Hallo Matthias – Danke Hartmut
Ich bin mir nicht sicher, ob die meisten etwas Ähnliches unter dem „Suchtgedächtnis“ verstehen. Ich finde es erfreulich, dass ich nunmehr zwei kenne, die ein vergleichbares Verständnis davon haben, wie ich.
Nichts für ungut, B. C, genau das was du schreibst, ist das was ich mit Verwirrung stiften meine. Es ist gut gemeint und zeigt dein Interesse, aber bringt mich das weiter? Was hilft es mir über einen Prozess im Gehirn zu wissen (den die Neurobiologen nicht einmal verstehen), wenn mir die Ursächlichkeiten meiner Sucht nicht bewusst werden.
Wandel im Denken und Handeln haben wenig mit meinem Hormonhaushalt zu tun (von den guten Gefühlen bei Erreichen von gesteckten Zielen einmal abgesehen). Es erläutert mir ein Stück weit die Bio-Chemie – doch sonst? ... es erklärt mir nicht mein Verhalten und es gibt mir schlimmstenfalls einen Grund mich nicht zu verändern.
Unwissenschaftliche und gut gemeinte Grüße – Uwe.
Beiträge von uwe.rothaemel
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Beim Lesen in den verschiedenen Threads, fällt immer wieder ein Begriff, den ich für mich nicht so akzeptieren kann. „Das Suchtgedächtnis“. Was ist das den für ein Mysterium, welches durch die Suchtthematik spukt? Ich denke, dass so ein imaginärer Ort im Zentrum meines Gehirns mehr Verwirrung stiftet, als erklärt.
Meiner Meinung nach ist es nicht wirklich notwendig, meinen persönlichen Erinnerungen einen speziellen Platz zuzuordnen, um sie „Dingfest“ zu machen. Mag sein, dass ich mir Verhaltensweisen angeeignet habe, die in ihrer Quintessenz schädliche Auswirkungen auf Körper und Geist hatten. Zum Zeitpunkt ihrer „Entstehung“ haben diese aber auch einen Sinn fürs Dasein gehabt (vermutlich mehr unbewusst). Sicherlich sind sie aber heute, unangemessene Reaktionen auf meine Lebensumstände. Lediglich Automatismen aus meiner Vergangenheit, die zu meiner jetzigen Wirklichkeit keinen Bezug mehr haben. Dies zu erkennen ist die Aufgabe, der ich mich stelle. Wissentlich vergessen ist wohl nicht möglich – andere Lösungsansätze zu finden, allerdings keine Unmöglichkeit. Das es sporadisch Situationen gab und weiter geben wird, wo die Erinnerungen an Gefühle und Gelegenheiten im direkten Zusammenhang mit dem Konsum des Suchtmittels stehen, ist mir bewusst. Das bedingt aber bei mir nicht das Nachgeben an diese Erinnerungen (nicht einmal Angst), sondern ein Verständnis für meine Person. Ein: „Aha – deswegen bin ich, wie ich bin und genau darum mache ich es nun anders!“ Das ist für mich die wichtige Auseinandersetzung. Es ist wie ein erlernen einer neuen „Theorie“ für mein Leben. Die schon gelebte hatte ihre Mängel und die Erinnerungen daran, lassen mich neue Erfahrungen sammeln – für neue Erinnerungen. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich nun kein „Nichtsuchtgedächtnis“ bekomme.
Gruß - Uwe -
Hallo Dennis
Nun, nicht jeder personifiziert seinen Weg, zur Lösung der Aufgaben mit den inneren Konflikten, so wie du. Wenn deine momentane Sicht der Dinge ebenso ist – sei`s drum. Aus dem Kampf kann ja ohne weiteres noch ein Frieden mit die selbst erwachsen
Für mich selbst ist es immer wieder ein Hinschauen wert, ob ich von mir auf andere schließe. Das passiert gelegentlich – führt aber regelmäßig zu Missverständnissen. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen.
Was du mit dem „Wir – Gefühl“ anklingen lassen willst, ist allerdings ein wichtiger Bestandteil der Selbsthilfe. Ich kann meine Veränderungen nur für mich allein vollziehen – doch dabei begleitet zu werden, Zuspruch zu bekommen, ein Stück weit Hoffnungen wecken und eben in der Situation wahrgenommen zu werden – dafür ist Hilfe zur Selbsthilfe mit „erfunden“ worden. Einzelkämpfer sterben meist auch einsam.
Gruß Uwe. -
Hallo Jazz
Linde hat vollkommen recht! Ich bin nicht du.
Es hat auch einiges an Energie und Kraft gekostet, dass ich jetzt hier entspannt schreiben kann. Nicht nur meine Familie und der Freundeskreis, weiß um meine Sucht – auch alle Kollegen. Ein nicht zu unterschätzenter Faktor von Beginn an. Außerdem bin ich aktiv in der Selbsthilfe tätig, was auch nochmal zu einer ständigen Auseinandersetzung mit der eigenen Person beiträgt. Einfach aufhören zu trinken und trotzdem weiter die ständige Konfrontation mit dem Suchtmittel, hätte für mich wohl wenig Aussicht auf Erfolg gehabt.
Es hat für mich Sinn gemacht, erst einmal alles in Frage zu stellen. Dabei war einiges an persönlicher Ehrlichkeit gefordert, eine gute Portion Demut und das Eingeständnis: fürs erste gescheitert zu sein. Das Erkennen der Chancen aus der „Niederlage“ kam erst weit später.
Risikominimierung zu Beginn der Abstinenz – da gehört der Arbeitsplatz dazu. Der erste Schritt für mich war hierbei die Bekanntmachung meiner Sucht und der Abstand vom Beruf.
Ich wünsche mir, dass du für dich die angemessenen Entscheidungen treffen kannst. Egal welche – einige werden weh tun.
P.S. Linde, den herumgeisternden Kneipenwirt nehm ich mal nicht persönlich.
Menschen, welche sich konsequent und engagiert um ihr Leben kümmern, Einsichten für sich umzusetzen verstehen, mögen eine Ausnahme darstellen – doch genau diese haben einen Vorteil für eine dauerhafte, selbstbestimmte und zufriedene Abstinenz. Unabhängig vom sozialen und beruflichen Umfeld.
LG – Uwe. -
Hallo Jazz
Ich arbeite selbst weiter in der Gastronomie. Für mich stellen sich da auch keine größeren Herausforderungen im Bezug auf meine Abstinenz mehr. Ehe ich dies allerdings so für mich gelten lassen konnte, hatte ich vor vier Jahren erst einmal ca. zwanzig Wochen Abstand zum Beruf (Entzug > drei Wochen Pause > Entwöhnungstherapie). So konnte ich es für mich sortieren: ist das, was ich tue, auch das was ich will. Das hab ich für mich nicht mal so zwischen „Tür und Angel“ entschieden. Kleine Schritte und die Geduld dafür hab ich mir mühsam antrainiert.
Gute Zeit Uwe. -
Hallo Hartmut
Das geht aber schnell bei dir: mit Einsichten bzw. gar Erkenntnissen – oder lese ich ein wenig Unmut aus der schnellen Erleuchtung?
Ich denke, auch wenn einiges an deiner Fragestellung vorbei ging – es geht nicht um richtig oder falsch; verstanden oder unverstanden. Wichtig finde ich, dass ich mir Gedanken über die Art und Weise meines Austausches mache und dabei auch gelegentlich meine Motivation dafür hinterfrage. Das führt mich dann zu wirklichen Antworten, selbst oder insbesondere, wenn diese nur für meine Wirklichkeit hilfreich sind.
Ich glaube genau davon können alle (jeder für sich) profitieren. Irgendetwas macht selbst die kontroverseste Diskussion mit mir – da kann ich dann für mich mit einem „Warum?“ hinschauen. Ich habe erst letztens bei einem Treffen über Gruppendynamik gesagt. Harmonie kann das Ergebnis eines Gruppenabends sein – darf aber nicht als Zielsetzung gelten. Also bitte mit der dritten „Erkenntnis“ wohlwollend umgehen.
Gruß – Uwe. -
Hallo Hartmut
Ich denke nicht, dass die Formulierungen von „Du-Botschaften“ eine spezielle Co-Eigenschaft darstellt. Es ist ein allgemeiner Kommunikationsfrevel, der bei dieser Verhaltensweise möglicherweise noch besonders hervortritt.
Ich finde es wichtig zwischendurch darauf hinzuweisen, dass es in der Selbsthilfe vermehrt um die richtige Wortwahl geht. Es ist ein Teil der Auseinandersetzung mit mir selbst, gewisse Dinge jetzt eben anders zu machen, als zuvor. Die Interaktion mit meinem Gegenüber ist dabei ein „ungefährliches“ Übungsfeld, für Veränderungen. Es ist immer wieder schön zu erleben, wenn mich Menschen nunmehr anders sehen, weil ich auch anders auftrete, mich anders artikuliere und eben auch durch „Ich-Sätze“ ein ganz anderes Selbstbild vermitteln kann.
So wie ich spreche, denke ich auch – und ebenso umgekehrt. Wenn ich bei mir selbst in der „Du-Form“ denke (wenn ich wütend bin, kann ich mit mir auch per „Sie“ sein), verleidet dies mich schnell anderen auch in dieser Form Ratschläge zu erteilen, Lösungen zu finden und diese für andere als „richtig“ zu erachten. Das gilt es für mich zu vermeiden. Hier im Forum gelingt mir dies umso besser, da ich meine Post nochmal überarbeiten kann. Im realen Leben gelingt dies nicht immer.
Deine Fragestellung ist insofern für mich notwendig, dass ich (egal in welchem Bereich ich schreibe) nachschaue – bin ich noch bei mir und ist das auch ersichtlich.
Schöne Grüße – Uwe. -
Hallo Yvonne
Die Schwierigkeiten mit gut gemeinten Worten, Lob, Bestätigung und Anerkennung werden mich den Rest meines Lebens begleiten. Ich weiß wie gut sie tun, ich finde sie sogar berechtigt – und trotzdem fällt es zeitweise schwer, den Drang zur Rechtfertigung oder Verallgemeinerung abzuwehren. Ich kann nur bedingt akzeptieren, dass andere mich besser sehen, als ich mich selbst wertschätze. Da liegt auch das Dilemma. In meinen persönlichen, implizierten Vorstellungen vom zu „erschaffendem“ Ideal. Dieses Idealbild hat nichts mit meinem wirklichen Leben zu tun. Es ist eine spekulierte Erwartung.
Vor zwei Jahren etwa, habe ich damit begonnen, mich regelrecht dazu zu zwingen – gut gemeintes auszuhalten. Wird immer besser und geschieht nunmehr nach ein paar Luftschnappern.
Wohltuende Gelegenheiten – Uwe. -
Hallo Wolfgang
Du „hörst“ dich etwas mutiger und agiler an, als in den posts, die ich sonst von dir lese. Du schreibst an anderer Stelle, dass in der Reha-Einrichtung nicht an deinen Problemen gearbeitet wird. Ich denke allerdings: das kann auch nur deine eigene Aufgabe sein.
Ein voller Anwendungsplan in einer Klinik, hat mir lediglich die Chance gegeben, die Gedanken von mir wegzulenken. Das war bei meinen vielen Hüftoperationen vor vierzehn Jahren und der Reha danach sinnvoll. Vor vier Jahren, wo es in der Reha-Klinik um mich und meine Verhaltensweisen ging, hat man von einem vollen „Terminkalender“ abstand genommen. Heute weiß ich warum. Ich wäre vermutlich pflichtbewusst zu jeder „Veranstaltung“ gehetzt, hätte zur Zufriedenheit des Personals alle Maßnahmen dankend angenommen und gewissenhaft erfüllt - sozusagen verlässlich und sorgfältig einer vermeintlichen Genesung entgegengearbeitet. Ich hätte jede Gelegenheit genutzt, was einer Abwehr der ursächlichen und wirklichen Gründe meiner „Stationierung“ dienlich gewesen wäre (die ersten fünf sechs Wochen habe ich das auch getan). Die verordneten Medikamente, die ich zu schlucken hatte, waren aber Geduld, Ankommen, Mir-Näher-Kommen und Ausdauer. Ein bitteres Gebräu, welches auch mit dem Zuckerzusatz Ruhe schlecht verdaulich und in der regelmäßigen Einnahme schwer auszuhalten war. Es hat bei mir aber Wirkung gezeigt und ich greife auch heute ab und an auf die Rezeptur zurück (und verziehe das Gesicht beim Einnehmen). Ich habe in der Zeit mein Tempo kennengelernt. Um die eigene Geschwindigkeit auch akzeptieren zu können, brauch ich sporadisch einen Mundvoll davon.
LG – Uwe. -
Hartmut,
ich selbst hab mein „Päckchen“ Umständlichkeit zu tragen. Wobei ja Selbsthilfe nicht das mitdenken dem anderen ersetzten bzw. abnehmen soll. Wenn etwas nicht verstanden wird, Unklarheiten bestehen – ist Nachfragen eines der wesentlichen Übungen, um wieder ein selbstbestimmtes Leben eingehen zu können.
„Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ schrieb einst Marie von Ebner-Eschenbach – ich hänge mal von Carl von Clausewitz mit an. „Das Wissen muss ein Können werden“. Da schrieb er zwar „Vom Kriege“, doch für manchen stellt die unsrige Situation durchaus einen Kampf dar und es wird von Kapitulation gesprochen. Wenn daraus der innere Frieden erwächst und die Waffen lediglich Geduld und Zuversicht heißen – soll es ruhig so sein.
Unkomplizierte Gedanken – Uwe. -
Aus gegebenen Anlass.
Glauben (oder eben nicht) –hat das überhaupt etwas mit meiner Abstinenz zu tun?
Ich denke, einfach beiseiteschieben, als vernachlässigbar abtun, kann ich das Thema für mich nicht.
Zu Beginn noch etwas grundsätzliches: Ich toleriere jeden Glauben, sofern er keine Fanatischen Züge trägt. Es ist meine persönliche Einstellung, kein Grund für heftige Reaktionen.
Den Glauben verloren zu haben, ändert nichts Wesentliches an meinem Wissen und relativ wenig an der Moral. Doch es verändert entscheidend mein Ausmaß an Hoffnung. Konkreter gesagt: ich kann dann nichts Totales, nichts Ewiges erhoffen. Das gibt mir ein großes Stück an Verantwortung mit. Es bleibt mir kein Verlassen auf ein Besseres danach. Das bedeutet für mich im Jetzt zu handeln, vom Verschieben Abstand zu nehmen, dem Wollen (ohne den kein Tun ist) mehr Gewicht beizumessen. Das heißt aber auch, die Dinge die ich nicht ändern kann, erdulden oder lieben lernen (und das Wetter ist dabei die kleinste Hürde). Ähnlich wird es in mancher Religion auch erwünscht. Lediglich das ich das Vertrauen hierfür in mir selbst suche. Und hier schließt sich der Kreis zu meiner abstinenten Lebensphilosophie. Eigenverantwortung und Selbstvertrauen – gelegentliche Verzweiflung, aber kein Hoffen auf was Höheres; Hingabe ohne absoluten Anspruch.
Ein Teil zur gelebten Gelassenheit.
Gruß –Uwe. -
Hallo Matthias
Deine „Zweizeiler“ sind meist „Mut-Macher“ – ein generell wichtiger und notwendiger Bestandteil der Suchtselbsthilfe.
Gruß Uwe -
Hi, dann eben anders.
Ich halte mich zwar nicht für so wichtig und medial präsent, dass man in meinem Umfeld nach Personen recherchiert, die beschriebenes erlebt haben könnten – was soll`s egal.
Ich halte „Trinkpause“ für ein durchaus angemessenes Wort. Es ist auch nicht abwertend oder gar diskriminierend gemeint. Es beschreibt meiner Meinung nach lediglich sehr deutlich, dass ich mich in jener Zeit, möglicherweise doch zu wenig mit meinen inneren Konflikten beschäftigt und nicht um einen angemessenen Umgang mit mir selbst bemüht habe. Und dabei halte ich die Zeitspanne, wo ich keinen Alkohol getrunken habe, für nicht relevant. Dass heißt ja nicht, dass in diesen Zeitraum keine schönen Dinge geschehen, ein Stück Veränderung auch gelebt wird. „Alles wird gut“ hängt aber in erster Linie von mir selbst ab. Ein verlassen oder hoffen darauf, dass die Umstände es gut mit mir meinen werden, verführt leicht dazu, die Ereignisse auch verantwortlich für mein Handeln zu machen. Ich persönlich versuche daher, den Dingen die mir widerfahren keine allzu große „Macht“ beizumessen. Ich kann mich über die Situationen freuen, ich kann zufrieden sein – mich ärgern oder Angst haben. Gemeinsam bleibt ihnen – sie gehen vorbei. Das lässt dann wenig Spielraum für einen Rück- oder Vorfall.
LG –Uwe. -
- edit, bitte hier nicht über Dritte schreiben, danke, Linde -
Ich weiß nicht, welche Lebensumstände mich noch erwarten werden. Keine Ahnung, was ich mit einer dauerhaften „Glückssträhne“ oder einem bedrückenden „Verhängnis“ anzufangen weiß. Sicher ist nur: Die Steuerung meiner Handlungen obliegt mir selbst. Die Verantwortung kann mir keiner nehmen.
Jener, mir zum Freund gewordene Mensch, erinnert mich daran.
Gruß – Uwe. -
Dann weiß man es zumindest aus berufenem Munde.

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Hallo O.F.
Richtig, beim nochmaligen lesen fällt mir auf, dass ich so alles was mir zu dem Thema an Gedanken kam, etwas unzusammenhängend und für jemanden der sich nicht in meinem Kopf auskennt, sehr konfus, zusammengefasst habe. Macht nichts. Ich wunder mich manchmal selbst, über meine Kompliziertheit – die steht mir gelegentlich auch im Weg.
Wenn die Assoziationen vom Idealen über die Vergänglichkeit zur eigenen Unzulänglichkeit auch nicht mehr ganz nachvollziehbar sind – für mich war die Kausalkette stimmig (gescheitere als ich haben 1000-seitige, unverständliche Bücher darüber geschrieben - ich bin mit 311 Wörtern verständlicherweise gescheitert).
Schöne Woche - Uwe -
Hallo Old Flatterhand
Ich konnte lediglich zwei Impulsen widerstehen, auf die „Illusion des Vergänglichen“, mit meinen Gedanken zu antworten.
Dass eine Lebenswendung oder besser der Wille zur Veränderung dann eintritt, wenn ich mich der existenziellen Vergänglichkeit stelle, dass ich mich dem „Leid“ des eigenen Daseins bewusst werde, um loslassen zu können, gehört zu meiner atheistischen Lebensphilosophie.
Das Ego erzeugt sich seine Illusion der Wahrheit und mein Wollen mittendrin. Die Eigene Besonderheit als unwirkliche Vorstellung des Unbewussten Ichs. Eine unschöne Betrachtung für die Eitelkeiten. Die Bejahung dieser zwei Sätze, setzt mehr als lediglich ein bisschen Demut voraus. Es ist für mich aber unausweichlich, auch oder insbesondere für die Abstinenz, mich Schrittweise einer Zustimmung dessen zu nähern.
Erleuchtung im Sinne Buddhas, bedeutet zu erkennen, dass das „Ich“, als welches wir uns erleben, in Wahrheit nichts als ein vergänglicher Schatten ist. Nur das Absolute ist real, das Vergängliche (die Welt) ist Scheinwahrheit. Damit ist der Mensch an sich bestehend, aber die Idee als Mensch etwas Autonomes zu sein, ist die Phantasie welche es zu überwinden gilt. Diese Weisheit kostet mich wahrscheinlich zu viele, zu lebende Leben.
Ich nehme mir die Freiheit, es etwas pragmatischer zu versuchen.
Wittgenstein meinte mal sinngemäß, dass der in der Ewigkeit lebt, der die Gegenwart zu schätzen weiß. Ein dauerhaftes verweilen wollen im gepriesenem Hier und Jetzt gibt es für mich nicht – doch es gibt „diese Momente“, die keine Worte haben. Die lassen mich gelegentlich das Sterben werden ertragen. Dann liegt nahe, dass mir das Vergängliche nur mein Ego = die Illusionen nehmen kann. Ergo, Alles und auch wieder Nichts. Deswegen fallen weder die Begierden und das Wunschdenken von mir ab. Es vergeht deswegen der Tag nicht ohne Verlustdenken und suche nach Anerkennung – doch ich bin Abseits vom Absoluten – etwas näher bei mir und weiter weg vom Ego.
Na das muss ich jetzt erst mal selbst verdauen.
Unbeschwerte Zeiten – Uwe. -
Hi Paddy
Ich habe auch einmal geglaubt, dass es damit getan wäre, die alte, lästige Rolle zu kennen und dann einfach abzulegen. Ein Irrglaube, wie ich meine. Ich habe mein Lebensmodell zu lange einstudiert, um es einfach zu vergessen oder abzustreifen. Ich weiß für mich nunmehr, dass ich mich in kleinen Schritten der Veränderung annähern kann – „wegentwickeln, statt abzuwickeln“ hat jemand mal zu mir gesagt. Der Satz: „das mich ein schlechtes Gewissen, nicht zu einen besseren Menschen macht“, hilft dabei bedingt ein Stück weiter. Kommt es, weiß ich zumindest, dass es aus meinen idealisierten Vorstellungen kommt, und mit der momentanen Situation nicht im direkten Zusammenhang steht. Das macht es nicht schöner, doch meist lässt es sich so weit besser aushalten.
Dir ein unerschrockenes weiterentwickeln – Uwe. -
Danke für die Glückwünsche.
Hallo Hans.
Die Beachtung, die solche Menschen genießen, scheint einiges auszugleichen.
Das ist aber nicht das Thema, was mich beschäftigt. Mir geht es darum (und dies vor allem für mich selbst), gelegentlich zu hinterfragen: Was verbinde ich mit speziellen Worten, Begrifflichkeiten und Ausdrücken? Und hernach: Beschreiben diese dann auch das, was ich sehe, mich bewegt oder mir gerade begegnet?
Wenn ich solch „Geistesgüter“ dann hier niederschreibe, Old Flatterhand, sollen sie lediglich zum nachdenken anregen. Es soll keine Kritik oder gar ein Revolutionsaufruf gegen das Schubladendenken der psychiatrischen Elite darstellen. Einige der Anregungen kommen sogar von Menschen, die auf diesem Fachgebiet arbeiten. Mit dem System wäre ich überfordert, weil zu inkompetent. Da Begriffe aber Spielraum zu Interpretationen haben, stürze ich mich gern auf sie.
Doch auch hier sei zu einer gewissen Vorsicht angemahnt. Ich habe erlebt, dass jemanden das Wort „Depression“ (ich bevorzuge auch hier „die Niedergeschlagenheit“) vollkommen ausreichte, um sein Leben daran auszurichten und zu einer, für sich angemessenen, Zufriedenheit zu gelangen. Die Diagnose des Symptoms erklärt natürlich erst einmal gar nichts. Für ihn hat es gereicht (zumindest bis jetzt).
Da ich mich mit dem Thema auseinandersetze und aktiv in der Selbsthilfe eingebunden bin, treffe ich auf Personen, die sich jeden Tag mit der Suchtproblematik konfrontiert sehen. Die „Arbeit an der Front“, hat gelegentlich sehr wenig mit dem zu tun, was die Neuroseenzyklopädien so alles vorgeben. Da wird meist sehr individuell auf den Menschen eingegangen. Aber ohne Wortschöpfungen und Raster – keine Entlohnung. Manche Einrichtungen verschreiben für die Abrechnung eine „Beratung“ – weil sie keine Therapie machen dürfen. Andere würden für eine Beratung keinen mühten Euro bekommen – machen also „Therapieangebote“. Für den Klienten/Patienten macht das keinen Unterschied – ihm wird mit der gleichen Herangehensweise geholfen.
Ich für mich, habe es gerne etwas differenzierter.
LG - Uwe -
Danke Hartmut
Ich habe lange mit der Auffassung gelebt, ein typischer Verlierer zu sein. Dies hatte zwar wenig mit der wirklichen Wirklichkeit zu tun, war aber meine feste Überzeugung. Heute lebe ich diese Ansicht unbewusst immer noch ein Stück weit, kann mir aber immer wieder sehr gut das Gegenteil beweisen (an „dunklen Tagen“ ist das regelrecht lästig).
Ich entwickle mich sozusagen weg von den „erlernten Theaterstück“ und improvisiere mir mein neues Leben. Und das „Ich“ als Publikum schätzt und huldigt seinen Star.
Applaus der gesamten Dramaturgie.