Liebe Joanne,
ich finde es gut,dass du hier so ausführlich schreibst.
Auch das kann helfen,dir gut tun.
Ja,ich erinnere mich noch zu gut ,ich war über Jahre genauso handlungsunfähig wie du.
Ich wollte irgendwann fast nicht mehr leben,weil ich lieber sterben wollte als die hoffnung aufzugeben.
Als ich mich trennte,war es die Hölle.
Ich habe das wohl aus dem letzten bisschen Überlebenswillen getan,den ich noch hatte.
Erst als ich da raus war,fing ich an zu spüren,in was für einem Sumpf ich war.
Ich kannte keine Freude mehr,keine guten Gefühle,ich war wie tot.
Die wenigen Dinge,die ich früher für mich unternommen hatte,konnte ich nur wie durch einen Nebel erleben,bis ich wieder in meinem dunklen Zuhause verschwand.
Erst der räumliche Abstand und die absolut konsequente Trennung von allem,was mit dem Mann zu tun hatte,machten es möglich,dass sich ganz ganz langsam wieder Gefühle ihren Weg bahnten,die dazu führten,dass es mir langsam besser ging.
Ich hatte das alles vergessen....mich an was zu erfreuen,einen Abend vor mir zu haben,von dem ich weiß,es wird ein ruhiger Abend.
Was ich eigentlich sagen will....wenn du darauf wartest,dass du irgendwann aufstehst und frohgemut sagst:So,jetzt trenne ich mich...dann wirst du noch in 10 Jahren da sein wo du jetzt bist.
Du wirst wahrscheinlich erstmal das Gefühl haben,du handelst gegen deine Überzeugung.
Wenn du das zulassen kannst,dann kannst du auch gehen.
Und erst später wirst du sehen können,dass es dir besser geht.
Was deinen Mann,die Therapie,etc. angeht gehst du ja davon aus,dass es für deinen Mann eine Rolle spielt,was du tust oder nicht.
Glaubst du nicht,dass das ein Denkfehler ist??
Dein Mann entscheidet(zurecht) unabhängig von dir darüber,was er tut oder nicht.
Dass er saufen will,ist seine Entscheidung,die hat doch mit dir nix zu tun.
Wenn er nicht saufen will,ist das genauso.
Hört sich vll jetzt blöd an,aber so wichtig bist du nicht für ihn.
Mein Therapeut hat mal gesagt:glauben Sie,Sie sind allmächtig?
Dein Mann ist alkoholkrank und will dazu noch weitersaufen.
Glaubst du,da spielt es eine Rolle,ob du bei ihm bleibst oder in eine Wohnung ziehst??
Sollte er für sich gesund werden wollen,müsste er sein Leben ändern,für Monate in eine LZT.
Es führt doch gar kein Weg daran vorbei,dieseSymbiose aufzulösen.
Was die Verletzung mit der Säge angeht:
Kenn ich auch alles...ob total voll oder angetrunken,das zeigt doch,dass dieses Leben immer total gefährdet ist.
Es ist nicht möglich sich auf etwas zu verlassen.
Wenigstens dein Kind sollte das tun können.
Und deine Kraft,die versucht,das alles auszugleichen,scheint mir schon sehr am Ende.
Bei uns waren Geburtstage oder Weihnachten immer beliebte tage,sich Verletzungen zuzuziehen.
Joanne,niemand,noch nicht einmal meine 5 Kinder konnten mich von dem mann wegbringen.
Ich musste den Schritt selber schaffen.
Im nachhinein hätte ich mir und den Kindern viel ersparen können.
Aber damls konnte ich nicht anders.
Ich wünsche dir wirklich dass du bald ein anderes leben führst.
Liebe Grüße
Susanne