Hallo beim Kaffeeklatsch
Wichtig finde ich in diesen Thread, klar zu machen, dass mit einem soliden Austausch untereinander, die persönliche Neurose „beherrschbar“ ist. Ich bin hier um mich weiter zu entwickeln. Das Forum ist eine neue Möglichkeit für mich, breiter zu diskutieren. Es ersetzt mir nicht die direkte Konfrontation und auch nicht die verbale Kommunikation. Meine Konflikte werden nicht im Internet, sondern im Alltag ihren Ausdruck finden. Hier kann ich mir die Anregungen holen, die mir einen angemessenen Umgang damit aufzeigen. Und dazu ist es erforderlich Position zu beziehen.
Ach ja, der Nick-Name und auch die Bezeichnung des Themas zeugen von Humor, Old Flatterhand. Ein für mich nicht unwesentlicher Bestandteil für eine Sicht auf sich selbst. Da stimmt der Abstand.
Gruß Uwe
Beiträge von uwe.rothaemel
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Hei Old Flatterhand
Auch der „Kaffeeklatsch“, besser Zeitvertreib, hat in Gruppen seine Berechtigung – ob im Netz oder in der realen SHG. Es wieder aus der Belanglosigkeit zum Kern zu führen, ist einerseits Aufgabe der Begleitung und im Idealfall der Mitglieder der Gruppe. Eine Wertung finde ich daher unangebracht. Jedem das Angebot, dass ihm guttut. Ich vergesse es selbst ab und an: Den Menschen dort abzuholen, wo er sich gerade befindet. Die Regression braucht also nicht immer bis in die Kindheit geführt werden, sondern bisweilen nur an die eigene Lebenswende, um die Ängste und das Zaudern nachzuempfinden. Im Bereich der Co-Abhängigkeit, ob nun Familie oder Kollegen, findet selten eine Auseinandersetzung statt. Obwohl ich seit Jahren sehr offen mit meiner Sucht umgehe, kenne ich es aus dem persönlichen Umfeld zur Genüge, dass da mehr Verdrängung stattfindet, als ich für mich selbst zulassen werde. Es ist also meine Aufgabe, verharmlosende Kaffeeklatschszenarien zu einem ernsten Thema zu vermeiden/zu unterbinden. Die Freiheit nehm ich mir.
Gruß Uwe -
Hallo BlueCloud
Nun, natürlich geht es darum. Mein Weg hat sich vom Beginn an darauf konzentriert. Vom „akzeptieren wie ich bin“, über das, „wer bin ich überhaupt“, zum „warum ich so bin“ nun eben zu der Fragestellung „muss dies auch so bleiben“. Veränderungen finden auch ohne bewusstes Zutun statt. Jetzt bin ich der Meinung einen Schritt weiter gehen zu können. Dazu gehört es eben einer gewissen Beziehungslosigkeit entgegenzusteuern – Angst vor Nähe abzubauen -, mich von den Zwängen zu lösen die mich beengt haben. Doch die Umsetzung in den Alltag gestaltet sich bisweilen zäh.
Übrigens, Fremdschämen hat mehr mit den eigenen moralischen Ansprüchen, der eigenen Ethik zu tun. Damit bin ich nicht alleine.
Gruß Uwe -
Hallo
Ich bin mir sicher, dass mir der Aufenthalt hier weiterhelfen wird. Schreiben hat halt eine andere Qualität, als einfach über etwas nachzudenken. Und bei Fragen, die ich mir selbst stelle, ist meist die Antwort mit formuliert. Das hat dann mehr von einer Katze, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Es ist ein Punkt erreicht, wo die Antworten auch wieder „Aua“ machen können.
So wie bei dem „Schlimmsten was passieren kann“. Rational bleibt festzuhalten: nichts kann geschehen!
Doch wenn ich schon im „Fremdschämen“ so gut bin, wenn sich andere verirren, wie ertrage ich dann eigene Irrwege? Und das ist auch nur an der Oberfläche gerubbelt. Möglicherweise hat es viel mit den eigenen Eitelkeiten zu tun – dem Gedanken von der persönlichen Extrarolle. Wenn die so gar nicht ihre Aufmerksamkeit bekommt, hat das schon was „katastrophales“.
Ich probiere es nunmal mit mehr Geduld.
Gruß und Danke – Uwe. -
Hallo
„…auch Dinge in mir, die längst nicht mehr für mich zutreffen…“. Das trifft es wohl – find ich gut. Eine „Überlebensstrategie“ aus vergangenen Jahren. Und genauso habe ich dann probiert, dies wieder mit mir selbst auszumachen. Deshalb schrieb ich ganz oben: „…und kein bisschen Weise.“
Meine Verhaltensweisen bisher haben mir dennoch ein gewisses Maß an Sicherheit und Stabilität gegeben. Ich weiß nicht welche Reaktionen eine Veränderung hervorrufen wird – und sowas macht gelegentlich Angst. Vor allem der vermeintliche Verlust der Harmonie, wie er von außen beobachtet werden soll (bitte keine Gutgemeinden Reaktionen auf diesen Satz – da ist ein Stückweit Ironie dabei). Trotzdem ist es nicht einfach, die erworbenen Einblicke auf die eigene Person anzuwenden.
Gruß Uwe. -
Hei BlueCould
Danke für die Antwort.
Dies scheint mir die eine Seite der Medaille zu sein. Die Worte, die mein Denken bestimmen, kann ich bewusst so gestalten, dass es mir in den Handlungen tatsächlich besser geht (auch einmal „Nein“ sagen zu können, geht in die gleiche Richtung). Sozusagen meine „Pflicht“ Mich nicht bei alledem zu vergessen.
Das Wollen, welches ich suche, liegt wahrscheinlich eine Etage tiefer. Es sind sehr unbewusste Verhaltensmuster, die ich aufbrechen möchte. Ich werde diese „Vorschriften“ nicht aus meiner Persönlichkeit tilgen können – sie gehören ja dazu -, aber die, welche mir das neue Leben schwer machen zu überschreiben, erachte ich als wertvoll. Ich bin quasi bei einer Inventur aus skeptischer Distanz. Da dieser Abstand naturgemäß trotzdem im selben Kopf stattfindet, bin ich dabei auf die Blickwinkel von Euch mit angewiesen.
Gruß Uwe -
Hallo Petra
Da ich mich innerhalb des öffentlichen Bereichs bewege, und meine Identität kein Geheimnis ist, wäre im Forum eine detaillierte Lebensbeichte eine exhibitionistische Entgleisung, die ich mir nicht verzeihen könnte. Ich kann trotzdem einmal versuchen, in groben Zügen und ohne Dritte mit einzubeziehen, einen Umriss zu skizzieren.
Aufgewachsen bin ich in dem, was im Allgemeinen ein behütetes Elternhaus genannt wird. Ich war immer der angepasste und unauffällige. In der Schule im besseren Mittelfeld, sodass ich um Aufmerksamkeit zu bekommen, die Jobs gemacht habe, die keiner wirklich haben wollte. Dieses Muster habe ich sehr lange durchgezogen, nicht ohne auch davon zu profitieren. Ich bin mir nicht sicher welche Ereignisse in der Kindheit dafür gesorgt haben, dass ich das Kind-Sein aufgegeben habe, um „Verantwortung“ übernehmen zu „wollen“. Überzogene Erwartungen an mich selbst (mir gefällt das Wort Perfektionismus nicht so gut) und im Wesentlichen eine unangemessener Umgang mit dem Thema Scheitern, sind wohl die Hauptkatalysatoren für die Sucht. Getrunken habe ich regelmäßig seit dem 18ten Lebensjahr – problematischer Konsum ab ca. 2000 – und exzessiv in den Jahren 2006/07. Als ich nicht mehr arbeiten wollte (und mein Chef auch keinen gesteigerten Wert mehr darauf legte), hat meine jetzige Hausärztin die Reißleine gezogen. Ich war dazu nicht mehr in der Lage. Ihre Praxis lag glücklicherweise auf den Weg zu den Gleisen. Soviel zum Tiefpunkt. Ich habe Arbeit und Leben gleichgesetzt – und mit dem vermeintlichen „nicht mehr Wollen“ des einem, wollte ich das andere auch nicht mehr. Mein Chef hatte nicht die Absicht mich loszuwerden. Das war meine Interpretation. Im Gegenteil, hat er mich nach der Therapie angemessen unterstützt.
Ich habe seitdem einiges verändert: Die Prioritäten verschoben (z.B. ist die Arbeit noch wichtig, aber kein Sinnersatz fürs Dasein), eine realistische Einschätzung meiner Möglichkeiten versucht und das Scheitern als Möglichkeit und Lebenserfahrung schätzen gelernt.
Doch der „Richter“ in mir ist oft in der Lage, das Experiment mit den Emotionen, in seine Pflicht zu nehmen. So wird die neue Konditionierung umgangen, um wieder eine Maske aufzubauen. So was fällt mir aber auch erst auf, wenn ich es aufschreibe – ein Grund warum ich im Forum bin.
Schönen Sonntag Uwe. -
Danke Petra
Wenn ich irgendwann so schreiben kann – spontan und ohne erst jede Zeile auf kommunikative Korrektheit zu überprüfen – bin ich für mich schon einen Schritt weiter.
Vertrauen. Mit Anvertrauen versuche ich`s schon mal. Durchaus möglich, dass da ein Stück von den eigenen Missverständnisse herrührt. Aus einem Glauben heraus, alles selbst machen zu müssen, kann es mir meist auch keiner wirklich recht machen. Schon hier ist mehr Vertrauen angebracht. Daran übe ich mich schon (an der Arbeit und im ehrenamtlichen Bereich). Ist für mich verdammt schwer auszuhalten. Selbst wenn mich niemand in diesen Bereichen enttäuscht (oder gerade deshalb?). Die persönliche Wichtigkeit, oder besser vermeintliche Besonderheit, auf das reale Maß zu korrigieren und Gleichzeitig nicht im Gegenzug den eigenen Eitelkeiten zu weh zu tun, ist eine Wanderung auf schmalem Grat. Mir fehlt sozusagen der Wegweiser für die Balance.
LG Uwe -
3 1/2 Jahre „Trocken“, und kein bisschen Weise.
Bei meiner Anmeldung hatte ich mir gedacht ein wenig rum zu lesen, ein paar „schlaue“ Kommentare abzugeben und dass war`s dann. Das ist zu wenig und sind nur vorgeschobene Gründe. Ein wahrer Anlass ist wohl mehr, dass es mir sehr schwer fällt, eigene Bedürfnisse zu erkennen, auszudrücken und gewissermaßen auch einzufordern. In der Theorie klingt dies einfach, doch in der Praxis scheitere ich gewohnheitsmäßig daran.
Eine Therapeutin, welche mir schon vor drei Jahren entscheidend geholfen hat, und die ich vor Wochen mal traf, meinte zu dem Thema: „Da ist ein sehr vernachlässigter Teil in Ihnen, der auch was will.“ Sie sprach davon, dass ich große Angst habe, von Emotionen überrollt zu werden und dementsprechend durch „Schamattacken“ geschützt, erst gar keine zulasse. Immer wenn ein Stück Spontanität die Oberfläche erreicht, wird diese durch abwägen schon im Keim erstickt. Meine Niedergeschlagenheit habe hierin sozusagen ihren Nährboden. Das ist zumindest meine Interpretation gewesen.
Es ist nicht einfach mich diesen Teil zu nähern. Zum einem ist er wirklich „winzig“ und das Finden ist schon mühsam. Zum anderen ist da eine „mächtige Instanz“ die schnell einen Deckel darauflegt. Folge davon ist meist eine Antriebslosigkeit, die mit reinem phlegmatischem Verhalten nicht erklärt werden kann. Wie nähere ich meinem Wollen an – ohne es zu erschrecken? -
Hei
Das erinnert mich sehr an meinen Umgang mit mir selbst.
Doch die schlechten Gefühle gehören genauso zu mir, wie die guten. Sie lassen sich nicht umwandeln oder ignorieren. Sie können aber erfolgreich verdrängt werden – und dies macht sie dann so gefährlich. Sie sind ja nicht weg.
Ich frage mich dann erst einmal, ob ich denn in meinem Inneren angemessen reagiere. So ist es für mich einfacher herauszufinden, ob ich die Kränkung wirklich persönlich nehmen muss (in etwa: da habe ich tatsächlich einen Fehler begangen, hier nicht, also bin ich in weiten Teilen in Ordnung). Weil ich alles gerne perfekt machen wollte, habe ich irgendwann nichts mehr gemacht. Weil ich gerne ein vollkommenes harmonisches Umfeld haben wollte, wurde jede harmlose Streiterei zu einer Katastrophe. Das gehört auch weiterhin zu meinen Verhaltensweisen (ich habe mich ja nicht neu erfunden, als ich angefangen habe abstinent zu leben), doch ich gehe nun freundlicher mit mir um und somit hat sich das Selbstgefühl verbessert. Ablehnung und „Abwertung“ erreichen nicht mehr den Status eines Weltuntergangs. Ehrliche Auseinandersetzungen werden somit im Idealfall nicht mehr mit Wut und Aggression geführt, sondern in den meisten Fällen konstruktiv.
Gruß Uwe -
Hei
Du Fragst: "Hilft es jemandem (sein individuelles) Glück und Zufriedenheit anzustreben, um trocken zu bleiben?"
Dies ist für mich der Gedanke, welcher eine dauerhafte Abstinenz erst möglich macht. Und zufrieden nüchtern sein, ist für mich weit mehr, als nur das weglassen des Suchtmittels. Die verdeckten Gefühle wieder zulassen, aus den ängstlichen Verhaltensmustern auszusteigen, den eigenen Bedürfnissen wieder Raum geben – die glücklichen Momente ergeben sich in meinem Verständnis aus solchen Dingen. Sie lassen sich nur nicht so leicht erreichen, wie ich sie hinschreibe. Aber es ist spannend daran zu arbeiten. Die Erwartung macht es reizvoll und das Erreichen von „Teilzielen“, kleinen und mittleren Erfolgen, belohnt mich mit einem guten Gefühl (oder eben Glück). „Nass“ ist dies bewusst nicht zu erzielen. Und wenn schon Glücksmomente, will ich mich jetzt auch daran erinnern können.
Gruß Uwe. -
Hallo Frozen Tears
Ich denke, dass das zentrale Streben eines Jeden, irgendwie mit Glück zu tun hat. Und Glück, ist jen-seits jeder Statistik, was glücklich macht, immer eine ganz persönliche Sache. Ich kann MEIN Glück finden – und dabei habe ich ein ums andere Mal – eine unglückliche Strategie verfolgt. Der Alkohol hat mich nicht glücklicher gemacht, aber hervorragend dazu beigetragen, mein vermeintliches Unglück zu vergessen. Dieses verlockende Gefühl immer wieder zu erreichen, festzuhalten und dauerhaft zu konservieren, hat mich zum Pegeltrinker gemacht. Der rauschhafte Zustand von Harmonie, hält nicht lange an.
Heute versuche ich durch ein bewusstes nüchternes Leben, zeitweilig ein ähnliches Gefühl aufkommen zu lassen. Manchmal habe ich das Glück, wie jetzt – wo ich darüber nachdenke – ihm nahezukommen.
Viel Glück - Gruß Uwe -
Hei
Da will ich mich auch mal einmischen. Die Abwertungen, welche ich erfahren habe, waren zu meist spekulativ. Selbst Lob habe ich nur entgegennehmen können, wenn ich mir dazu ausgemalt habe, dass es nicht ernst gemeint war. Ich war nicht in der Lage, die eigenen Ansprüche zu erfüllen. Somit war jede Geste, jedes Wort und jegliche angetragene Aufgabe damit verbunden, nicht zu genügen. Auch wenn ich mir heute selbst auf die Schultern Klopfen kann (manchmal reicht dies aus), ist ein Danke - eine kleine Anerkennung, in welcher Form auch immer - für mich und mein Selbstwertgefühl sehr wichtig. Dabei versuche ich nunmehr auch selbst, den anderen tolerant gegenüber zu sein - und eben Anerkennung zu geben. Erstaunlich wieviel gelegentlich davon zurückkommt. -
Hallo Forum
Ich bin neu dabei (seit 2008 trocken), und lese bei XXL Baer von "harten Alkoholikern", von "ganz unten" und "keinen richtigen Problemen".
Hoppla, wer hat da eine Messlatte gefunden, was gut und schlecht für mich ist - in welcher Maßeinheit wird gemessen und wie rechne ich das in Lebensqualität um?
Ich finde so etwas gegenüber Hilfesuchenden von der "SHG" verantwortungslos.
Es war vor drei Jahren eine große Überwindung für mich, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Ich weiß nicht ob ohne Hilfe ein abstinentes Leben gewährleistet werden kann (eine wirklich zufriedene zumindest). Mir ist es nicht möglich gewesen und mir wären eine Menge an Bekanntschaften und Lebenserfahrungen verborgen geblieben, die mich weiter gebracht haben.
Gute Nacht für Heute Uwe