Beiträge von drybabe

    Hallo Trinity!
    Da antworte ich Dir doch auch gerne als trockene Alkoholikerin: Meiner Meinung nach merkt der Alkoholiker schon recht früh, dass "etwas nicht stimmt". Er merkt auch sehr früh "so kann das nicht weitergehen auf Dauer". Aber dann kommt er "Der Selbstbeschiss". Und das ist das Problem an der Sache.

    Zitat

    Mit hör auf zu saufen ist es ja nicht getan.

    Du kannst auch nicht zu einem Tumor sagen "Jetzt hör endlich auf, zu wachsen und zu metastasieren". Das Übel muß an der Wurzel gepackt werden. Und da haben Alkoholkranke einen klaren Vorteil gegenüber Krebskranken: Alkoholkranke können den Verlauf ihrer Erkrankung beeinflussen - positiv wie negativ.
    Das Selber-nicht-wahrhaben-wollen der eigenen Abhängigkeit ist das ganz große Problem in meinen Augen und auch in meinem persönlichen Fall. Ich habe mehrere Entgiftungen hinter mir und habe mehrmals versucht, Trinkpausen einzulegen, weniger - sprich kontrolliert - zu trinken. Weil ich wußte, mit mir stimmt etwas nicht in Bezug auf Alkohol. Und ganz tief im Inneren wußte ich auch schon recht früh, ich bin süchtig. Doch leider kippt dann der Alkoholiker auf dieses Problem erstmal einen drauf, damit alles nicht so schlimm ist!
    Hoffe, ich konnte Dir ein wenig meine Sichtweise darlegen.
    Schönen Gruß
    drybabe

    Wenn ich mir so überlege, welche Alkis ich kenne und welche Co´s, dann hält es sich geschlechtermäßig die Waage.
    Ich glaube auch, dass sich statistisch gesehen, Mann und Frau in Suchterkrankungen bzw. deren Häufigkeit fast die Waage halten. Eine ähnliche Entwicklung wie z.B. die des Lungenkrebses durch Rauchen. Früher, also vor ca. 20 Jahren, waren davon noch weit mehr Männer als Frauen betroffen, weil es vor knapp 50 Jahren eher "normal" war, das Männer rauchen, aber Frauen nicht. Heute ist die Verteilung der Patienten, welche an Lungenkrebs leiden, geschlechtsspezifisch nahezu ausgeglichen.
    Vielleicht fällt es bei Frauen, die saufen, erst später auf, weil sie gelernt haben, eine gewisse äußere Hülle aufrecht zu erhalten.
    Jedenfalls denke ich, dass es fast ausgeglichen ist, das Verhältnis Mann/Frau, sowohl beim Alkoholismus als auch bei der Co-Abhängigkeit.
    drybabe

    Hallo Noodles!
    Was würde sich ändern, wenn Du jetzt wieder trinkst?
    - kommt dann Deine Freundin zurück?
    - bist Du dann Deine Depris los?
    - bist Du dann glücklicher?

    Ich glaube, Du kennst die Antwort!!!

    Natürlich kenne ich auch solche Situationen und ich kenne den Saufdruck in solchen Situationen.
    Nur: Das Saufen macht alles nur noch schlimmer!!!
    Hast Du eine reale SHG, wo Du hingehen kannst?
    Hast Du Leute, die Du anrufen kannst und mit denen Du reden kannst?
    Auch wäre eine Option, morgen zum Arzt zu gehen, am besten zu einem Neurologen und Psychiater und ihm die Situation zu schildern.

    Bitte gib Deine Trockenheit nicht auf!

    Ich denk an Dich!
    Gruß
    Michi

    Ich finde, bei Ärzten kann man nicht vorsichtig genug sein!!! Übrigens auch bei Apothekern.
    " Da ist nur ganz wenig drin" hab ich schon einige Male gehört.
    Nur leider kann ja bekanntermaßen "ganz wenig" schnell zu "ganz viel" werden.
    Ich sag es auch bei neuen Ärzten immer gleich am Anfang und kontrollier jedes Rezept!
    Michi

    Also, was hält mich trocken?
    Meine Selbstachtung, meine Gesundheit, meine Anerkennung von Außen, meine Integration in der Gesellschaft, mein bei-mir-sein. Und zuletzt auch mein Stolz. Denn ich bin auch stolz darauf, sagen zu können: Ich bin trockene Alkoholikerin.
    Gruß
    Michi

    Hallo Philip!
    Ich denke, es geht nicht mit den alten Saufkumpels. Was hat Euch verbunden? Alkohol? Wenn der wegfällt, was verbindet Euch jetzt? Wenn Du Dir diese Frage beantworten kannst, ist die Sache eigentlich klar.
    Ich habe mich auch von solchen "Freundschaften" gelöst, und es war das beste, was ich tun konnte.
    Das trockene Leben zeigt Dir so viele wertvolle neue Begegnungen, da gilt es , neue Kontakte zu knüpfen, auf trockener Basis. Wie schon erwähnt, wenn Du für die anderen etwas wert bist, werden sie mit Dir nüchtern umgehen. Alles andere ist meiner Meinung nach gelogen.
    Alles Gute für Dich!
    Michi

    Hallo Xen!

    Dieses Gefühl kommt mir sehr bekannt vor. Und wie Martin schon sagt/schreibt, Alkohol ist da keine Lösung.
    Stell Dir mal vor, Du bestehst die Probezeit nicht. Vermutlich aufgrund noch nicht kompletter Genesung wegen Deines burnouts. Dann hast Du 2 Möglichkeiten:
    1. zu saufen. Dann würdest Du Dich nicht nur wegen der Arbeit schämen, sondern auch, weil Du nach 1,5 Jahren wieder angefangen hast. Dann ist´s vorbei mit der jetzt vorhandenen Kraft, denn die ist dann im A.rsch. Wie lange es dann dauert und ob es überhaupt geht, dass Du dann wieder trocken wirst, Dich aufrappelst, neue Kraft, neuen Mut und vor allem neues Selbstwertgefühl hast, wer weiß ... .

    2. sich zu überlegen, dass Deine Gesundheit bzw. Dein Körper Dir ganz klare Signale gibt. Er ist ausgebrannt, will Erholung, Ruhe, Zeit. Die kannst Du ihm dann geben. Du kannst Dich dann liebevoll um das wichtigste in Deinem Leben kümmern: Um Dich SELBST!

    Es gäbe da noch die 3. und hoffentlich für Dich zutreffendste Möglichkeit: Deine Chefs sind nett, lassen Dich die Probezeit bestehen und Du versuchst im Alltag bzw. trotz des Alltages, ganz, ganz viel Gutes für Dich zu tun.

    Wenn ich so Anflüge von Saufdruck habe oder sich der Gedanke bei mir einschleicht, dann überlege ich mir diese Wege als Alternativen.

    Lieben Gruß
    Michi

    Moin Dirk!
    Ich kann Dich gut verstehen bzw. es nachempfinden, mir ging es ähnlich.
    Ich hatte sehr große Kontaktschwierigkeiten, die wurden dann durch´s saufen "besser". Ich habe mich zum Ende hin gar nicht mehr getraut, ohne Promille im Blut an irgendwelchen gesellschaftlichen Sachen teilzunehmen.
    Und daher genieße ich es jetzt, wieder klar und nüchtern raus zu gehen, neue Leute kennen zu lernen. Sehr schnell sage ich, ich bin trockene Alkoholikerin. Damit ist dann klar, ich trinke keinen Alkohol. Aber auf den Kontakt zu Menschen, die mir gut tun und die ich interessant finde, will ich nicht verzichten.
    Welchen Nutzen hat es, wenn ich mich wieder verkrieche, nur um nicht im real life mit Alkohol in Berührung (meist visuell) zu kommen und dann vor Einsamkeit zu Hause wieder mit dem Saufen anfange, weil es mir so auf die Ketten geht, alleine zu sein?
    Ich denke, man muß sich und die Alkoholkrankheit kennen und den goldenen Mittelweg finden.
    Zum angesprochenen Thema Hobbys kann ich sagen, dass ich seit dem beginn meiner Abstinenz/Trockenheit wieder Sport treibe, wahnsinnig gerne fotografiere und wieder lese. Das macht mir viel Spaß und es gibt mir ein gutes Gefühl. Früher zu nassen Zeiten hatte ich mir teilweise immer gewünscht, ein Hobby zu haben. Aber da war das Saufen wichtiger!
    Es grüßt Dich
    Michi

    Hallo Flor!
    Also, aus beruflichen gründen muß ich mir täglich mehrfach mit alkoholischen Desinfektionsmitteln die Hände etc. desinfizieren. Das zeug stinkt krass, aber das macht mir komischerweise nichts aus. Ich schaue nur, dass ich nicht gleich mit meinen Händen ins Gesicht komme.
    Bei Lebensmitteln bin ich da sehr vorsichtig, gerade was Essig und Saucen angeht. Ich hab schon so manches Produkt nach dem Aufreißen sofort weggeschmissen, weil mir irgendwas alkoholisch vorkam. Da mach ich auch keine Kompromisse, da es mir beim Essen auf jeden Fall was ausmacht.
    Versuch Dir einfach anzugewöhnen, beim Einkaufen auf die Verpackung zu schauen und zu Hause dran zu riechen.
    Z.B. bei Mundwässern ist es ja auch so eine Sache: Es gibt aber glücklicherweise welche ohne Alk, die auch noch günstig sind. Genauso bei Zahnpasta.
    Und im Cafe´bestell ich mittlerweile meist Käsekuchen zum Käffchen, der ist eigentlich immer ohne Alk.

    Lieben Gruß
    Michi

    Ich bin auch der Meinung, dass es viele Tiefpünktchen und dann den Tiefpunkt gibt.
    Tiefpünktchen begannen bei mir im Winter 08/09 mit dem ersten Entzug. Ja, ich hab ein Alkoholproblem, werd erstmal nix trinken. Der Körper ist ja noch gesund.
    6 Wochen später der erste Rückfall. Meine Eltern brachten mich für eine Nacht in die "Klapse". Die entliessen mich nächsten Tag. Is ja alles nicht so schlimm. Nein, Mama und Papa und Familie und Freunde, ich trink nicht mehr.
    Danach dann heimlich getrunken. Zweiten Entzug stationär im Mai 09. Danach regelmäßig alle 2 Wochen mehrere Trinkexzess-Tage am Stück. Umgebung/Familie/Freunde waren völlig am Ende und ratlos.
    Dann der 17.8.09: Morgens in der Kneipe merkte ich schon, dass oben kaum noch Alk reinging, aber ich mußte doch! Ich wurde entzügig, hab versucht, Hochprozentiges reinzukippen. Immer wieder zwischen durch unbemerkt auf´s Klo zum Brechen.
    Die Oberbauchschmerzen wurden immer schlimmer. Ich wußte es, dass ich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung vom Saufen, eine sog. äthyltoxische Pankreatitis hatte. Aber oben mußte doch was rein, in die Birne.
    Zu Hause bin ich dann vom Bett alle halbe Stunde zum Klo gekrochen und habe gekotzt. Ich hatte Todesangst. Ich wußte nicht, ob ich das überlebe, da mir klar war, dass so eine Pankreatitis unbehandelt tödlich verlaufen kann.
    Teilweise habe ich es nicht mehr bis zum Klo geschafft.
    Irgendwann bin ich dann eingeschlafen in der Hoffnung, am nächsten Morgen aufzuwachen. Das war dann der 18.8.09 und mein Tiefpunkt.
    Michi

    Hallo!
    Ich möchte auch noch meinen Senf zum Thema Verzicht dazugeben.
    Während meiner ersten Entgiftung und dem 18.8.09 lagen ca. 9 Monate. In denen bin ich immer wieder rückfällig geworden, weil ich großen Verzicht verspürte: Verzicht auf den Alkohol.
    Ich habe immer wieder gedacht, meine Güte, wie soll ich ohne den Stoff überhaupt leben? Das geht doch gar nicht. Es gibt doch viel zu viele Situationen, in denen ich ihn brauche. Dann kam der 17.8.09, ich war wieder mal voll und hatte die heftigste Bauchspeicheldrüsenentzündung, die ich jemals hatte. Kotzend auf allen Vieren vom Bett zum Klo und zurück, schwer entzügig, aber oben ging nix mehr rein. Da war plötzlich der Gedanke da, wie soll ich bloß mit diesem Gift weiterleben, das geht nicht. Entweder ich oder der Alkohol. Ich habe mich dann für mein Leben entschieden. Seitdem ist es für mich kein Verzicht mehr, ich muß nicht auf etwas verzichten, was mich definitiv umbringen würde. Natürlich habe ich ab und an auch mal Suchtdruck. Aber auch das sind dann keine wirklichen Verzichtsgedanken.
    Wahrscheinlich hätte ich Verzichtsgedanken, wenn ich weiter gesoffen hätte und jetzt von unten die Radieschen zählen würde und nicht in den Genuß eines klaren und meist sehr erfüllten Daseins gelangt wäre.
    Alles Gute!
    Michi

    Hallo Fibi!
    Ein Herzliches Willkommen hier!
    Der erste Schritt ist getan, klasse!
    Ich wünsche Dir hier einen guten Austausch!
    "Ich fang noch mal zu leben an", sehr sehr gutes Buch!!!
    Alles Liebe!
    drybabe

    Hallo Ihr beiden!
    Vielen Dank für die schnellen Antworten.
    Ich hab die Dinger dann doch lieber weggeworfen, weil sie eben nicht an der Luft hingen. Das wußte ich gar nicht, siehste, wieder was dazugelernt. Wenn ich jetzt noch kochen könnte! :oops: naja, egal.
    Liebe Grüße
    Michi