Hallo
Ich kann immer nur meine Werte vom Leben definieren. Wer sagt mir ob manch unheilbar Kranker oder einige dauerhaft Arbeitslose, nicht ihre Lebensqualität weit über der vermeintlich meinen ansiedeln, da ihnen die Sorgen des alltäglichen nicht mehr so zusetzen. Und wer will das bewerten.
Was ich damit sagen will: solange ich mein Leben dem der „Anderen“ gegenüberstelle, wird es mit dem zufrieden werden recht schwierig. Der Spruch: „Des Glückes Tod ist der Vergleich“ macht das sehr deutlich. Sicher kann ich das nicht auf jede Lebenssituation übertragen. Wo bliebe dabei sonst Motivation und Fortschritt und es würde langweilig, behäbig und öde. Aber zum hinterfragen, wo meine Erwartungen herkommen – sind sie selbstbestimmt oder der Maßstab anderer – macht es für mich durchaus Sinn.
Ach Wolfgang, als 13jähriger wollte ich alles und zwar sofort – kaum nüchtern ging es mir ebenfalls so. Bei beiden Gelegenheiten ist mir zur Geduld, die ich nicht haben wollte, geraten worden. Mit meiner Geduld ist es auch heute noch nicht weit her, doch ein Stück mehr Gelassenheit macht es erträglicher.
Wichtig für mich ist es, nicht mit den Fingern auf der Tischplatte zu klopfen und zu warten das etwas geschieht. Wenn es nicht mehr passt bewege ich meinen Hintern, auch wenn es erst einmal weh tut.
Zufriedenes Wochenende Uwe.
Beiträge von uwe.rothaemel
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Hallo,
Ja es gibt es eine zufriedene Nüchternheit. Sie ist erreichbar und auch zu einem großen Teil planbar. Doch wird sie sich nicht auf einen Zeitpunkt festnageln und schon gar nicht wie ein Lichtschalter betätigen lassen (ich weiß dass von den Menschen in meinen Umfeld, die es erreicht haben).
Zufriedenheit und Glück hat viel mit meinen eigenen Erwartungen zu tun. Indem ich versuche, meine Wünsche meinen tatsächlichen Möglichkeiten anzupassen, ist einiges erreicht. Dabei finde ich es für mich aber ebenso unrealistisch, diese Sehnsüchte auf ein Niveau zu reduzieren, das mich unterfordert. Ich denke dies würde mich genauso unzufrieden machen. Bei Enttäuschungen gibt es meist zwei Möglichkeiten ihrer Entstehung: entweder ich habe zu viel erwartet oder es gibt zu wenig Erfüllendes im Ergebnis.
Und die Zufriedenheit variiert, weil sich auch meine Erwartungen ändern – nicht täglich, aber innerhalb der Veränderung, die ich durchlaufe. So hat mir auf das erste halbe Jahr das weglassen des Alkohols noch ausgereicht. Später konnte ich aktiv an meinen Erleben gestalten, was die imaginäre Messlatte auch höher legte. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, nicht die Erwartungen anzupassen, sondern mich damit zu beschäftigen, wie ich mit persönlichen Niederlagen umgehe. Das heißt: auch wenn mir nicht alles so gelingt, wie ich es gern hätte, ist es keine Katastrophe.
Ja ich bin zufrieden, weil ich etwas dafür tue. Mit meinen Verhaltensweisen ändert sich auch die Art und Weise meiner Wahrnehmung für das eigene Wohlergehen.
Ich werde noch weiterhin in die alten Fallen tappen, aber sie zerstören mich nicht mehr - und das macht schon zufriedener.
Gruß Uwe -
Hallo Penta
Nun ich übe noch. Spontanität macht mich immer noch etwas unruhig. Es hat wenig mit meinen Erfahrungen zu tun. In Situationen, die ich nicht kenne, brauche ich Helfer, ergo Vertrauen und ich könnte Scheitern. Alles keine Selbstverständlichkeiten für mich, genau dies zuzulassen. Auch die Ergebnisse, welche mir ja recht geben, haben die alten Verhaltensweisen nicht getilgt.
Ich brauche da eher mehr Menschen um mich, mehr Zeit (Geduld), für mehr Freude am Genuss – und weniger Ich in den Gedanken.
Verschiedene Menschen – unterschiedliche Herangehensweisen – gleiche Erfolgsbilanz für mehr Freiheit im Handeln.
LG Uwe. -
Natürlich war es richtig, und es hat sich spätestens gestern Mittag, beim sitzen an der Spree unweit der Regierungsgebäude, auch danach angefühlt. Es hat aber auch bis dahin gedauert, bis ich den Kopf so frei hatte, es genießen zu können. Wie erwartet war schon in der vergangenen Woche, der „rationale Uwe“ immer lauter geworden. Er forderte vehement die Unternehmung aufzugeben, weil unvernünftig, sinnlos und (eben aus der Laune heraus) nicht würdig. Es war die bewusste Entscheidung von mir, alles im Voraus bezahlt zu haben, die den Erfolg gesichert hat (Knausrigkeit, wenn auch verpönt, hat in diesem Fall seine Berechtigung). Ich weiß nicht ob jemand dies so nachempfinden kann - ich komme mir dabei selbst recht befremdlich vor.
Sicherlich war der heutige Tag durch den frühen Rückflug und der Arbeit (der Schulanfang wird nunmehr fast größer gefeiert als eine Konfirmation/Kommunion), etwas hektisch und ich bin auch ziemlich geschafft – doch glücklich.
LG Uwe -
Hallo
Es ist ganz normal zu Beginn erst einmal die gesammelten Probleme zu sehen, die in der Zukunft auf dich warten könnten. Doch schau dir die positiven Entwicklungen an, dafür verliert man leicht den Blick.
Ihr seid zu zweit. Ihr könnt euch gegenseitig stützen und euch gemeinsam eine „Trockene“ Lebensweise aufbauen. Ob mit oder ohne Therapie, wenn der Prozess gemeinsam, sozusagen begleitend stattfindet, gehen auch die Veränderungen Hand in Hand.
Am Anfang brauchst du deine Energie für die eigene Nüchternheit.
Ich kann nicht mehr das Gefühl der Angst beschreiben, welches ich hatte, nachdem ich die Therapie verlassen habe. Ich hatte aber Angst, weil ich nicht wusste: Halte ich meinen Arbeitsplatz aus? Halte ich mein Alleinsein aus? Halte ich mich selbst aus?
Was aber klar für mich war: Ich halte meine Abstinenz aus. Heute muss ich nur noch ab und an mich aushalten, der Rest hat sich aus der Abstinenz ergeben.
Gruß Uwe -
Hallo (inklusive Spedi)
Risikominimierung hat nichts mit Lebensangst und Verminderung der Lebensqualität zu tun. Es ist auf dem Weg zur Stabilität der nüchternen Lebensbewältigung einfach ein wichtiger Baustein.
Bei meinem „heroischen“ Aufschlagen in der Therapie bin ich gleich zu Beginn gefragt worden, was ich denn demnächst nicht mehr machen werde. Meine Antwort war postwendend: „Keine Biathlon-Events mehr besuchen!“
Es war Winter und ich war die vergangenen Jahre zum Auftakt der Deutschlandtour immer in Oberhof. Weniger wegen des Sports, sondern wegen des Glühweins.
Ich bin die letzten drei Jahre, gleichwohl der Möglichkeit und ungeachtet einer gewissen Zufriedenheit, nicht mehr im Winter an meine alte Wirkungsstätte gereist. Ich empfinde es heute nicht mehr als Verlust, sondern ich verzichte darauf. Das ist persönlicher – Verzicht hat was mit mir zu tun – ist meine Entscheidung. Das sehe ich erst jetzt so. Vor drei Jahren hat das weh getan. Es hat mir aber vermutlich das Leben gerettet.
Übrigens mache ich auch um alkoholfreien Glühwein einen Bogen. Das Gefühl ist einfach schlecht, wenn ich es rieche. Die Erinnerungen, die teilweise auftauchen, hinterlassen miese Emotionen.
Um mir wieder ein für mich sinnvolles Dasein zu gestalten, ist es wichtig mir meiner Sucht bewusst zu sein. Das ist aber nur ein Teil meiner Persönlichkeit und versagt mir nicht die Zuckerstückchen, die auch in vegetarischen Restaurants serviert werden.
Gruß Uwe -
Hallo Karsten, Hei Spedi, Servus schnuffi
Da ist es mir glatt ein Bedürfnis mich als Kellner doch auch mal einzumischen.
Schnuffi, die Entscheidung meinen Beruf weiter auszuüben, habe ich zu Beginn aus Trotz gefällt – gegen alle Widerstände, Ratschläge und Erfahrungen von Langzeittrockenen, Ärzten und Therapeuten.
Trotz ist ein starker Motivator, aber kein verlässlicher Begleiter und zufrieden macht er auch nicht. Ich habe durch eine offensive Handhabung meiner Sucht und dem offiziellem Charakter meines Umgangs damit, sowie den Glück, die für mich richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt kennengelernt zu haben, keinen Rückfall gehabt. Heute, mit etwas mehr Abstand und um einiges bescheidener, weiß ich, was das damals für ein immenser Kraftakt war. Auch heute noch sage ich innerhalb meines Arbeitsbereiches jedem „Neuen“ und eben auch dem jetzt wieder neuen Lehrlingen, was mit mir geht und was nicht (z.B. Weinproben etc.).
Inhaltlich und im Sinne dieses Forums, gebe ich Karsten und Spedi recht, dass es keine gute Idee ist, sich zu Beginn seiner Abstinenz in unnötige Gefahren zu begeben. Da jeder weiter am Leben teilhaben will, kommen diese Konfrontationen ohnehin auf jeden zu – dann werde ich immer wieder beweisen können, in wie weit ich mich kenne.
Karsten hat seine Erfahrungen gemacht und ist für sich zu dem Standpunkt gekommen so zu handeln, wie er handelt. Sein Weg ist im Forum nachzulesen und gibt ihm für sein Leben recht.
Bei dir Spedi ist mir die Motivation etwas rätselhaft. Was mach dir so große Angst, im offenen Bereich nachzusuchen, wer deiner Meinung nach passt und wer nicht. Die Inhalte o.k. – wir sind hier nicht in einem Plaudermeeting -, aber die Form missfällt mir. In der Selbsthilfe wird jeder da abgeholt wo er steht. Da hat Intoleranz keinen Platz. Ich lese von dir kein: „Weil es mir so ergangen ist, komme ich zu dieser Einsicht…“ oder „Wenn ich dies so lese erinnert mich dies an jenes.“
Ich denke, solche Angaben würden deine Beiträge verständlicher und somit wertvoller für jeden machen. Deine Verweise auf den geschlossenen Bereich sind da wenig hilfreich.
Freundlichst Uwe. -
Hallo
Nachdem ich nun zum Wollen schon einiges geschrieben habe, ist es an der Zeit, auch etwas vom Tun zu erzählen. Wenn der Vorsatz das Fundament für das Handeln ist (dem Hoffen darauf, hatte ich ja schon vorher abgesagt), - was kann ich konkret anpacken? Da ich immer noch auf der Suche nach dem Kind in mir bin – was habe ich schon versucht, und wie schauen die nächsten Experimente aus?
Als erstes bleibt festzuhalten, dass ich „kindliches“ Verhalten in erster Linie mit Spontanität verbinde. Also Dinge zu tun, denen ich keine großartigen Überlegungen vorausgehen lasse. Ein echt schwieriges Unterfangen für mich. Kopfgesteuert, wie ich durch Leben gehetzt bin, eher ein Verhalten, dass ich oft mit dem Worten „UNMÖGLICH“ untermalt habe. Demzufolge habe ich während und nach der Therapie mir gerne für ein x-beliebiges Datum einen Zettel an die Wohnungstür geheftet: „Heute spontan sein!“ Das führte dann zumindest mal zu Kino- oder Konzertbesuchen. War natürlich noch nicht der Hit. Also habe ich mir Hilfe für spontanes Handeln gesucht. Wie für fast alles gibt es auch dafür auch einen Ratgeber, den keiner braucht: „Fünf Minuten Ewigkeit – 101 philosophische Alltagsexperimente“ von Roger–Pol Droit. Aus eigenem Antrieb sieht anders aus, aber die zum Teil aberwitzigen und sinnlos erscheinenden Handlungen haben mir gezeigt: wenn ich etwas tue, dann sollte ich es wenigstens bewusst tun, und nachschauen, was es mit mir macht (das Lachen über mich selbst, das „Mich nicht ganz so ernst nehmen“ habe ich damit sehr gut üben und lernen können).
Letzte Woche hat jemand zu mir gesagt: „Uwe, dein Leben ist kein Projekt, was in Angriff genommen und vollendet werden kann!“ Da hat er recht. Ich habe mir daraufhin über das Internet Karten für den „Satiregipfel“ am 12.09. besorgt, Flugtickets nach Berlin gekauft, eine Übernachtung gebucht und dann meinen Chef gesagt, dass ich an den Montag nicht zu erreichen bin. Die ersten intuitiv gemachten Schritte seit sehr langer Zeit. Und weil es so ungewohnt ist, fühlt es sich auch noch nicht „Richtig“ an.
Schönes Wochenende Uwe -
Kleines Resümee
Da bin ich nun doch schon ein Stück weit gekommen. Vom „Was ich wollen will“ zum Inneren Kind.
Was ich als Kind haben wollte, wird sich nicht von anderen unterscheiden. Es war Aufmerksamkeit und Wohlwollen. Aufmerksamkeit wurde mir dann Zuteil, wenn ich mich aber gerade nicht „kindisch“ verhalten habe, sondern mich um die Bedürfnisse anderer gekümmert habe. Ich habe nicht das erlebt, was im Allgemeinen als eine „schwere“ Kindheit bezeichnet wird, ganz im Gegenteil. Es sind meine kindlichen Interpretationen gewesen, die mich dazu bewogen haben.
Eine gute Leistung abzuliefern, hatte eine gewisse Zuwendung zur Folge. Ein Scheitern einzugestehen, war in diesen Plan nicht vorgesehen – war schon früh mit Scham verbunden. Sehr wahrscheinlich, dass meine Eltern es mir zugestanden hätten, aber ich habe es nicht zugelassen. Die Angst vor Ablehnung war einfach zu groß.
Das ist jetzt natürlich auch wieder nur eine Auslegung aus heutiger Sicht. Wenn ich früher so gedacht hätte, wäre ich wirklich kein Kind gewesen.
Die Leistungsorientiertheit hat sich dann verfestigt. Das ist an sich nicht bedenklich, ist gesellschaftsfähig und angepasst, doch die Furcht vor dem Versagen, habe ich mit in das Erwachsenenleben hinübergerettet. Die Helden in den Büchern, die ich las, sind auch nicht gescheitert. (Ich habe es tatsächlich fertiggebracht, die Dramaturgie der Autoren manchmal zu ignorieren. Wenn der Protagonist auf offensichtlichen Irrwegen war, habe ich das einfach überblättert – weil nicht sein kann, was nicht sein darf.)
Jetzt ist es aber normal und zweifelsfrei lehrreich ab und an bei einer Aufgabe nicht der Beste zu sein, ich hatte aber nicht gelernt damit umzugehen. Das Missverständnis das sich dadurch bei mir eingestellt hat, ist die Tatsache, dass ich bei Kritik nicht die momentane Situation sehe, sondern mich als Ganzes als ungeliebt verstanden wahrnehme. Was mich natürlich in meiner Selbsteinschätzung bestätigt hat, nichts wert zu sein. Mein Musiklehrer hat mal zu mir gesagt: „Summe bitte die Melodie des Liedes und sage den Text auf, aber verschone uns mit singen!“ Ich habe seit dem nicht mehr gesungen, das Gelächter noch in den Ohren.
Mich dem zu öffnen, was ich Jahrzehnte verdrängt oder verleugnet habe, ist die Aufgabe, der mich jetzt langsam stelle. Ein Scheitern in manchen Punkten ist dabei erlaubt, da ich ja auch dabei bin vom absoluten Abstand zu nehmen.
Aus den vermeintlichen Aussagen meiner Vergangenheit wie: „Ich habe kein kindliches Verlangen in mir und wenn macht es mir nur Kummer, versagt mir die Kontrolle über mein Leben und wird mir nur Verachtung einbringen.“, kann nur die Einsicht für mich erwachsen: Ich war kein abgelehntes Kind, sonder Ich habe das Kind in mir abgelehnt.
Heute ist ein Arbeitsfreier Tag für mich – ich geh mal in die Badewanne und singe.
Gruß Uwe -
Bis Demnächst Old Flatterhand – Danke für deine Einmischung und Danke fürs Dankeschön. Ich habe es bewusst einfach mal vierundzwanzig Stunden unkommentiert stehen lassen, weil es eben gut tut. Und Gutgehen lassen, ist auch etwas, dass geübt sein will.
Ich verbeuge mich derweil (mach ich jetzt wirklich) und wünsche eine Gute Zeit. -
Hallo Old Flatterhand, hei Yvonne und Linde
Nun wer hat uns denn am nachhaltigsten geprägt? Die Eltern – Bezugspersonen externer Erziehungseinrichtungen oder auch zum Teil die imaginären Helden unserer Kindheit?
Ich stell mal die Behauptung auf, dass ein nicht unerheblicher Teil der länger trockenen Alkoholiker, das Motiv des „abgelehnten Kindes“ in ausgebildeter Form in sich trägt und auslebt. Durch zu viel oder zu wenig Liebe abgenabelt von denen, die unsere Lebensentscheidungen begleiten sollten.
Wer waren also die, die übrig blieben, meine Werte zu modellieren, die mich retten konnten, wenn das Außen zu bedrohlich wurde.
Mein Vater hat mir sehr wohl (und eindringlich) vermittelt wie ich mich zu verhalten habe. Doch das „Einer für alle – Alle für einen…“ der Vier Musketiere trage ich heute noch mit mir. (Das ist kein Zitat, sondern ein „geflügeltes“ Wort – hat somit in den normalen Sprachgebrauch Einzug gehalten).
Ich denke, es kann für mich sehr hilfreich sein, beim „Was will ich denn?“ auch nachzuschauen „Was habe ich mal gewollt und wer hat das so gewollt und ist das jetzt noch für mich bindend?“ Die Antworten darauf sind meist schmerzlich. Die Drachen von damals hinterlassen nämlich immer noch Spuren, aber die Ritter der persönlichen Tafelrunde sind größtenteils gescheitert.
Damit es nicht so weh tut - damit ich es überhaupt zulasse, nähere ich mich dem - mit dem was ich kenne. Meiner eigenen Poesie, meiner eigenen Melodie. Das Erkennen des Verlustes macht dann zwar noch unendlich Traurig, ist aber keine Lebensbedrohliche Situation mehr.
Ich kann meinen kindlichen Lebensentwurf erst endrinnen, wenn ich ihn zu Grabe getragen und betrauert habe und ihm nicht ewig Nachtrauer. Scheitern will gelernt sein. Erst dann bietet es eine Chance für ein weiteres Drehbuch.
Hat das was in dem Forum zu suchen? – Ja
Ist das für alle Nachvollziehbar? – Kaum.
Ich glaube nicht das es einen Sinn gemacht hätte, mir diese Gedanken vierzehn Tage nach der Entgiftung zu machen – auch ein Jahr danach wäre es ehr müßig gewesen. Die Zeit für mich ist jetzt. Die Literatur die dafür nötig ist, führt mich zurück in meine Kindheit. Da steht zwar nichts von Alkohol drauf – doch der ist auch derzeit nicht mein Problem. Es sind die alten Verhaltensweisen.
Übrigens, Selbsthilfe wertet und bewertet nicht, sondern lässt den Raum für Kreativität und das individuelle Tempo.
Ach so, OF, viel Holz in der Hütte, beruhigt vor kalten Tagen.
Gruß Uwe. -
Hallo Old Flatterhand
Kein Eishockeyspieler. Da schreibe ich von gesellschaftlicher Verträglichkeit und würde einen Bruder im Geiste verprellen – nicht auszudenken. Obwohl, ich hätte den Arbeitstag mit einem inneren Lachen verbracht. Ist mir aber nicht eingefallen. Zum Verständnis, der Arzt Karl Steiner war Karl Mays Avatar für die Geschichten in Mexiko.
Über einen gestürzten Prinzen, einen verwehrten Thron und verschluckter Aggressionen kann ich eine Geschichte erzählen. Das Happy-End ist ähnlich. Heute aber nicht mehr – zu müde.
Gute Zeit – muss am Morgen wieder früh raus - Uwe -
Hallo Old Flatterhand
Schön dich hier zu haben (ich hatte ein wenig Bedenken, du ziehst dich zum Tee zurück, weil der Kaffee kalt geworden ist).
Wie hießen doch gleich die Avatare unserer Kindheit und Jugend. Kara Ben Nemsi und Karl Steiner, Captain Kirk und Pille, Lukas und Jim Knopf, Timur und sein Trupp… Weite Prärie, unvorstellbare Welten, absurde Abenteuer und versteckte Tugend als Pflicht…
Habe ich mich mit ihnen identifiziert? – natürlich.
Habe ich mich in ihnen verloren? - gelegentlich.
Hat es mir geschadet? – Ich denke nicht.
Die Avatare und Nicknamen der Gegenwart sind vielleicht komplexer und anonymer als zu meiner frühen Jugend, doch bedenklich sind sie wie zu jener Zeit nur, wenn ich mich dahinter verstecke und den Bezug zur Wirklichkeit verliere.
Das war verkopft genug, für einen Sonntagmorgen. Ich schau mal zur Musikbox. -
Penta
Wieso "NUR" an dieser Stelle? Warum ein "irgenwie so oder nicht?"
weiter oben?
Zeig mal etwas mehr Respekt vor deinen eigenen Leistungen. Das darfst du
Schönen Sonntag Uwe. -
Hallo K.U.D.68
Ich schnei hier mal vorbei, weil dein letztes Anliegen ein nur zu bekanntes ist. Du schreibst, du weißt nicht wie es gesagt werden soll. Ein Zeichen von Wertschätzung ist es, deutlich zu machen: Warum du dich nicht mehr wohlfühlst. Möglich ist, dass es den anderen genauso geht und keiner in der Lage ist es auszusprechen, weil niemand jemanden verletzen will – dabei ist es nur ehrlich. Aus eigener Erfahrung: das wird eine intensive und wertvolle Gruppe für alle und ist mit etwas Glück der Anfang einer neuen gemeinsamen Beziehung. So habe ich das jedenfalls erlebt.
Gruß Uwe. -
Guten morgen.
Ja Penta, es ist ein Zustand, und Old Flatterhand beschreibt ihn hier für sich. Es ist jenes aufgehen im Hier und Jetzt. Es ist kein Dauerzustand, sondern ein verweilen im Augenblick – die Fragen sind vorher und danach. Ich finde das auch gut so. Von dem Ewigen sind wir nur durch uns selbst getrennt. Und die Ewigkeit ist im Jetzt. Ein Stück weit in der Zeit ohne Ego – was bleibt sind Bewusstsein und der Körper. Die einen nennen es Spiritualität, manche suchen es im Glauben, für mich sind es einfach magische Momente. Sie sind mit wenig zu beschreiben, weil sie alles sind. Diese Momente haben die Eigenart, dass ich sie nicht finde wenn ich sie suche. Diese Momente finden mich.
Und ja, du sagst es treffend – es wird was offen bleiben. Denn wenn ich ewig glückselig lächelnd durch die Weltgeschichte tapse bin ich wahrscheinlich verblödet.
Schönes Wochenende Uwe -
Hallo Melanie, Hei Matthias
Ich kann theoretisch auch ein Haus bauen. Wenn ich mit der Aufgabe dann konfrontiert werde, bin ich sicherlich erst einmal völlig überfordert und vermutlich wird es windschief.
Genauso geht es mir mit dem oben angeführten Text. Er beschreibt gewissermaßen einen nicht zu erreichenden Idealzustand.
Ich habe meine Darstellung bewusst sehr allgemein gehalten, da es keinen Erfolg haben kann, Ratschläge zu erteilen. Auch ist meine Herangehensweise nicht der ultimative Weg in eine selbstbestimmte nüchterne Zufriedenheit (ich mag dieses Wortkonstrukt aus meiner Therapiezeit). Es ist für mich persönlich ein Ansatz. Da ich mich allerdings für einen ganz durchschnittlichen Alkoholiker halte, sind meine Erfahrungen trotz aller Individualität keine Einzelerscheinungen. Es ist in meinem Optimismus begründet, zu glauben, dass die Basis unseres Denkens weit mehr Gemeinsamkeiten aufweist, als uns die Psychologie zugesteht.
Was deine Frage betrifft, Matthias: Mit zwei, drei Mitstreitern, welche ähnlich ticken wie ich, begleite ich eine reale SHG (wir nennen das seit der Fußball-WM flache Hierarchie). Zum anderen versuchen mit mir eine Handvoll „Naiver“, die sich noch ihren Idealismus bewahr haben, eine organisationsübergreifende SHG innerhalb einer Entwöhnungsstation zu etablieren. Dort können die Patienten in der LZT erleben, was Selbsthilfe als Nachsorge leisten kann. So gesehen gehe ich direkt auf die Menschen zu.
Ich selbst war allerdings nicht als Novize auf Therapie und brauch somit auch keinen auf der Straße zu bekehren - ich kokettiere nicht mit meiner Sucht. Ich bin allerdings durch meinen offensiven Umgang mit der Krankheit, auch außerhalb der Institutionen, die sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen müssen, als trockener Alkoholiker bekannt. Mein Beruf als Kellner und der „Dorfcharakter“ einer Kleinstadt tun ihr übriges. Die einen befremdet es – der nächste findet es toll. Ich bewerte das nicht mehr.
Es ist also irgendwas dazwischen und es ist in erster Linie für mich. Ich habe es wo anders schon mal ähnlich geschrieben: wenn ich jemanden durch meine Lebensart anregen kann das „Jammertal“ zu verlassen, reicht mir dies. Weil mir es gutgetan hat, was mir „alte (trockene) Hasen“ vermittelt haben, und der obengenannte Optimismus in den Berührungspunkten, veranlassen mich so zu leben, wie ich es tue (inklusive der Unwägbarkeiten).
Dadurch dass ich des Öfteren über meine Eitelkeiten stolpere (und eine latente Einsamkeit kommt ehrlicherweise auch dazu), bin ich hier im Forum.
Ich denke das war umfassend geantwortet - wenn nicht einfach nachhaken.
Gruß Uwe -
Wer wagt schon den Schritt? Weg vom Suchtmittel – hin zum Suchtverhalten. Und wer sagt wann es Zeit dafür ist, wenn ich es nicht anders kenne? Solange meine Gedanken um die Droge kreisen, egal ob es sich um seine Beschaffung oder um die Vermeidung handelt, fehlen mir die Energien für die Auseinandersetzung mit meinem Leben. Das gilt meiner Meinung nach für alle im Suchtsystem verfangenen.
Es war doch auch für mich nicht einfach zu erkennen, dass der Alkohol nur ein Mittel zum Zweck war, dass nur das Weglassen keine Genesung herbeiführt. Der Prozess hat erst stattgefunden, weil er mir vorgelebt wurde. Heute ist es mir in meinem Umfeld ein Anliegen, genau diese Alternative aufzuzeigen. Die Konflikte in mir sind die gleichen wie zuvor, die Gefühle die dazu gehören sind für mich schwer zu erkennen – doch ich versuche sie zu benennen, und die Lösungsansätze haben nichts mehr mit dem Betäubungsmittel zu tun, sondern mit mir und meinem Verhalten. Ein naiver Weg wäre auch für mich ein „wegsprengen“, denn die Konsequenzen sind zwar hässlich aber bekannt. Meine Krankheit ist eine Verhaltensstörung und ihr Krankheitsbild der Alkohol. Das Symptom kann ich vermeiden indem ich die Neurose bearbeite. So macht es für mich einen Sinn. So verliert das Suchtmittel die Macht über mich, rückt weg vom Zentrum, gibt den Weg frei fürs Leben.
Gruß Uwe -
Hallo Frozen Tears
Schön von dir zu lesen.
Nicht zu wissen was ich will trifft es wohl nicht genau. Es geht mehr darum, dass Wollen besser einzuordnen. Nun das klingt jetzt etwas gestelzt. Bei meinem Trübsinn verhält es sich ähnlich. Es geht nicht darum ihn loszuwerden, sondern auszuhalten – oder auch da besser - ihn einzugliedern. Es ist ein Teil meiner Persönlichkeit, der mir nicht zwingend gefällt, aber bei genauem Drauf schauen kein Nachteil ist.
Perfektionismus – ich weiß noch wie ich auf der LZT damit geprahlt habe. Ich hatte damals nicht die geringste Ahnung, was ich mir damit antue. Einerseits lähmt er, andererseits kann ich nie mit einem Ergebnis einverstanden sein, was auch unzufrieden macht. - Habe ich ihn überwunden? – Keineswegs. Ich erkenne es heute etwas früher (zugegeben nicht immer), oder mein Umfeld „tritt mir auf die Füße“. Wo es möglich ist versuche ich Arbeiten zu delegieren, sozusagen Vertrauen zu üben. Fällt enorm schwer – die Resultate geben mir aber am Ende des Tages recht. Das tut dann richtig gut. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass 80% ein optimaler Wert für die persönliche Leistung sei. Der Aufwand für die restlichen 20% stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen. Ich habe zwar den Verdacht, dass stimmt nicht ganz, hilft aber erstaunlich gut für die Eigenbewertung.
Ach ja, noch zu dem „Schweinehund“, der für die anderen lebt. Deiner und meiner scheinen Geschwister zu sein. Ich kann mich nicht endgültig von den spekulativen Erwartungen der anderen frei machen. Ich möchte nicht der gesellschaftlichen Verträglichkeit zuwiderhandeln. Ich frage aber nunmehr (vielleicht nicht oft genug) nach, was die anderen wünschen oder denken. Dies hat dann meist wenig mit dem zu tun, was in meinem Kopf umher spukte. Dabei merke ich dann oft, dass es meine Moralvorstellungen sind, meine Eitelkeiten die ich auf die anderen projiziere. Kein Wunder das ich dann Missverstanden werde. Das liest sich alles schön logisch und schlüssig – glaub ja nicht, ich bin in der Lage es eins zu eins umzusetzen. Wenn ich Glück habe gelingt mir es morgen ganz gut, weil ich es heute aufgeschrieben habe.

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Guten Morgen Sundra
Du näherst dich schon an. Waldorf und Statler sind etwas schrullige Kritiker, die meist nur vom Publikum verstanden werden – die betroffenen „Künstler“ der Show haben selten Sinn für ihre Einwände. Wenn du nun noch deine Rolle im Reigen der Muppets findest und beschreibst, ist viel erreicht. Eine etwas andere Art der Selbstfindung – mit Humor.
LG Uwe