatellisiert haben, die tatsachen verdreht, den buhmann immer woanders gesucht uswusw.
jedes argument, das ich von meinem freund kassiert habe, und mit dem er mir beweisen wollte, dass ich unrecht habe und dass ich ihm böses tue, wurde in der gruppe mit einem schmunzeln quittiert, weil nämlich alle ganz genauso getickt haben - nix mit meiner ach so individuellen beziehung mit einem mann, der ach so anders ist als alle anderen männer. mich hat das sehr irritiert und zum nachdenken gebracht. wenn mir schon ein alki sagt, er hätte nie aufgehört zu trinken, wenn seine frau ihm nicht ernsthaft mit trennung gedroht hätte (sie war schon auf dem sprung aus der gemeinsamen wohnung), und dass mein freund ebenfalls so lange weitertrinken werde, bis er richtig harte konsequenzen spürt, da - und erst da habe ich das akzeptiert, gegen das ich mich so lange vorher gewehrt habe - so wie du dich jetzt gegen unsere kommentare wehrst.
ich bin weiter zur gruppe gegangen und habe hier weiter gelesen - und langsam, ganz langsam kam bei mir die erkenntnis, dass die ja alle recht haben, und ich unrecht. denn ich hab ja gesehen, wie es bei uns weiterging: unverändert. er trinkt und macht sich über mich lustig, und ich gehe dabei psychisch vor die hunde. was ihm egal ist, er hat ja seinen lover nr. 1, den alk. irgendwann war es dann bei mir soweit - aber das hat gedauert, dass ich gesagt habe "ich glaube deinen beteuerungen nicht mehr, ich sehe so keine gemeinsame zukunft mehr, überleg dir, was du willst, mich oder den alk". das war nicht einfach so eine trennung - er hatte ja eine wahl. tja, und wie sich das anfühlt, wenn der andere die geliebte nimmt, muss ich dir wohl nicht sagen. da war dann für mich klar, dass ich DAS nicht mehr will.
aber es hat eben gedauert, diese erkenntnis, und du bist ja noch ziemlich frisch hier. ich kann dich nur ermuntern, hier zu lesen und zu schreiben und mit offenen augen zu schauen, was andere erlebt haben, und was du erlebst - und dann irgendwann, wenn die zeit reif ist für dich, für dich zu handeln.
lieben gruß
lavendel