Hallo Welia,
wie kommst Du damit klar, wenn Ihr zwangsläufig zusammen sein müsst?
Wir haben ja keine Kinder, wenig Bekannte, also keine Ablenkung, sind immer nur auf uns beide fixiert.
Deshalb habe ich ihm ja auch den Gutschein für das Sportstudio geschenkt, damit er mit anderen Leuten zusammen kommt. Das hat ihm wirklich gut getan.
Ich bin ja auch schon 60 Jahre und mein Freund ist 9 Jahre jünger.
Oft frage ich mich, wollte er eine Frau, die soviel älter ist als er auch aus dem Grund, dass er in Ruhe trinken kann. Der Altersunterschied war nur ganz am Anfang ein Problem für mich. Da ich aber auch wesentlich jünger aussehe, hat sich das ganz schnell erledigt. Er meinte immer nur, mit so jungen Mädels kann er nichts anfangen. Das war vor fast 18 Jahren.
Aber gerade mein Alter macht mir jetzt sehr zu schaffen.
Die Ängste, wie geht es alleine weiter ? Finde ich noch einen Freundeskreis. Meine wenigen Bekannten sind alle viel jünger, meist glücklich mit ihren Partnern und ich möchte mich da keinesfalls aufdrängen.
Aber so weiterleben, nicht mehr richtig kommunizieren, evtl. getrennte Schlafzimmer, keine gemeinsamen Unternehmungen mehr, ist das lebenswert ?
Heute habe ich einen ganz schlechten Tag, sitze nur in der Wohnung herum, könnte einfach nur heulen. Das hängt auch mit meiner Zahn-OP zusammen und meinem immer noch verfärbten Gesicht. Jetzt habe ich noch Angst, dass ich unter dem Auge geplatzte Äderchen habe. Morgen haben alle Hautarztpraxen zu. Muss ich wieder bis Montag warten.
Und dann mein Freund, er steht früh auf, macht Frühstück, fragt mich, ob er mir etwas Gutes tun kann. Geht extra los und holt mir Kuchen für heute mittag, da ich so nicht unter die Menschheit gehen kann.
Als ob nie etwas geschehen wäre, er hat gestern und heute seinen PC nicht angemacht, also wohl nicht nicht gesehen, dass ich ihm die Mail geschickt habe, dass er ausziehen soll.
Eigentlich will ich das alles nicht, antworte nur spärlich, in mir kocht es.
Warum ist er immer noch so freundlich? Er will sich sogar zum Arzt fahren.
Jetzt ist unterwegs mit dem Fahrrad, hat noch gefragt, ob er mich alleine lassen kann, weil mir schon die Tränen heruntergelaufen sind. Er war schon aus der Tür, kam noch einmal zurück und meinte, er könne gerne hierbleiben. Sonst waren wir ja immer zusmamen mit dem Fahrrad unterwegs. Nein nur das nicht, ich will alleine sein. Jetzt ist er unterwegs, ich solle auf jeden Fall anrufen, wenn ich Hilfe brauche.
Aber er will nicht merken, will es nicht zulassen, dass ich wegen uns traurig bin.
Und ich, ich will diese lieben Worte so nicht, immer im Hintergrund der Gedanke, er tut das nur, damit er weiter trinken kann. Will mich ruhig stellen. Klar will er nicht ausziehen, hier geht es ihm gut. Wir haben alles, eine schöne Wohnung, das verliert er dann ja auch, er hat so gut wie nichts, wenn er auszieht. Ich habe fast alles bezahlt. Und da habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, ich will nichts behalten, von mir aus kann er alles mitnehmen, will doch auch nur, dass es ihm gut geht, auch ohne mich. Auch die Wohnung kann er behalten, aber die kann er nicht bezahlen, weil er arbeitslos ist.
Ich wäre so gerne auf ihn zugegangen,hätte mich an ihn angelehnt, so wie es mal war und seine und unsere Liebe gespürt. Aber ich kann es nicht mehr zulassen. Habe Angst, dass alles nur ein Mittel zum Zweck ist, die Zeitbombe tickt immer in meinem Kopf ....
Was ist nur mit mir los ? Ich bin völlig durch den Wind, wollte doch so stark sein.
Aber es tut gut, hier zu sein. Nie konnte ich wirklich in den ganzen Jahren mit jemanden über meine Probleme und Ängste sprechen.
Sorry, wenn ich so viel schreibe, aber ich habe so viel Nachholbedarf und es gut so unheimlich gut.