Beiträge von uwe.rothaemel

    Nachtgedanken
    Wenn jemand über sich spricht, wird sein Wesen verständlich. Es wird heller für den Zuhörer.
    Wie ist das dann, wenn jemand über sich schreibt? Wenn die Möglichkeiten des Ausdrucks sich erweitern? Die Einschränkungen des flüchtigen Alltags, die Einsparungen durch die hektische Umtriebigkeit und die Einengungen des Konkreten wegfallen?
    Dem Schreiber und dem Leser öffnen sich erweiterte Einblicke in das Fühlen, Wollen und Bestreben.
    Der Stil meines schriftlichen Bilds, ist ein unverkrampftes, phantasievolles und unentbehrliches Mittel zur Selbsterkennung.
    Meine Gedanken entlaufen mir - verfliegen, sind gegenstandslos. Das gesprochene Wort hat in der Schallwelle schon Gestalt und im Echo noch eine kurzzeitige Beständigkeit. Jedoch niedergeschrieben hat es etwas Zeitloses, Unvergängliches. Im geschriebenen Text – durch Wortwahl, Darstellungsweise und Form – entsteht ein Bild von und vor mir.
    Es wird mir (gelesen, wie geschrieben) beim Betrachten zeigen: So bin ich auch!
    Gruß – Uwe.

    Hi Old Flatterhand
    Dass Du nach diesen Beitrag vor der Haustür nach Luft schnappen wirst, kann ich mir vorstellen. Im Wohnbereich hast du sie vermutlich weggeatmet.
    Da ich meist untersuchend unterwegs bin (und in die Analyse schließ ich mich mit ein), stellt sich beim Lesen der letzten Beiträge ein Gefühl von Zufriedenheit und Behagen ein. Meine gestrige impulsartig, zynisch werden wollende Anfangsreaktion, die verwirrt, beklemmende Antwort und die sich im Ergebnis nun abzeichnende Abgeklärtheit, zeigt mir doch einen äußerst zivilisierten Umgang miteinander. Das macht doch Lust auf mehr.
    Eine sonnige Woche wünscht – Uwe.

    Hallo Hartmut, Karsten, Linde
    Hoppla, ich bin verwirrt.
    Bei dem „Wir“ von OF, habe ich nicht auf die Welt einer ganzen „Gemeinde“ geschlossen.
    Ich finde das sentimentale Bild, als Antwort auf einen länger zurückliegenden „intimen“ Geplauder, zwischen Old Flatterhand und Drybabe, nicht wirklich anmaßend. Ganz im Gegenteil.
    Wer hat da den „Hot Butten“ gedrückt? Wer braucht da Aufgeregtheit?

    Welche Ängste beherrschen die Antwort auf die Frage nach dem „Huhn und dem Ei“, wo doch das „Eine ohne dem Anderen“ nicht kann?
    Also ich ziehe mich auf die Bank vorm Häuschen zurück, um entspannt einen der Sonnenuntergänge vorm September zu genießen.
    Gruß – Uwe. :wink:

    Hallo Manfred
    Zitat: „Angstfreiheit ist ein starkes Bedürfnis von mir“

    Das Begehren kenne ich. Doch ich denke, eine Erreichbarkeit wird sich als Illusion entpuppen. Zum anderen: Lebe ich noch ein tatsächliches, authentisches Leben, wenn ich frei von Angst wäre. Verfälscht mir das nicht meine Wirklichkeit und damit meine Persönlichkeit.
    Ich glaube, dass vor jeder Ersterfahrung, jeder Begegnung mit etwas Neuem, die Angst gesetzt ist. (Schule, Beruf, Alter, Tod…)
    Vielleicht reichen mir ein paar Gegenstrategien wie: Mut, Vertrauen, Demut.
    Doch so manche irrationale Furcht, die mich immer wieder im Alltag behindert, würde ich gerne loswerden.

    Ein unbenanntes Erschrecken, wenn das Telefon klingelt (der Klingelton ist es nicht!).
    Das Zögern und Zaudern, beim formulieren oder gar durchsetzen einfacher Forderungen an andere.
    Wenn eine Person (völlig fremd, auch beim Fernsehen) vorgeführt wird – zum weglaufen.
    Die Aufzählung könnte ich fortführen (jedoch nicht ohne Peinlichkeiten).

    Möglich allerdings, dass ich diese Sachen hinzunehmen habe. Sie sind Teil meiner Anlagen, durch die Umfeld(welt)bedingungen meiner Kindheit und einigen Gebräuchen der Gesellschaft, in die ich hineingeboren wurde.
    Sicher haben die obigen Beispiele noch eine Geschichte hinter der Geschichte. Ich werde es vielleicht mal auflösen können, vielleicht auch nicht. Solange es keine lebensbedrohlichen Ausmaße annimmt, kann ich aber ganz gut damit leben.
    Viel Erfolg beim Verkauf und schönes Wochenende – Uwe.

    Hallo Matthias

    Zitat aus dem Thread „…Nachdenklich“:
    „Stimmt - ich hab`s mir zu einfach gemacht.“

    Nun meine Haltung stellt keinen Vorwurf dar. Letztendlich schreibe auch ich lediglich aus eigener Betroffenheit. Und schon daher nicht völlig wertfrei. Ich denke auch nicht, dass dies in aller Konsequenz notwendig oder durchhaltbar ist.
    Was mich wirklich gestört hat, war die Demagogie der Meinung. Und Jamor bezeichnet seine Aufgabe als Arbeits-Agogiker in der Sucht-Hilfe. Die moderne Übersetzung dafür ist „Führen“, „Anleiten“ und „Begleiten“. Dafür habe ich mehr Achtung gegenüber jenen erwartet, die genau dies brauchen.
    Da jedoch auch in der Pädagogik die Unterscheidung zwischen „führen und verführen“ manchmal schwammig ist, lasse ich meinen „moralischen Zeigefinger“ einfach mal in der Hosentasche. Was ich dazu zu sagen habe, ist gesagt.

    Etwas anderes noch. Da ich für den Bereich: „aktuelle Nachrichten vom Alkoholismus und der Alkoholkrankheit“, Titel: „Mehrere Cola-Getränke sollen Alkohol enthalten“, nicht freigeschaltet bin, mach ich dies mal hier.

    Weil die Diskussion und/oder der Mythos schon länger Bestandteil mancher Hiobsbotschaften ist, habe ich mal etwas regergiert.
    In der ursprünglichen Studie ist von bis zu 10 mg/l die Rede. D. h. auf den Liter, also 0,01Gramm! Da ein Tropfen Flüssigkeit ca. 0,05 Gramm wiegt, und relativ leicht vorstellbar ist, kann ich also konstatieren:
    Das Ergebnis der Proben hat also ergeben, dass auf einen Liter Cola-Getränk maximal Ein Fünftel eines Tropfens, Alkohol kommt. Das lässt sich bei der Herstellung zuckerhaltiger Getränke nicht vermeiden.
    Vorsicht Satire! Um eine wirkliche Verschwörungstheorie im Internet einen fruchtbaren Boden zu garantieren, brauche ich nun Mitstreiter auf die Fragen:
    • Wer verdient an der Studie?
    • Wofür waren ursprünglich die Mittel gedacht?
    • Was haben die französischen Warentester getrunken und leben sie überhaupt noch?
    Schönes Wochenende – Uwe.

    Hallo Jamor, Hi Matthias
    Ist das nicht immer noch zu einfach? Und ist es tatsächlich ein Versagen? Oder lediglich ein für mich nicht nachvollziehbarer Lebensentwurf? Wer will beurteilen, wie lange jemand für seine Einblicke braucht?
    Denn schließlich ist es meine Einsicht heute, ohne Suchtmittel weiter Leben zu wollen!
    Was weiß ich von den Ansichten, Zwängen und Bedürfnissen der anderen?
    Werte ich genauso den Arbeitslosen als Versager, ohne die Lebensumstände zu kennen?
    Meine Vorstellungen vom Leben, meine Werte mögen andere sein. Weil ich mich dafür entschieden habe. Eine andere Lebensweise mag schwer zu akzeptieren sein (muss ich auch nicht); kann ich sie tolerieren? (Muss ich nicht)
    Doch wirklich einfach ist es sicherlich, mit dem Finger aufs „gescheiterte“ Subjekt zu zeigen:
    „Schau, was ich geschaffen habe!“
    Wie sonst noch kann ich so, von all den Unbill meiner eigenen Lebensweise ablenken. Von da, wo ich selbst nicht in der Lage bin, meine Fehlbarkeit eizugestehen.
    Berührt es mich? Im Kontext meiner eigenen Geschichte sicher. Doch ich habe nur „Mein Besser“ gefunden. Indem ich „Ja“ zu meinem Leben gesagt habe, schließe ich die damit verbundenen Leiden mit ein, genieße die gelegentlichen Genüsse und erwarte (und verdränge nicht) die Endlichkeit meines Daseins.
    Den Wert einer Person lediglich an ihren Lebensverhältnissen zu messen – da ginge ein Aufschrei durchs Forum. Aber an der (UN)-Kenntnis eines Aspekts der Lebensführung ein Urteil zu fällen, tut es sich leicht.
    Danke Hartmut Gruß – Uwe.

    Danke Old Flatterhand
    Das Plumpsen des Gemüts-Steines muss wohl weithin zu hören gewesen sein.
    Ich habe den Abend mit einer Thermokanne Kaffee auf einen Baumstumpf im Wald verbracht. Nachdenken über die berufliche Zukunft. Der Phantasie einfach mal freien Lauf lassen, den Gedanken „Das geht nicht!“ keine Chance geben.
    Da bist Du mir eingefallen. Du scheinst mir hier seit längeren als eine Art erwachsen gewordener Peter Pan unterwegs zu sein. Im Gegensatz zum Original hast du nichts vergessen und mehr Verantwortungsgefühl. (Man kann nicht alles haben).
    Jedenfalls beflügelst du meine Einbildungskraft. Eine kindliche Eigenschaft, die ich wohl in Nimmerland verloren geglaubt hatte. Als vor fünfzehn Jahren (durch die Beine) und vor viereinhalb Jahren (wegen Alkoholismus) mein Kellner-Dasein auf dem Spiel stand – und „alle die sich damit auskannten“ meinten, dass ich nicht wieder im Restaurant arbeiten werde – habe ich aus Trotz und weil ich mir nichts anderes vorstellen konnte, weiter gemacht. Das ist diesmal eigentümlich anders. Es gibt nicht nur Gedankenexperimente, sondern konkrete Alternativen. Vielleicht ein kreatives Abenteuer im Erwachsenwerden. Eh ich sentimental werde – Gute Nacht und nochmal Dank – Uwe.

    Hi
    Na wunderbar. Es geht vorwärts. In den nächsten drei Wochen zu den Eigenblutspenden und danach zur OP. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal auf einen Krankenhausaufenthalt freuen würde. Auch der Kostenträger hat kein Vetorecht mehr, um mir ein neues Hüftgelenk zu verwehren. (Das war vor fünfzehn Jahren, bei der rechten Seite, der Streit, welcher meine Zweifel für diesmal genährt hat.)
    Ein Guter Tag - weil erst einmal meine Vorstellungen (trotzdem, dass es nicht in meiner alleinigen „Macht“ stand) in Erfüllung gehen.
    Das macht Mut, dass die Vorstellungen für die zukünftigen Gedankenspiele (die weitaus mehr, vom persönlichen Wollen und Handeln abhängen) auch zu verwirklichen sind.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Jamor

    Zitat: „…ich sehe hinter jedem verstehen eine gesuchte Legitimation für ein falsches handeln.“
    „…wenn ich nasse Alkoholiker sehe….welche vor sich gammeln... sorry. Das hat nichts mit Würde zu tun…“

    Verständnis und verstehen, heißt nicht billigend in Kauf nehmen. Es geht mir mehr um die eigene Erkenntnis und Einsicht. Das macht eine Individuation erst aus.
    Und auch die Würde hat etwas mit einem selbstbestimmten Leben zu tun. Meinen Leben.
    Beides ist mir unerlässlich, um für mich entscheiden zu können: Wer ich bin und wie ich sein möchte. Beides charakterisiert mir auch eine Einstellung; meine Haltung – für die ich natürlich selbst verantwortlich bin -. Es hat viel mit meiner Selbstachtung zu tun, meinen Selbstbild und somit meinem Selbstverständnis.
    Natürlich kann ich mir selbst, meiner Würde berauben. Durch Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum oder auch der Sucht nach Anerkennung. Ich mir selbst!
    Das berechtigt mich heute, innerhalb meines Weltbilds jedoch nicht, dass ich in der Position bin, einen anderen wegen seiner Lebensart, zu demütigen.
    Sicher kann jeder das anders sehen. Das ist lediglich meine persönliche, moralische Einstellung.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Jamor
    Nun du schreibst ja schon an anderer Stelle, dass Dich Selbsthilfe im realen Leben nicht überzeugen konnte. Das ist schade – doch ich werde dies nicht ändern können.
    Da Du hier schreibst, lässt mich allerdings ahnen, das Deine „Kosten-Nutzen“- Analyse (ähnlich, wie deine Gewinn-Verlust-Rechnung der Abstinenz), zu den Ergebnis gekommen ist: sich hier zu beteiligen nicht völlig sinnlos sein kann.
    Was mich aber irritiert ist der Hass und die Wut, die aus dir spricht. Sie scheint mir nicht gegen „die Anderen“ gerichtet zu sein, sondern explizit gegen dich selbst.
    Deine heutigen Ansprüche und Wertungen von „Gut und Böse“, „Richtig und Falsch“ kannst du jedoch nicht auf Deine Vergangenheit übertragen. Solange Du Dich darin verstrickst, ist nur kurzzeitige Genugtuung zu bekommen – aber sicher ist so wahre Zufriedenheit nicht erreichbar.
    Eine kleine Belehrung im punkto Selbsthilfe, kann ich mir nicht verwehren:
    Hier im Offenen Bereich werden sehr intime und selbst beschämende Details des Einzelnen geäußert. Das hat Respekt und keine Wertung oder Be-(Ver)-urteillung verdient.
    Alles andere verletzt die Würde des anderen und insbesondere auch Deine.
    Warum schreibst Du nicht einfach mal, was Deine Bedürfnisse sind? Was sind deine Erwartungen? Ich bin mir sicher, wenn Du jemand findest, der Verständnis für deine Lebensgeschichte oder momentane Lebenssituation aufbringen kann, dann ist das hier. Und ich bin mir ebenso sicher, er versucht zumindest nicht zu (be)werten.
    Nachdenkliche Grüße – Uwe.

    Hallo Old Flatterhand
    Schön von Dir zu lesen. Und Danke für Tills Geschichte. Sie ist ja jedem zugänglich, sofern ein Interesse besteht.
    Ich hatte schon ein wenig bedenken, wegen Deiner „Abwesenheit“. Das letzte Mal, wo für uns beide der King vom Prenzlauer Berg ein Thema war, hast Du dich für gute vier Wochen aus dem Forum verabschiedet.
    Deine Frage lässt sich relativ einfach beantworten. Der Bekanntenkreis aus meiner Kellner-Laufbahn in Oberhof/Thür., hat sich verlaufen. Die dort in den 80er Jahren als Gastronom gearbeitet haben, sind größtenteils über das Bundesgebiet verteilt, und haben sich aus den Augen verloren. Was meine zwanzig Jahre Lauf betrifft – ist ein Ausweichen nicht möglich und auch nicht gewollt. Begegnungen sind zwangsläufig – berühren mich aber wenig (es sei denn, wir treffen uns nunmehr in der Selbsthilfegruppe).
    Meine erste Ansage nach der Entwöhnungstherapie in der alten Stammkneipe, auf Fragen war: „Ich bin Alkoholiker – kein Arzt!“ Mein Standpunkt hat sich seitdem lediglich gefestigt und ist selten Thema.
    Die Kumpel von damals, kennen meinen Lebensweg und meine Prioritäten von heute. Einige sind Motivator andere sind Spiegel, manche Wegbegleiter. Ich versuche keinen Wertungen und Vorurteilen zu erliegen. Das ist manchmal schwierig genug und darf reichen.
    Gruß – Uwe.

    Hallo
    Wo ist eigentlich Hannes?

    @ Maik – so abwegig ist die Haltung von Jürgen gar nicht. Die körperliche Entgiftung, egal wie oft, ist lediglich der Anfang einer Suchtbehandlung. Und egal wie oft eine Therapie gemacht wird – der Glaube an eine zufriedene Abstinenz, ersetzt nicht das persönliche Handeln. Je früher ich mir die Vorstellung für ein Leben nach dem Alkohol erarbeitet habe, umso erfolgsversprechender ist die Umsetzung.
    Je mehr ich allerdings darauf hoffe, immer wieder aufgefangen zu werden – darauf vertraue, dass mich andere bewegen, anstatt eigenverantwortlich mit meinem Leben umzugehen – desto mehr wird mir die Kraft und der „Kampfeswille“ etwas zu ändern, abhandenkommen.
    Schlimmstenfalls (und so verstehe ich Jürgens Argument) habe ich nach „unendlichen“ Versuchen auch nicht mehr das intellektuelle Vermögen, für eine „geistige Entgiftung“.
    Das schließt das mehrmalige Aufsuchen von Hilfsangeboten nicht aus (ist ja auch eher die Regel). Doch die Bedrohung eines „point without return“ steht dann im Raum. Das kann ich mir durchaus vor Augen führen.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Jamor
    Ich halte das gar nicht für weit hergeholt.
    Begrifflichkeiten zu hinterfragen, selbstständig denken und die sprachlichen Gewohnheiten kritisch zu betrachten, halte ich für eine selbstbestimmte Lebensweise für erforderlich. Die Fragen, die sich dabei stellen: Was genau bedeutet (mir) das? Und auch nicht unwichtig: Woher weiß ich das?
    So geht es mir auch mit dem Wort „Abstinenz“. Sicher hat es eine ursprüngliche Bedeutung (der Duden gibt auch Askese, Enthaltsamkeit und Genügsamkeit als Synonym an), doch entscheidend sind die Vorstellungen, welche ich damit verbinde und wie ich diese wiederum Erlebe. Selbst wenn ich es für mich jemals als „Verzicht“ übersetzt hätte, bleibt mir die Einsicht:
    Jedes „Nein“ erschließt für etwas anderes ein „Ja“!
    Die (Un)Vernunft wird dann sogleich eine Gewinn – Verlustrechnung aufmachen. So wie Du es für Dich beschrieben hast.
    Ich habe irgendwann Abstinenz mit den Worten „dauerhaft“, „selbstbestimmt“, „zufrieden“ kombiniert und es im engeren Sinne einer „Nüchternheit“ übersetzt.
    Damit erübrigt sich für mich selbst auf dem Sterbebett ein Schwanken. Ich hätte nichts gewonnen.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Zerfreila
    Wenn ich Deine letzten Posts so lese, stellt sich Dir die Frage: warum werden auch langjährig abstinent Lebende rückfällig (wenn sie es doch so viel besser wissen müssten)?
    Meine erlebten Erfahrungen mit Menschen, die eine Jahrzehnt andauernde Abstinenz aufs Spiel gesetzt haben, hatten sich den Fragen ihrer veränderten Lebenssituation im Alter nicht gestellt.
    Wie vermeide ich Vereinsamung? Wie gehe ich mit körperlichen Schwächen um? Welche Ziele sind für mich noch relevant? Etc.
    Doch die meisten, die ich kenne, vermitteln mir ein Gefühl von Geborgenheit, Gelassenheit und Vertrauen. Gerade in der Sucht-Selbsthilfe (Manfred, Matthias und Old Flatterhand sind ja auch hier gute Beispiele dafür).
    Die Vermeidung des Alkohols spielt dabei nicht mehr die zentrale Rolle. Dass das geht, haben sie sich bewiesen. Ein „Rückfall“ wird, wie ich erfahren konnte, ganz anders behandelt, als in Selbsthilfegruppen mit „jünger abstinenter“ Struktur. Direkter und ergebnisorientiert (ist jedenfalls mein subjektiver Eindruck). Mit abstinenter Lebenserfahrung brauch ich ihnen ja nicht kommen – die haben sie.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Jamor
    Ich denke, dass alle Menschen ihre Lebenssituation (im Argen, wie im Guten) als einzigartig und unvergleichlich erleben. Auch wenn die Rahmenbedingungen eine allgemeine Gemeinsamkeit suggerieren. Alkoholiker bilden da keine Ausnahme.
    Deine persönliche bescheidene oder auch demütige Haltung, scheint mir, ist ja eben auch etwas Besonderes.
    Ich selbst bin auch der Meinung, dass die „großartige Leistung“ nicht speziell die Abstinenz darstellt. Die Wahrnehmung für das Außergewöhnliche, gilt einfach nur einer persönlichen Dankbarkeit darüber, eine existenzielle Veränderung im Dasein zu bewältigen, die eben nicht allgemein üblich ist.
    Das darf mir so sein.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Elisabeth,
    18 Jahre! Hier bekommst Du (inklusive mir) auch die angemessene Anerkennung dafür.
    Was mich interessiert: Wie sieht Deine Zufriedenheit heute aus? Was ist Deine Motivation? Welchen Anteil hat der „suchtgeprägte Mensch“ noch an deiner Persönlichkeit?
    Ich bin halt neugierig auf eine mögliche Zukunft für mich. Und es passt gerade zum Thema, welches im Moment diesen Raum des Forums bewegt.
    LG. - Uwe

    Hallo Hartmut.
    Das ist in etwas, dass, was ich meine. Einsichten und Entwicklungen haben eine persönliche Geschichte.
    – Gelegentlich auch eine lange Geschichte - .
    Sie waren zu Beginn mit „Mentoren“, „Schulen“ und „Beratung“ eng verbunden und brauchten eigene Erfahrungen, um sie in mein Leben einzubeziehen. Und alle Schritte (selbst Site-Stepps und Kapriolen), hatten für mich ihre spezielle, hilfreiche Bedeutung. Ein Verständnis für die eigene Lebensweise – und ebenso für die Lebensart des anderen – erwächst lediglich innerhalb dieses Kontextes. Das gilt allgemein fürs Leben, zeigt jedoch im Bezug auf die Abstinenz, das Veränderungen möglich sind.
    Vereinzelt vergesse ich allerdings auch, dass ich mit dem Nachahmen angefangen habe. Und weil mir mein Erkennen und mein Wollen, auch für andere so wichtig erscheinen tut, verleitet es dann dazu, meine eigenen Maßstäbe auf andere zu übertragen (vielleicht auch eine Grundeigenschaft?). Dann will ich mich Einmischen, statt Fragen zu stellen.
    Es bleibt eine Gratwanderung, zwischen Wegen aufzeigen und Richtungen vorgeben - zwischen begleitend zur Seite stehen und Manipulation.
    Das Thema „krank“ vs. „gesund“, (und wer bestimmt im psychischen Bereich überhaupt die Kriterien dafür?), weckt bei mir im Moment einige Assoziationen. Das liegt aber vermutlich daran, dass ich zurzeit im Bezug auf meine Hüften keinen wirklichen Einfluss darauf habe.
    Ich gehe mal lieber in die Koje – ehe ich noch weiter abschweife.

    Hallo BC.
    Nachtgedanken.
    Ähnelt das Leben nicht einer Seifenblase? Ich möchte sie mir bewahren, wenn möglich aufpusten (zumindest aufgeblasen lassen), freue mich an ihren schillernden Farben, balanciere sie mehr oder weniger behutsam durch den Raum, bin entzückt ob der Anerkennung anderer für meine Leistung. Und das alles mit der Gewissheit, dass sie platzen wird. Die Zerbrechlichkeit macht aber erst die Faszination aus.
    LG. – Uwe.

    Hallo Zerfreila.
    Ich denke, wie sich ein jeder eine Meinung über den Bezug von „Krankheit und Trockenheit“ bildet, hängt unmittelbar mit den ersten vermittelten „Lerninhalten“ über die Sucht und den dazugehörigen frühen Emotionen in die Abstinenz zusammen.
    Ich habe mir damals auch erst einmal einen Standpunkt erarbeitet. Die Gefühle dazu waren für mich zu jenem Zeitpunkt eng mit gewissen neuen ethischen Vorstellungen verknüpft. Und diese waren auch mindestens ein gutes Jahr unantastbar, weil absolut. Ich hatte ein Werturteil gefällt:
    >Krank aber Trocken! <
    Daran hatte ich auch meine Identität fest gemacht. Das war auch nichts daran zu rütteln, weil mir sonst die Bestimmtheit des Grundsatzes abhanden gekommen wäre.
    Rückblickend hatte das so auch für mich seinen Sinn. Zwei Jahre und viele Gespräche später, sind meine Vorstellungen andere. Meine Einstellung hat sich von „Sucht = Krank“ wegentwickelt. Ich sehe meine Sucht nunmehr als persönliche Aufgabe und Chance dazu die Abstinenz (oder eben Trockenheit) und meine Verhaltensweise die ich damit verbinde, als ein Lebensgefühl.
    Diese individuelle Einsicht relativiert nichts – lässt mich allerdings toleranter mit anderen „Lebensweisheiten“ umgehen. Schließlich geht es mir nicht um Heilung eines „Defektes“, sondern um Lebensbewältigung.
    LG. Und Schönen Sonntag – Uwe.
    (Das schwierigste an dem Text jetzt, war es so zu formulieren, dass ich keinen kränke.)