Beiträge von uwe.rothaemel

    Hallo Leo
    Ich habe durch meine Verhaltensweisen maßgeblich zur Sucht beigetragen, sie auch gepflegt. Doch meiner Meinung nach, entstanden eben diese Verhaltensweisen aus Prägungen meines Umfeldes (nicht ausschließlich der, der Eltern) und den jeweiligen Umständen. Kann ich von Schuld sprechen, wenn ich und andere es nicht (besser) wussten? Wessen Schuld soll es sein, wenn ich mich in einer Phase, wo ich keinen anderen Lösungsansatz für meine Konflikte hatte, mich in die Sucht geflüchtet habe?
    Ich finde es wie Bernd müßig und auch unnötig, gerade zu Beginn der Abstinenz, sich der Frage der Schuld stellen zu wollen. Es suggeriert: ich hätte anders handeln können. Um zu überleben, war es aber wahrscheinlich die einzige verfügbare Wahl. Jetzt, wieder nüchtern und um einige Lebenserfahrungen reicher, stehen mir andere Alternativen zur Verfügung.
    Es bleibt nunmehr für mich darauf zu achten, dass ich im Sinne der Eigenverantwortung, die „alten“ Art und Weisen, die gelegentlich als einfacher und verlässlich – weil bekannt – eingestuft werden, zu hinterfragen.
    Ist der „Rückfällige“ deswegen schuldig? Ich meine, er ist lediglich nicht bereit gewesen, zum Zeitpunkt seiner Entscheidung, den Weg des größeren Risikos zu gehen. Kann ich ihn deswegen verurteilen? Ich denke nicht.
    Gruß Uwe.

    Auf die Frage möchte ich doch noch antworten, bevor ich mich ins netzfreie Wochenende verabschiede.
    Nein Matthias, die Schnelligkeit und das es überhaupt geschieht, ist nicht die Ursache meiner Überraschung. Es wäre verlogen zu behaupten: „Mir kann das nicht mehr passieren!“ Die Intensität wird irgendwann nachlassen (ist mir versprochen worden).
    Es ist die Zweigeneigtheit.
    Einerseits, die nachvollziehbare Wut und der erklärbare Ärger über das vermeintlich enttäuschte Vertrauen und die daraus folgende Verzweiflung – und auf der anderen Seite die unterschwellige Freude darüber, dass ja das eintritt, was ich mir als „Schlimmstes“ ausgemalt habe. Und um noch eins draufzusetzen: bei der Auflösung des Konfliktes, meldet sich zu der Begeisterung darüber, auch eine „Stimme“, welche das eigene Handeln – oder vielleicht ehr den Erfolg des eigenen Handelns - bedauert.
    So bewusst habe ich das noch nicht erlebt, zumindest bei mir nicht beobachten wollen. Es erklärt aber einige „irrationale“ (Nicht)-Endscheidungen in meinen Leben. Das „d“ ist dabei kein Rechtschreibfehler.
    Es wird recht hilfreich sein, da etwas näher drauf zuschauen. Dafür habe ich ja die Gelegenheit in verschiedenen Gruppen und wenn nötig die (verordnete) Geduld.
    LG Uwe

    Hallo
    So ganz habe ich den „Anfall“ von „Gelähmtheit“ noch nicht verwunden. Vor allem weil dabei auch ein Gefühl der Genugtuung dabei war. Wie als wenn ich mich in meiner Sache - oder besser - in meiner Meinung über mich und die Umstände bestätigt habe. Und später eine gewisse Enttäuschung (wenn auch geringfügig), dass sich doch jemand anderes genauso gekümmert hat, um meinem Anliegen gerecht zu werden. Es ist immer noch etwas verstörend.
    Bei intensiverer Betrachtung habe ich diese „Einflusslosigkeit“ in ähnlichen Situationen früher ausgelebt (verpasstes Kunst-Studium; eigene Gaststätte;…). Ich habe mich trotz bester Vorrausetzungen, beim geringsten Widerstand ergeben. Aufgegeben – ohne gegenzusteuern, um in den vergebenen Möglichkeiten zu „baden“. Und natürlich waren die ANDEREN Schuld.
    Umso genüsslicher jetzt anders zu handeln. Ich klinke mich für dieses Wochenende wiedermal aus. Schöne Zeit – bis nächste Woche Uwe.

    Hallo BlueCloud
    Ich kann deine Kritik nachvollziehen, mahne aber gleichzeitig zu etwas mehr Nachsicht, in dem Bereich, wo wir gerade schreiben. Ich glaube die Bewertung, welche bewusst und unbewusst, von den unterschiedlichen Verhaltensweisen gemacht werden, eine maßgebliche Rolle bei den Kommentaren spielt. Das eine ist eine anerkannte Krankheit – das andere wurde bis vor wenigen Jahren noch versucht, durch Klatsch und Tratsch zu „heilen“. Du wolltest zum nachdenken anregen – das hast du getan. Und das mit einer, wie ich finde, sehr mutigen Fragestellung. Jetzt lehne dich mal zurück, schau was es mit dir macht, und versuche einfach mal einen oder zwei Tage die „Unterhaltung“ nicht zu kommentieren (bei einigen ist es auch gar nicht nötig – die illustrieren sich selbst).
    Ich weiß, was mit mir geschieht, wenn ich so eine Übung geschehen lasse. Mich würde deine Empfindungen – nach 48 Stunden interessieren. Kann allerdings schwer werden. :wink:
    Gute Nacht und gute Zeit – Uwe.

    Hallo
    Da habe ich gestern und heute lediglich in anderen Threads von Selbstverantwortung und „bei sich selbst bleiben“ geschrieben, und den eigenen „Wollen…“-Faden vernachlässigt“. Was für eine Ignoranz.
    Dabei habe ich in den letzten Tagen ganz ordentlich mit mir gekämpft. Nicht das Weihnachtsgeschäft ist der Auslöser – dieser „Kampf“ ist mittlerweile vertraut.
    Ich hatte fest auf die Zusage gebaut, nächstes Wochenende für meine Fortführung des „Lehrgangs in Selbsterfahrungen“ frei zu bekommen, und wurde mit einem: „Unmöglich“ konfrontiert. Als Neurotiker bricht da erst einmal die Welt über mir zusammen. Immer noch erstaunlich, wie erst einmal das Gefühl die Kontrolle übernimmt.
    „Was mir wichtig ist interessiert keinen!“
    „Ich werde nur benutzt!“
    „Jetzt muss ich alles von vorne beginnen!“
    „Ich darf niemandem vertrauen!“ … das gesamte Verzeichnis der persönlichen Unzulänglichkeiten. Das „Programm“ habe ich also noch nicht überschrieben. Es hat tatsächlich zwei Tage gebraucht, dass ich mich um ernsthafte Lösungsansätze bemüht habe. Es ist ja nicht so, dass es keine Personen gibt, die, wenn sie auch nicht mehr fest eingestellt sind, nicht für mich einspringen können. Ein paar Anrufe später war das geregelt. Mit dem Erlebnis, dass mein Chef die gleichen Menschen nur etwas später angerufen hat, um meinen Anliegen gerecht zu werden. Er hatte gemeint: So wird es nichts – wir brauchen einen Plan B.
    Gewissermaßen war das eine Bestätigung dessen, dass es meine Vorstellungen von der Wirklichkeit sind, die mich erst einmal beeinflussen – nicht die Realität selbst. Die Erinnerung an gemachte Erfahrungen hat ein Gefühl der Macht- und Hilflosigkeit ausgelöst, nicht die reelle Situation. Das passt sicher in das Thema des Wochenendseminars.
    Entspannte Woche – Uwe.

    Hallo
    Vielleicht ist es etwas dienlicher, nicht das Suchtmittel vergleichen zu wollen, sondern das Suchtverhalten und den Umgang mit sich selbst ins Zentrum der Diskussion zu rücken. Es kann sonst schnell aneinander vorbeigeschrieben werden. Wäre schade für das Thema.
    Nach meiner Meinung, bin ich auch als Alkoholiker ein „Verhaltensgestörter“ Mensch. Ich habe lediglich ein anderes Ventil gefunden, meiner Unzufriedenheit Herr zu werden. Im Co-Verhalten sind es andere Mechanismen, die mich unglücklich machen.
    Bei beiden Methoden ist nicht die Quantität, die Menge des Tuns entscheidend, sondern die Qualität – wofür setze ich mein Handeln (Trinken oder von mir aus Kontrolle) ein. Vereinfacht und etwas allgemein dargestellt geht es um „Lustgewinn“ (Rausch, abgleiten in eine „Bessere Welt“ und Helfen um der Anerkennung bis zur Selbstverachtung), der sich ins Gegenteil verkehrt. Verändern kann ich beides eben auch nur an mir selbst – unabhängig von Anderen.
    Das fällt, egal bei welcher Verhaltenssucht, schwer, weil die Ursächlichkeiten, die Schuld, gerne auf andere projiziert wird. Ich habe das zu Beginn ja auch nicht anders gemacht.
    Nun steht aber jeder in seiner Entwicklung an anderer Stelle, hat jeder ein anderes Tempo.
    Das gilt es zu tolerieren, einerlei in welcher „Abteilung“ er schreibt. Die Menschen da abzuholen, wo sie gerade stehen, ist ein Grundbestandteil der Selbsthilfe. Der eigene Veränderungswunsch aber eben auch.
    Ich find ebenso, dass eine Trennung nicht zwingend notwendig kommen muss. Ich kenne einige Beispiele, wo die Konsequenz des Einen (meist weil sie existenziell erschien, und gleichgültig welche Seite der „Suchtgemeinschaft“ es war), das Umdenken des Anderen eingeleitet hat. Sobald die Veränderungen begleitend und vereint von statten gehen, bestehen sogar gute Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft.
    Das sind meine Naive Überzeugungen und viel Text, für ein Plädoyer im Sinne: „Schau auf dich selbst!“
    Gruß Uwe.

    Hallo O.F.
    Ich denke, dass Groll oder besser ein geregeltes Maß an Unmut, durchaus berechtigt ist. Darum darf der auch, meiner Meinung nach, ersichtlich sein. Doch ich erkenne keinen Hass.
    Das erachte ich auch für mich als wichtig. Ich brauche meine Vergangenheit nicht zu lieben. Damit bin ich überfordert (das akzeptieren war schwer genug). Genauso wenig pflege ich Ressentiments gegenüber meiner Historie.
    Ich halte es auch für wichtig, die eigene Geschichte so wahrheitsnah wie möglich zu erinnern. Jeder hat da seine persönlichen Vorlieben. Ich habe sie als Comic-Zeichnung für mich aufgearbeitet. Wobei es mehr Text als bei so was üblich gibt und es nur für „Eingeweihte“ auch lustig erscheint. Meine Mutter und meine Schwester haben beim Lesen geweint – meine Therapeutin ihre Analyse über Bord geworfen – und die „Betroffenen“, denen ich es zeigte, herzlichst gelacht. Es war meine Katharsis.
    Wenn dabei noch etwas Melancholie mitschwingt – sei es drum – die ist auf jeden Fall ehrlich. Und ohne Schuldzuweisungen und Strafanmaßungen – keine Opfer, keine Verluste und keine Betrogenen.
    Gruß Uwe.

    Hallo BlueCloud
    Ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke. Etwas mehr Selbstbezogenheit kann nicht schaden. Schlussendlich geht es um die eigenen Verhaltensweisen, womit sich die Menschen unzufrieden hinterlassen. Der gelegentliche Plauderton über den XY oder noch besser „Mein Alki…“ ist schwer zu ertragen.
    Aber auch dabei habe ich mir angewöhnt, zuerst nachzuschauen: „Was ist es, was mich daran stört?“; „Was hat es mit mir zu tun?“
    Es ist in der Regel nicht gerade erbauend, ständig beim Lesen derartiger Berichte, in den Spiegel der eigenen Vergangenheit zu schauen oder gerade Verdautes wieder vorgesetzt zu bekommen. Ich denke, dass es bei mir nicht der (vermeintlich anders geartete) Konsum ist, der mir das Unwohlsein beschert. Es ist die Hilflosigkeit und Ohnmacht die mein früheres Verhalten übriggelassen hat, die mich irritiert (und beschämt).
    Das reicht mir als Selbstanalyse meist aus und die „Schuld“ vergeht dann auch wieder.
    Im Wesentlichen stimme ich mit dir aber überein, dass ein sensiblerer Umgang mit der Thematik und eine höhere Konzentration auf das eigene Leben, auch in diesen Bereich, zumindest wünschenswert sind. Ich glaube allerdings, dass sich die „kranken“ Verhaltensweisen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen zu komplex sind, um sie Eins zu Eins mit unserer Sucht zu vergleichen. Der Partner Alkohol hat nicht wirklich zu uns gesprochen, was das „Verabschieden“ etwas erleichtert hat.
    Schönen Sonntag Uwe.

    Hallo Melanie
    Soeben habe ich mich dabei ertappt, den Versuch zu unternehmen, meine Gedankenwelt zu rechtfertigen. Warum? Weil die Emotionen den Verstand überholen. „Mir geht es nicht um Hosen!“ wäre dann der Beginn des Postens gewesen. Quatsch also.
    Wir haben nur verschiedene Erlebniswelten. Und die eine ist so gut wie die andere, wenn sich jeder in seiner wohl fühlt.
    Für mich persönlich sind solche Worte, wie: „Abhängigkeit“, „Gesund“ und „Krank“ (im seelischen Bereich), „Normal“ etc. keine klar umrandeten Begrifflichkeiten. Eine leichte Depression bekommt als Niedergeschlagenheit eine ganz andere Geltung. Das verharmlost nicht die Situation – erleichtert aber den Umgang damit.
    Das klingt jetzt trotzdem wie eine Rechtfertigung, ist aber lediglich eine Meinung – meine.
    Das wertet nicht, stellt keine andere Einstellung in Frage und verletzt auch niemanden. Es hat etwas mit meiner optimistischen Lebenseinstellung zu tun – Abstinenz als Lebensphilosophie.
    Du hast selbst einen schönen und sehr wichtigen Beitrag in deinen Thread „du sollst/du musst“… geschrieben. Den letzten Eintrag dazu finde ich mit meiner Meinung durchaus konform und zeigt, dass es wichtig ist, sich gelegentlich mit der Thematik auseinanderzusetzen.
    Herzlichste Grüße (im Wortsinn) – Uwe.

    Hallo Matthias
    Ich war der Meinung, sehr allgemein von meinem Vorhaben geschrieben zu haben. Linde ist da aber (berechtigter Weise) immer sehr kritisch. In dem Beispiel ging es darum, dass auch wenn viele sagen: „Unmöglich!“, eine gute Chance besteht etwas zu erreichen, wenn es mir als wichtig erscheint. Es gehört dazu ein wenig Mut, vielleicht auch etwas Unbekümmertheit. Und dann passiert es, dass ich auch mit den meist positiven Auswirkungen des Selbst-Denkens und Selbst-Handelns zurechtkommen muss. Selbst wenn nicht alles sinnvoll ist oder klappt: erst mal machen und schauen was entsteht. Brückenspringen ohne Gleitschirm, gehört nicht dazu. Genauso wenig wie Selbstversuche mit Alkoholprodukten.
    Ich brauche nicht alles auszuprobieren, jede Erfahrung machen, um darüber reden zu können. Das war auch nicht der Ursprung des Gedankens.
    Doch in den Gedanken frei zu sein, sich von alten Vorstellungen zu lösen, die Idee wenigstens zuzulassen – für sich selbst, wie für andere – ermöglicht schon neue Einsichten. Es ist ein Stück weit toleranter. Eben auch gegenüber mir selbst.
    LG - Uwe

    Nun, Melanie - ich mache mir gerne Gedanken. Die Zeitverschwendung leiste ich mir. :)
    Es geht auch nicht um richtiger oder falsch und daneben. Es ist vielleicht etwas anders – d.h. aber nicht besser.
    Mir persönlich geht es vor allem um das Mehr an Eigenverantwortung, die durch diese Denke entsteht. Es fällt eine weitere Hintertür (die mit dem Namen „Ich-bin-abhängig-und-kann-nichts-für-mein-Verhalten“) ins Schloss. Dabei gehe ich keineswegs Leichtsinnig mit mir um – ganz im Gegenteil.
    Ja – es geht ums frei machen, gewisser Weise um persönliche Freiheit - in sich Selbst. Auch wenn das „Unbewusste“ alte Strategien und Lösungsansätze verfolgt und durchzusetzen versucht, trotzdem, mir und dem neuen Weg treu bleiben. Doch mich frei machen, erfordert Aktivität. Gefangener der alten Denk- und Verhaltensmuster zu bleiben, ist der bequeme, angepasste und (für mich persönlich) der gefährlichere Weg. Mir reicht es nicht, nur an der Oberfläche zu kratzen. Begrifflichkeiten zu hinterfragen (auch wenn sie „allgemein gültig“ sind, bequemerweise benutzt werden) gehört für mich dazu. Mir ist es wichtig nicht nur trocken zu bleiben.
    Carolinefeifer, jeder hat das Recht hier zu schreiben und darf sich gerne auch diese Freiheit nehmen. Eine eigene Meinung ist bei weitem besser, als gar keine. Und warum sollst du die für dich behalten – selbst wenn sie konträr zu anderen sei.
    Bei dem, was sich als meine Meinungen und Vorstellungen herauskristallisiert hat, steht natürlich eine gewisse Entwicklung und Erfahrung dahinter (keine allgemeinen, sondern meine Erfahrungen).
    Wenn also ein Arzt zu jemanden sagt: „Sie sind abhängig!“, ist das erst mal eine Diagnose.
    Wie sich meine Einstellung zu meiner Sucht dann später entwickelt hat, ist ein Prozess und hat viel mit den Menschen zu tun, denen ich in der Zeit begegnet bin. Sie waren und sind immer so tolerant gewesen mich probieren zu lassen. Lieblingsspruch: „Mach halt und schau, wie es dir dabei geht!“. Sozusagen Versuch und Irrtum – so geht persönliche Evolution. Eigenverantwortung ist dabei das zentrale Thema. Ich bin der, der handelt (auch im Affekt) – und ich bin auch der, der die Konsequenzen zu tragen hat.
    Ein Beispiel:
    - edit, bitte hier im Forum nicht über deine realen SHG-Aktivitäten schreiben, danke, Linde -

    In diesem Sinne – gute Zeit – Uwe.

    Hallo
    Vom Humor mal zu einem anderen sehr ernsthaften Gedanken. An anderer Stelle wird gerade eine Frage gestellt, die ich mir nach knapp vier Jahren Abstinenz anders stelle. „Wie ist das mit der körperlichen/seelischen Abhängigkeit?“
    Gleich zu Beginn: ich stelle nicht meine Sucht in Frage – doch ist Abhängigkeit der richtige Begriff, für das was mir widerfährt? Wenn ich ohne Sauerstoff, Nahrung oder Wasser auskommen soll, so gestaltet sich dies als Unmöglichkeit – von solcherlei Verlust oder Verzicht wird mein Leben bedroht und ich bin also körperlich abhängig. Im seelischen Bereich trifft dies möglicherweise auf Anerkennung (im Bezug auf wahrgenommen werden) zu, ohne die ich nicht überlebensfähig bin.
    Ich lebe seit geraumer Zeit ohne Alkohol besser als mit. Wieso sollte ich mich dann als Alkoholabhängig bezeichnen. Stimmt, meine Wahrnehmung war mal eine andere. Mein Wohlgefühl stand im direkten Zusammenhang zum Konsum des Suchtmittels. Und mein Körper hatte auch zu guter Letzt ein extremes Verlangen. Beides habe ich überwunden. Das heißt natürlich nicht, dass ich in der Lage wäre, wieder Alkoholika zu mir zu nehmen, ohne den verlassenen Kreislauf neu zu starten. Mehr vom Selben, ist der falsche Lösungsansatz für die gestellten Aufgaben.
    Genauso halte ich die Bezeichnung Co-Abhängig, für eine unglückliche Wortschöpfung. Gerade hier im Forum leben nunmehr etliche nicht mehr mit ihren ehemaligen Partner zusammen, ohne dabei das Leben zu verlieren – ganz im Gegenteil. Sie genießen den Verlust der vermeintlichen „Abhängigkeit“.
    Sollte es so sein, dass unsere Stimmungen sich an eine trügerische Besessenheit gewöhnt haben, die schlussendlich lebensbedrohlich wurde? Dann kann es für mich nur das Gegenteil bedeuten. „Ich, und somit mein Leben, ist unabhängig vom Alkohol (Partner, Drogen, etc.)!“
    Sicher kann dies als Wortklauberei abgetan oder auch kontrovers diskutiert werden – mir gibt die Sicht ein Stück Freiheit und damit auch die Verantwortung zurück und ist wesentlich Selbstbestimmter.
    Um keine zu große Verwirrung zu stiften schreibe ich diese Meinung hier bei „Leben nach dem Alkohol“.
    Schönes Wochenende Uwe.

    Hallo Old Flatterhand
    Ein wenig Humor und Liebe, führt zur Freude. Gelegentlich ist der Humor der Trauerbegleiter, der es ermöglicht, dass, unter dem wir Leiden, zu bejahen. Über sich selbst lachen zu können – ohne Hass – erleichtert das Leben.
    Humor ersetzt weder das Handeln noch das Denken – macht es meiner Meinung nach aber effektiver, lustvoller und offener.
    Viel Gelegenheit zum Lächeln im kommenden Wochenende – Uwe.

    Old Flatterhand, ich dachte nicht, dich noch verwirren zu können.
    Mein Anliegen war, deutlich zu machen, wenn ich schon vom zukünftigen orakele, dann doch gefälligst im positiven Sinne. Egal welche Auguren ich zu Rate ziehe, es wird nur wage etwas mit dem wirklichen Geschehen gemein haben.
    Ich halte es für unangebracht, speziell für mich, mir die schlimmsten Eventualitäten vorzustellen, was denn alles passieren könnte, was mich aus der Bahn werfen würde wenn… Alles unnötig zumindest nicht wirklich hilfreich.
    Achtsamkeit im Bezug auf Alkohol gehört zu meinem Leben, doch ich vergesse das Leben nicht darüber. Leben in der Gegenwart – nicht ohne Verbindung zur Vergangenheit, und nicht ohne Gedanken an die Zukunft, doch außerhalb der Angst vorm Leben.
    Für mich zu sagen: „Ich werde auch in Zukunft keinen Alkohol trinken, egal welche Lebenssituation mich ereilt.“, ist eine Versicherung an mich – durch mich. Wenn ich in diese Police mit aktiver Selbsthilfe, positiver Energie und vielleicht auch mit einer gewissen Naivität oder besser Einfachheit einzahle, werde ich mit einer dauerhaften und zufriedenen Abstinenz belohnt.
    Was ich tun kann: mit den Mitteln die ich habe, alle greifbaren Vorkehrungen zu treffen, um mir eine positive Zukunft zu gestalten. Dabei brauch ich mich nicht klein machen, ich brauch mich nicht ausgrenzen, ich brauch nicht Bescheiden sein – denn das Ziel ist auch ein Erhabenes. Positives Denken ermöglicht positives Erleben – selbst bei Unwägbarkeiten und sogar im Scheitern.
    Sicher – Hochmut kommt vor dem Fall, doch Verzweiflung erwächst aus dem Fundus der nicht genutzten Möglichkeiten.
    In diesem Sinne Gute Nacht und bis demnächst – Uwe
    Übrigens ich habe weder Hund noch Katze und meine Haut geb ich nicht her. :lol: