Morgen liebe Melanie,
ich weine durchaus mit und vor meinen Kindern, dass ist nicht das Problem.
Mein Großer ist sehr sensibel, und saugt meine Gefühle, egal ob traurig oder lustig auf wie ein trockener Schwamm.
Er hat für sich die Rolle des "Beschützers" gefunden, und da bin mal ich, und da ist mal mein Mann dran.
Ich denke nur, das ist einfach eine zuuu große Rolle, die er sich auf den Rücken geschnallt hat, er ist erst 15. Und ich möchte nicht, dass er der Starke spielt, um mich zu entlasten. Deshalb fällt es mir manchmal schwer, vor ihm zu weinen. Weil ich weiß, dass er sich dann verantwortlich fühlt, das zu regeln, und das kann er einfach nicht und das will ich nicht. Er muss Kind bleiben können. Und ich hab Angst, dass er irgendwann mal zusammen kracht.
Ich hab mit ihm auch schon darüber gesprochen, und wir haben vereinbart, dass wir uns erzählen, was uns belastet. Er will auch dass wir miteinander viel reden, damit er die eine oder andere Reaktion von mir auch versteht und nachvollziehen kann.
Ich bin stets bemüht, aber auch er hat so seine Probleme damit, weil er genauso wie ich diesen Spagat, zwischen dem "sich mitteilen" und dem "den anderen nicht zu sehr belasten" schwer fällt.
Aber wir arbeiten daran, und es wird immer besser.
Wichtig ist für mich nur: das im Gespräch-bleiben.
Mein Kleiner ist da ein ganz anderes Kaliber, der platzt mit seinen Gefühlen und seinen Äußerungen raus, ohne Rücksicht auf Verluste.
Und das ist gut so. Es ist so erfrischend ehrlich und direkt, und ich und mein Großer profitieren davon, da wir zwei doch sehr sensibel und "verkopft" sind, wie du immer sagst.
Gestern hatten die Kinder ein Sommerfest mit Eltern, und sie haben ihren Papa auch gefragt, ob er mitkommt.
Mein Mann saß da, und hat sich zusammen gerissen, erstmal ein zwei Stunden zugeschaut, wie die anderen Männer Bier getrunken haben, und ist dann sich auch eins holen gegangen.
Er fühlt sich ganz in Sicherheit, er hatte ja schließlich nicht so viel, wie die anderen getrunken, die hatten bereits 2 Bier.
Und als er uns dann heim gefahren hatte, legte meine Kleiner dann los.
"Papa, hast Du jetzt was unternommen, wegen Deinem Problem" "warum noch nicht"... er sagte es wär jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ( so auf der Heimfahrt) um das zu besprechen "warum nicht ? Brauchst sooo lang zum antworten ???" ...meine Mann sagte, dass die anderen ja schließlich mehr getrunken haben " die haben ja nicht Dein Problem, Papa.."
Lange Rede kurzer Sinn, aber mein Kleiner hat sich nicht einlullen lassen, hat immer weiter gebohrt, soo direkt, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen.
Die Therapeutin von der Suchtberatung hatte ihm ja gesagt, er darf ruhig alles fragen was er wissen möchte, und soll sich da ja auch nicht zurück nehmen. Und das setzt er dermaßen direkt um, dass ich eigentlich nur schmunzelnd im Auto saß.
Und auch mein Großer, hört gespannt auf die Antworten über die Fragen, die er sich nicht zu stellen traut.
Erst als mein Mann den Kleinen leicht angegriffen hat, weil dieser ihn an die Wand geredet hat, stellte sich der Große verbal schützend vor den kleinen Bruder.
Und mir wurde eines bewußt :
egal was mein Mann mir Blödes beschert hat, er hat mir doch auch zwei wunderbare Jungs geschenkt.
Ich will sie kein bisschen anders haben.
Ach Melanie, wenn es auch manchmal schwer ist, Mama zu sein, ist es doch ein großes Glück sie zu haben, gell.
Liebe Grüße,
nici
und einen schönen Sonntag dir noch.