hallo tuisko,
herzlich willkommen hier im forum, schön dass du hergefunden hast, und schön, dass du hier ein bisschen mehr schreibst.
mir ging es ganz lange so wie dir - bin etwa so alt wie du. meine mutter trank auch schon immer. ich kenne das also auch nicht, ein "normales" zuhause wo man sich drauf verlassen kann, dass die eltern "normal" sind. ich hab mich auch zum ersten mal im alter von 15 jemandem anders anvertraut - und darauf gleich schreierei und stubenarrest geerntet. klar, ist ja ne schande, sowas öffentlich zu machen. ausserdem isses doch garnicht so schlimm
.
mit 18 bin ich dann ausgezogen - und ab da könnte deine geschichte meine sein - nur war meine zum glück nicht so lang. bei jedem klingeln bin ich aufgeschreckt, bei jedem telefonat hab ich gelauscht "nüchtern, nicht nüchtern", hab ständig katastrophen erwartet - die auch häufig kamen. bin heimgefahren und fand eine besoffene vor - die mir allen ernstes ins gesicht sagt "ich hab nix getrunken". anfang zwanzig war ich dann für ein jahr im ausland - und das war meine rettung. dieses eine jahr abstand ohne telefon hat mich erkennen lassen, was da eigentlich abgeht - und wie mir das schadet. nach meiner rückkehr und einigen weiteren katastrophen hab ich dann den kontakt völlig abgebrochen, ich hab sie nicht mal zu meiner hochzeit eingeladen. das hat mich weiteren abstand gewinnen lassen. jetzt ist es so, dass ich sie noch etwa einmal im jahr sehe. wir telefonieren zwar, aber sobald ich nur den leisesten anflug von alkohol höre, lege ich auf. und es geht mir besser damit, viel besser.
in meiner therapie hab ich gelernt, dass ich nicht für meine mutter verantwortlich bin und mehr noch - dass ich ihr nicht helfen KANN, selbst wenn ich mich auf den kopf stellen würde. immer wieder immer wieder eingetrichtert bekommen, immer wieder immer wieder gesagt bekommen, dass schuldgefühle hier völlig fehl am platze sind und dass hier ich das opfer bin und nicht der täter - irgendwann hat es wirkung gezeigt, endlich. da war ich frei, endlich.
das heisst nicht, dass ich mir jetzt nicht auch ab und zu sorgen mache, wenn ich zum beispiel lange nix von ihr höre, aber was hilft es? nix. selbst wenn ich wüsste, dass da was ist, würde ich nicht (mehr) hinfahren. sie hat sich reingeritten, sie kennt die mechanismen, da rauszukommen, und wenn sie nicht will, ist das ihre sache. sie soll die konsequenzen tragen, ich hab dazu keine lust mehr. und da ist es mir mittlerweile völlig wurscht, dass das meine mutter ist.
was wahrscheinlich nie ganz weggehen wird ist das unter strom stehen bei ungewöhnlichen dingen. grad komm ich zum beispiel heim und sehe, dass sie angerufen hat. erster impuls: ich ruf zurück. zweiter: ne, sie ist bestimmt betrunken. sonst riefe sie nicht nach 10 uhr abends bei mir an.
du musst versuchen dich abzugrenzen. versuchen, dir DEIN leben schön zu machen. versuchen darauf zu pfeifen, wenn deine eltern dir ein schlechtes gewissen machen - du bist nicht ihr sklave. nicht ans telefon gehen, wenn dir nicht danach ist. nicht anrufen, nicht hinfahren, wenn dir nicht danach ist. und das auch mal deutlich sagen (und krach riskieren): ich komme nicht mehr, weil ich meine mutter betrunken nicht ertrage. auf dem absatz kehrt machen, wenn sie was getrunken hat. sie muss spüren, dass ihr handeln konsequenzen hat. und du musst dich schützen. ich wette, ich weiss genau, wie es in dir aussieht, wenn du zuhause sitzt und deine mutter ist nicht nüchtern. und dieses gefühl ist furchtbar. warum tust du dir das immer weiter an? du bist 38, du BRAUCHST deine eltern nicht mehr, du hast ein RECHT auf ein schönes leben.
wünsche dir sehr, dass du einen absprung schaffst...
lavendel