hallo ihr beiden,
jetzt will ich doch auch mal eingreifen.
wildcat, natürlich kannst du hier schreiben, was du möchtest, aber es darf nicht dazu kommen, dasss eine sichtweise, die vielleicht für dich (momentan, behaupte ich mal) die richtige ist, unwidersprochen auch von anderen als richtig angesehen wird.
ich erzähl jetzt mal, wie es mir mit meinen alkoholkranken eltern ergangen ist. beide trinken/tranken, mein vater ist mittlerweile elendig daran verreckt (hier heißt es immer, am alkohol stirbt man nicht, man verreckt daran. und das kann ich nur unterschreiben. ich habs gesehen.) seit ich denken kann. komischerweise fand ich es bei meiner mutter immer schlimmer, obwohl es nicht so viel war. zu ihr hatte ich auch immer das bessere verhältnis - komisch. mit sieben, acht jahren hab ich den haushalt gemacht, für meine damals häufug betrunkene mutter und meinen kleinen bruder. mein vater war im aussendienst und nur an den wochenenden zuhause. ich war damals sehr stolz, dass ich das konnte. nur meinetwegen ging es ja irgendwie weiter.
und aus diesem muster bin ich ganz lange nicht herausgekommen. später hab ich beim arbeitgeber meiner mutter gelogen, dass sie grippe habe. habe geburtstagsgeschenke für meinen bruder gekauft, bei der bank gejammert, dass sie die miete überweisen, damit wir nicht aus der wohnung fliegen. da war ich etwa 15.
wildcat: ich hab gemacht, was ich meinte, als kind machen zu müssen, und ich bin von meinen trinkenden eltern prima instrumentalisiert worden. sicher nicht bewusst, aber trotzdem. solange lavendel immer weiter gemacht und gerödelt hat, sind die allergrößten katastrophen ausgeblieben. und lavendel war soooo stolz auf ihre stärke.
zum glück hab ich es durch trickserei geschaft, zum studium von zuhause auszuziehen. ich bin heute noch sicher, dass mir das das leben gerettet hat. der terror ging weiter - über die entfernung. anrufe mit selbstmorddrohungen "ich hab tabletten genommen", mitleidstour "du bist doch das einzige, was ich noch habe". morgens mittags abends nachts. irgendwann, als es wirklich nicht mehr ging, habe ich den kontrakt abgebrochen.
du schreibst:
Zitat
ich glaube damit wird man nie fertig man kann nur versuchen seine eigene Einstellung dazu zu ändern ich weiß das ist leichter gesagt als getan aber meiner Erfahrung nach ist es falsch den Kontakt abzubrechen wir müßen lernen den Menschen und den Alkohol zu trennen
meine "einstellung", ich müsse immer da sein, mich kümmern, es seien ja schliesslich meine eltern hat mich fast wahnsinnig gemacht. das pflichtgefühl von innen, die ansprüche von aussen: ich bin daran fast zerbrochen. als ich etwa in deinem alter war, habe ich für mich gesagt "bis hierher und nicht weiter". und ich bin so froh darüber. mühsam, ganz mühsam habe ich danach wieder ein eigenes leben gelernt. ich zucke immer noch zusammen, wenn meine mutter hier betrunken anruft, natürlich, es ist meine mutter, aber ich rede dann nicht mit ihr. sie ist für ihr leben verantwortlich, ich für meins. schlimm genug, dass sie mir davon vieleviele jahre zur hölle gemacht hat. ich habe/hatte alles recht der welt zu sagen "schluss", und weil ich weiß, wie schwer und schlimm das für ein alkoholikerkind ist, und weil ich auch weiß, dass man in der regel erst NACH diesem schritt anfängt, ein lebenswertes eigenes leben zu haben rate ich hier im schlimmsten fall zum kontaktabbruch.
mag sein, dass du stärker bist, als ich es war, mag sein, dass es dir alles nicht so nah geht, dein vater dich in ruhe lässt oder du dch gebraucht fühlen möchtest - ich weiß nicht, warum du so schreibst wie du schreibst. ich wäre an meiner mutter kaputt gegangen.
mein bruder ist an meinen eltern kaputt gegangen. bei seinem ersten selbstmordversuch mit 16 hatte er einen zettel auf den tisch gelegt "trinkt ruhig weiter". meine eltern haben ihn dafür zusammengeschissen im krankenhaus. mit 18 hat er sich umgebracht, unter anderem weil er aus der situation nicht herauskam.
deshalb bitte ich dich ganz dringend darum zu überlegen, ob dein weg, einen alkoholiker auf seinem nassen weg zu begleiten und damit auch zu unterstützen, wirklich für jeden das richtige ist.
gruß
lavendel