Beiträge von lavendel

    hallo mystique,

    ich kann dir als erwachsene tochter einer alkoholiker-mutter nur sagen: zieh dich da raus! du hast KEINE chance, wenn sie nicht will. überhaupt keine! meine mutter ist mir auch immer entgegengetorkelt, hatte sich einparmümiert und gesagt"nein, ich hab doch nix getrunken."

    es hat keinen sinn. reden nicht, wegschütten nicht, einsperren nicht. sie muss so weit unten landen, dass SIE merkt, dass es nicht mehr geht. das kann körperlich sein, verlust der arbeit, verlust der tochter, oder was auch immer. das ist wahrscheinlich bei jedem etwas anderes, was ihn/sie zum aufwachen bringt. oder eben auch nicht. aber das hast DU nicht in der hand! das musst du dir immer wieder klar machen.

    du bist machtlos. das hab ich auch ganz mühsam lernen müssen, mit schlechtem gewissen, angst, dass sie sich was antut, dass man sie tot in der wohnung findet..... und? wenn es so gewesen wäre? ICH hätte es nicht verhindern können. das ist brutal, aber es ist so. du kannst dich nur um dich und dein kind kümmern und ihr anbieten dass du für sie da bist, wenn sie schritte richtung abstinenz gehen will. und sieh zu, dass dieser psychostress nicht am ende DICH kaputtmacht. pass auf dich auf!

    liebe grüße

    lavendel

    hallo jahdawta,

    es liegt nicht an dir oder deinem verhalten, ob er heute abend trinkt oder nicht. er trinkt, wenn du "lieb" bist, wenn du "nicht lieb" bist, auch. mach dir keine vorwürfe. und eigentlich weißt du das doch - hast es tausendfach erlebt. konsequent bleiben, auch wenn das furchtbar schwer fällt.

    liebe grüße

    lavendel

    hallo,

    so "einfach" rät hier niemand einem angehörigen, seine/n partner/in zu verlassen. das ist, denke ich , immer der letzte schritt. was ich hier auch mal gelesen haben: "man kann niemenden trocken lieben". ich glaube mittlerweile auch, dass das nicht geht. das einzige was (vielleicht?!) funktioniert ist druck und das gegenüber wissen lassen, was ihm verloren geht, wenn er/sie so weitermacht. mamab, bine: wenn ich eure beiträge so lese denke ich dass ihr immer noch glaubt, ihr könntet eure männer durch kümmern, unterstützen und lieben "trockenlegen". ich glaube nicht, dass man den alkoholismus so bekämpfen kann. ich habe auch lange gedacht, dass - wenn ich versuche meinen partner zu verstehen, ihm rückhalt zu geben, sein trinken zu entschuldigen, ihn zu kontrollieren, ihm nichts zu trinken zu geben uswusw. - er schon einsehen wird, dass das nicht so weitergeht, dass er sich schadet... nix hat er eingesehen. es ging immer weiter, wurde immer mehr, ich hab mich immer mehr zurückgezogen, er hat immer mehr getrunken: ein teufelskreis. erst als ich ihm ganz ernsthaft gedroht habe ihn zu verlassen, wenn er weitertrinkt, und ihm gleichzeitig versprochen habe, alle schritte mit ihm zu gehen, wenn er sich zur trockenheit entschließt, ist ihm klargeworden, welche konsequenzen ihn erwarten. und erst das hat ihn zum nachdenken gebracht. nicht mein schimpfen, heulen, hoffen, meckern.....

    ich hab ihn nicht "einfach" verlassen, ich habe es ihm erst einmal nur angedroht. er, und nur er hat die chance, das zu verhindern. und wenn er sich für den alkohol entscheidet, wird er mich verlieren. er hat also eine wahl, und was er daraus macht, ist seine sache. aber ich mache es ihm eben nicht mehr so einfach, beides haben zu können, mich und den alkohol. vielleicht hilft es. ich hoffe es, denn auch er kann nur davon profitieren. und ich sowieso: entweder einen trockenen partner (was ich mir wünsche) oder eine (natürlich schmerzhafte) trennung, nach der es mir früher oder später besser gehen wird, weil dann nämlich nicht mehr angst und alkohol mein leben dominieren. hört sich brutal und egoistisch an, aber der alkoholiker ist auch brutal und egoistisch...

    noch was: nicht weil ich ihn nicht liebe, sondern weil ich ihn liebe, muss ich ihn verlassen, wenn er weitertrinkt, damit er vielleicht eine chance hat zu verstehen.

    wünsche euch viel kraft

    lavendel

    hallo darkend,

    kann mich so gut in dich hineinfühlen. und kann nur gebetsmühlenartig widerholen, was hier immer geschrieben wird: (wenn du noch mit ihr willst): im nüchternen zustand das gespräch suchen und ruhig und sachlich erzählen, wie es einem selbst geht, wie man sich fühlt, wie man die beziehung erlebt, was man vermisst, was man nicht mehr mag und nicht mehr haben will. dann aufzählen, was man sich wünscht, und dass das so, wie es jetzt läuft, einfach zusammen nicht mehr geht.

    ich hab meinem freund bei dem gespräch (s. unter "mein ultimatum - oh weh - und doch erleichtert" ausführlich geschrieben, wie ich dieses gespräch geführt habe. ich hab meinem partner deutlich gesagt, dass ich ihn als menschen liebe, aber dass ich ihn so, wie er derzeit war, nicht mehr mag. dass ich ihm nicht mehr vertraue und so mit ihm nicht mehr leben kann und möchte. dass ich die achtung verliere, habe ich nicht gesagt, aber ich denke, das kommt an. und einmal verloren heißt ja nicht für immer verloren, finde ich. wenn sich das gegenüber wieder wandelt hin zu dem menschen, der er oder sie mal war, kommt das ja wieder.

    ich bewundere meinen freund, der sich seit dem gespräch wirklich mühe gibt. er war heute mit mir eis essen, das haben wir im ganzen jahr noch nicht gehabt, weil bei ihm ausgehen immer trinken hieß. jetzt macht er pläne für einen italienisch-kurs. und da kann ich ihm sagen, dass ich ihn toll finde - und meine das auch. also: wenn du dir eine fortsetzung der beziehung wünschst: versuch es. und wenn nicht: dann musst du nägel mit köpfen machen. die angst, alleine zu sein, darf kein grund sein, an einer für dich schädlichen situation festzuhalten. du bist mehr wert! :D

    liebe grüße

    lavendel

    hallo jahdawta,

    das hat mein freund auch mit mir gemacht: gejammert, dass ich ja geld hab und er keins, dass ich mir den schinken beim metzger kaufe und er jetzt zu aldi muss, dass seine strümpfe alle löcher haben.... komisch, aber für den alkohol hat´s gereicht, auch für zigarillos und dvds. hatte auch immer ein schlechtes gwissen, es mir gutgehen zu lassen - wobei ich wahrlich keinen luxus treibe. irgendwann hab ich mir dann immer wieder vorgesagt: ich reiße mir im büro auch die beine aus, er sitzt zu hause und fühlt sich von gott und der welt schlecht behandelt. jetzt mache ich es so, dass ich ihm mein neues t-shirt eben nicht mehr zeige. und ich will kein schlechtes gewissen mehr haben, basta. (auch, wenn´s immer noch schwer fällt ;-)).

    ich finde dich nicht materialistisch, lass dir das nicht einreden! ich würde es auch nicht mögen, wenn man dinge von mir nimmt, ohne zu fragen. bekommen täte er alles, aber ich will gefragt werden! und das ist unabhängig von alkoholiker oder nicht-alkoholiker, das gebietet einfach die höflichkeit. finde ich.

    zu essen würde mein freund immer bei mir bekommen, auch wenn das wahrscheinlich schon wieder co ist. aber keinen tabak, kein wäsche für ihn waschen ("kannst meine maschine benutzen, klar, aber waschen musst du selbst, auch rausholen, aufhängen und abhängen.") und auch sonst nichts. essen zu verweigern, da hätte ich schwierigkeiten.

    ja, und an anderer stelle schreibst du, du hättest mit 50 angst alleine zu bleiben, ohne partner. weißt du wieviele in deinem (und jedem anderen alter) alleine sind? da wird man doch noch jemanden kennen lernen können?!?! meine mutter hat mit mitte fünfzig wieder geheiratet, meine oma mit über sechzig, eine gute freundin hat mit mitte sechszig ne kontaktanzeige aufgegeben und bändelt jetzt: also: die angst vorm alleinsein kann kein grund sein, dir dein leben so zu ruinieren, wie du es tust!!!!! das ist viel zu schade!!!!!

    zu den verlangten schritten: ich hab unter "mein ultimatum - oh weh" geschrieben, wie ich das mit den schritten und dem gespräch gemacht hab. mit einer art pufferzeit, die nicht besagt "jetzt sofort", sondern "du hast zeit - aber nicht ewig". hab ich in meiner shg vorgeschlagen bekommen. das hat mir das gespräch mit ihm sehr erleichtert, weil ich es fair fand und auch vor mir vertreten kann. es räumt ihm nämlich eine echte chance ein, ohne hintertüren offen zu lassen. ich hoffe, es klappt. heute sind wir schon bei tag 19.

    wünsche dir viel kraft.

    lavendel

    hallo darkend,

    ich kann dir nur empfehlen: geh, wenn sie trinkt (und du das nicht erträgst). was ist das denn für ein abend, wenn du innerlich mit den zähnen knirschst, sie wahrscheinlich beobachtest und die gläser zählst. das ist doch nicht mehr passabel, oder? ich hab das am anfang auch noch gemacht und immer gedacht "soooo schlimm ist es ja nicht", aber tief in mir drin fand ich es furchtbar, da fand ich schon das erste glas furchtbar, weil ich nämlich genau wusste, dass es nicht bei einem bleibt, und mir ausrechnen konnte, wie ich mich ne stunde später fühle, wenn er sich das sechste glas wein aus der küche holt, ich bei meiner apfelschorle sitze und nur heulen könnte. ich hab das irgendwann nicht mehr ertragen. das sehen, riechen, hören meines angetrunkenen freundes. ich hab richtig angefangen mich vor der person zu ekeln, die da vor mir saß, und die achtung zu verlieren, und das wollte ich nicht. schließlich liebe ich ihn, und will nicht, dass sich solche gefühle in mir entwickeln, solange ich diese beziehung noch retten will.

    liebe grüße

    lavendel

    hallo fledermaus,

    da kann ich henri nur recht geben. ich habe das im frühjahr auch gemacht. habe mir ein billigticket gekauft und bin ALLEINE ein paar tage weggefahren. habe gut gegessen, geshoppt, in cafés gesessen und krimis gelesen. da ist es mir so gut gegangen wie monate vorher nicht mehr. fühlte mich plötzlich leicht, beschwingt und endlich mal wieder fröhlich. habe ihn einmal am tag angerufen, mir aber vorgenommen, mir KEIN schlechtes gewissen einreden zu lassen "du amüsierst dich, und ich bin hier alleine", sondern mir einfach gedacht "ich brauche das. für mich. zum überleben." versuch´s. es lohnt sich.

    liebe grüße

    lavendel

    hallo mamab,

    sorry, aber bei deinem letzten satz fällt mir die kinnlade runter: du kannst mit alkoholikern leben????? hast du nicht genug davon? willst du das dein ganzes weiteres leben mitmachen? und was meinst du, wie deine kinder das finden?

    ich komme aus einer alkoholikerfamilie, und ich weiß, wie viel auch kleine kinder mitbekommen und wie sie das bis ins erwachsenenleben hinein beeinträchtigt. werden/sollen deine kinder auch lernen, mit einem (nassen) alkoholikervater zu leben? au weia... ich hoffe, du weißt, was du da tust.

    gruß

    lavendel

    hi violetta,

    ja, ich denke, das ist wieder eine hintertür. mein freund ist auch (fast) nie ausfallend geworden, hat nicht geschlagen, seine wohnung nicht verwüstet und vollgeko***, ist nicht auf der strasse rumgetorkelt, hat keine weißen mäue gesehen.... all das, was ich von meinen alkoholiker-eltern kenne. und trotzdem: trinken jeden tag, keinen tag ohne, keine gespräche drüber, immer mehr, immer früher am tag, nicht ohne einschlafen können, alle versprechen brechen von wegen kein schnaps, nur noch am wochenend, weniger als früher: reicht das nicht? mir hat das gereicht. ich hab mich auch furchtbar schwer damit getan, obwohl er meinte, dass das alles nicht so schlimm ist und ich wahrlich schlimmere zustände kenne, mir einzugestehen, dass ich das in MEINEM leben nicht mehr haben will. am schluss war es mir sogar egal, ob er jetzt objektiv alkoholiker ist oder nicht. ICH hab für MICH festgestellt, dass SEIN trinken mir MEIN leben kaputt macht. und das reichte, um ernsthafte konsequenzen anzudrohen und mich aus diesem spiel zu verabschieden.

    deshalb fand ich ja die eingeräumte zeitspanne so eine gute idee (aus der shg): wissen, dass es nicht von jetzt auf gleich geht, aber auch wissend, dass ich das nicht ewig weitermachen kann und will. und indem ich ausgesprochen habe "ende oktober" steht dieses datum, und lässt sich eben nicht mehr dehnen wie "nächste woche höre ich ganz bestimmt auf".

    also: hintertüren zu ;)

    liebe grüße

    lavendel

    hallo violetta,

    ich hab meinem freund das besagte ultimatum "ich oder der alkohol" gestellt und von ihm konkrete schritte gefordert. hab aber offen gelassen, ob entzug, shg, suchtberatung, krankenhaus.... das muss er selbst wissen, was für ihn gut ist. habe aber auch gesagt, dass ich irgendetwas in der richtung erwarte, und dass er dafür 10 wochen zeit hat, und dass ich mich, falls bis dahin nichts passiert ist, von ihm trenne werde. ich finde diese schritte nicht zu groß, alles andere habt ihr bestimmt schon zig mal erfolglos durchexerziert.

    10 wochen nimmt bei ihm den druck raus, jetzt sofort und auf der stelle etwas tun zu müssen, aber 10 wochen sind auch keine allzu lange zeit. und für mich ist klar, das ich mich nicht (mehr) mit versprechen, die nach belieben gebrochen werden, abfinde. bisher hat es gewirkt, seit 15 tagen trinkt er keinen alohohol mehr und war bei seiner hausärztin. ob die schritte folgen, werde ich sehen. aber ich habe ihm ganz deutlich gesagt, dass es für ihn nur noch entweder den alkohol ODER mich in seinem leben geben wird, und dass er es in der hand hat. das hat ihn scheinbar geschockt und zum nachdenken gebracht. aber ich glaube auch nur deshalb, weil ich es ganz ruhig und ganz ernst gesagt habe, nicht geschrien, nicht gedroht, sondern nur aufgezählt, was ich erwarte und unter welchen bedingungen es eine gemeinsame zukunft gibt. hab mich nicht auf diskussionen eingelassen, mich nicht verteidigt oder versucht ihm zu beweisen, dass er unrecht hat, sonder immer wieder wiederholt "überleg es dir".

    vielleicht wäre das ein weg?

    liebe grüße

    lavendel

    hallo violetta,

    so brutal das klingt: wenn dir dein freundeskreis wichtiger ist als ein leben für dich und deinen freund ohne alkohol (oder wenigstens der versuch), dann wird es immer so weitergehen.

    ich hab mir auch lange diese gedanken gemacht und angst gehabt alleine dazustehen, wenn ich meinem freund ein ultimatum stelle "ich oder der alkohol" und er sich für letzteres entscheidet. dann wäre bei mir auch ganz schnell die hälfte meiner kontakte weg gewesen. aber irgendwann war bei mir der leidensdruck so groß, dass mir klar war "so geht es nicht mehr weiter". und mir klar war, dass ich lieber allein bin, als mir um den preis der gesellschaft das trinken meines freundes weiter anzusehen und darunter zu leiden.

    habe dann in einem ersten schritt eine kontaktanzeige aufgegeben, dass ich nette frauen für unternehmungen suche. und ei der daus, es hat geklappt, und jetzt hab ich ein paar unbelastete, eigene kontakte. das wär doch schon mal ein anfang.

    wünsche dir viel kraft

    lavendel

    hallo windgeflüster,

    ich kann yorkie nur zustimmen. ich habe auch mit 18 zugesehen, zuhause rauszukommen, und trotzdem hat meine mutter mich ihrem terror über 200 km weiter verfolgt. ich bin oft auf dem zahnfleisch gegangen und habe irgendwann den kontakt abgebrochen. und was war ich erleichtert! klar, immer auch ein bisschen ein schlechtes gewissen, aber trotzdem war fest in meinem kopf: sie ist erwachsen, sie kann (und muss) sich selbst hilfe holen, es ist ihr leben. anders hätte ich den psychoterror und auch die ständigen sorgen nicht mehr ausgehalten (sie meldet sich nicht, sie geht nicht ans telefon, was ist denn jetzt schon wieder ?) oder: nachts klingelt das telefon, und ich stehe senkrecht im bett "es ist etws passiert!".

    wir haben jetzt regelmäßigen telefonischen kontakt, aber wenn ich auch nur einen anflug von alkohol in ihrer stimme höre sage ich ihr "wir können wieder miteinender reden, wenn du nüchtern bist" und lege auf. das ist mittlerweile angekommen.

    und für den zwerg? lieber keine oma, als eine, die unberechenbar ist. ein kind kann das nicht sortieren und nicht verstehen, dass die oma mal so und mal so ist. lieber abstand.

    wünsche dir viel kraft.

    lavendel

    hallo abc,

    puhhh, ganz schön viel, was du da erträgst oder meinst ertragen zu müssen. ich finde es ganz natürlich sich zu überlegen, ob man all das wegwirft, was man gemeinsam aufgebaut hat, ob man seine familie aufs spiel setzt und wirklich alleine leben kann und will, ob man sich das nicht alles einredet, was man derzeit an seinem partner negativ sieht, was einem missfällt, oder schlimmer noch, abstößt. man lässt sich nur allzu leicht wieder sand in die augen streuen, fängt an, dramatische dinge herunterzuspielen oder zu enstchuldigen, und das schöne, was man gemeinsam erlebt hat, wieder hervorzuholen. aber ich fürchte, dass das auf dauer trügerisch ist. es kann zwar sein, dass dein mann nach einem ausbruch eine zeitlang friedlich ist, nichts oder weniger trinkt, aber glaubst du, dass das trägt? nach so langer zeit? wenn du dir all das vor augen führst, was passiert ist, was er gesagt hat, was er getan hat? ich wäre da sehr skeptisch. wobei ich dich sehr gut verstehe :roll:.

    mein freund ist auch alkoholiker (finde ich, er findet das nicht). ich kämpfe seit einem dreivierteljahr darum, wie und ob ein gemeinsames leben weitergehen kann. ich habe viele kontakte verloren, weil ich sie mit meinem freund nicht mehr gemeinsam pflegen wollte (man weiß ja nie, was passiert), habe mich immer weiter isoliert, immer mehr auf ihn gestarrt, alle gedanken haben nur noch darum gekreist, wie ich verhindern kann, dass er alkohol trinkt. mit hilfe dieses forums und einer selbsthifegruppe habe ich mich mühsam an die erkenntnis herangetastet, dass ich dieses leben nicht auf dauer weiterleben kann und will. ICH gehe dabei drauf. ICH leide. ICH zermatere mir das hirn. ICH bin unglücklich. ICH baue körperlich immer mehr ab. wahrscheinlich geht es meinem freund auch so, aber ER tut, was er will. ER nimmt keine rücksicht. ER macht die flasche auf. ER betrinkt sich. ER beschimpft mich. ER pumpt mich an. und ICH kann daran nichts ändern :-(. soweit bin ich mittlerweile, und jetzt heißt meine devise nur noch, mich selbst zu retten. ich habe ihm ein ultimatum getellt, dass er sich zwischen mir und dem alkohol entscheiden muss. er hat für die ersten schritte 10 wochen zeit. und wenn er sich dann nicht für ein trockenes leben entschieden hat, MUSS ich gehen :-(. es geht nicht mehr anders. ich lasse mir nicht mein leben kaputtmachen. ich brauche meine kraft für meinen job, dafür, neue freundschaften aufzubauen und wieder anzufangen, an anderes als den alkohol zu denken :-).

    ich weiß nicht, was dabei herauskommt. ich habe tierische angst, dass er sich für den alkohol entscheidet, ich habe angst, alleine zu sein. aber trotzdem: objektiv betrachtet kann es für mich nur besser werden. was er mit seinem leben anfängt, ist seine entscheidung.

    und vielleicht würde das auch für dich gelten. du hast kinder. du kannst neue freundschaften suchen oder alte wieder aufbauen. du kannst tun, wozu du lust hast. du könntest ein italienisches oder französisches essen kochen, OHNE dir darüber gedanken zu machen, dass ein gegenüber nach wein schreit (ich hab auch schon angefangen so zu denken und nur noch das zu kochen wo ich meine, dass kein alkohol dazu passt. das ist doch bescheuert, oder????). ich weiß, es ist leicht gesagt, dass dir nur eine trennung eine chance gibt. aber wer weiß, vielleicht bringt das deinen mann zur einsicht? solche beispiele gibt es hier im forum, und auch in meiner selbsthilfegruppe, was ich dir übrigens nur empfehlen kann. da lernt man nämlich, dass man nicht spinnt mit seiner wahrnehmung.

    ach ja, und zum verstand: ich schreibe tagebuch, was er wann wo wie gesagt und getan hat. dann kann ich nämlich nachlesen und muss mich nicht immer fragen, ob ich das nicht alles falsch verstanden oder überdramatisiert habe, wie er immer mal wieder versucht mir einzureden :twisted: .

    wünsche dir viel kraft.

    lvendel

    hallo abc,

    bei meinem partner denke ich, dass er die dinge, die er im rausch sagt, auch wirklich meint. das sind bei uns zum glück nicht so gravierende dinge, wie du sie geschrieben hast, eher in die richtung "du bist erfolgreich und ich einen null, ich kann dir doch gar nichts bieten", grob vereinfacht. ich denke, so komplexe dingen, wie du sie geschrieben hast, entstehen nicht einfach in einem rausch. dazu gehört schon eine grundhaltung, die sich im rausch bahn bricht.

    ich weiß, das ist nicht tröstlich.... und du wolltest sicher etwas anderes hören.

    liebe grüße

    lavendel

    hallo didi,

    ich kann dich nur ermuntern, deine eigenen freundschaften zu hegen und zu pflegen. mir ist es so gegangen, dass ich mich zunehmend isoliert habe, weil es mir unangenehm war, mit meinem freund irgendwohin zugehen, weil ich immer in sorge war, dass er sich "daneben" benimmt - wofür ich mich geschämt habe. am schluss fühlte ich mich einfach nur noch verlassen und fange jetzt auch langsam wieder an, eigene freundschaften, unabhängig von ihm, zu suchen und zu pflegen. und auf einmal meint mein freund, wieder zeit mir mir verbringen zu wollen.

    unabhängig von diesem effekt solltest du zusehen, dass du ein eigenes, halbwegs befriedigendes leben behälst, das nicht nur vom thema alkohol beherrscht wird, und aus dem du kraft schöpfen kannst. du gehst sonst irgendwann kaputt. und das geht schleichend, und irgendwann stellst du fest, dass es kurz vor zwölf ist. lass es nicht so weit kommen!

    wünsche dir viel kraft

    lavendel

    hallo darkend,

    trösten kann ich dich nicht, dich nur ermutigen, dir bloß alle diese schuhe nicht anzuziehen. ich glaube, bei jedem alkoholiker sind immer die anderen schuld, dass er/sie trinkt.

    meine mutter hat mir allen ernstes gesagt, dass ich - ihre tochter - schuld sei, dass sie trinkt. da war ich zehn! jetzt bin ich schuld, dass mein freund derzeit einen auftrag sausen lässt, weil ich mich geweigert habe, ihm geld zu leihen. früher oder später wird das der grund sein, warum er wieder massiv loslegen wird. ich verstehe ihn ja nicht, ich hab ihn nicht mehr lieb, ich distanziere mich, ich bin egoistisch, ich fröne meinem "es mir gut gehen lassen", ich wage es, mir von meinem verdienten geld unnötigerweise ein t-shirt zu kaufen, derweil er jetzt "wie arme leute" bei aldi einkaufen muss, ich blockiere urlaubsträume (weil ich ihm/uns keinen urlaub bezahle, auf den ich keine lust habe, derweil er geld für alkohol, zigarillos, filme und computerkramausgibt), ich wage es, alleine ins kino zu gehen, derweil er zu hause einsam ist (mitgehen? so einen scheiß sehe ich mir doch nicht an. zitat ende). ich hab was gekocht und ihm eine portion in meinen kühlschrank gestellt. er hätte heute 400 meter von seiner wohnung zu meiner gehen müssen und es sich holen. nein, er geht an die pommesbude und jammert hinterher, er habe seit wochen kein richtiges essen mehr gehabt. uswuswusw.

    ich hab für mich beschlossen, (zumindest ihm gegenüber, innen drin habe ich ein tierisch schlechtes gewissen) unbeeindruckt von all den tiraden zu sein. habe eine kontaktanzeige aufgegeben, um leute für freizeitunternehmungen kennen zu lernen, und habe mir einen flug über meinen geburtstag nach marseille gebucht. ehe ich mir den auch wieder versauen lasse "du hast ja gut feiern. mir geht es soooo schlecht..." seit ich mehr an mich denke, geht es mir (graduell) besser und ich hoffe, dass es bei ihm ankommt und vielleicht etwas verändert. ich trenne mich (noch) nicht vom ihm, aber ich demonstriere, dass ich ein eigenes leben leben kann, will und werde, wenn er weiter trinkt. vielleicht hilft´s. ich weiß es nicht.

    pass auf dich auf

    lavendel

    hallo,

    ich halte es so: wenn mein freund bei mir was zu trinken habe möchte, und wir sind allein, bekommt er nichts. wenn ich bei ihm bin, trinke ich nur wasser oder tee, auch wenn er akohol trinkt. kneipenbesuche mit ihm verweigere ich. wenn wir besuch haben und alle was trinken (so wie gestern), trinke ich ein glas mit, dann ist schluss. hier habe ich noch keine lösung gefunden. wenn wir zu zweit ins restaurant gehen, bestelle ich mir alkoholfreies. wenn ich mit ner freundin ausgehe, trinke ich, wonach mir der sinn steht. mal alkohol, mal nicht. ich sehe auch nicht ein, für mich darauf zu verzichten, wenn ich MAL spaß an einem glas habe, und kein problem damit. aber zu zweit mit meinen freund eben nicht. aus prinzip.

    gruß

    lavendel

    hallo franz,

    ich kann mich diandra nur anschließen: sieh zu, dass du eine räumliche trennung hinbekommst! ich bin mit 18 bei meinen alkoholiker-eltern ausgezogen. gut, es war zum studium, damit war nicht so klar, dass ich nur weg wollte. aber ich hätte natürlich auch in der nachbarstadt studieren können und zuhause beiben. aber ich wollte nicht, ich habe einfach gespürt, dass ich raus muss, weil ich das sonst nicht überstanden hätte. und ich kann dir nur sagen: ich habe nach über 13 jahren des lebens und leidens als kind bei alkoholikereltern einen knacks weg, da bin ich ich mir ganz sicher! wenn du das also bei dir befürchtst, und ja auch schon feststellt, das die situation dein lene beeintrchtigt bei der arbeit und in der beziehung: dann tu was für dich! sei im besten sinne egoistisch. denk an DICH! deine mutter tut auch nichts anderes. sie denkt nur an sich und ihren stoff. ihr ist es in ihrer situation völlig egal, wie es dir geht, deinem bruder und deinem vater.und do willst dein leben opfern? das würd ich mir überlegen!
    ich halte es so, dass ich meiner mutter nach jahrelangem leiden (da war ich schon lange weg von zuhause) gesagt habe "mit mir nur noch nüchtern kontakt). bisher klappt es. und noch was: alles heule, vorwürfe, gut zureden, notarzt holen, krankenhauseinweisungen haben sie nicht vom trinken abgebracht. auch mein auszug nicht, auch der erste selbstmordversuch meines bruders nicht (wo er ihr nen zettel hingelegt hat "trink ruhig weiter"). nichts. sie wollte nicht, und dann hat sie eben nicht. irgendwann, viel später,als alles in ihrem leben kaputt war, sie in der psychiatrie gelandet ist, dann irgendwann erst war ihr persönlicher tiefpunkt erreicht, der sie zum aufhören gebracht hat.

    ich weiß, dass sich dar brutal anhört. ich will dir nur aufzeigen, dass DU NICHTS, aber auch GARNICHTS zum trockenwerden einer mutter tun kannst. du kannst ihr nur sagen, dass du fr sie dabist, wenn sie trocken werden will, ansonsten eben nicht

    wünsche dir viel kraft.

    lavendel

    p.s. als ich irgendwann mal im seelsorgegespräch bei meinem pastor war und ihm gesagt habe, dass in der bibel doch steht "du sollst deine eltern lieben" und ich mich so sch**** fühle, weil ich das nicht kann, hat er buchstäblich gebrüllt "sch*** liebesgebot". ich solle auch mal daran denken, dass ich als kind in solch einer situation opfer sei und alles recht der welt habe, diese eltern so nicht zu lieben. und dass ich mich erst einmal selbst lieben müsste.

    hallo,

    ich als kind von alkoholiker-eltern finde die frage auch nicht überflüssig, ob alkoholismus vererbbar ist oder nicht. mir geht es so, dass ich mich fast ständig misstrauisch beäuge, ob mein alkoholkonsum (noch) normal ist, ob ich zu oft daran denke, ob ich ich ohne kann, ob ich in gefahr bin, ob mein kopfweh morgens von dem glas wein am abend kommt oder vom wetter usw.usw. dabei halte ich meinen alkoholkonsum für "normal". längst nicht jeden tag, kann gut ohne, neide ihn anderen nicht, kann nach einem glas aufhören und auch wochen, monate ohne, ohne das er mir fehlt... trotzdem traue ich mir selbst nicht und habe statistiken im kopf, dass 50% der alkoholkerkinder selbst alkoholiker werden. finde die frage also durchaus berechtigt und für mich auch relevant. meine beste freundin, deren vater auch alkoholiker war, stellt sich die gleichen fragen. soviel nur dazu.

    viele grüße

    lavendel

    hallo,

    bin nicht mehr ganz neu hier ;-), lese fast täglich und schreibe manchmal, aber meist zu anderen beiträgen. offiziell "vorgestellt" in dieser rubrik habe ich mich noch nicht. aber jetzt:

    ich bin angehörige in zweierlei hinsicht. bin in einer alkoholikerfamilie aufgewachsen, der alkohol hat das familienleben bestimmt, seit ich denken kann. mein vater galt als "quartalssäufer", beruflich erfolgreich, aber am wochenende hat er - meist mit freunden - einen draufgemacht. meine eltern ließen sich scheiden, da war ich zehn. bin dann mit meinem bruder zu meiner mutter gekommen. sie hat auch schon immer getrunken, dann wochenlang, im bett gelegen, haushalt vernachlässigt, männer angeschleppt, job verloren. dazwischen trockene phasen. derzeit scheint sie mir schon seit längerer zeit trocken zu sein. wir sehen uns kaum, haben aber nach vielen jahren der totalen stille wieder regelmäßigen telefonkontakt. mein vater ist - nachdem er im suff seinen führerschein verloren hat - arbeitslos geworden, hat keinen job mehr gefunden und sich dann langsam totgetrunken. als er endeckte, dass er leberkrebs hat, war es zu spät. von meinen eltern habe ich mich "emanzipiert", indem ich über lange zeit (jahre!) jeden kontakt verweigert habe und ihnen auch gesagt habe, warum. auch jetzt ist klar, dass ich mit meiner mutter nur telefoniere, wenn sie nüchtern ist. dazu gebraucht hat es therapien, seelsorgegespräche und antidepressiva. aber irgendwie bin ich durchgekommen. das war ein schmerzhafter prozess, aber ich glaube buchstäblich, dass er mir das leben gerettet hat. ich hätte den terror, die vorwürfe und das ständige unter-strom-stehen nicht ewig ausgehalten. mit dem thema eltern und alkohol komme ich also klar.

    womit ich (noch) nicht klar komme, ist mein freund. wir sind seit knapp sechs jahren zusammen, und für meine begriffe driftet er seit einem dreiviertel jahr in den alkoholismus ab. wir haben immer mal zusammen was getrunken, und für meine begriffe war es immer ein normales maß. ende letzten jahres wurde es dann bei ihm immer mehr, er wurde in gesellschaft unangenehm (fand ich), und dann gabe es anfang diesen jahres fünf böse abstürze. dazu kamen ewige versprechen "ab morgen nicht mehr, nur noch mit dir und so viel wie du, nicht unter der woche, nicht alleine..." ihr kennt das. nichts davon wurde eingehalten. ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen, aber er wirft mir vor, dass ich übertreibe, übertrage und überdramatisiere aus meiner vergangenheit heraus.ich finde das nicht, schreibe tagebuch, um nachlesen zu können, dass ich mir das alles nicht einbilde. mittlerweile gibt es in meinem haushalt für ihn keinen alkohol mehr, und in seiner gegenwart trinke ich auch keinen mehr. ich gehe seit sechs wochen in eine selbsthilfegruppe (kreuzbund) und versuche mich zu distanzieren. das klappt mittlerweile ganz gut, ist aber auf dauer keine lösung, da es auf zwei getrennte leben hinausläuft, wenn ich das weiter so durchziehe. den letzten schritt, ihm das ultimatum zu stellen "ich oder der alkohol", bzw. "entgiftung, therapie und weitere beziehung" oder "alkohol und trennung" habe ich noch nicht gewagt, obwohl es wohl darauf hinauslaufen wird. in den letzten paar wochen ist es um das thema alkohol ruhig geworden, ich denke, er trinkt in maßen, ich weiß aber auch, dass das wahrscheinlich so nicht auf dauer weitergehen wird. es ist also eine frage der zeit, wann ich den letzten schritt gehen muss, vor dem ich eine tierische angst habe :-(. so viel erst einmal für heute.

    euch allen, und insbesondere den organisatoren betreibern dieses forums: vielen dank für eure mühe. allein das regelmäßige lesen in den letzten drei monaten hat mich zu einer einsicht gebracht, zu der ich alleine nicht gelangt wäre. nun bitte ich aber trotzdem noch um ein bisschen geduld, wenn der letzte schritt noch etwas braucht - viele von euch sind einfach schon weiter :D.

    lavendel