hallo,
spannende diskussion hier. dann mische ich doch gleich mal wieder mit
.
@ little: ich zieh mir ALLES an
. ohne scherz, weiss ich. aber die frage der ausrede war ja nun ein aufhänger.
lilly, du fragst:
Zitat
Neigen CO`s denn dazu, Konflikte zu vermeiden ?
ich: ja. ich habe einen riesen-schiss vor streit, egal mit wem. wenn ich ins büro komme versuche ich schon zu erspüren, wie die stimmung ist. ich traue mich nur in riesengroßen ausnahmefällen, zum beispiel unserer sekretärin mal einen vor den latz zu knallen, wenn sie sich unmöglich benimmt (zum beispiel meine post aufmacht). ich kann mich gut FÜR ANDERE reinhängen, z.b. meine kollegen vor meinem chef verteidigen, und ihm da contra geben. wenns um meine belange geht, fällt mir das furchtbar schwer. mache ich zwar mittlerweile, aber mit weichen knien und einer schlaflosen nacht vorher.
konflikte machen mir angst. hab schon oft drüber nachgedacht warum. zum einen gab es bei uns zuhause früher nie einen konstruktiven streit, glaube ich. was ich in erinnerung habe, sind schreiereien und prügel seitens meines vaters, wenn etwas nicht rund lief. nie hab ich zurückgeschrien, ich hab dann geheult und mich in meinem zimmer versteckt. also lieber klappe halten als contra geben. sicher war es da zum einen die angst vor körperlicher gewalt, aber sicher auch das gefühl, nicht "liebgehabt" zu werden, wenn man contra gibt. ich weiss nicht wo das herkommt. ich kann mich zumindest nicht an denm expliziten satz erinnern, dass ein kind nicht "nein" sagen darf oder so.
speedy schreibt
Zitat
Habe Ja gesagt, obwohl ich eigentlich Nein sagen wollte. Habe meine Bedürfnisse hinten an gestellt!
das hab ich auch ganz lange gemacht. dann hat meine therapeutin mich vor vielen jahren mal aufgefordert, mir eine woche lang bei JEDER meiner handlungen zu überlegen, ob ICH das will, und bei dingen, die ich explizit NICHT will, diese auch nicht zu tun. und gleichzeitig zu beobachten, wie die anderen reagieren. das war spannend. da hab ich festgestellt, dass ich einen großteil der dinge, die ich damals tat, nicht für mich, sondern für andere getan hab. das hat mich erschreckt. beim nicht-tun hab ich dann festgestellt, dass die anderen mich deshalb nicht (spürbar) weniger mochten. sie haben sich zwar gewundert, dass lavendel plötzliche keine lust aufs familienkaffeetrinken oder die firmung des nachbarkindes hatte. aber es wurde einfach so zur kenntnis genommen. staun. seitdem schaue ich viel mehr, was ich will und was nicht, und suche den kompromiss. was ich NICHT mehr tue ist dinge zu tun, vor denen mir graut. immerhin.
lilly, du fragst:
Zitat
Speedy schreibt, es wurde uns wohl in die Wiege gelegt, das glaube ich keinesfalls, ich denke, die "Erziehung" zum CO beginnt in frühester Kindheit durch die Eltern. Neigen Eltern denn auch so zu diesem Verhalten ? Das würde mich mal interessieren. Vielleicht machen sie die Kinder oft runter oder lächerlich, das sie kein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können ? War das bei Euch so ? Fühltest ihr Euch schon als Kinder manchmal "wertlos" ?
in die wiege gelegt glaube ich nicht. das kann man auch oft bei geschwisterkindern beobachten. mein bruder hatte die gleichen eltern und war doch ganz anders. er hat in fast allen situationen völlig anders reagiert als ich, obwohl wir nun wirklich die gleiche erziehung mitgekriegt haben. bei uns wurde auch nicht unterschieden mädchen - junge. ich hatte immer hosen an und bin auf bäume geklettert. puppen fand ich doof, lange haare und röcke auch
.
thema wertlos fühlen: bei meinen eltern habe ich das als völlig widersprüchlich mitbekommen. auf der einen seite das wunschkind, auf der anderen seite ein runtermachen. ich kann mich noch lebhaft dran erinnern, wie mein vater mir in der pubertät mal wörtlich gesagt hat "du hast ein a*** wie ein brauereipferd". das sitzt tief. gut, ich war pummeliger als jetzt, aber trotzdem, seitdem drehe ich mich und versuche im spiegel zu schauen, wie ich von hinten aussehe. das ist totaler quatsch, aber es sitzt tief. sowas ist niedermachen. oder der kommentar brillenschlange, oder pickelgesicht.
meine mutter hat im nüchternen kopf mich nicht explizit runtergemacht. aber sie hat sich über vieles lustig gemacht, was mir wichtig war. schwärmerei für schlagerstars, affinität zu kirche und glauben, mein erster freund, meine vorliebe für schlabberklamotten. dann war mein zeugnis mit einem guten schnitt nicht gut genug. so kleinigkeiten. aber als kind waren das für mich keine kleinigkeiten.
mittelerweile kann ich das einsortieren und stelle bei meiner mutter fest, dass dieses niedermachen von anderen menschen ein fester bestandteil ihres lebens ist. sie macht gott und die welt schlecht. diese nachbarin ist zu doof, ihre schwester blickt es nicht, der ist nicht intellektuell genug, jene ist spießig, die dritte hat keinen geschmack. furchtbar. ich hab auf diese gespräche keine lust und werde ganz schnell ganz einsilbig. ich frag mich immer, wie man mit solch einem blick aufs leben überhaupt leben kann. sie macht es ganz sicher, weil sie sich klein und doof vorkommt, anders kann ich es mir nicht erklären. und vielleicht hat sie auch versucht, das an ihren kindern auszutoben. ich hab mich jedenfalls früher weder gemocht noch geschätzt. aber das ist ja jetzt zum glück anders. ich find mich gut :D.
lavendel