Beiträge von uwe.rothaemel

    Nun ich finde es unschön, wenn ein „Küken“ benutzt wird und ich kann auch nachvollziehen, wie es dir jetzt geht. Und ich kenne auch die Angst, die entsteht, wenn ich mich einer „ausweglosen“ Situation stellen soll.

    Du willst lieber eine neue Gruppe versuchen – das ist meiner Meinung nach genauso o.k., wenn es dir dabei besser geht. Du kannst dir ja mal (erst morgen) aufschreiben, was du gewinnst und was du verlierst. So etwas macht mir Entscheidungen immer etwas einfacher.
    Unschuldige Grüße - Uwe

    Hallo Birgit
    Es ist nicht ungewöhnlich, dass solche Missverständnisse in Gruppen vorkommen. Ungewöhnlich wäre allerdings, wenn Alkoholiker (oder auch andere Neurotiker), einen unproblematischen Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen pflegen würden.
    Es ist ein Teil meiner „Trockenarbeit“ mich gerade mit diesen Beziehungsgeflecht zu befassen.
    An einer solchen Situation können nicht nur zwei, sondern eine ganze Gruppe wachsen. Wenn sie angesprochen wird. Durch Unausgesprochenes, verheimlichen oder ausweichen, wird immer eine Störung den Gruppenabend belasten.
    Erst einmal die Emotionen abklingen lassen (die völlig legitim sind), und nochmals drüber nachdenken, um Vorwürfe zu vermeiden. Flucht finde ich auch eine unnötige Reaktion – es hilft dir nur im Moment, vernachlässigt aber die eigene Entwicklung (bedenke die Chance).
    Ich denke nicht, dass es dabei um Schuld und Unschuld gehen soll, sondern: wie habe ich mich dabei gefühlt, was hat es mit mir gemacht, wie will ich damit umgehen?
    Das schreibt sich natürlich leicht, weil ich nicht in dieser Situation stecke – doch es ist das Verhalten, was ich für mich in Konflikten innerhalb der Gruppe als wertvoll erlebt habe.

    LG – Uwe.

    Hallo Sven
    Die Frage: „Will ich gerettet werden?“ stellt sich mir so nicht – „Ist jemand außer mir überhaupt in der Lage - ´mich zu retten`?“ trifft es, denke ich, für meine Situationen besser.
    Niemand außer mir selbst, trifft für mich Entscheidungen – mein Handeln ist ausschließlich von mir abhängig (auch ein Nichts-Tun ist ein Handeln – keine Entscheidung getroffen zu haben, ist eine Entscheidung und die Verantwortung dafür trage ich auch). Ich kann meine Entscheidungen beeinflussen lassen bzw. die Entscheidungen werden selten unbeeinflusst getroffen – doch letztendlich rette ich mich nur selbst oder eben nicht.
    Ein ganz anderer Punkt, ist die Empathie, die in Gruppen mit großer Vertrautheit entstehen kann. Ich persönlich möchte die, seit ich sie kennengelernt habe, nicht mehr missen. Ich denke, genauso wie ich Freude, Zorn und Leid teilen kann, ist es auch möglich (und in realen Gruppen die ich kenne, auch gewünscht), dass dieses Einfühlen, Aufmerksamkeit und Rücksicht fördert.
    Doch auch hier liegt die Verantwortung – diesmal für meine Gefühle – bei mir. Eine Übertragung, ein Abschieben, meiner Empfindungen auf andere halte ich für schädlich, rücksichtslos und fahrlässig – für mich genauso, wie für den anderen. Das ist sicherlich ein Ideal dem ich bewusst, wie unbewusst, nicht immer nach kommen kann. Gerade Ärger delegiere ich gerne mal auf andere.
    Gruß Uwe.

    Ein herrliches Wochenende, mit vielen herrlichen Eindrücken liegt hinter mir. Ich bin sehr froh und schon wieder mal Dankbar, mich für diese Weiterbildung (Besser persönliche Weiterentwicklung) entschieden zu haben.
    Da es sich um eine Gruppenarbeit handelt, die sich auch noch fortsetzt, werde ich nicht weiter darauf eingehen. Zu erzählen, dass es mir dabei ausgezeichnet gut geht, verletzt natürlich nicht die Regeln.
    Ich erwarte einiges über mich, mein Wollen, mein Tun und über Gruppe im Allgemeinen zu erfahren. Es bleibt spannend.
    Ausgeglichene Grüße Uwe.

    Hallo oldie.
    Ich habe alle Warnschilder „überfahren“, da ein Anhalten noch mehr Angst gemacht hat, als das Weitermachen. Erst existenzielle Angst führte bei mir zu einen Umdenken.
    In einem anderen Kontext (rational – ohne Emotion) kann ich es für mich so ausdrücken:
    Gewinn und Verlust mussten sich erst umkehren, wobei erst immense Verluste eine Korrektur zuließen.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Speranza
    Es ist schwer, einem Nichtsüchtigen, die eigene Motivation für die Sucht darzulegen. Das liegt wohl hauptsächlich an den verschiedenen Erlebniswelten oder besser, wie ich als Suchtkranker mit mir und meinen Wahrnehmungen umgegangen bin.
    Es ist auch nicht die Menge an Alkohol, die für mich entscheidend für den Suchtcharakter ist (jedenfalls nicht zu Beginn, wo der körperliche Entzug noch keine Rolle spielte), sondern für was, bzw. gegen was ich den Alkohol eingesetzt habe.
    Ich habe woanders schon mal geschrieben: Genuss>Gewohnheit>Sucht – die Grenzen sind fließend. Für mich kommt die nötige Konditionierung hinzu.
    Gefühle zuzulassen (die guten wie die schlechten, die belanglosen, wie die überwältigenden) entsprach nicht „meiner Art“. Das heißt natürlich nicht, dass sie nicht da sind. Alkohol war ein erreichbares und brauchbares Mittel, den Gefühlen entgegenzutreten – und wenn ich sie im betrunkenen Zustand gezeigt habe, war der Alkohol die Entschuldigung für die „Entgleisung“. Das hat lange sehr gut funktioniert – und wenn nicht mehr? – dann einfach mehr vom Selben. Bis ich über diese ständige Wechselwirkung die Kontrolle verloren habe. Ich habe dazu kein besonderes Gen gebraucht, sondern „einfach nur“ zu wenig Selbstwert und wenig Selbstbestimmtheit. Das wiederum schließt den Teufelskreis.
    Pauschalisieren kann ich das nicht, was mich, den Menschen mit Suchtverhalten, von anderen Personen unterscheidet. Jeder Alkoholiker hat für sich eine Geschichte mit Bezugspersonen, „Verhaltensordern“, Erfahrungen und Erlebnissen, die zur Flucht in die Sucht genötigt haben. Mein Verhaltensmuster war davon bestimmt, dass alle anderen und die Welt an sich in Ordnung ist – nur ich, war außerhalb dieser Regelung. Ich war so wie ich bin wertlos. Ich war in meiner persönlichen Betrachtung niemals gut genug. Es stellt sich dabei nicht die Frage nach Schuld oder Unschuld, Richtig oder falsch für die Vergangenheit, sondern: Was ist mir wichtig in der Gegenwart.
    Das ist auch der Grund für mich, dass es mir nicht reicht, einfach nur abstinent zu leben. Es sind die Verhaltensmuster, die Art und Weise meines Umgangs mit mir selbst, die ich verändere. Es ist sozusagen ein Rückkonditionieren.
    Der Text hilft vermutlich mehr meinem eigenen Verständnis als deinem.
    Schöne Zeit – Uwe.

    Hallo Hartmut
    Zum besseren Verständnis.
    Wenn ich vom „inneren Kind“ schreibe, sind in der Regel meine verdrängten oder verleugneten Bedürfnisse gemeint. All die Gefühle und teilweise auch Handlungen, welche ich mir heute wieder gestatten möchte, aber durch die Verhaltensweisen der Vergangenheit, als unnötig, unbrauchbar für mich, als nicht gewünscht oder nicht gewollt eingestuft habe. Es ist mir natürlich wichtig verstanden zu werden. Daher ist ein Hinweis auf nicht allgemein verständliche Begrifflichkeiten, für mich kein Affront, sondern gewünscht.
    Ich denke, dass Anerkennung oder das Verstanden werden, ein Grundbedürfnis darstellen.
    Ob nun positive Rückmeldungen im Leben oder Tadel ist egal. Hauptsache ich werde wahrgenommen. Ignoriert zu werden, ist immer noch die größte Demütigung (nach meinem Empfinden). Es hat aus meinem Erleben viel mit der Selbstbeurteilung zu tun. Soziale Anerkennung, eben verstanden zu werden, in seiner Meinung und Lebensart wahrgenommen zu werden – ist entscheidend für das Selbstwertgefühl. Fehlende Echo oder Unverständnis, nehme ich dann gern persönlich, obwohl es nichts mit meiner Person zu tun hat. Das hat dann schon zu Endlos-Diskussionen geführt, die lediglich mindestens zwei unzufriedene Menschen hinterlassen hat.
    Ich brauche mich aber überhaupt nicht ständig zu rechtfertigen oder Recht bekommen, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. Ich brauche es einfach nur zu leben, inklusive der Bedürfnisse aus einer verdrängten nun aber langsam wieder erfahrbaren Vergangenheit.
    Das hilft mir bei meinem Selbstverständnis.
    LG –Uwe.

    Hallo Hartmut
    Ich denke, dieses Thema ist allgegenwärtig in Gruppen, die sich mit Sucht und dem dazugehörigen Verhalten beschäftigen.
    Ob es sich um Therapiegruppen handelt oder Selbsthilfe, der Satz: „Kannst du dass nicht einfach mal so stehen lassen?“ kann schon als Redewendung oder geflügeltes Wort gelten (es werden nicht umsonst die Begriffe der Toleranz und Wertfreiheit so in den Fokus der Selbsthilfe gestellt, wenn da nicht ein besonderer Bedarf wäre).
    Ich glaube dafür sind mehrere verschiedene Faktoren bei jeden einzelnen verantwortlich.
    So kann ich auch nur bei mir selbst schauen, was die Ursächlichkeiten ausmacht.
    Der Glaube an die eigene Besonderheit einerseits und extremes Harmoniebedürfnis auf der anderen Seite, tragen bei mir dazu bei. Das Wissen darum, schützt keinesfalls vor der Tat.
    Durch die Beobachtung meiner Reaktionen und das Hinterfragen: „Warum macht dir dieser Satz, diese Meinung Angst? Warum willst du dich rechtfertigen?“ hilft mir.
    Das „innere abgelehnte Kind“, dem ich mich gerade etwas nähere, sein Bedarf an Anerkennung und sein Bedürfnis nach Beifall, ist der Initiator. Ihm nicht nachzugeben, es zu verdrängen, war ein Teil des Weges in die Sucht. Bei dem Versuch, ihm jetzt einen Raum zum Experimentieren zu geben, verfalle ich ab und an ins andere Extrem.
    Kein Grund den Mut zu verlieren – gelingt mir, gelingt mir nicht, gelingt mir…
    Gute Nacht ihr Diskutanten - Uwe

    Hallo Old Flatterhand
    Eine schöne Überraschung, von dir zu lesen.
    Noch glücklicher sind die Ungeborenen – sie kennen kein Leid. (Sind die eigentlich auch nackig?).
    Was mich gestern bewegt hat, war wohl von Beginn an ein Gefühl der Dankbarkeit. Dankbar eine Chance genutzt zu haben, die ich mir ohne der Grenzerfahrung nicht genehmigt hätte. Und zu mir selbst Danke zu sagen, ist nun auch nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Vermutlich habe ich es deswegen auch nicht gleich benennen können. Es zeigt mir, dass ein Teil von mir, mich doch besser leiden kann, als der andere Teil es zugeben mag.
    Dankbar sein kann so leicht sein, da es nichts „kostet“. Warum fällt es dann so schwer? Gerade wenn es auch noch um mich selbst geht?
    Dankbarkeit verschenke ich gerne an andere, weil ich dann ein Stück weit meine Freude teilen kann. Es braucht nur ein wenig Abkehr von der eigenen Eitelkeit, ein wenig Demut für ein Danke.
    Mit wem teile, ich wenn ich zu mir selbst Danke sage? Und welcher Trottel in mir, will es meist nicht annehmen und warum?
    Nun ich denke, der Egozentriker, der sture egoistische Teil von mir, glaubt nicht, dass es etwas umsonst gibt – er würde etwas schuldig bleiben. Ich werde mich mit dem anderen Ego anfreunden. Es ist so viel angenehmer.
    Beim nochmal durchlesen klingt es etwas schizophren – macht aber nichts.
    LG – Uwe.
    P.S. Matthias. Ich erwarte, dass du die Idee für dich aufgreifst, bzw. sie schon lebst. Ich übe noch.

    Bei einen Kommentar, den ich heute Mittag gemacht habe, schrieb ich: „Früher sah ich die Sucht als Makel und Schwäche – und nicht als Chance.“
    So habe ich den Gedanken für mich selten formuliert. Aber es trifft in etwa genau mein Erleben. Und nicht nur im Moment, sondern es hat sich schon eine geraume Zeit so eingestellt.
    Ich denke, als ich damals an meinem „Tiefpunkt“ angelangt war, die Alternativen sehr existenzieller Natur waren. Leben oder Sterben. Ein dazwischen, also einfach nur Überleben war nicht mehr akzeptabel. Fürs Leben entschieden hatte ich zu jener Zeit sicherlich Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft, aber ebenso sicher keine Vorstellung vom Wie. Der Gedanke an den Tod hat mir das Leben gesichert. Es hat mir eine Chance eröffnet mein Leben in der Gegenwart zu gestalten und nicht mehr in eine Zeit zu verlegen, wo ich „fertig“ bin (wenn ich dies und jenes erledigt habe, dann kann ich…).
    Ich habe den ganzen Tag darüber nachdenken müssen, weil es mich mehr oder weniger etwas unvorbereitet „überkommen“ hat. Ein irgendwie beruhigendes Gefühl – nicht Angekommen, eher – keine Ahnung, wirkt aber noch.
    Ich werde mich mal bei mir für diese Chance bedanken.
    Gute Nacht Uwe.

    Zur Ergänzung noch ein Gedanke den ich für wichtig halte. Es macht für mich einen Unterschied in welcher Phase der Entwicklung („Trockenarbeit“) ich mich befinde, wenn es um Erwartungen geht. Als ich von der Entgiftung kam, waren die Erwartungshaltungen noch ganz andere, wie jetzt, wo ich fast vier Jahre abstinent lebe.
    Damals hatte ich Hoffnungen und keine Ziele, ich sah meine Sucht als Makel und Schwäche – nicht als Chance. Die Erwartungen (äußere wie eigene) haben sich in dem Prozess meiner Fortschritte (meines Handelns) geändert und ebenso mein Umgang mit ihnen.
    Gute Zeit Uwe.

    Hallo
    Ich stimme mit Hartmut überein, dass es zu nichts führen kann, wenn ich mich mit spekulativen und konstruierten Erwartungen beschäftige. Solange ich die Haltungen meines Umfeldes nicht erfrage – sind es immer unrealistische Befürchtungen die mich treiben werden.
    Zum anderen: Eine Erwartung ist noch weit weg vom eigenen Wollen und sehr weit vom persönlichen Handeln entfernt. Erst wenn ich Erwartungen versuche umzusetzen (oder eben nicht), hat es was mit meinem Leben zu tun.
    Es ist natürlich auch möglich sich weiterhin im Kreis zu drehen (ich nenne so was Karussell-Fahrer), keine selbstbestimmtes Handeln, keine Erwartung, kein trockenes Leben. Für mich ist das schlüssig.
    Gruß Uwe

    Hallo BC
    Ich wollte deutlich machen, dass schon bei der Definition des Begriffes Unterschiede bestehen. Ich habe das Gefühl, dass sich daher einiges im „Kreis dreht“, weil aneinander vorbei geschrieben wird. Ist doch schade – oder?
    Meine Meinung zum Thema habe ich schon geschrieben. Was mit Erwartungen geschieht (eigenen und externen) liegt bei mir selbst.
    Zu deiner Frage, warum es Erwartungen gibt. Ich denke, dass sie für unser Glücks- und Unglücksempfinden die wesentliche Rolle spielen. Wenn ich meine persönlichen Erwartungen wirklichkeitsnah einrichte und ebenso die verträglichen Erwartungen von anderen in mein Leben aufnehme macht mich das glücklicher. Realistische Ziele im Kontext sozialer Verträglichkeit. Schütz mich allerdings nicht vor Enttäuschungen, insbesondere wenn keine Mieteinnahmen kommen (ich habe nicht mal `ne Wohnung zum vermieten – was für ein Unglück).
    Gruß Uwe

    Hallo Penta
    Genuss > Gewohnheit > Sucht – die Grenzen sind wohl fließend und ich kann sie auch nur für mich persönlich ziehen.
    Wie unaufmerksam von mir, die nicht unerhebliche „Dritte Erlebniswelt“ unterschlagen zu haben – Vergesslichkeit und keine Ignoranz.
    Sicher kann auch ich nicht mehr absolut wertfrei und tolerant in die Diskussion gehen. Das eigene Erleben ist mit zu viel Emotion verbunden, als das dies für mich ausnahmslos möglich wäre. Ich versuche es aber, nicht der Klischees und der Anpassung willen, sondern eben dem Erleben geschuldet. Ich denke, wir beschreiben mit verschiedenen Worten, die gleiche Meinung.
    Danke fürs drauf schauen, war wichtig – Uwe.

    Hallo gipfel
    Ich denke du verwechselst etwas die Begrifflichkeiten. Und so redest du von anderen Dingen, als hier behandelt werden.
    Erwartung = Vermutung, Hoffnung, Aussicht, Glaube, Sehnsucht, Begehr.
    Forderung = Anspruch, Appell, Ansinnen, Gebot, Verlangen.
    Bei einer solchen Differenzierung macht dir das Thema Erwartungen möglicherweise weniger Angst.
    Danke Uwe