Beiträge von uwe.rothaemel

    Hallo BlueCould
    Mir persönlich stoßen bei „Von Kernen…“ lediglich ein paar Worte auf.
    Gerade nach einer längeren Auseinandersetzung mit den eigenen Mängeln, ist dann „Krank“ noch der charakteristische Begriff?
    Und ist es so erstrebenswert alle Defizite wegzuarbeiten?
    Ist es erforderlich, mich willentlich umzustrukturieren?
    Ich mache mir die Gedanken, da nach dem vergangenen, erkenntnisreichen Wochenende bei mir der erste Impuls war: „Ich muss besser werden!“ ein typisches „Mehr vom selben!“ und es wird optimaler. Eine Nacht später fand ich die Reaktion für mich zwar nachvollziehbar – aber fragwürdig.
    Reicht nicht - nach dem Erkennen der eigenen, unangemessenen Verhaltensweisen und dem Hinschauen auf die Ursächlichkeiten - das Vertrauen auf die persönlichen Fähigkeiten?
    Ein Besinnen auf die vorhandenen Stärken, um gegebenenfalls mal anders zu handeln. Das ist dann keine Arbeit, keine Anstrengung an sich, sondern Experimentierfreude (Lebensfreude) oder kreativer Eigennutz.
    Mir persönlich klingt das sympathischer und lässt für „Fehlversuche“ Alternativen. Ich mache dann nichts mehr falsch, sondern nur anders.
    Schöne Grüße - Uwe

    Hallo Matthias
    Deinen Sarkasmus in allen Ehren (mir erscheint es allerdings als Ironie). Jedoch bin ich der Meinung, einer Verhaltensweise auch den entsprechenden Namen zu geben.
    IAS haben die freundlichen Doktoren aus der psychiatrischen Gilde (die, die den weißen Kittel vorne offen tragen), im Zusammenhang der Internet-Abhängigkeit schon belegt.
    Ich halte persönlich nichts davon, mit Syndrom etwas zu Pathologisieren, wo „Opfer-Rolle“ jedem deutlich macht, was ich mir wirklich antue.
    @ Melanie, danke. Dein Beitrag erspart mir meine Sichtweise darzulegen. Insbesondere: „…es wird nur deshalb so schlecht gesehen, weil`s negativ bewertet wird und drum wollen das die Leute nicht annehmen…“ find ich bezeichnend.
    Gruß - Uwe

    Hallo B. C., Hi Matthias
    Nun, manche Geschichten haben erst die Gelegenheit ans „Licht“ zu gelangen, wenn die Bedingungen auch dafür gegeben sind. Das hat was mit der Nachdrücklichkeit; den beteiligten Personen sowie deren Hintergrund bzw. Motivation; der „genauen“ Zeit; dem „richtigen“ Ort und mit der eigenen Bereitschaft zu tun.
    Dabei ist es gar nicht so ausschlaggebend gewesen, zu welchen Ergebnissen ich im Vorfeld schon gekommen war. Richtungsweisend waren die Blickwinkel von außen – die eben nicht vorgefertigt in meinem Kopf schon „Karussell“ gefahren sind.
    Es gibt einige „Wiederholungen“, die sich in gewissen Abstand permanent durch mein Leben ziehen. Insbesondere in zwischenmenschlichen Beziehungen. Eine Gruppe spiegelt das recht gut, und gibt mir im Idealfall die hilfreichen Rückmeldungen.
    Die Konstellation von Menschen, welche mir relativ nahe stehen und genau diesen, denen ich zum ersten Mal begegnet bin, sowie eine (Vergleichsweise) harmlose Begebenheit im Gruppenerleben, waren die maßgeblichen Gründe für mich, genauer hinzuschauen, was da „schon wieder“ passiert ist. Dass das Ganze von einen erfahrenem Suchttherapeuten begleitet wurde, kam begünstigend hinzu. Es wurden mir sozusagen die „Richtigen“ Fragen gestellt.
    Ich war/bin immer überrascht gewesen, wo meine eigenen Emotionen hingelangen. In mich „hineingefressen“ habe ich sie nicht. Schlussendlich hat so etwas eine „Explosion“ zur Folge. Das findet bei mir nicht statt. „In die Luft gehen“ die anderen. Soweit war ich vorher.
    Grob gesagt habe ich die „Kunstfertigkeit“ erlernt, nicht nur verschiedene Rollen zu spielen, sondern auch unterschiedliche „Persönlichkeiten“ in mein erleben einzuweben. Die persönliche Maskerade ist nicht zum ersten Mal mein Thema. Optimale Anpassung. Die Folgen habe ich nur noch nie so intensiv betrachtet.
    Ich bin für andere schwer greifbar – anfängliche Sympathie schlägt in Unverständnis; das Gefühl von Gemeinsamkeit sehr schnell in Unzugänglichkeit.
    Um die eigenen Gefühle nicht leben zu müssen, habe ich sie auf andere „transportiert“. Wer dieser „Einladung“ folgt, ist am Ende ebenso „verwundert“ wie ich. Das bei mir gelegentlich zum Erstaunen und betroffen sein, eine Genugtuung dazu kam, macht die Strategie verständlich (der sozialen Verträglichkeit ist es nicht dienlich). Auch dass dies auf unbewusster Ebene geschieht, macht die Einsicht nicht wirklich erträglicher.
    Mir sind also nicht die Gefühle abhanden gekommen, sondern die Identität. Da sich auch beruflich Veränderungen anbahnen, jedoch noch in der Schwebe sind, fiel mir auf die Frage: „Wer bist du?“ nicht einmal mein Name ein.
    Tja B. C, wie will ich das Lösen.
    Ich werde die Hilfe meiner Mitmenschen brauchen. Dafür werde ich auf die obengenannten Verwicklungen achten. Wichtig wird dabei sein, dass ich mein „wirkliches“ Erleben besser mitteile. Ich werde darauf vertrauen, dass mich die Personen, denen ich wichtig bin, auch aushalten. Wenn das nicht immer gelingt haut mich das nicht um – das habe ich lange genug inszeniert und kann damit umgehen. Ich denke, dass mir in der realen SHG ein guter „Proberaum“ dafür zur Verfügung steht.
    So, dass soll erst einmal reichen – ist anstrengend genug.
    Schöne Woche – Uwe.

    Hallo
    Ich habe mich am Wochenende, kurzentschlossen einer Seminargruppe zum Thema: „Sucht und Familie“ angeschlossen. Selten, dass ein spontanes Vorhaben, mir so viel Freude, Einsichten und sicher auch schmerzliche Erkenntnisse über mein Wesen und dem Wieso gebracht hat.
    Nicht, dass ich davon ausgegangen bin schon „Fertig“ zu sein, mich nichts mehr überraschen oder gar erschrecken könnte. Jedoch hat die ungeschminkte, demaskierte Rückschau auf meine Ursprungsfamilie, meinen Wertegang in der Jugend, mein Verhältnis (besser Ungleichgewicht) von Autonomie und Bindung etwas aufgebrochen, das in den letzten Monaten nach „Entdeckung“ geschrien hat. Da ich nicht jedem Anwesenden bekannt war, waren die neuen Blickwinkel unermesslich wertvoll.
    Insbesondere mein Umgang mit persönlichen Emotionen, wie Wut und Aggression ebenso wie auch Zuneigung – (weil nicht wahrgenommen, als verloren geglaubt) – waren hilfreich.
    Nun habe ich eine breite Angebotsliste zur Reflexion der vergangenen Tage, für die folgenden Wochen.
    Schönen Rest-Sonntag – Uwe.

    Hallo Ghiuirgean

    Zitat: „Ich bin sogar so vermessen zu sagen, dass das ganze Forum hier widerspiegelt, das es eben nicht bei allen gleich abläuft. Es sei denn wir reduzieren auf "keinen Alkohol konsumieren", "Das erste Glas stehen lassen" usw. und lassen das "wie" ganz weg.“

    Ich finde gerade diese „Reduzierungen“, wie du es nennst, als die Wesentlichen an. Es sind die ausschlaggebenden „Wies“, welche die verschiedenen persönlichen Wege erst ermöglichen.
    Ich denke, dass die Fragestellung. „Gibt es Unterschiede?“ insofern der eigenen Umsetzungsvarianten und dem individuellen Erleben mit ja (oder von mir aus auch mit sowohl als auch) beantwortet werden kann.
    Die Frage suggeriert allerdings auch, nach den Gemeinsamkeiten zu fahnden. Nachdem, das Verbindet und es uns gestattet, trotz oder wegen den mannigfachen und auch ungleichen Lebenserfahrungen, die Berührungspunkte herauszuarbeiten, die ein zufriedenes, dauerhaft nüchternes Leben erst zulassen.
    Und hierfür finde ich Deinen persönlichen Bericht für besonders wertvoll. Er zeigt mir nämlich deutlich (und deckt sich mit meinen Erfahrungen), dass es zur Umsetzung für die Abstinenz mehr als nur Ähnlichkeiten gibt. Die Einrichtungen, die du besucht hast; die Dauer, die zu Einsichten führten; das persönliche Umfeld und auch das „Wie“ der Umsetzung sind lediglich Nuancen eines einheitlichen Prozesses.
    Schönes Wochenende – Uwe.

    Hallo Maria
    Die Wege in und aus der Sucht mögen individuell sein.
    Allerdings zu glauben, dass sie irgendeine Besonderheit oder Ausnahme darstellen, halte ich für irrig.
    Es mag mannigfache Wahrnehmungen über den persönlichen Niedergang geben, auch der Eindruck über die eigene Karriere dahin, wird Unterschiede aufweisen.
    Die Konsequenz jedoch, ist allgemein die Gleiche. Nur durch das ehrliche Eingeständnis der Sucht und die unmissverständliche Beständigkeit im Punkt der Abstinenz, bleibe ich Symptom frei.
    Gruß - Uwe

    Hi Melanie
    Als ich deinen Beitrag las, habe ich zuerst gedacht: „uppsi, was habe ich denn da ausgelöst?“, „Was will sie mir sagen?“
    Dabei ist eine Analyse gar nicht nötig.
    Ich war gestern mit einigen, mir sehr wichtigen Menschen zusammen, die sich zu einem immensen Teil ihre Vorstellungen vom Leben erfüllt haben. Und ich hatte einen Anteil daran. Groteskerweise konnte ich feststellen, dass es mir selbst nunmehr auch ein Stückweit gelungen ist. Ich war wohl einfach nur äußerst aufgeräumt und du scheinst es auch zu sein. Ich glaube fest daran, dass sich die Bilder der Zufriedenheit einander gleichen – lediglich die Vorstellungen, wie ich mich unglücklich mache, haben grundverschiedene Inhalte.
    @ Matthias
    Ich bemühe mich redlich und es gelingt mir auch. Ich bemerke sie. Dass ich mich darüber wunder, macht es eher angenehm.
    Schöne Woche – Uwe.

    Hallo
    Etwas scheint in den vergangenen Monaten, wo ich vergleichsweise oft mit mir selbst und meiner momentanen Situation alleine gewesen bin, mit mir geschehen zu sein. Unwahrscheinlich ist jedenfalls, dass sich die Welt wegen mir verändert hat. Einfacher und glaubhafter ist die Aussicht, dass die Veränderung bei mir liegt – zumindest bei meiner Wahrnehmung.
    Es ist nicht so, als wenn sich großartige, explizit nennenswerte Ereignisse zugetragen haben. Es sind vielmehr kleine, einzelne Details, kaum bemerkbare Erlebnisse und Episoden, die das Gefühl einer zufriedenen Entspannung bewirken.
    • Noch etwas verwundert stelle ich fest, dass ich für mich Entscheidungen treffen kann – ohne dabei das „Haar in der Suppe“ zu suchen.
    • Ich fühle mich in Gesellschaft anderer wohl, und suche sie (wie heute Abend) geradezu.
    • Wenn das „Was ich wollen will“ vor einem Jahr noch mit einem – besser mehreren - Fragezeichen versehen war, so bin ich in einer Reihe kleiner Wandlungen zum „Tun“ übergegangen.
    Das sind die augenscheinlichen, direkt nachvollziehbaren Bewegungen. Doch mir dünkt, da wär noch mehr. Namenlos noch, weil nicht bekannt. Es geniert mich sogar ein wenig, fühlt sich eigenartig an, da es für mich noch nicht mit einem Begriff verknüpft ist. Sollte ich es beschreiben, fällt mir spontan lediglich „farbenreich“ oder „lebhaft“ ein.
    Doch ehe ich mir es zerrede, lass ich eine gute Woche, einfach eine gute Woche sein.
    Bunte Zeiten – Uwe.

    Nun, bloona,
    ich habe zu Beginn meinen unübersichtlichen „Problem-Berg“ in überschaubare „Hügel“ zerlegt. Das war mir alleine nicht möglich. Dafür habe ich einige Gespräche mit jemandem der sich damit auskennt, gebraucht. (Die gibt es in Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen jeder Art, in Person von guten – meist lange vernachlässigten - wirklichen Freunden…)
    Die nächsten Schritte - kleine, unsichere Schritte – waren nach der Realisierbarkeit sortiert.
    Für mich war dies am Anfang die Familie, dann der Arbeitsplatz. Nebenbei und begleitet, die Aufarbeitung der finanziellen Schwierigkeiten. Das hat gedauert und ist auch noch nicht alles komplett in „trockenen Tüchern“. Jedoch hat sich mit dem entstandenen Überblick einiges auch einfach von selbst erledigt.
    Ich bin einfach dran geblieben – und ich habe darüber gesprochen. Mit den Menschen, die mir wichtig waren. Und die Menschen, denen ich wichtig war und auch wieder wichtig wurde, haben mit mir darüber geredet. Rückblickend war das die entscheidende Veränderung, zu meinem Leben davor.
    Gute Nacht für heute - Uwe

    Hallo
    Danke für die Genesungswünsche. Ich bin wirklich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf und habe keinen Grund anzunehmen, dass es Rückschläge gibt (sofern ich mich an die Vorgaben halte).
    @ Manfred
    Prozess hat sich ja wirklich zu Deinem Lieblingswort gemausert. Im Sinne von „Beinflussbarer Entwicklung“ ist es mir auch genehm.
    In deinen Thread haben mich deine Betrachtungen zum Thema „Was brauche ich?“ sehr beeindruckt. Er zeugt von einer sehr realen Selbstwahrnehmung (Auch wenn ich dein „Größenselbst“ dabei ein wenig Futter gebe).
    Wer sich die Anerkennung nicht erschleicht, verführerische Absichten damit hegt oder den Glauben um die eigene Besonderheit zum Anlass nimmt, diktatorisch zu werden, ist weit davon entfernt einen Größenwahn zu erliegen.
    Ich kenne von mir die Unfähigkeit mit Lob umzugehen. Den Zwiespalt zwischen innerer Freude und dem gleichzeitig eingeredeten „Wissen“ um die persönliche Fehlerhaftigkeit. Die Reaktionen in demütiger Bescheidenheit – nur um bestätigt zu werden. Auch heute noch eine Gratwanderung. Wie geht ein Mensch wie ich, mit dem Widerspruch zwischen der erhofften, gewünschten Größe der eigenen Person einerseits und der wahrgenommenen Trivialität andererseits um. Mit dieser Diskrepanz zwischen „Sein“ und „Sein-Wollen“ haben schon „normale Gesunde“ ihre Schwierigkeiten.
    Jedoch schlimmer als ehrlicher Beifall ist es, gar nicht wahrgenommen zu werden. Um das zu untermalen und um unsere Prozesse angemessen zu begleiten, klatsche ich uns jetzt mal ein „Bravissimo“ mit den Händen.
    Gute Zeit – Uwe.

    Hallo bloona
    Ich habe mich mal durch deinen Thread gelesen. Dabei hatte ich nicht den Eindruck, dass sich Deine „Bemühungen“, um Herausforderungen an die Adresse des Zufalls richten oder sich um bewusste Versuche von Grenzerfahrungen handeln.
    Es stellt sich mir eher so dar, als wenn Du dir schon jetzt eine Entschuldigung für eine längst gefällte Entscheidung zurechtlegst.
    Ich kenne niemanden, der seine Trinkpause mit der ernsthaften Begründung: „… und zufällig war dann eine Flasche Alkohol in meinem Einkaufskorb! Das Schicksal hat es so gewollt!“ beendet hat.
    Für meine Entscheidungsfindung war die Frage: „Wie will ich weiterleben?“ ausreichend. Wie ich sterben kann, hatte ich bereits erfahren.
    Dass ein abstinentes Leben nicht gleichbedeutend mit sofortiger und dauerhafter Problemlosigkeit verbunden war, ist selbstredend. Im Gegenteil - Nüchtern habe ich meine zu bewältigenden Aufgaben erst erkannt.
    Egal wie dein zukünftiges Handeln aussieht – es sind deine Entscheidungen. Und die sind unabhängig von äußeren Glücksmomenten oder Pechsträhnen, sonder liegen einzig in deiner Verantwortlichkeit.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Sven
    In den letzten sechs Wochen habe ich ähnliches erlebt.
    Bei der Aufnahme zum stationären Aufenthalt im KH. habe ich deutlich auf meine Alkoholgeschichte hingewiesen. Beim Operateur, den Anästhesisten und später auch auf der Station. Trotzdem kam die Nachtschwester mit einem in Alkohol aufgelösten Schmerzmittel.
    Es wäre jedoch unsinnig - oder besser – völlig falsch, ihr darum einen Vorwurf zu machen, wenn ich die Tinktur getrunken hätte. Es liegt ausschließlich in meiner Verantwortlichkeit, was ich zu mir nehme.
    Etwas verwirrend und gleichwohl amüsant fand ich in der anschließenden AHB, dass die Diagnose: „Alkohol-Abusus in der Vergangenheit“ von einzelnen Therapeuten so interpretiert wurde, dass ich nach den Missbrauch (da überwunden), nunmehr Alkohol „richtig“ konsumieren könne. Mein verständnisloses Kopfschütteln hat als „Aufklärung“ denke ich ausgereicht.
    Für meinen Teil ist es mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden, da wo ich es für zwingend notwendig erachte, auf meine Sucht bzw. auf meine Abstinenz aufmerksam zu machen.
    Ich bin damit immer gut „gefahren“, noch nie auf Ablehnung gestoßen. Dadurch bin ich auch nicht mehr der Meinung, dass andere mir dies als Makel oder Stigma anlasten. Das entsprang eher meiner persönlichen Wahrnehmung, meinem eigenem Schamgefühl.
    Gruß - Uwe

    Hallo
    Zurück aus Krankenhaus und Anschluss-Heil-Behandlung. Soweit ist alles ganz gut verlaufen. Ich darf zwar mit meinem linken Bein noch nicht wirklich auftreten, jedoch bin ich endlich wieder schmerzfrei. Weiteres entscheidet sich dann erst Mitte September, wenn ich wieder bei meinem Operateur vorstellig werde.
    Ich bin ganz froh, endlich wieder in den heimischen vier Wänden zu sein. Auch wenn eine Verlängerung des Aufenthaltes in der Reha-Klinik weit aus bequemer gewesen wäre – die Anwendungen zur Genesung direkt vor der Zimmertür: das hat was – war mir nunmehr mein gewohntes Umfeld doch wichtiger. Irgendwann - ab der vierten Woche - wurde es mir unangenehm, dass sich so intensiv und ständig jemand um mich bemüht hat.
    Meinen Antrag für eine berufliche Neuorientierung habe ich bei dem zuständigen Amt eingereicht - „schau `mer mal“. Veränderung ist ja auch hier gerade ein Thema. Ich schau dem vergleichsweise gelassen entgegen. Es gibt genügend Optionen. Dazu aber zu gegebener Zeit (wenn es konkreter ist) etwas mehr.
    Jetzt lese ich mich hier erst mal wieder ein Stück weit ein, um nicht „Holter die Polter“ in das Forum hereinzuplatzen.
    Gruß – Uwe.

    Hallo
    Ich werde mich nun für die nächsten Wochen verabschieden.
    Ich bin relativ entspannt, was die OP. und die Rhea-Zeit angeht. Was danach kommt? – Liegt nicht ausschließlich in meiner Entscheidungsgewalt. Aber auch dahingehend habe ich keine allzu großen Sorgen.
    Matthias, wegen der Lektüre: Thomas Mann „Der Zauberberg“ ; mit knapp 1000 Seiten wohl die längste „Novelle“ der Literatur. Es ist ziemlich lange her, wo ich dieses Buch schon einmal aufgeschlagen habe. Ich denke, dass ich es nunmehr mit einem ganz anderen Verständnis lesen werde.
    Also – allen eine gute Zeit – Uwe.

    Hallo BC.
    Das liest sich doch ganz gut. Eine klare Ansage, konsequente Grenzsetzung ohne den Versuch einer ausschweifenden „Rechtfertigung“ des eigenen Tuns. Wozu auch?
    Wer sich da auf den Fuß getreten fühlt – nicht wirklich Deine Aufgabe, das zu beheben.
    Es ist sogar möglich sowas einfach zu ignorieren.
    Gute Zeit – Uwe.

    Hallo Melanie
    Hi Manfred
    Sicher ist es nicht toll, all das Leid zu erfahren. Wenn ich meinen Weg betrachte, sind diese Erfahrungen, jetzt im Nachhinein, jedoch die wertvollen.
    Eine meiner Einsichten ist, dass mir ab einen Zeitpunkt die Alternativen ausgingen, und die „Flucht in die Sucht“ einer gewissen Zwangsläufigkeit geschuldet war. Aus meiner Lebensgeschichte heraus, für mich und meine Konstruktion vom Erlebtem, kein anderes „Lösungsmittel“ zur Verfügung stand.
    Mein Zwillingsbruder, mit ähnlichen Voraussetzungen, hat seine Historie anders interpretiert – und einen ganz anderen Lebensentwurf entwickelt. Ohne Suchtstruktur.
    Das zeigt mir lediglich, dass ich für meine Lebensentscheidungengen selbst verantwortlich war.
    Ich würde es vielleicht nicht als Dankbarkeit bezeichnen, um über den (Um)-Weg Alkoholismus, zu einer zufriedenen Lebensweise gefunden zu haben. Was ich aber aus der Situation letztendlich gemacht habe, die Einsichten die mir dadurch erst ermöglicht wurden, entbehren nicht einer unstrittigen Befriedigung und Genugtuung. Ich beweine meine Geschichte nicht mehr, die Trauerarbeit ist bewältigt.
    Das „Hätte, Wäre, Wenn“ hat keinen Einfluss mehr auf meine Befindlichkeit.
    Lieben Gruß – Uwe.

    Hallo
    Wieder zu Hause. Das waren drei angenehme Tage in Berlin. Viel Kultur. Nicht dass es so etwas im Raum Nürnberg nicht gebe, jedoch die Hauptstadt hat da noch mal eine andere Qualität. Highlight war das Kabaretttheater „Distel“. „Blonde Republik Deutschland“ – meine Art, dem Anarchisten in mir ein wenig Platz zuzugestehen.
    @Karsten
    Ich habe gerade nur mal so quer durchs Forum gelesen.
    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich etwas bei Dir verändert hat. Du schreibst gelassener (es sei denn, du siehst ein „Angriff“ auf das Forum. Das zählt aber unter „Mutterinstinkt“ :lol: ) gehst nach meinem Empfinden verständnisvoller mit kontroversen Themen um und wirkst allgemein auf mich …(ich will gereifter schreiben, weiß aber nicht ob es das wirklich trifft).
    Mir gefällt das.
    Schönen Sonntag – Uwe.

    Hallo Matthias
    Nun, mir scheint, dass die „erhöhte“ Fluktuation Dich doch ganz schön beschäftigt.
    Ich denke allerdings, dass diese völlig normal und gelegentlich sogar wichtig ist (und hat mit Dir persönlich nichts zu tun).
    Ich finde es auch notwendig, mir ab und an eine Pause zu genehmigen. Ich habe in letzter Zeit zum Beispiel fast täglich einen Beitrag geschrieben. Ich merke aber auch, dass das nunmehr an meiner Substanz nagt.
    Es kommt nicht von ungefähr, dass eine reale SHG sich wöchentlich trifft. Das schafft die Möglichkeiten für gewollten Abstand.
    So vorteilhaft die ständige Erreichbarkeit in der Akut- oder Anfangsphase ist, so anstrengend kann sie sein, wenn eigene Einsichten sich schon etabliert und als kompatibel für die persönliche Stabilität erwiesen haben.
    Ich denke, es ist gerade von Menschen mit einer zufriedenen Abstinenz, eher ein Zeichen von Wachheit, wenn sie sich ein Stück zurücknehmen oder auch zurückziehen.
    Ich werde mich ab nächster Woche für ein zwei Monate herausnehmen. Meine Prioritäten liegen dann ausschließlich auf der eigenen Genesung. Erst die OP. und der Krankenhausaufenthalt, danach, bei guten Verlauf, sofort die Rhea-Maßnahme. Hierzu nehme ich mir keinen PC mit, sonder zwei „Dicke Wälzer“ und ein Zeichenblock.
    Und für die nächsten drei Tage nehme ich einen Rucksack und fahre nach Berlin.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Margit
    Nun, mir scheint, du hast auch ohne eine Antwort von mir vor einer Woche herausgefunden, was ich mit Wohlgefallen gemeint habe. Ich habe das Wort gewählt, um einer allgemeinen Euphorie- oder Hochstimmungsdebatte aus dem Weg zu gehen.
    Auch wenn ich mich etwas besorgt geäußert habe. Ich denke, es hat zur Aufmerksamkeit beigetragen.
    Ich weiß heute, dass ich mir nicht alles was ich getan habe, auch hätte zumuten müssen. Zum anderen hat es mir gezeigt, dass nicht jeder Windstoß mich umhaut. Eine vergleichsweise wirklichkeitsnahe Risikobewertung ist allerdings auch heute noch für mich relevant.
    Also genieße es solang es anhält – und wenn sich’s Wohlgefallen in eben jenes auflöst – vertraue darauf, dass es wiederkommt.
    Gute Woche – Uwe.

    Hallo Manfred
    Viele Fragen, die dich da beschäftigen. (und nun mich auch!)
    Dabei bin ich mir nicht sicher, ob es überall eine eindeutige Antwort für mich notwendig ist. Ich denke zum Beispiel, dass ich mir nicht ausschließlich selbst genügen kann. Da ist immer irgendein Ideal oder auch Vorbild, was mich antreibt.
    Es ist lediglich nicht mehr so ein selbstzerstörerisches Streben und eine Enttäuschung ist eben auch erlaubt.
    Zum anderen ist mein Wesen darauf angelegt, dass ich mir ganz gut alleine ausreiche. Ohne dabei einsiedlerhaft zu erscheinen. Der Preis dafür ist: nicht jedesmal, wenn das Alleinsein gerade mal seine Erträglichkeit verliert, ist jemand da, der dies ausgleicht.
    Ich forsche nicht mehr jeder Unpässlichkeit hinterher. Manchmal fliehe ich aber auch ganz bewusst in die Stadt (alleine unter Menschen).
    Das hat nichts mit den „Schlagworten“: Einlassen; Loslassen; Zulassen und Aushalten zu tun. Auch Gelassenheit ist es nicht wirklich. Dazu bin ich in diesen Situationen zu ungeduldig. Vielleicht ist es einfach das Wissen, dass es vorbei geht. Und dann ist es auch gut so.
    Heute Abend haben wir zu zweit unsere SHG in einer Klinik vorgestellt. Auf die direkte Frage, was bringt mir die Selbsthilfe allgemein, habe ich spontan geantwortet: „Die Menschen dort ertragen mich, auch wenn ich nicht von mir und meiner Art gerade begeistert bin. Ich kann mich diesen Personen nicht nur anvertrauen, sondern auch zumuten! Umgekehrt gilt das Gleiche.“ Da musste ich an dich und deine Fragen denken. Wer benutzt da wen, wenn jeder einen Nutzen hat? Keiner wird missbraucht, wenn man einander braucht.
    Gute Woche – Uwe.