Beiträge von uwe.rothaemel

    Hallo Matthias
    Ich meinte es wäre Muse Thalia gewesen (die mit der lachenden Theatermaske), die mich besucht hätte. Stattdessen war wohl doch Melpomene (die Muse der Tragödie) zu Gast.
    Ich glaube Du weißt selbst wie es ist. Es gibt die guten und die weniger guten Tage. Zwischendurch die kurzen Zeiten, wo ich an die Decke gehen könnte.
    Ja Umschläge helfen, wende ich auch an. Das Badezimmer ist mein Kneipprefugium. Ich versuche im Moment keine Ruhe, im Sinn von Passivität, aufkommen zu lassen. Für mich, als weniger spontane Persönlichkeit, etwas ungewöhnlich. Es ist jedoch auch ein gutes Übungsfeld.
    Ich habe einige Ämtergeschichten in der vergangenen Woche erledigen können (Versorgungsamt, Rathaus, Arbeitsamt), die mir in der Form, vor zwei oder drei Jahren, gar noch nicht möglich gewesen wären. Ich war über meiner Zielstrebigkeit erfreut. Das Zaudern und die Scham sind verschwunden. Entscheidungen brauchen am Amt sowieso etwas länger. Eine derartige Zeitspanne habe ich früher jedoch erst einmal verstreichen lassen, ehe ich hingegangen bin.
    Vorgestern habe ich unweit meiner Wohnung, im Schönberger Wald, einen Baum gepflanzt. Die Idee kam mir unterm schreiben an Anonymous Wochenendplanung. Er soll symbolisch für das Kommende gedeihen.
    So, nun kommt noch ein schlichter, autobiographischer Reim aus dem Zyklus meines epischen Werkes:

    Der Durst war gar nicht so verwegen,
    Der Rausch - der, kam nicht ungelegen.
    Weil meine Welt so Unerreichbar,
    Nahm ich das Wirkliche nicht wahr.
    Das Ideal hielt ich für echt,
    Doch wurde ich ihm nie gerecht.

    Heut weiß ich – und brauch nicht vermuten,
    Ich scheiterte am Absoluten.
    Kein Wunder das (im Wortes Sinn),
    mein Leben „in die Hose ging“.
    Das will ich gerne nun vermissen
    (Die Beinkleider sind weggeschmissen).

    Heut achte ich bei der Toilette,
    nicht mehr so arg auf Etikette.
    Wichtig ist nun für den Anzug:
    Passt er - und ist es auch kein Unfug.
    Ist er praktisch und bequem,
    So lebt sich`s beschaulich, angenehm.

    Die Moral, von solcher Handlung:
    Nässe im Schritt – schreit nach Verwandlung.

    Hallo Marco
    Du „klingst“ orientierungslos, aber das zieht sich durch den gesamten Thread. Drei Wochen in einer Langzeittherapie ausgehalten zu haben – ist nicht wirklich lang. Ich habe damals ungefähr sechs Wochen gebraucht, um erst einmal anzukommen. Und ich denke, das war auch so ausgelegt.
    Da ich nicht wirklich wusste, was ich überhaupt für mich wollte, war diese Zeit um „Abstand“ zu bekommen auch angemessen. Und in diesen ersten sechs Wochen habe ich alles Abgewehrt, was mir angetragen wurde. Es ist den damals täglichen Gruppengesprächen zu verdanken, dass ich mich auf einiges einlassen konnte.
    Ich habe Vertrauen geübt und gelernt. Vertrauen geschenkt, in die mir unbekannten, begleitenden Personen, und das mir fremde Geschehen. Versucht Vertrauen in mich selbst zu haben.
    Dein neues Konzept verspricht Struktur. Das ist wichtig. Ich kenne ähnliches aus betreuten Wohneinrichtungen. Und ich kenne einige, denen diese Chance zumindest für die ersten Jahre Stabilität ermöglicht hat. Jedoch ist auch von diesen keiner an die Hand genommen worden. Sie haben sich das alles alleine, wenn auch unter Aufsicht, erarbeitet.
    Dein letzter Eintrag ist über drei Monate her gewesen – was war sonst so dazwischen?
    Gruß – Uwe.

    Hallo Kolibri
    Vielleicht ist ja so was wie Austausch auch noch möglich, wenn Du wieder in Colorado bist. Ist ja das WWW.
    Doch selbst wenn Du lediglich auf der „Durchreise“ bist, kannst Du Dir vielleicht etwas mitnehmen.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es Dir im Moment nicht einfach fällt. Wenn Dich auf, Deiner Ranch, der Mangel an der Verfügbarkeit vom Alkohol abhält, so ist der jetzige Aufenthalt ein wirklicher Crash-Kurs der Konfrontationstaktik. Ohne Begleitung ein immenses Risiko. Ich fühl mich nicht wohl bei den Gedanken. Ich habe mich allerdings auch nie in meinem Leben wirklich gequält.
    Ich habe mir die Lektion mit der Verhaltensveränderung mehrmals angehört und darauf vertraut. Das dauert zwar etwas länger, bringt mir aber die notwendige Gelassenheit.
    Bei Dir bleibt mir nur viel Kraft und Energie zu wünschen – die wirst Du brauchen.
    Gruß - Uwe

    Auch mal ein Gedicht:


    Humor ist`s, wenn man trotzdem lacht!
    Wer hat sich dieses ausgedacht?
    Wenn die Verzweiflung übermächtig -
    Ist jedes lachen höchst verdächtig.

    Empfind ich im Moment des Leidens –
    Doch keine Lust des Schmerz Vermeidens.
    Allein – wie wär es - sollt Ichs versuchen?
    Die Möglichkeiten abzusuchen?

    Was macht es, wenn ich nun beschließe –
    Ich lach jetzt mal? – und es genieße!
    Gefühlt: ist`s `ne Bereicherung!
    „Fröhliche Verzweifelung!“

    Hallo Old Flatterhand
    So einfach lass ich Dich nicht aus der Nummer. Das abstruse ist Im Jetzt – (hatte ich schon erwähnt, dass ich im Moment viel Zeit habe?).
    Ich bin gerade ganz guter Stimmung. Da ist ein Eingehen auf Deine Frage: abstrusen Selbstantriebes und abstruser Selbstbelohnung (auch wenn sie nur platonisch gemeint war) mir durchaus ein „Bedürfnis“.
    Da mir die Selbsthilfe ebenso sehr am Herzen liegt, mache ich das Sonderbare von eigenem Antrieb und das Diffuse der persönlichen Anerkennung mal an meiner direkten Situation (natürlich nur für mich selbst) verständlich.
    Ich denke, alles nur so geschehen zu lassen und dabei die „(Nicht?)-Gage“, die Ergebnisse, einfach lediglich zu akzeptieren, haben einen immensen Beitrag zu meiner ehemaligen Unzufriedenheit beigetragen. Ich hatte damals keinen Zugang zu der Einsicht, dass ein Nichtstun auch ein Handeln ist, dass eine angemessene „Belohnung“ einer Einforderung bedarf.
    Das ich heute einen guten Tag habe, hat mit aktiver Selbsterhaltung - die sich für mich auch über Eigenantrieb und „Verdienst“ definiert – zu tun. Das Abstruse, Geheimnisvolle dabei ist lediglich, dass das Eine nicht ohne dem Anderen zu haben ist.
    Der selbstgegebene Dank ist das Ergebnis von persönlichen Taten (inklusive des Misserfolges – ich habe es zumindest versucht!). Der Tatendrang entspringt der Erwartung auf den Dank. Derzeit ist beides nicht mehr von äußeren Bedingungen und Personen abhängig. Das macht macht mich freier im Denken und Handeln, im Fühlen und Entscheiden und ebenso im Danke.
    So bin ich trotz misslicher Lage im Moment ganz gut unterwegs. Ich kümmer mich aktiv um Alternativen, sollten meine Vorstellungen des Kommenden platzen.
    Wer soll es auch tun - wenn nicht ich selbst? Ich bin Entscheidungsträger der eigenen Gegenwart und Zukunft – auch um allerletzten erlebten Tag, beim wegschnaufen sozusagen, nochmal Danke als Selbstbelohnung aus Selbstantrieb sagen zu können.
    Wen das jetzt zu abstrus, verworren und absonderlich vorkommt – ich bin nicht schuldig an den Gefühlen der anderen, als Verursacher lediglich meiner Verantwortung bewusst.
    Schönen Tag – Uwe.

    Hallo
    Geduld wird das „(Er)Schlagwort“ der nächsten Zeit sein.
    Zu Beginn habe ich mir Montagnacht noch, für jeden Tag etwas in den Kalender geschrieben, was zu machen ist – was mir gut tut – etc. Wird sich so nicht abarbeiten lassen – es verhindert mir aber die Neigung zur Lethargie oder gar Griesgram.
    Ich bin mal gespannt, wann ich anfange „zu schieben“. Es sind alles Kleinigkeiten, die eh schon eine Zeit lang gewartet haben. Nach der SHG gestern, geht’s mir zumindest etwas besser, was die Orientierung betrifft.
    Die Frage: „Was würdest Du jemanden empfehlen, wenn er in Deiner Situation stecken würde?“ habe ich mir gestellt und einige Selbst-Rat-Schläge sind realistisch.
    Es hat mir aber auch wieder deutlich gemacht – wie unwirklich einige „Lösungsansätze“ sind. Und was für mich möglich ist –ist für andere keine Option.
    Also werde ich mich mal um den heutigen „Bewegungsansatz“ bemühen – geht doch!
    Gruß - Uwe

    Hallo
    „Was Pfingsten so gemacht wird, kann sich im Grunde genommen jeder denken“

    Nun, in der christlichen Überlieferung, wurden am jüdischen Schawuot-Fest, die heutigen Pfingstfeiertage, die Apostel durch den heiligen Geist erfüllt, der sich durch ein Rauschen, vom Himmel her ankündigte.
    Irrtümliche Übersetzungen: Das hierzu Menschen mit Geist abgefüllt werden, welcher den Himmel im Rausch verkündet, sind Unsinn. (Vorsicht Satire!)
    Es gibt verschieden sinnvolle (und auch weniger geistreiche) Pfingstbräuche, die für ein gelingendes Wochenende stehen können. Warum nicht in jungen Jahren einen Pfingstbaum pflanzen (macht man irgendwo im Norden, ist jedoch nicht ortsgebunden), und sich somit eine Erinnerung an seine abstinente Anfangszeit behalten. Es ist dann auch im erweiterten Sinne – ein grünes Wochenende. Das wachsen von Beiden zu beobachten, stell ich mir erbauend vor.
    Ich weiß zumindest nun, was ich mit diesem Wochenende anfange.
    Gruß – Uwe.

    Hallo Old Flatterhand
    Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass da jemand war, der das Zuhören auch kann.
    Diese Tugend ist nicht weit verbreitet – umso mehr, ist sie zu schätzen.
    Gruß – Uwe.

    Hallo
    Ich habe heute für mich die Reißleine gezogen. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung steht auf dem Zettel – keine dauerhafte Belastung für die „Knoche“ möglich. Mein Termin im Krankenhaus ist allerdings erst in sechs Wochen. „Zwangsurlaub“, das wird anstrengend.
    Mir fällt es schwer, der Situation ein paar positive Aspekte abzuringen.
    Etwas unsortierte Grüße – Uwe.

    Hallo Old Flatterhand, Hi Matthias
    Es ist irgendwie auch ein wenig bestürzend, wenn es erst die Kinderaugen wieder schaffen, mir meine Phantasien zurückzuholen. Das die Wünsche wieder Bilder haben.
    Viel zu oft rationalisiere ich die Hoffnungen ins vermeintlich Wirkliche. Selbst im Märchen suche ich die Geschichte hinter der Geschichte, interpretiere „Unausweichliches“.
    Dabei ist es viel spannender durch einen imaginären Wald zu laufen, einen fremden Menschen anzulächeln, den Staub in der Sonne beobachten, zu lauschen was ich spreche, in der Nacht umherzuschleichen oder einfach mit einem Kind zu spielen – ein paar Minuten Ewigkeit. Heute war ein guter Tag.
    Viele gute Tage – Uwe.

    Danke Melanie
    Ich weiß es sehr zu schätzen, was du mir sagen willst. Es hat zwar ein Durchatmen gedauert, doch ich nehme mir mittlerweile die Zeit, Sätze wirken zu lassen. Das erste Gefühl war ein Ruf: „Ich brauch kein Mitleid!“; „Ich will keinen Trost!“; „Ich verlange keine Ratschläge!“ – Das war auch nicht Deine Absicht.
    Es bewegt mich doch mehr, als ich zugeben möchte. Daher die anfängliche Abwehrhaltung.
    Angst macht mir die bevorstehende ungewollte – oder besser „zwangsverordnete“ Entschleunigung. Die Einschränkungen in der aktiven Bewegung. Die Auseinandersetzung mit dem Notwendigen hat noch Lücken.
    Wie beim Kinde, ist die Wirklichkeit nicht so greifbar, wie die Wahrnehmung der Phantasie.
    Es kommt für mich nunmehr darauf an - zu vertrauen – auf jene, die sich damit auskennen und auf mich. Als Kind hatte ich dieses Selbstverständnis – positive Fantasie. Es gilt sich zu erinnern!
    Danke nochmal – Uwe.

    Nun, mir liegt die Zeit um Mitternacht mehr, als das morgendlich Unsortierte. Das Erstaunen des Erwachens ist zwar nur gelegentlich verwirrend, doch diese meine Verwirrung einem ganzen Forum zuzumuten, halte ich in meinem Fall für eine Überforderung an euch.
    Das dumpfe ungeordnete leise Klopfen des Nachts ist mir vertrauter, als das erfrischende unbekümmert laute Klopfen des Herzens am Morgen. In der Abenddämmerung sind die Träume der Morgenröte der Realität gewichen – es bleiben Wünsche. Wirklichkeitsnäher als das frühe Hoffen.
    Gruselig sind nur die „Dunklen Morgen“, die bis zum nächsten Tag Raum und Zeit verschlingen. Das sind meine Geisterstunden – unabhängig der „vorgeschriebenen“ 0.00 Uhr. Sie anzunehmen kostet Kraft. Der Vampir, der die dafür notwendige Energie verbraucht, bin aber ebenso ich. Das Wissen darum macht es erträglich – suhlen darin, will sich lediglich der „innere Schweinehund“. Diesem fehlen aber neuerdings die Anlässe dafür.
    Uppsi – es klopft! – gute Nacht – Uwe.

    Hallo Matthias
    Wie heißt es so schön, wenn ich nichts von der wahren Natur der Gefühle sagen will: „Wie geht es dir?“ - „Den Umständen entsprechend!“
    Im Moment schaue ich von Woche zu Woche. Eine Schmerztherapie, mit Tabletten und Spritzen, habe ich abgelehnt. Eine rumwerkeln an dem Symptomen halte ich für überflüssig und bei dem Suchthintergrund auch nicht für förderlich. Ich werde jetzt den 05.07. abwarten. Da habe ich einen Termin in der klinischen Ambulanz, wo vor vierzehn Jahren ganz ordentliche Arbeit getan wurde. Alles andere entscheidet sich danach. Ich bin etwas überrascht, wie entspannt ich dem entgegen sehe. Kann aber sein, da ja auch noch ein paar Wochen dazwischen liegen, dass die Zweifel und Zukunftsängste nur in Deckung liegen. Ich denke darauf vorbereitet zu sein.
    Danke der Nachfrage und sorgenfreie Woche – Uwe.

    Hallo
    Es gibt kaum Zufälle, jedenfalls solange ich offen bin, für die Gelegenheiten die sich bieten. Das Wochenende in Augsburg, hatte somit zum richtigen Zeitpunkt die zutreffenden Inhalte. Der freiwillige Suchtkrankenhelfer-Lehrgang ist abgeschlossen. Es war eine wichtige Erfahrung für mich. Mit vielen neuen Denkanstößen und dem auflösen einiger persönlicher Denkverbote. Ich habe eine Reihe interessanter Menschen kennenlernen dürfen – mit ihren Eindrücken, Lebensumständen, Geschichten – was wohl der für mich anstrengendste, aber auch den lehrreichsten Aspekt dargestellt hat.
    Ich habe lange in der Vorstellung gelebt, dass Menschen die mich ertragen (oder ganz und gar mögen), es nicht verdient haben beachtet zu werden. Eine Reaktion aus dem niederen Selbstwertgefühl.
    Es wird eine geraume Zeit in Anspruch nehmen, die Eindrücke, die Lerninhalte, die Einsichten, einzuordnen und ein Stück weit zu verarbeiten. Das ist aber auch gut so.
    Ich habe ein gutes Gefühl, was die vergangenen acht Wochenend-Blöcke mit mir gemacht haben. Es fühlt sich irgendwie – weiß nicht recht – richtig an.
    Gruß – Uwe.

    Hallo
    Was macht die Antworten so aggressiv? Weil die Sätze mit „Du“ beginnen und sich somit zum Vorwurf eigenen.
    Warum wird so geschossen? Weil den persönlichen Ängsten und Zweifeln damit ein Objekt zur Verfügung steht.
    Wie anders und ehrlicher wäre: „Ich fühle mich mit deinen Aussagen nicht wohl. Ich halte sie für mich gesehen sogar für gefährlich…“
    Ich persönlich kann die Formulierungen und Meinungen von Poster so stehen lassen. Auch wenn ich sie nicht unumwunden teile.
    Ich halte die Sucht zum Beispiel nicht für eine Krankheit (die Folgeschäden schon). Macht mich das zu einem „schlechteren“ oder „besseren“ Alkoholiker? Mir persönlich fehlt hierdurch lediglich eine Ausrede zum Rückfall. Es ist meine Verantwortung, mein Selbstverständnis – wie ich mit mir umgehe. Nicht „Die Sucht“ oder „Die Krankheit“ bringt mich ins Straucheln. Auch ob ich mich als „Alkohol unabhängig Lebend“ bezeichne, als Anti-Alkoholiker oder sonst wie… Zufriedenheit hat viele Gesichter –
    Gruß – Uwe.

    Hallo Eric
    Es gab eine Zeit, da begann mein Tag mit Angst und endete mit der Angst vor dem nächsten. Auch wenn sich von all den unheilvollen Erwartungen keine einstellte – sie blieb. Hartnäckig, unbesiegbar – mal verborgen, heimlich, fast unerkannt – mal offen zu Tage tretend, lähmend und unerträglich.
    Auch so wohlgemeinte Eselsbrücken, wie: „Angst klopft an! > Tür geht auf! > Keiner draußen!“ haben dagegen nichts ausrichten können.
    Wie auch? Es war eine undefinierte, namenlose – jedoch ständig anwesende Furcht. Sie wollte Beachtung, Aufmerksamkeit und gelegentlich auch eine Belobigung für ihr Dasein. Sie wollte kein Mitleid – sie wollte Freilassung.
    Was soll ich tun, da durch Erkennen keine Überwindung, kein Ignorieren, kein Verdrängen mehr denkbar ist? Ein Arrangement macht ein Ertragen nunmehr für mich möglich. Sie ist, Ich bin – gewisser Weise gemeinsam.
    Ich weiß nicht mehr aus welcher Geschichte oder Film der Satz stammt – und ob er überhaupt so formuliert wurde:
    „Die ängstliche Mutter und ihre ängstliche Tochter lebten ihr durch Angst geführtes Leben mutig in Angst zu Ende.“ Mir hat er als gelegentliche Lebensweisheit, sehr gut gefallen.
    Unbeschwerte Grüße – Uwe.

    Hallo Old Flatterhand
    Du hast ein Recht darauf dich über Glückwünsche zu freuen. Auch wenn Du die Aufmerksamkeit nicht gewohnt bist, es deiner Bescheidenheit zuwider läuft oder Du gar der Meinung bist: „ist ja weiter keine Leistung… hab ja lediglich dass getan, was als notwendig erschien…“.
    Genieß es – die Gelegenheiten dafür sind so knapp bemessen.
    Gruß – Uwe

    Hallo
    In einen anderen Faden heißt es gerade. „Wenn ich mich entscheiden muss…“.
    Ich steckte gerade in solch einem Dilemma. Eine alte „Kriegsverletzung“ ist aufgebrochen. Nekrose im linken Hüftgelenk. Die rechte hatte sich schon vor vierzehn Jahren verabschiedet – die linke hatte ich gehofft, tut`s noch ein wenig. Macht sie aber nicht. Es war abzusehen und ich wollte es die vergangenen zwei Monate nicht wahrhaben, dass die Schmerzen Wetterunabhängig zugegen sind. Nun heißt es sich entscheiden. Künstliches wie beim anderen Bein – oder noch eine geraume Zeit durchhalten. Die Ärzte wetzen die Messer und ich weiß nicht wie es danach weitergeht. Der Beruf liegt schließlich, als Einsatz, in der Mitte des Tisches. Das ist die eine Seite.
    Dazu kam ein altes Verhalten: kann ich das meinen Kollegen, meinem Chef etc. antun?
    Sicher – als altes Verhalten erkannt – macht es das Gefühl dazu, jemanden zu enttäuschen oder im Stich zu lassen, aber keineswegs erträglicher.
    Ich habe nunmehr vierzehn Tage mit mir gerungen, die Entscheidung pro OP. zu fällen. Es wird sich eh mit den ganzen Vorbereitungen noch einige Wochen hinziehen – solange kann nach Ersatz gefahndet werden. Entscheidungen fallen nicht einfacher, jedoch ist die Dauer zur Findung derzeit kürzer ausgefallen. (Ich glaube, damals, 1996, hat mir mein Chef krank in den Dienstplan geschrieben, weil ich sonst nicht zum Arzt wäre).
    Was danach kommt kann ich erst beurteilen, wenn ich weiß, wie alles verlaufen ist. Ich hatte nur wieder die gesamte Zeit die schlimmsten Befürchtungen.
    Also wie im zitierten Thread auch schon angeklungen ist: die Theorie ist die eine Sache – machen und wollen die andere.
    Gute Nacht für heute – Uwe.

    Hallo Eric
    Dein Tik-tak-tik-tak-tik hat mich sehr betroffen – und mein gewohntes, gelebtes Verhaltensprogramm versuchte sofort für Dich eine Lösung zu suchen. Ist natürlich nicht möglich – brauchte aber einige „Luftschnapper“.
    Hartmuts Anregung: das Rad zu verlassen hat was! Die Frage laute allerdings wie?
    Die Antworten dazu hast du schon. Es ist alles in Dir angelegt. Selbst jenes – wo du vermeintlich glaubst: „Das bin nicht Ich“ – eventuell ist gerade jener vernachlässigte Teil der, welcher ein Stück des Durchbruchs für dich bringt.
    Nebenbei, wenn Du beim Tik-tak-tik das erste Tik weg lässt, vielleicht geht mit alltäglicher Tak-tik etwas mehr.
    Sicher gibt es keine Strategie zum Glücklich sein – doch es existieren Möglichkeiten einer dauerhaften Niedergeschlagenheit zu entrinnen.
    Im Übrigen, ist Dein Text nicht widersprüchlich – er zeugt lediglich von einer ehrlichen Verzweiflung und ist sicherlich ein Wagnis. Es gehört Mut dazu, sein Gefühl der Ausweglosigkeit Ausdruck zu verleihen. Es ist kein Zeichen von Stärke – immer stark sein zu wollen. So wie es kein Signal der Schwäche ist, zu zweifeln und einmal die Fassung zu verlieren. Die eigene Unsicherheit spricht eher dafür, dass Du im Werden bist – im Richtigen Leben ankommst.
    Diese Antwort (auf eine nicht gestellte Frage) hilft zumindest mir.
    LG. - Uwe