Beiträge von uwe.rothaemel

    Hallo Hartmut
    Von „außen“ wird ein „zu sehr lieben“ (wobei da Aufopferung mit Liebe verwechselt wird) und ein übermäßiges „kümmern“ meist nicht nur toleriert, sondern regelrecht mit Hochachtung reflektiert. Daher sind, meine ich, nur wirklich sehr intime Freunde (wenn überhaupt) in der Lage, hier „steuernd“ einzugreifen. Ich denke genauso wenig, dass in jeden Familiensystem, was einen Alkoholiker (oder sonst wie neurotischen Part) ausweist, zwingend von einen Mitglied ein Helfersyndrom entwickelt wird. Dazu ist es viel zu diffizil.
    Aus den Erfahrungen, welche ich in den letzten Jahren in Gruppen gesammelt habe, kann ich für die Co-Abhängigkeit (ich mag das Wort keinesfalls), lediglich feststellen: es hat meist etwas mit einer Idealisierung der eigenen Wertvorstellungen von Familie im Allgemeinen und Paarbeziehungen im Besonderen zu tun; einer Vernachlässigung der eigenen Bedürftigkeit und den Zwang zur Anerkennung von anderen.
    Wenn die Angehörigen (für mich gleichfalls die Betroffenen), sich nicht den Prozess der Entwicklung ihres Partners gestellt und somit ihre persönlichen Fortschritte gemacht haben, wurden diese Beziehungen beendet, um sich Schnurrstraks (natürlich völlig Ahnungslos) in eine neue „Abhängigkeit“ zu begeben. Sind sie jedoch durch frische Einsichten und neue „Wahrheiten“ sich selbst etwas näher gekommen, konnten sie recht gut einschätzen, wenn sich ein neuerliches Dilemma anbahnte. Ich glaube, dass auch hier der Verweis auf die Eigenverantwortung im Handeln den Ausschlag gibt. Somit kann auch nur der Einzelne für sich das Maß des „Rückfalls“ einschätzen und gegensteuern.
    Ich selbst bin mittlerweile sehr vorsichtig mit den Deutungen von dem, was „Normal“ ist und was „Krankhaft“ sein soll. Es geht meiner Meinung nach um ein Verhalten, eine Handlungsweise, die mich in meinem Leben behindert (auch lebensbedrohlich werden kann) - oder eben nicht.
    LG – Uwe.

    Hallo ihr Zwei
    Trotz dem Abstand von nunmehr auf den Tag genau vier Jahren Abstinenz, kann ich die Besorgnis über die Dauerhaftigkeit Eures Vorhabens, ganz gut nachvollziehen. Ich war sogar während der ersten Wochen der Langzeittherapie, noch der Überzeugung: die bringen mir bestimmt den kontrollierten Umgang mit Alkohol bei. Ich hatte im Vorfeld nicht die geringste Information, was überhaupt mit mir wirklich passiert und los ist. Und von dem was kommt, nicht die kleinste Vorstellung.
    Lena, richtig. In die Idee „wächst es sich rein“ und dass braucht Zeit. Genauso richtig, Dennis, es ist ein Prozess, der eben erst beginnt.
    Ich habe zwar nicht mehrere Anläufe, doch mehrere AHA-Erlebnisse gebraucht, um für mich das Ziel (dauerhafte zufriedene Abstinenz), auch so zu formulieren. Als nicht gerade geduldiger Mensch in meinem Umfeld berühmt, war dies die Herausforderung, der ich mich gestellt habe. So kann aus einem anfänglichen „müssen“ und „nicht dürfen“ (was ja für den Start keine unsinnige Handhabe bezeichnet), ein Wollen werden. Wichtig für mich war es, „am Ball“ zu bleiben, mich aktiv um mich zu kümmern – und ich hatte die Gelegenheit, den für mich richtigen Menschen zu begegnen. Die haben mich immer wieder ein gebremst und die kleineren Schritte „eingefordert“.
    Also auch wenn die Antragsbewilligung noch auf sich warten lässt, möglicherweise beim ersten Mal auch abgelehnt wird – es gibt eine reiche Auswahl an Möglichkeiten, deswegen nicht die Richtung zu verlieren.
    Gruß und viel Erfolg – Uwe.

    Für mich war es ein anstrengendes Wochenende. Zwei, drei neue Einsichten und schon bewegt sich der ganze Mensch – ohne Ahnung wohin die Reise geht.
    Keine Stufe, die ein Stückchen „höher“ führt, verzeiht mir es, wenn ich sie überspringe. Es reicht nicht aus mit dem Verstand, Wissen aufzusaugen, als wäre er ein Kolibrizüngel im Nektarschlaraffenland. Bei der Entwicklung des Subjektes, spielt die „Verdauung“ letztlich eine wesentliche Rolle. Das dauert gewissermaßen.
    Es war schwer auszuhalten, nicht jeden Impuls zu folgen um meine persönlichen Vorstellungen loszuwerden. Doch genau das war die Hausaufgabe, welche ich mir selbst gestellt habe. Das gute Gefühl fürs „warten“ – fürs Ertragen haben - die sporadische Gelassenheit, kam zeitverzögert. Es war also mühevoll jedoch befriedigend. Damit kann ich sehr gut leben.
    Gruß Uwe

    Hallo Old Flatterhand
    Ich habe nicht den Eindruck, dass du irgendjemanden (auch keiner imaginären Instanz) eine Blankovollmacht über dein Leben erteilt hast. Ganz im Gegenteil – ich lese hier immer wieder mit Genugtuung von einem selbstbestimmten Leben. Das macht mir Mut und gibt mir Vertrauen ins eigene Handeln.
    Gruß Uwe

    Guten morgen O.F.
    So soll es denke ich auch sein. Selbsthilfe, egal in welcher Form, ist ja kein Wettbewerb, kein Leistungskurs der „klugen“ Gedanken, sondern ein Formulieren der Ideen, welche mich im Augenblick beschäftigen. Manchmal ist eine Rückmeldung gar nicht nötig. Die Niederschrift oder der Ausspruch des momentanen Gefühlsausdruckes reicht. Der Druck für die ständige Bestätigung der (überspitzt) persönlichen „Besonderheit“, schwindet mit der Zunahme individueller „Weisheit“.
    Ich begebe mich ins vierte Seminarwochenende, für den freiwilligen Suchtkrankenhelfer. Ich freu mich auf sicher wieder aufschlussreiche drei Tage, im Rahmen und als Teil, einer sehr interessanten Gruppe.
    Schönes Wochenende Uwe.

    Ein Traum, ein Traum - so scheint, ist eben nur ein Traum.
    Auch wenn mich das frustriert.
    Das die Musen mich heiß geküsst, heut Nacht -
    - Ist leider nicht passiert!

    Sicher ist es denkbar, dass dem Unbewussten gelegentlich durch Träume eine Möglichkeit gegeben ist, mein waches Ich zu finden. Es ist sogar wahrscheinlich, dass der Traum der einzige Weg ist, wie ich mich diesem, ohne Hilfe eines Psychologen, etwas nähern kann. Mir sind die unscharfen, farblosen Bilder, verschwommenen Erinnerungen und vagen Andeutungen zu suspekt, als dass ich mich zu lange damit aufhalten möchte.
    Bin ich schon schweißgebadet aufgewacht, weil ich noch „gearbeitet“ habe? – natürlich!
    Bin ich schon freudig erregt aufgewacht, weil das Glück mich gefunden hatte? – sicherlich!
    Es sind auch hier lediglich meine Vorstellungen, die nur das Gewicht in meinem realen Leben bekommen, das ich ihnen beimesse. Hinschauen – ja, überbewerten – nein.
    Bestimmt ist das eine relativ unromantische Sichtweise, und so rational sachlich – doch es ist ja nur meine.
    Interessant kann der Faden schon werden – wenn sich noch jemand traut.
    Gruß – Uwe.

    Hallo BC
    Es liegt mir fern, dir Ratschläge zu erteilen. Ich schreib mal, wie ich versuche, mit Situationen umzugehen, wo gerade wieder einmal jemand auf meiner „Tastatur“ spielt. Meist reagiere ich dann für mich unangemessen und fühl mich in der Folge der Situation unwohl. Ich habe mir angewöhnt, die Situation oder das Gespräch zu unterbrechen. Mit einem einfachen „Moment mal!“ Das gibt mir die Gelegenheit, noch mal nachzusehen, was gerade mit mir passiert. Gelingt natürlich nicht immer. Erstaunlich dabei ist lediglich, dass es mir mit anderen, als den von mir gewohnten Reaktionen, erst einmal schlimmer geht als zu erwarten. Das gute Gefühl kommt später, sozusagen zeitverzögert. Das kann ich mittlerweile abwarten – ich weiß es wird noch. Gelingt natürlich auch nur bei den Augenblicken, wo ich schon gemerkt habe: das geht wieder „in die Hose“.
    Vielleicht mal üben – und beim „Nein!“ sagen (ohne Rechtfertigung warum) beginnen. Für mich waren die Erfahrungen spannend und hilfreich. Wundersamer weise geht danach nämlich nicht die Welt unter und es geschieht auch keine persönliche Katastrophe. Magie? :P
    Schöne Grüße Uwe.

    Hallo Maxima
    Du schreibst: „Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich irgendwann alles (zumindest für mich persönlich) zum Guten wendet.“
    „Was wäre ich glücklich, wenn ich glücklich wäre!“ scherzt Woody Allen. Es wird aber ziemlich schwer mit dem glücklich sein, wenn ich nur darauf hoffe.
    Ich habe für mich festgestellt, dass mein Hoffen weit weg vom Handeln war (und bleibt). Sofern ich mir gelegentlich etwas wünsche, was auch von mir abhängt, was ich selbst beeinflussen kann, komme ich weiter. Es veranlasst mich zum tun. So bin ich abstinent geworden. Vertrauen in die Hoffnung, dass es irgendwie besser wird, war nicht die Lösung.
    Ich habe auf meinen Weg ein paar Menschen „vor den Kopf gestoßen“, Familientabus gebrochen und ungeschriebene Gesetze in der Beziehung verletzt. Einfach war und ist das nicht. Doch macht mich das daraus erfolgte „schlechtes Gewissen“ zu einem besseren Menschen? – Nein! - Es ist nur ein erinnertes Gefühl aus den erlernten, nicht mehr für mich geltenden, „tugendreichen“ Bestimmungen meiner Erziehung und meiner Prägungen.
    Der „Ausbruch“ aus diesen Fesseln, das Handeln in meinem Sinne, hat mir die Freiheit gegeben, mein Leben zu führen, meinen eigenen Tugenden zu folgen.
    Deine Jugend gibt dir Gelegenheit für ein langes zufriedenes Dasein. Zeit zum Handeln.
    LG – Uwe.

    Hallo Matthias
    Das liest sich etwas entspannter, als noch vor einigen Wochen – milder und gelöster, statt sorgenvoll und schuldbeladen.
    Nach unzähligem Irrtümer, überreichlichem Entgleisen und zahlreichem Umfallen, bin ich momentan an dem Punkt angelangt, wo ich jetzt stehe. Wenn ich von hier aus über andere urteilen soll (selbst wenn er der Familie angehört), so stelle ich lediglich die Frage: Wohin geht er/sie? Es stellt sich mir nicht die Frage: wie oft haben sie geirrt, wie oft sind sie gestrauchelt oder gefallen – so wie ich selbst? – Sondern: haben sie jetzt möglicherweise die rechte Richtung und geben sie sich Mühe dabei, diese innezuhalten?
    Ich kann Wegweiser in meinem Leben und durch mein Leben sein – doch als „Sackkarren“ oder gar als „Rangierlock“ bin ich überfordert.
    In diesem Sinne – sorgenfreies Eigenleben „Bootsmann

    Hi Petra,
    Ich meine die Felsenstadt Petra in Jordanien. Sie fesselt mich seit dem ersten gesehen Foto, vor sicher über 30 Jahren. Ich habe mir immer gedacht: „…da will ich mal hin!“ erst fehlten die Möglichkeiten (DDR), dann die finanziellen Mittel, schließlich geraume Zeit die Notwendigkeit (Alkohol war dringlicher) und nunmehr steht dem, außer meinem Phlegma und der Unsicherheit bei intuitiven Entscheidungen, nichts mehr im Weg.
    Old Flatterhand – dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Für die sicher folgenden Flussüberquerungen, habe ich schwimmen gelernt.
    Gruß Uwe.

    Hallo Hanna*
    Dein Artikel kann als Beispiel dienen, dass konsequentes Handeln, die persönliche Situation verbessern hilft. Es macht Hoffnung in diesen Bereich, von einem solchen mutigen Kampf fürs eigene (Über)-Leben und den Streckenerfolg zu lesen. Dein Drang, nun auch den Rest der Familie zu „retten“, ist völlig legitim, doch ich glaube du weißt, dass es eine Überforderung darstellen würde, der keiner gewachsen ist, ohne nicht wieder selbst Schaden zu nehmen.
    Es ist nachvollziehbar, dass die Kontaktlosigkeit zu den nächststehenden Menschen schmerzlich ist und zeitweise auch unerträglich anmutet. Es macht traurig, Beziehungen zu brechen, welche als unerlässlich angesehen werden. Es fühlt sich so falsch an –„Dass darf ich doch nicht!“ - Doch du darfst. Du hast ein Recht auf dein eigenes, zufriedenes Leben.
    Halt es fest!
    Mit Bewunderung – Uwe.

    Der Betriebsurlaub neigt sich dem Ende.
    Für Morgen haben wir unser Jahres-Beginns-Essen der SHG, und am Sonntag geht’s mit klarschiffmachen am Arbeitsplatz wieder los. Ich blicke auf zufriedene anderthalb Wochen zurück, bin etwas verblüfft, wie viel ich gemacht habe - trotz gedrosseltem Energieaufwandes. Die Bilder hängen, die Wohnung ist geputzt, die Hemden sind gebügelt, die Socken sortiert – braves Kerlchen.
    Ich werde mich jetzt mit Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ auf der Chaiselongue ausbreiten, und durch nichts mehr ablenken lassen.
    Schönes Wochenende allen – Uwe.

    Danke OF
    Das Einzige was heute zum Fürchten ist, sind die Wetterbedingungen. In unserer Gegend sind leider auch keine Perchtenumzüge.
    Ich schau mal was sich so an eigenen Masken noch zur Verfügung habe, um den Tag angemessen zu erschrecken. Sollte dann Sonnenschein entstehen, wirft das mein Weltbild völlig durcheinander.
    Schönes Wochenende – Uwe.

    Na, da möchte ich auch meine Gedanken dazu veröffentlichen.
    Es ist, denke ich, legitim, zu Beginn verschiedene Sachen auszuprobieren. Die Frage – und die Antworten – über die Verhältnismäßigkeit, kommt dann später. Es sind nicht nur die „Mittelchen“, wie Kaffee, Tabak, Schokolade etc., sondern auch die Beschäftigungen, wie exzessiver Sport oder Arbeit – sogar Selbsthilfe, die bedenkliche Ausmaße annehmen können – aber eben nur können. Ich glaube, dass da jeder seine eigenen Erfahrungen machen sollte und auch machen darf. Ich bin nur weit davon entfernt, dafür Tipps zu geben und Lösungsvorschläge zu machen. Die Neigungen jedes Einzelnen, haben selten bis Überhauptnichts mit mir zu tun.
    Die Schwankungen zwischen den Extremen kenne ich von meiner Anfangszeit auch. Einleitendes Wohlbefinden hat sich dann auch wieder, nach kritischer Betrachtung, in Gesundheitsbewusstsein aufgelöst. Freunde, die reale SHG und die Familie, sind dabei gute Gratmesser – sofern die Reflexion erwünscht wird.
    Schöne ausgeglichenen Grüße – Uwe.

    Hallo Karsten – Danke Linde
    Wertvollere und Treffendere Antworten auf die durchaus nachvollziehbaren Ängste, als wie es Linde ausdrückt, sind meiner Meinung nach unwahrscheinlich.
    Der Alkoholiker ist lediglich ein Teil meiner Persönlichkeit, bestimmt aber nicht mein gesamtes Wesen. Demzufolge verdient er eine Wachsamkeit (von mir), doch nicht beständige Kontrolle (von außen).
    Den Satz:
    ]„Wenn Du ein trockenes, eigenverantwortliches Leben führst, ist ihr sehr geholfen!“
    möchte ich daher nochmal unterstreichen.
    Sorgenfreien Beziehungsaufbau – Uwe.

    Ja - seltsam, manchmal beängstigend – weil viel zu frei, von den allgemeinen und eigenen Vorstellungen, frei von den befohlenen sowie erwarteten Erwartungen.
    „Gefangene des Egos“, sagt mancher über den Menschen. Umso erhabener die flüchtigen aber unvergessenen Momente ohne Anlehnung ans Selbst oder den Anderen.

    Hallo Old Flatterhand
    Das Wort Liebe, wird mir in den heutigen Zeiten zu inflationär benutzt, als das ich es überhaupt noch auf persönliche Beziehungen anwenden möchte. Denn da wird es zu oft mit Verliebtheit verwechselt.
    Mal eine alternative und vergleichsweise naive Formulierung von mir, was Ansatzweise Liebe ausmachen könnte.
    Wenn ich milde bin, mit dem Urteil über andere und keineswegs zu streng mit mir selbst verfahre; wenn ich mir meiner Unvollkommenheit bewusst bin und daher auch die Unzulänglichkeiten des anderen respektiere; meine Rechte auch dem anderen zugestehe, nähere ich mich meinem Verständnis von Liebe.
    Es mag nicht immer leicht sein ein gutes Wort für den Anderen von sich zu geben, aber nichts Übles zu sagen – kostet nichts mehr, als den Mund zu halten. Das widerspricht vermutlich dem allumfassenden Harmoniebedürfnis der vollkommenen Liebe, stellt dafür aber keine so große Überforderung dar.
    Mich würde noch interessieren, wie es dir bei der Übung gegangen ist – außer seltsam, das ist mir zu wenig.
    LG – Uwe.