Beiträge von uwe.rothaemel

    Hallo Marion
    Der Prozess persönlicher Veränderungen in meinen Verhaltensweisen und der Umgang mit mir selbst, ist nicht kontinuierlich sondern ein stolpern.
    Warum sollen die Menschen nicht genießen, nur weil ich Völlerei betrieben habe. Ich mache mir ab und an bewusst, dass der Großteil der Menschen ein gesundes Verhältnis zu den legalen Genussmitteln hat. Das ist für mich wichtig, um mich nicht in einer „Parallelwelt“ zu verlieren, die sich aus trockenen Alkoholikern definiert. Das ist nämlich ein sehr geringer Anteil, der Gesellschaft. Es nimmt mir ein Stück weit die Freiheit, den Menschen als Ganzes wahrzunehmen, wenn ich ihn nur über meine Erlebniswelt beschreibe. Ich bezeichne also auch niemanden als Alkoholiker, wenn er es nicht von sich selbst behauptet.
    Wenn dein Opa also glücklich, mit einem Lächeln und einem Glas Wein, über 90jährig weggedämmert ist, ist das doch in Ordnung – für mich ist es keine Option mehr.
    Schönen Feiertag – ich geh jetzt zur Arbeit – Uwe.

    Hallo Hartmut
    Ich finde die Einbindung beider „Parteien“ in den Prozess der Aufarbeitung als hilfreich. Allerdings gibt es darüber verschiedene Meinungen (keine Denkfehler). Meine Erfahrungen sind ungefähr die, welche Melanie beschreibt – es geht weg von gegenseitigen Vorwürfen, zum Erkennen der eigenen Verhaltensweisen. Das gelingt nicht bei jedem – ist aber auch nicht der Anspruch. Es ist ein Angebot, welches mit gelegentlichem Erfolg gewissermaßen so auch hier im Forum angeboten wird. Durch den gegenseitigen Austausch (wir sprechen miteinander und wissen so, was gut für uns ist) entsteht manchmal Einsicht. Ich verstehe eine Beziehung von Alkoholiker und Co- Abhängigkeit, (profan ausgedrückt) wie die Passform von „Faust auf das Auge“ – schmerzhaft für beide, aber es zieht sich an. Die krankmachenden Verhaltensweisen kann ich Stück für Stück, wenn ich denn will, gemeinsam auflösen. Das heißt nicht, dass danach der Weg gemeinsam weitergegangen wird. Ich erlebe es mal so und dann wieder anders.
    Genauso gibt es keine Denkfehler, (oder aus aktuellem Anlass) Denkverbote, bei den Umgang mit den Erwartungen. Ich könnte einige Meinungen hier nicht in mein Leben integrieren, das wertet sie aber nicht als Richtig oder falsch.
    Gute Nacht - Uwe.

    Hallo Matthias
    Es fällt mir manchmal schwer zu glauben, dass es Menschen gibt, die fast „automatisch“ das tun, was ich mir mühsam erarbeiten muss (weiß aber das dies zur Genüge geschieht). Zum anderen, größerem Maße, freue ich mich aber darüber – so erfahre ich, dass es möglich ist.
    Bei der Suche nach meinen „inneren Kind“ (suchen ist wohl eher ein unvorteilhaftes Wort, ich brauch ja nur hinhören), werde ich aufmerksamer.
    Heute war ich beim Ehemaligentreffen meiner einstigen Entwöhnungsklinik und habe wieder eine Menge Menschen getroffen, die schon „unvorstellbar“ lange trocken sind. Was mir bei den Erzählungen aufgefallen ist, ist die Strenge, mit der ich teilweise mit mir umgehe. Wie viel kinderleichter alles scheint, wenn ich mir etwas liebevoller begegne, habe ich erst wieder ab dem Mittagessen begriffen. Einfach ungezwungen den Tag zu genießen, weil es ein guter Tag ist. Das hat was.
    Erholte Grüße für die Nacht- Uwe.

    Nun, weil es gerade diskutiert wird: ich denke, dass die Alkoholsucht wieder als Krankheit eingestuft wurde, hat viel mit ihren körperlichen Nachfolgeschädigungen zu tun und den Kosten die daraus entstehen. Um jemanden ein Versteck für sein Fehlverhalten zu bieten, eine Krankheit zu „erfinden“ halte ich für abwegig.
    Doch zurück zum Thema Erwartungen an einen Alkoholiker.
    Ich war heute auf dem Ehemaligentreffen meiner damaligen Entwöhnungseinrichtung. Innerhalb eines Gespräches zwischen einer anderen einstigen Patientin, mir und einem Therapeuten der Klinik, lies sich letzterer zu der Äußerung „hinreisen“: „So habe ich dies von ihnen beiden auch erwartet.“ Er hätte gerne danach diese Aussage relativiert ist aber dann lieber dazu übergegangen, sich über den Wertegang der damaligen Klientin mitzufreuen. Eine derartige Aussage von einem professionellen Helfer zu bekommen, war sehr unerwartet, zeigt aber auch, dass selbst Menschen, die sich vor solchen Erwartungserwartungen schützen sollten, nicht frei davon sind (was sie als Menschen eben auch auszeichnet).
    Auf der anderen Seite ist es ein Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung. Es ist für mich eine Bestätigung dessen, was ich tue – das mein Weg in die für mich richtige Richtung geht. Von der Erwartung zu erfahren setzt mich nicht unter Druck, sondern hat mich erfreut und macht mich für Erreichtes auch stolz.


    P.S. Noch ein paar Worte zu der Verwunderung, die bei einigen bestand, dass Angehörige und Alkoholiker in ein und derselben SHG ihre Themen behandeln.
    Ich persönlich lege Paaren in unserer realen SHG immer wieder nahe, den Veränderungsprozess zusammen zu gehen. Insbesondere der gemeinsame Besuch einer Selbsthilfe, ermöglicht eine realistische Einschätzung der Erwartungen, weil sie dort auch kommuniziert werden. Meine eigenen Erfahrungen damit sind durchweg positiv. Es ermöglicht sozusagen einen Blick „hinter den Spiegel“.
    Gruß Uwe

    Es ist für mich nicht möglich ohne Erwartungen zu sein. An dieser Erwartung würde ich zwangsläufig scheitern. Auch finde ich es für mich unangebracht, meine Erwartungen niedrig zu halten, um nicht enttäuscht zu werden. Ich setzte mich lieber damit auseinander, wie ich mit Enttäuschungen besser umgehe.
    Die Erwartungen anderer an mich, kann ich nicht steuern, ob sie nun passend/ empfehlenswert sind oder nicht. Sind sie mit meinen eigenen Deckungsgleich, kann ich mich mit meinen Handeln an deren Erfüllung machen. Das ist mit Allem so, auch mit meiner selbstbestimmten, trockenen Zufriedenheit.
    Als ich nach der Therapie wieder in meinem Beruf als Kellner angefangen habe, hegten viele die Erwartung, dass ich mich damit umbringe und haben mir dies auch gesagt. Dieser Erwartungshaltung konnte und wollte ich nicht entsprechen. Nunmehr sagen die gleichen Menschen von damals, sie haben die Erwartung, dass ich weiterhin trocken bleibe. Das deckt sich mit meiner und gibt mir die Unterstützung in schwierigen Situationen, auch dementsprechend zu handeln.
    Das ist meine „Wahrheit“ und mir geht’s gut dabei.
    Schönes Wochenende – Uwe

    Hallo Gipfel.
    Ich für meinen Teil, sehe meine Sucht als eine Verhaltensstörung. Krank war nicht mein Körper, sondern mein Umgang damit. Ich erwarte von mir trocken zu bleiben und mein näheres Umfeld hat mittlerweile genauso viel Vertrauen in die an mich gerichtete Erwartung, wie ich auch. Es liegt an meiner Aufmerksamkeit, den alten Verhaltensweisen nicht wieder die Kontrolle zu überlassen. Dafür tue ich einiges und mir geht es gut dabei. Ich fühle mich auch nicht krank oder gehandicapt, sondern vital und gesund.
    Mir würde eine andere Eistellung auch wenig nützen. Das hat nichts mit Heilung oder Verharmlosung zu tun, sondern einfach mit meinem Gefühlen und meinem Umgang, den ich jetzt mit mir pflege. Ich kann mich manchmal immer noch nicht ausstehen, doch ich hege die berechtigte Erwartung, dass das immer besser wird. Und so kann ich gegenüber den Erwartungen meiner Mutter z.B., die sie an meine Abstinenz knüpft, gelassen sein. Kein Druck, kein Diktat, sondern eine zulässige Erwartung an mich, die ich gerne erfüllen will.
    Das ist auch kein Hellsehen oder orakeln, sondern eine Momentane Standortbestimmung.
    Gruß Uwe

    Gipfel, wenn du es so sagst, ist es eine Bedingung oder ein Diktat. Eine Erwartung ist kein Versprechen. Aber möglicherweise wird ein „Schuh“ daraus, wenn ich es so formuliere: „Ich erwarte von dir, dass du für Dich und mich und somit für unsere Beziehung trocken bleibst.“ Das ist dann nicht so überzogen und diese Erwartung ist auch keine Überforderung.
    Gruß Uwe

    Hallo BC
    Schon möglich, dass meine Reaktion unangemessen war, weil nicht ordentlich regegiert. Das ändert nichts an meiner Haltung zum Absoluten oder Perfekten. Es ist allerdings mein persönliches Erleben, in meiner Vergangenheit begründet, dass mir bei dem Thema die „emotionale Distanz“ fehlt. Es waren meine überhöhten Erwartungen an mich, an denen ich vor Jahren gescheitert bin.
    Den Hobbypsychologen kann ich trotz allem nicht unkommentiert lassen. Den Hobbyphilosophen las ich für mich gelten. Der erstere würde denken, dass sein „Sein“ Alles ist, der andere denkt alles über sein „Sein“.
    Gruß Uwe.

    Hallo BC.
    Da du augenscheinlich (zuwider eigener Aussage) nichts einfach „stehen lassen“ kannst und ständig versuchst deine Meinungen zu rechtfertigen, gehört in dieses Muster.
    Ich hatte übrigens nicht den Eindruck, dass es nicht ernst gemeint war, aber ich habe auch dein Gesicht beim Schreiben nicht gesehen.
    Gruß Uwe

    Hallo BlueCloud
    Da es um Erwartungen an einen Alkoholiker geht, ist mir deine Meinung über Perfektion aufgefallen. Diese Erwartung an das Absolute, ist ein gängiges Charakterbild der Sucht. Perfekt sein wollen, oder in den Glauben leben, Vollkommen zu sein, hat durchaus einen negativen Beigeschmack.
    Mich hat es zum Alkoholiker gemacht. Die Unzufriedenheit, welche durch die unrealistischen Wünsche an mich selbst, entstanden ist, hat maßgeblich zur Flucht in die Sucht beigetragen. Ich erwarte heute weder von mir, noch von anderen und schon gar nicht von einem süchtigen Menschen, ein Ideal, an dem ich zwangsläufig scheitern muss.
    Karsten zieht sich aus dem Thread zurück, weil er zu seinen Unzulänglichkeiten steht, und ihm (ich denke ironischer Weise) das Niveau zu hoch ist. Der verlegene Smilie ist nur unangebracht. Wie einmal ein geschätzter Mensch zu mir gesagt hat: „Uwe wenn es nicht mehr perfekt ist – ist es perfekt!“
    Der Versuch zur persönlichen Perfektion führt unweigerlich zur Handlungsunfähigkeit und in die Depression, weil ich immer auf eine noch bessere Option warte. Das ist meine persönliche Erfahrung. Ich Erwarte heute wirklichkeitsnäher und bescheidener. Das ist bei weitem entspannter.
    Gruß Uwe

    Da sage noch mal einer der Austausch sei mangelhaft.
    Humor, geteilte oder verschiedene Meinungen und für alle was dabei. Amüsant, spannend und für mich sehr interessant und auch lehrreich. Wunderbar! Ich freu mich schon auf heute Nacht, nach der Arbeit, was ich alles noch an Meinungen lesen und gegebenenfalls eigenes einbringen kann. Ich erwarte da noch einiges – enttäuscht mich nicht!
    LG Uwe

    Hallo
    Was ist denn eine Erwartung? Sie ist weder eine Pflicht noch ein Diktat. Eine Erwartung ist hauptsächlich eine Hoffnung oder besser ein Wunsch. Bei den eigenen Bestrebungen, kann ich aktiv an der Erledigung arbeiten und erreiche was oder eben nicht. Bei Erwartungen an andere – und dabei ist es egal ob es sich um einen Alkoholiker handelt oder nicht – sind mir für die Erfüllung meist die Hände gebunden.
    Mein Einfluss geht nur soweit, dass ich meinen Wunsch, meine Erwartung klar formuliere und angemessen antrage. Soweit sie nicht überzogen sind, ist das legitim. Ich kann also durchaus erwarten, dass jemand, der Selbsthilfe in Anspruch nimmt, von sich aus schon die Erwartung hat „trocken“ zu bleiben, was wiederrum meinen Erwartungen entspricht.
    Wenn ich mich im Vorfeld nicht damit auseinandergesetzt habe, macht die Nichterfüllung natürlich sehr unglücklich.
    Die Erwartung, die Sehnsucht hat nichts mit dem Ergebnis zu tun, sondern nur mit mir. Und da ich die Wünsche an andere nur bedingt beeinflussen kann, tut ein Scheitern auch nicht weh – es macht vielleicht traurig – doch damit kann ich umgehen.
    Schönen Tag noch - Uwe

    Hallo Linde
    Ich wollte heute Nacht nichts mehr schreiben, doch ich bin etwas verwundert und finde deine Antwort etwas seltsam. Keine Ziele - alles schon erreicht? Keine Wünsche – alle schon erfüllt? Oder, wenn ich es anders interpretiere: Auf dem Weg, sozusagen unterm „vorbeigehen“, die undefinierten Ziele einsammeln – weil es gerade passt?
    Dann ist dein Glück, deine Zufriedenheit, schon Routine. Beneidenswert!
    Oder deine Erwartungen sind anspruchsloser, als meine.
    Mir verengen Ziele nicht das Blickfeld. Wenn ich in die Ferne schaue erweitert sich das Panorama – eine Vielzahl von Möglichkeiten und vielleicht ein Fixpunkt, den ich ansteure. Was auf dem Weg an Erfolgen mitzunehmen ist, lasse ich nicht liegen – ist quasi eine positive Begleiterscheinung.
    Gezielte Grüße – Uwe

    Hallo Matthias
    Möglicherweise habe ich auch zu viel bei Wittgenstein gelesen, der davon überzeugt war, dass Sprache und Lebensqualität in engen Zusammenhang stehen. Wobei es für mich nachvollziehbar ist. Worte beeinflussen mein Denken und dies wieder mein Erleben. Wenige oder keine Worte, beschränken auch meine Wahrnehmung.
    Ein wenig Philosophie zur Nacht – Gruß Uwe.

    Hallo Wolfgang, das ist zumindest ein Standpunkt.
    Den freiwilligen Suchtkrankenhelfer macht man ja in erster Linie für sich selbst. Schade dass dabei keine Anregungen für eine zufriedene Lebensführung bei abgefallen sind. Ich persönlich bin der Meinung, dass Zufriedenheit sehr wichtig oder besser ausschlaggebend für eine dauerhafte Abstinenz ist. Ohne den, ist für mich die Gefahr zu hoch, dass es sich lediglich um eine länger andauernde Trinkpause handeln wird.
    Gruß und genügend alkoholfreie Optionen – Uwe.

    „Es ist so, wie es ist“ kann als Lebensmotto meiner Mutter betrachtet werden. Vor Jahren noch hatte ich ein immenses Unbehagen bei den Gedanken, auch einmal eine solche „Gleichgültigkeit“ an den Tag zu legen. Heute, um einige Lebenserfahrungen reicher, beneide ich sie manchmal um ihre Einstellung. Denn es hat am allerwenigsten etwas mit Gefühllosigkeit, Apathie oder Desinteresse zu tun, sondern mit Annehmen, Gelassenheit und Akzeptanz. Es scheint auch keine „Weisheit des Alters“ zu sein, denn sie lebt es schon sehr lange.
    Wo ich mir in der Form von „Das darfst/sollst/kannst du nicht fühlen/denken oder tun“ Gedanken mache, geht sie wesentlich sympathischer mit sich um.
    „Es ist, wie es ist!“ beschreibt nicht ihre Befindlichkeit, sondern lässt genau diese Befindlichkeiten zu. Sodass sie traurig ist oder eben glücklich, hungrig oder satt, aufgeregt oder eben gefasst und dies auch mit breiter Palette benennen kann.
    Als ich mich das erste Mal damit beschäftigt habe, fingen die Schwierigkeiten für mich beim Benennen schon an. Wie heißt das genau, was gerade mit mir geschieht – bin ich missgestimmt, traurig, bekümmert oder nur lustlos; habe ich gerade einfach Spaß oder ist genau das Freude, Zufriedenheit oder doch bloß heiteres Erleben.
    Ich gebe mir seit dem etwas mehr Mühe, differenzierte Namen für das zu finden, was mich bewegt. Mit mehr Worten für die gefühlsbetonten Begebenheiten, werden diese auch reicher.
    Heute bin ich gerade etwas besinnlich und abwesend – gut zu wissen.

    Hallo Frank
    Deine Angst ist nicht ganz unbegründet, doch sehe ich aus eigener Erfahrung, die Gefahr erst weit später. Alles was ich tue, anstatt Alkohol zu trinken, ist zu Beginn erst einmal richtig. Sich dabei genau Gedanken zu machen, aus welchen Motiven ich handle, verringert die Gefahr, einer neuen Konditionierung oder wie du schreibst einer „umgekehrten Alkoholsucht“.
    Ich habe mich zu Anfang meiner Abstinenz gezielt auf das konzentriert, was mir in der Jugend und als Kind viel Spaß und Erfüllung gegeben hat. Ich zeichnete gern und las sehr viel. Das mache ich auch heute wieder mit derselben Intensität. Ich habe auch andere Dinge probiert – mehr Sport, mehr Arbeit, mehr Selbsthilfe, mehr irgendwas… - da entstanden dann „Löcher“ oder Leere, wenn die Aufgaben beendet waren.
    Ich denke, wo ich aufgehört habe, meine Freizeit zu organisieren, um etwas zu tun - des Tuns willen, ist erst etwas wie Ruhe entstanden. Keine Leere, sondern Pausen die ich brauche. Wird die Ruhe lästig, versuche ich mich an dem Thema Spontanität. So wird das vermutlich noch eine geraume Zeit weitergehen – und sich irgendwann einpendeln. Alkohol ist nicht mehr der Indikator für die Suche nach Balance, sondern das Erreichen einer möglichen, gelassenen Lebensqualität. Ungeduld und Eitelkeit sind dabei meine Lieblingsstolpersteine. Da ich sie kenne und weiß wo sie liegen, ist es in der Rückschau meines Weges nunmehr ganz drollig, wenn ich ihnen nicht aus dem Weg gegangen bin.
    Der Alkoholiker und seine Verhaltensweise bleibt Teil meiner Persönlichkeit – sein prozentueller Anteil verringert sich jedoch stetig durch die Auseinandersetzung.
    Schönes Wochenende -Uwe

    Hallo zusammen
    Also so ungewöhnlich ist der Antrieb zum „trocken werden“ von außen nun auch wieder nicht.
    Die bekannten drei „Fs“ sind nun mal Firma, Familie, Führerschein. Das „F“ für Freiwilligkeit kommt bei direkter Nachfrage am seltensten vor, um die ersten Schritte in die Nüchternheit zu finden.
    Ich würde natürlich auch gerne zu jenen gehören, die die Einsicht aus reinem Selbsterhaltungstrieb erlangt hätte – weit gefehlt. Ohne die konsequente Haltung meines Arbeitgebers: „Nun ist Schluss!“ (Was lange genug gebraucht hat), hätte ich mich um den Verstand gesoffen. Die Wahlfreiheit kam später, und hat während der Therapie noch einige einschlägige Aha-Erlebnisse benötigt.
    Bei genauer Betrachtung der Ereignisse, die zum umschwenken in der Lebensführung genötigt haben, hat eins der drei „Fs“ meist eine zentrale Rolle gespielt. Es schlussendlich für sich selbst zu tun, ist natürlich keine Frage.
    Gruß Uwe

    Hallo Wolfgang
    Ich habe Einträge zum Thema gesucht, und dabei deine Thread „Schuld“ entdeckt. Die letzten Einträge dort aus dem Januar, behandeln gewissermaßen den gleichen Zustand, in dem du dich auch jetzt befindest. Deine Niedergeschlagenheit hat anscheinend noch an Qualität gewonnen. Ich würde spekulieren, wenn ich versuche daraus Schlüsse zu ziehen. Ich bin Alkoholiker kein Arzt.
    Für mein Leben weiß ich, dass meine „dunklen Tage“ vorübergehen, die „Löcher“ nicht so tief und schwarz werden, als das ich kein Licht mehr sehen kann und will. Ich persönlich halte auch nicht viel von Doppeldiagnosen (Alkoholiker und danach Depressionen, bzw. Depressionen die zum Alkoholiker machen), da mir meine Leiden vollkommen ausreichen.
    Das Thema Schuld hat mich lange verfolgt und auf anraten eines Therapeuten, habe ich es nicht gleich zu Beginn behandelt obwohl es viel mit dem eigenem Wohlbefinden zu tun hat.
    Ich für meinen Teil habe viel in der Vergangenheit gelebt und meinen verpassten Gelegenheiten nachgetrauert. Ich fühlte mich schuldig für die sinnlos vorbeigerauschte (berauschte) Zeit. Solange ich mich nicht damit beschäftigt hatte, kamen diese Gefühle mit Macht immer wieder in den Lücken/Pausen der aktiven Veränderung. Unzufriedenheit war der Begleiter. Es war ein harter Weg um zu erkennen, dass meine Wut, mein Hass und mein Ärger in der Gegenwart gegenstandslos sind, da ich es nicht mehr ändern kann.
    Ich habe mir als Kind einen Lebensentwurf gebastelt, der nicht zu erreichen und weit an der Realität vorbeikonstruiert war. Als Erwachsener habe ich an diesen Drehbuch festgehalten. Soll ich jetzt diesem Kind die Schuld an dem Ergebnis seines magischen Denkens geben? Wohl kaum. Kein Gen, kein anderer Mensch, kein Außerirdischer ist an meinem Dilemma schuld. Gewissermaßen waren es die Missverständnisse eines unschuldigen Kindes.
    Zu diesem Ergebnis kam ich durch therapeutische Hilfe und durch eine intensive Betrachtung meines Selbst, der Betrachtung meiner Irrwege und Erfolge.
    Richtig und Falsch, Gut und Böse, Schuld und Unschuld hat für meine Vergangenheit keine Bedeutung mehr. Diese Trauerarbeit habe ich geleistet. Das Gegenwärtige ist mir wichtig und für das was kommt bin ich aufgeschlossen – das führt mich zum Zufriedenen.
    Gute Besserung Uwe

    Hallo Wolfgang
    Als Außenstehender ist es immer etwas grenzwertig Ratschläge zu erteilen oder gar genau wissen zu wollen, was anderen gut tut oder nicht.
    Aus meiner Erfahrungen heraus kann ich sagen, dass es für mich sehr hilfreich war, einige Dinge aus der Kindheit mit therapeutischer Hilfe aufzuarbeiten. Schon alleine festzustellen, dass es nichts mit Schuld von mir oder meinen Bezugspersonen zu tun hatte, sondern alleine mit meinen kindlichen Interpretationen, die meine Verhaltensmuster gezeichnet haben, war beruhigend. Es hat mir den Umgang mit mir selbst erheblich erleichtert und die nächsten Schritte vorbereitet.
    Meinen „dunklen Tagen“, die es auch noch gibt, begegne ich vermehrt mit gezielter Aktivität, „geplanten“ spontanen Handlungen und gegebenenfalls einfach auch mal mit Zulassen, weil es sie eben gibt und es zu mir gehört. Daraus alleine erwächst noch keine Zufriedenheit, doch ein besseres Kennenlernen der eigenen Befindlichkeit und somit auch ein formell amüsanterer Umgang mit mir selbst. Das macht mich dann auch verträglicher für mein Umfeld.
    Du schreibst „nur einen Weg zu suchen, um im Leben zurechtzukommen“. Das ist kein bescheidenes Ziel. Das ist eine große Herausforderung, die es lohnt anzugehen. Spannend und voller Überraschungen, zu was ich in der Lage bin.
    Schönen Sonntag noch – Uwe.