Beiträge von Antilope

    Hi Feeli,

    ich denke auch, wir können nicht oft genug hier "herumschwirren" und uns informieren. Nur so habe ich mein Fehlverhalten verstanden und versucht, endlich Änderungen herbeizuführen. Der Weg ist auch bei mir längst nicht abgeschlossen.
    Mein Partner hat meine Entschlossenheit bemerkt und ebenfalls Änderungen für sich zugelassen. Wir müssen aber beide unseren Weg gehen, ob zusammen oder nicht, das wird sich noch heraustellen.
    So hätte ich vor noch 1/2 Jahr nicht schreiben können. Ja, ich hätte sogar Angst gehabt, solche Gedanken nur zuzulassen.

    Interessant finde ich, dass Du auf mich nicht unbedingt so Co-abhängig wirkst. So kann man sich auch irren. Du hast mir eher den Eindruck vermittelt, dass Du ziemlich "über den Berg" bist . Aber gut, dass Du selbst Deine Schwächen erkannt hast und hier weiter Kraft tanken kannst.

    Manchmal denke ich, durch das Co-Dasein habe ich sehr viel über mich selbst gelernt, wenn auch gezwungenermaßen. Auch über das Leben und die Menschen an sich. Eigentlich ist das ein toller Lernprozess.
    Und ich habe festgestellt, ich lerne nie aus ....

    Auch das Schreiben hier im Forum, das Miteinanderumgehen, Kritik ertragen zu lernen, aber konstruktive Kritik auszuüben, das alles sind ganz wichtige Dinge, die man lernen kann.
    Und damit werden wir stark, stark für uns selbst und auch unserem Partner gegenüber. Und diese Stärke brauchen wir ganz dringend, um uns nicht selst zu verlieren.

    Feeli, wir haben alle hier so ziemlich den gleichen Leidensweg durch und lange an unsere Liebe, unsere Träume geglaubt und mit Gewalt festgehalten.
    Wichtig ist doch, dass Du rechtzeitig die Notbremse gezogen hast. Klar, dass die Abnabelung noch nicht abgeschlossen ist. Ich denke, das müssen wir uns auch zugestehen.
    Aber Du bist auf dem richtigen Wege, auf dem Weg zu Dir. Wer kann Dich noch aufhalten ?

    Hallo Hartmut,

    mich stört etwas der Ausdruck "soll ausziehen oder sich trennen".
    Hat für so etwas wie eine Aufforderung, oder ?

    Aber zu Deiner Frage: Ich denke, das ist bei jedem Angehörigen individuell verschieden. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen, sieht seinen nassen Partner mit anderen Augen.
    Oftmals ist auch die Enttäuschung so groß, dass der Angehörige eínfach nur wieder frei sein will, keine Belastungen mehr ertragen kann, die die ganze Familie zu zerstören drohen.

    Ob dann trotzdem immer noch die innerliche Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft und wenn es nur ein Funken ist, besteht, ist schwer zu sagen.
    Tatsache ist, dass wir Co uns nur schwer lösen können. Wo sich dann wieder die Frage stellt, wann ist dieser Punkt erreicht, wo wir das wirklich können.

    Aber ich wage zu sagen, die Motivation zur Trennung um uns selbst zu helfen, kommt leider in den meisten Fällen erst ganz ganz zum Schluss. Und dann spielt auch der EX nur noch ein untergeordnete Rolle.

    Bin sehr gespannt auf weitere Meinungen.

    Hallo Feeli,

    trotz Deiner eigenen Verzweiflung, die immer noch ab und zu da ist, hast Du die Kraft und Geduld, hier so vielen Angehörigen Deine eigenen Erfahrungen mitzuteilen, sie zu motivieren, endlich den Teufelskreis eines Co zu durchbrechen.

    Finde ich wirklich ganz super. Hilfe zur Selbsthilfe ist auch hier gefragt, Du bist das beste Beispiel dafür.
    Schonungslos offenbarst Du Dein Inneres. Deine Beiträge sind für mich immer sehr interessant, machen mich traurig aber sie sind vor allen Dingen hilfreich. Du gehst Deinen Weg, auch wenn Du noch leidest. Das ist ja so schwer für uns Co's, aber Du hast bewiesen, dass es geht.

    Nur manchmal denke ich, es könnte auch zuviel Belastung für Dich sein, oder kann man durch diese Ablenkung und Hilfestellung leichter vergessen? Vielleicht auch den Weg leichter gehen, den man sich vorgenommen hat? Darüber habe ich schon oft nachgedacht.

    Ich habe auch schon festgestellt, dass ich vieles besser ertrage, wenn ich anderen helfen kann. Deshalb sind wir ja wohl Co-Angehörige und immer stark für unseren Partner (gewesen ...).
    Nur vergiss Dich selbst bitte nicht, denke auch an Deine Gesundheit.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Spass in Deinem neuen Leben; genieße es.

    Das Alter hat mich auch sehr beschäftigt.
    Einserseits habe ich mir gesagt, diese paar Jahre hälst Du doch noch aus, ist doch alles nicht so schlimm. Er hat doch auch seine guten Seiten. Alleine ist auch nicht schön, ich habe ja keine Kinder, eigentlich wenig Freunde. Mein Arbeitsprozess geht langsam zu Ende.

    Und genau da bekam ich dann plötzlich Panik. Wie soll das denn eigentlich mit uns funktionieren, wenn wir die ganze Zeit zusammenhocken? Er evtl. noch arbeitslos, ich inzwischen in Rente.

    Ja dann kam mir auch die Erkenntnis, dass es mir eigentlich doch besser geht, wenn ich alleine bleibe. So habe ich wenigstens kenen Stress und kann den Rest meines Lebens so gestalten, wie es mir gefällt. Muss eben wieder neue Kontakte knüpfen. Auf in den Kampf, wird schon klappen.

    Lieber alleine glücklich, als zu zweit unglücklich.
    Ich habe schließlich nur dieses Leben !

    Diese Devise war dann in meinem Kopf und hat alles andere überdeckt. Die Probleme meines Partners waren auf einmal zweitrangíg und sind es immer noch. Es gab für mich nur zwei Alternativen: ein Leben ohne Alkohol oder die Trennung. Dazu kam es doch nicht, er hat wohl begriffen, dass er selbst etwas tun muss. Den Anfang hat er gemacht.

    Ich bin zwar sehr froh und irgendwie auch stolz auf auf meinen Freund, aber immer noch nicht ganz überzeugt. Das ist auch gut so. So bleibe ich mir wenigstens weiterhin treu.

    Ja das sehe ich auch so, Manfred.

    Für mich beginnt meine Co-Abhängigkeit eigentlich erst mit meinem Leidensdruck. Den zu stoppen, gilt es.
    Während dieser Phase scheint es mir fast unmöglich, meine Co-Abängigkeit zu kontrollieren.

    Die Wahrscheinlichkeit der Selbstkontrolle nach der Trennung, wie Nordlicht es beschreibt, kann ich mir zwar eher vorstellen. Nur kann es dann auch passieren, dass ich durch diese Kontrolle gerade wieder in die Co-Abhängigkeit zurückfalle, aus der ich mich erst befreit habe.

    So gesehen, glaube ich nicht, dass ich mein Co-Verhalten kontrollieren kann, ohne wieder Co-abhängig zu werden

    Hallo Joanne,

    genauso ist das auch bei mir abgelaufen. Immer wieder habe ich mir eingeredet, dass mein Freund kontrolliert trinken kann. Da er ja heimlich getrunken hat und auch mit wenigen Ausnahmen (z.B. Urlaub) seinen Alkoholkonsum noch steuern konnte, war ich immer wieder im Zweifel. Er hat immer seinen Job gemacht, war sogar weniger krank, als viele seiner Kollegen. Natürlich war er stolz darauf und auch ehrgeizig.

    Ja, es war auch manchmal ganz toll, wenn wir zum Essen waren, mit einem guten Rotwein. Aber warum vergißt man dann die schlechten Erinnerungen so leicht. Wo ich mich gedemütigt fühlte, ihn fast gehaßt habe, mich für ihn geschämt habe? Das habe ich mich auch schon so oft gefragt, aber nie eine wirkliche Antwort dafür gefunden.

    Joanne, ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg wieder aufnimmst aber dieses Mal ohne Unterbrechung.
    Vielleicht nimmt Dein Mann dann irgendwann auch mal seinen Weg auf und ihr könnt Euch irgendwann wieder treffen.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt.


    Aber dann kam die Ausnahmesituation, die Arbeitslosigkeit. Da kam so nach und nach alles zum Vorschein. Er konnte seine Sucht und seine Fahne nur schlecht vor mir verheimlichen. Also wird gelogen. Anfangs war ich wieder nur verunsichert, aber dann gab es eben diesen einen Sonntag morgen, wo ich ihn mit der Apfelweinflasche erwischte.

    Das hat alles bei mir verändert und meine Veränderung und mein Verhalten ihm gegenüber hat ihn hoffentlich auch verändert.
    Er macht gerade einen Entzug. Inzwsichen denkt er auch über eine LZT nach. Ich hoffe, er entschließt sich auch dazu. Wenn nicht, ist es auch sein Problem.

    Ich war auf dem besten Wege, mich selbst zu vergessen. Jetzt liebe ich mich auch wieder und schaue auf mich und nicht mehr nur auf ihn.

    Hallo Silke,

    das wäre natürlich ganz super, wenn das Buch Deinem Mann hiflt, sein Problem erst einmal zu erkennen.
    Bei meinem Ex habe ich auch immer irgendwelche Broschüren hingelegt. Später sagte er mir dann mal, dass er sie immer genau gelesen habe. Aber er hat nie darüber gesprochen, immer so getan, als ob er sie nie gesehen hätte.

    Meinst Du, Dein Mann redet mit Dir darüber ?

    Hi Kernkraft,

    ich hätte da noch einen Buchvorschlag für Dich, ist auch als Taschenbuch zu kaufen und kostet ca. 8,00 EUR. Das Buch heißt ALK von Simon Borowiak.

    Mein Freund rief gerade aus der Suchtklinik an und erzählte mir davon.
    Es ist wohl eher etwas sarkastisch geschrieben, aber bei AMAZON gibt es sehr interessante Rezensionen darüber. Auf jeden Fall wird die Problematik auf keinen Fall verschleiert. Eher auf eine bestimmte Art und Weise von dem Autor dargestellt, die sehr nachdenklich stimmt und das Thema Alkoholsucht durchaus ernsthaft beleuchtet.
    Mein Freund fand es sehr gut. Ich hatte auch den Eindruck, dass es ihm hilft, seine Situation besser zu verstehen. Er möchte jetzt sogar eine Langzeittherapie machen. Das war beim letzten Telefonat noch nicht so sein Gedanke. Ich werde es in unserer Buchhandlung bestellen und auch lesen.

    Hoffe sehr, dass es endlich bei ihm richtig geklickt hat. Aber ich bin nach wie vor sehr vorsichtig und warte erst einmal ab. Ende der Woche kommt er vermutlich wieder nach Hause.

    Da beschleicht mich doch wieder ein merkwürdiges Gefühl. Die Zeit ohne ihn habe ich ganz gut herumgebracht. Hatte ja die ganze Zeit Urlaub und mich eher in meiner Wohnung eingeigelt. Vermutlich habe ich das erst einmal so gebraucht. Morgen ist wieder Arbeiten angesagt; würde gerne noch zuhause bleiben. Es war mir absolut nicht langweilig.

    Zum letzten Thema kann ich auch nur sagen, dass es bei uns speziell in den letzten Wochen vor der Entgiftung genau so war. Wegen jeder Kleinigkeit gab es Streit. Aber der war immer hausgemacht und wer war daran Schuld: Natürlich immer ich. Wobei mein Freund sich meistens wieder zurückgenommen hat und ich der sture Teil war.
    Aber egal, es musste immer etwas produziert werden, das erst einmal den Streit ausgelöst hat. Getrunken hat er dann allerdings nichts, dazu hätte er erst einmal in den Keller oder ins Auto verschwinden müssen. Bei ihm ging ja alles heimlich ab. Wir haben schon lange hier keinen Alkohol mehr zusammen getrunken und er schon gar nicht in der Wohnung.
    Aber er hatte ja meistens schon tagsüber einiges indus und die Agressionen haben sich dann entladen, wenn ich von der Arbeit nach Hause kam.

    Schreib mir mal, ob Dir das Buch von Ihnhalt her zusagt. Würde mich interessieren.

    Hallo Empty,

    Dein Bericht hat mich sehr berührt. Die Verletzungen, vor allen Dingen, die seelischen stelle ich mir furchbar vor.
    Aber Dir ist bewusst, dass Du jetzt Deinen eigenen Weg gehen musst, für Dich und vor allen Dingen für Deine Tochter.

    Deine Ängste kenne ich. Mein Ex war auch Alkoholiker und dazu noch sehr gewalttätig. Ich habe mich nie getraut, die Tür abzuschließen, da er nachts randalierte, sämtliche Klingeln im Haus drückte bis er reinkam.
    Als wir dann endlich getrennt waren (er war damals trocken) hatte ich immer noch Angst in meiner großen Wohnung so ganz alleine und habe jede Nacht etwas vor die Tür gestellt. Jahrelange Schlafprobleme waren die Folge dieser Übergriffe.

    Man kann vieles heilen, aber die seelischen Wunden sind am schwersten zu therapieren. Daran solltest Du immer denken. Das betrifft vorallen Dingenb auch Deine Tochter.

    Die Grenzen bei Dir sind schon längst überschritten.
    Aber ich weiß es aus eigener Erfahrung und habe mich manchmal so dafür gehasst: Man vergisst ganz schnell das Böse, was uns angetan wurde. Deshalb lasse es nicht zu, dass er wieder von Dir Besitz ergreift.

    Ganz ehrlich, ich könnte es vor Angst nicht mehr zuhause aushalten.
    Vielleicht kann die Polizei dich schützen, ober soweit ich informiert bin, kommen die nur, wenn es wirklich "brennt".
    Sei bitte vorsichtig!

    Danke Linde und Julchen für Euren Zuspruch. Ich wünsche mir auch, dass ich bei mir bleibe.

    Julchen, ich denke, wenn das mit dem Keller nicht passiert wäre, ich würde jetzt noch hier sitzen und den ewigen Kampf mit ihm und vor allen Dingen auch mit mir weiterführen. Wie oft hatte ich mir das vorgenommen und mich dann doch nicht getraut. Ich war noch nicht soweit, diese "Kontrolle oder Verletzung" zuzulassen.

    Für mich war es am schlimmsten, dass ich genau wusste, er hat ein Problem, aber es wurde natürlich von seiner Seite immer dementiert.
    Erst als ich den Beweis hatte, hat es endlich auch in meinem Kopf "Klick" gemacht. Ja und auf einmal ging alles wie von selbst.

    Was mich selbst total überrascht hat, ich hatte plötzlich ein Gefühl der Freiheit, alles was in den letzten Jahren sich bei mir aufgestaut hatte, war wie weggewischt.
    Dann denke ich, nur so erkannte auch mein Freund, dass es mir wirklich ernst ist. Vorher hatte er doch immer nur seine Spielchen mit mir gespielt. Tausend Versprechen und immer wieder neue Enttäuschungen.
    Aber nun will ich keine Enttäuschungen mehr.

    Froh bin ich auch darüber, dass ich keinen Hass oder Verachtung ihm gegenüber empfinde, obwohl das in der Vergangenheit schon manchmal nah an der Grenze war.
    Meine große Angst war auch, dass er doch einmal ausrastet und handgreiflich wird, wie es leider so oft hier geschrieben wird. Woher soll ich wissen, was der Alkohol aus ihm macht.
    Vielleicht gelingt es meinem Freund auch, endlich den zufriedenen Weg der Trockenheit einzuschlagen mit mir oder ohne mich. Das wäre das schönste Geschenk für mich.

    Hallo,

    ich hatte ja schon vor einigen Monaten von meinen Problemen berichtet.
    Danach war ich nur noch stille aber eifrige Mitleserin. Ich kam mir so schuldig vor und hatte keinen Mut mehr, hier weiter zu schreiben.

    Die Sitution meines alkoholkranken Partners verschlechterte sich von Tag zu Tag. Bedingt durch seine Arbeitslosigkeit, trank er nun fast jeden Tag. So kam es immer mehr zu Auseinandersetzungen und verbal wurde mein Freund immer aggressiver mir gegenüber. In meiner Verzweiflung hatte ich ihm auch schon eine Email geschickt, weil ich zu feige war, ihn direkt anzusprechen. Da hatte ich schon Angst, dass er sie lesen könne und total ausrastet. Dazu muss ich sagen, er hat mir nie etwas körperlich getan, seine Agressionen äußerten sich vor allen Dingen in Beledigungen und Vorwürfen gegen mich. Ist ja nichts Neues und wurde hier schon 1000fach geschrieben.
    Weiter fürchtete ich mich davor, dass er wirklich Ernst machen würde und auszieht. Das wollte ich ja eigentlich gar nicht. Das Thema Alkohol wurde total ausgeklammert.

    Er hat es auch sehr gut verstanden, mich zu manipulieren. Die Aussage: "Dann ziehe ich eben aus, hat sowieso keinen Zweck mit uns. Du machst einfach alles am Alkohol fest " hat mich noch mehr verunsichert. Außerdem gelang es ihm, mir immer wieder einzureden, dass ich mir alles nur einbilde. Er hatte nie etwas getrunken; der schlechte Gerucht kommt ja nur von der Zähnen. Ein Zahnartzbesuch hat er aber immer wieder herausgeschloben .... keine Zeit ... nur Stress mit Arbeitsamt und Vorstellungsgesprächen.

    Ich habe trotzdem hier immer gelesen und vermutlich doch für mich einiges kapiert - was für ein Wunder - Aber ich konnte es nicht umsetzen.

    Aber eines morgens, es war ein Sonntag, war er wieder so nervös. Wir waren gerade damit beschäftigt, unsere Internetverbindung umzustellen. Das klappte nicht so richtig und er war total genervt und meinte, er hätte noch anderes zu tun. Das sei sowieso alle Schrott und funktioniert nicht.
    Da brach ich alles ab und er meinte, er hätte im Keller noch sehr viel zu tun. O.k. sagte ich, ich muss eh noch einmal ins Badezimmer. Ich spürte ganz deutlich seine Unruhe und Gereiztheit (für mich eindeutig Saufdruck)
    Er war dann auch ganz schnell unterwegs in Richtung Keller. Ja und dann habe ich das getan, was ich eigentlich schon längst tun wollte, nur ich habe es einfach nicht gepackt. Wollte ihn nie kontrollieren - immer wieder nur ein schlechtes Gewissen dabei -
    Ich bin ihm einfach nachgegangen und erwischte ihn mit einer Flasche Apfelwein in der Hand. Sein Kommentar "erwischt".

    Aber da ist etwas bei mir mit mir passiert. Auf einmal war mir alles egal. Ich sagte ihm, dass wir reden müssen. Denn er war ja noch nüchtern.
    Ja und dann habe ich ihm gesagt, dass ich das so nicht mehr kann und nicht mehr will. Keine Vorwürfe, einfach nur ihm gesagt, dass ich mich trennen möchte. Dass er sein eigenes Leben führen soll, ich passe da nicht rein. Dann kann er tun und lassen was er will. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich ihm das Trinken nie vermiesen oder verbieten wollte, aber ich damit nicht umgehen kann und jetzt an mich denken will.

    Wir haben dann sehr lange geredet. Er war völlig überrascht und plötzlich total verändert. Meinte dann, das sei in Ordnung. Er wolle sich nach einer eigenen Wohnung umschauen, nur das ginge eben nicht so schnell. Ob ich ihn denn noch einige Zeit ertragen könne.

    So, das war dann erst einmal mein Beitrag dazu, wie durch dieses Schlüsselerlebnis bei mir auf einmal der Punkt erreicht war, den ich die ganzen 18 Jahre unseres Zusammenlebens nie erreicht hatte.
    Dabei hatte ich es immer gewollt, mich dazu gezwungen, aber es hat eben nie funktioniert.

    Ganz maßgebend dazu hat beigetragen, dass ich immer hier gelesen habe. Mir war schon lange klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Nur ich als Co war zu schwach dazu, meine Ängste vor dem Alleinsein waren auch sehr stark ausgeprägt.

    Die aktuelle Situation ist jetzt so, dass er gerade eine Entgiftung macht. Es kam alles von ihm alleine, der Gang zum Arzt und die Einweisung. Er hat sogar ein gutes Angebot für einen neuen Job abgelehnt.
    Mir selbst geht es seit dem Sonntag morgen richtig gut. Das hat sich bis heute nicht geändert. Es gelang mir auch sogar, meinen Mund zu halten und ihm zuzuhören, keine Vorwürfe, aber ich habe ihm immer zu verstehen gegeben, dass es für mich nur zwei Möglichkeiten gibt: ein Leben zu zweit ohne Alkohol oder jeder lebt für sich alleine.
    Wir konnten dann auch endlich wieder normal miteinander reden und haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen.

    Recht arg war dann noch die Zeit bis zur stationären Aufnahme, er musste jeden zweiten Tag in der Klinik anrufen. Obwohl er jeden Tag trank - was mich natürlich immer mehr nervte - war er ziemlich unruhig, teilweise auch wieder verbal angriffslustig.

    Die erste Woche hat er herumgebracht, er hat mich auch schon ein paar Mal angerufen und mir berichtet. Außer Beruhigungstabletten, wie sie auch hier schon erwähnt wurden, hat er wohl einen Medikamente bekommen. Nach seinen Aussagen geht es ihm gut. Aber er macht sich auch schon Gedanken, was danach kommt.
    Früher hätte ich natürlich gleich von LZT gesprochen. Aber ich halte mich zurück, er soll das auch alleine entscheiden. Meinen Weg und meine Vorstellungen kennt er ja inzwischen und davon werde ich nicht abgehen.

    Oh, jetzt habe ich doch ganz schön viel geschrieben, wobei mir immer noch einiges einfallen würde.
    Aber ich denke es reicht erst einmal.

    Drückt mir die Daumen, dass ich nicht rückfällig werde und meinen gewählten Weg auch weiter gehe.

    Tolles Forum, ohne Euch hätte ich das nie geschafft. Vielen Dank dafür.

    Hallo Maria, oder passt Wichtel besser zu Dir ?
    Ich habe mich jedenfalls schon an diesen Namen gewöhnt.

    danke für Deine Worte. Ich denke, im Grund genommen kann Dich jeder verstehen und Deine Zerrissenheit fühlen. Deine Offenheit und Ehrlichkeit überrascht mich immer wieder.

    Ich habe auch so eine Freundin. Sie ist seit langem trockene Alkoholikerin. Ich lernte sie damals in der SHG kennen, also schon vor fast 30 Jahren. Da war sie noch Co-Alkoholikerin, wie ich auch. Es war ihr und auch mir damals nicht bewusst, dass sie selbst ein Alkoholproblem hatte. Als sie sich mir dann offenbarte, bin ich aus allen Wolken gefallen.

    Diese Gemeinsamkeit in der SHG hat uns immer sehr stark verbunden.
    Sie sagt mir auch knallhart Dinge, die ich manchmal lieber nicht hören möchte. Aber in meinem Innern weiß ich, dass sie mir nur helfen will.

    Sie hatte meinen Freund auch ziemlich schnell durchschaut und mir das auch ohne wenn und aber mitgeteilt. Meinen Freund selbst hat sie nie darauf angesprochen, obwohl ich mir das oft gewünscht habe.
    Wenn wir zusammen waren, hatte ich immer das Gefühl, sie beobachtet ihn sehr genau. Das hat mich dann sehr unsicher gemacht, ja teilweise sogar Schuldgefühle ausgelöst.
    Sie hat übrigens einen ganz lieben Mann, der ihr zuliebe keinen Alkohol trinkt.

    Hallo Anesa,

    Du hast vollkommen Recht, Alkohol entsorgen bringt nichts.
    Aber wir hatten eine Vereinbarung. Keinen Apfelwein im Keller.
    Den letzten Kasten hatte er selbst entsorgt.

    Ich bin nur auf seine Reaktion gespannt. Bis jetzt hat er nichts gesagt. Ich weiß auch nicht, ob er es schon bemerkt hat.

    Mir geht es ja auch wie Dir. Ich weiß nie, hat er getrunken oder nicht. Zugeben, das gibt es ja nicht.

    Seit gestern ist er wieder verändert, ruhig, schimpft nicht auf alles Mögliche. Immer diese starken Veränderungen, einmal so und dann wieder ganz anders. Das hat sich in diesem Jahr so gesteigert.
    Ich meine, er hätte nichts getrunken. Ich habe auch nichts gerochen. Sonst kommen mir da immer alle möglichen und unmöglichen Gerüche in die Nase.

    Meine Gedanken beschäftigen sich in letzter Zeit oft damit, wie es ist ohne ihn. Es macht mich nicht mehr traurig. Das war vor nicht allzulanger Zeit noch anders.
    Die Bekanntschaft mit dem Forum, die vielen Beiträge von Betroffenen, denen es nicht nur ähnlich sondern noch viel schlimmer geht in ihrer Partnerschaft. Anscheinend hat das schon etwas bei mir ausgelöst. Dann weiß ich, dass es sich wirklich gelohnt hat, hier regelmäßig reinzuschauen und nicht nur das, sondern auch aktiv zu sein.

    Ich denke, so kann ich auch unserem gemeinsamen Urlaub etwas gelassener entgegen sehen. Aber darauf freuen, das geht leider nicht.

    Hallo Diandra,

    ich finde, wir haben nicht das Recht mit Wichtel zu hart umzugehen.
    Sicher liegt es nur an ihr, etwas zu ändern. Aber dafür ist sie hier und kann sich Anregungen holen, muss auch Kritik ertragen lernen.

    Aber jede Umstellung braucht seine Zeit.

    Wie Du schon schreibst, es ist wie beim Alkoholiker. Sie muss die Trennung, das Loslösen von ihrem Partner selbst wollen und auch verantworten. Mit Druck erreicht man meist nur das Gegenteil.

    Wichtel hat einen ganz wichtigen Schritt getan. Sie hat die Trennung vollzogen und sich seitdem nicht mehr bei Ihrem Partner gemeldet. Das kostet viel Selbstüberwindung und Kraft. Dass sie inzwischen voller Zweifel ist, kann ich gut verstehen.

    Diandra, Du hast diesen Weg vermutlich schon geschafft und lebst ein neues, anderes und glückliches Leben. Dazu kann ich Dir nur gratulieren. Soweit ist Wichtel noch nicht. Aber ich denke, Schritt für Schritt geht sie ihren Weg.
    Wir sollten sie dabei nur unterstützend begleiten. Alles andere muss sie ganz allein entscheiden und natürlich auch die Konsequenzen tragen.
    Es geht dem Alkoholiker wie dem Co.

    Hier spreche ich wieder aus meiner eigenen Erfahrung. Ich bin auch meinen eigenen Weg gegangen mit allen Konsequenzen. Aber ich bin noch rechtzeitig aufgewacht und habe die Richtung geändert. Aber es hätte auch anders sein können; meine Selbstzerstörung wäre dann vermutlich nicht mehr aufzuhalten gewesen.

    Ich empfinde es nicht so, dass Wichtel hier die Leute vor den Kopf stößt.
    Aber das ist meine persönliche Meinung.

    Sorry Diandra, war nicht bös gemeint. Ich spüre Deine Sorge und wie sehr Du Wichtel helfen möchtest. Aber helfen muss Sie sich in erster Linie selbst.
    Ach, warum kann man nicht einfach auf einen Knopf drücken und alle Probleme sind beseitigt !

    Liebe Grüße

    Hallo Nici,

    ja Frieden schließen, das hört sich so einfach an. Aber der Weg dorthin kann sehr lange sein. Je nachdem, was wir alles erlebt, ertragen und auch selbst zugelassen haben.

    Aber das wünsche ich mir auch, heute zumindest. Bei meinem Ex konnte ich das nicht. Vielleicht hatte ich auch nicht so darüber nachgedacht.
    Als es endlich vorbei war, war ich froh, aber immer noch verletzt.
    Das hat mich sehr lange begleitet und auch mein weiteres Leben geprägt.

    Danke für Deine Worte, liebe Nici. Ich denke, wir sollten alle darüber nachdenken, ob wir nicht glücklicher sind, wenn wir Frieden schließen.

    Du hast den Anfang gemacht, ich hoffe, ich kann Dir folgen.

    Liebe Grüße

    Hallo Honey,

    ich finde das auch völlig o.k. und Deinen Mut ganz super. So etwas kostet ziemliche Überwindung. Ich kenne das auch von früher.

    Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist. Ich konnte und kann immer sehr gut und verbissen für andere kämpfen. Typisch Co-Alkoholikerin.
    Das war schon in der Schule so, mir haben immer die schwachen Schüler leid getan und ich habe mich für sie eingesetzt. Dadurch wird man natürlich ganz leicht zum Außenseiter.

    Aber ich musste auch erst lernen, für mich selbst zu kämpfen und meine Meinung gegenüber anderen zu vertreten.

    Gestern hatte ich auch so etwas ähnliches wie Du. War 2 Tage vorher beim Friseur, meine Lieblingsfriseuse wohl etwas gestresst und unter Zeitdruck. Schneiden, Strähnen, selbst föhnen für 88,00 Euro. Ein wirklich stolzer Preis.
    Resultat: Die Strähnchen sind nicht o.k., nicht der erwartete Stand, Volumen fehlt; die Haare schlecht geschnitten. Das ist ein Albtraum für mich. Also ich bin auch wieder hingegangen und habe reklamiert. Die Friseuse war nicht da, ich hätte es ihr gerne persönlich gesagt. Eine andere hat dann versucht zu retten, was zu noch zu retten ist.
    Jetzt sind die Haare wieder kurz, für meinen Geschmack zu kurz, die Farbe nicht wie gewünscht. Aber ich tröste mich, Haare wachsen wieder.
    Ich habe nichts dafür bezahlt.

    Honey mach Dir keine Gedanken. Denn wie kann Deine Fußpflegerin wissen, dass Du nicht zufrieden warst, wenn Du es ihr nicht sagst.
    Wenn ich bei der Arbeit einen Fehler mache, muss ich auch damit rechnen, dass mein Chef mir das zum Vorwurf macht.

    Hallo,

    hier bin ich wieder. Der Urlaub ist gebucht; wir reden zwar viel miteinander (nicht über unsere Probleme). Das vermeidet er tunlichst. Ich halte mich auch zurück, sonst redet wieder nur einer und das bin ich.

    Ich bemerke jetzt öfters die Veränderung, wenn er unterwegs war, wieder zurückkommt. Es ägert mich nicht mehr, verletzt fühle ich mich auch nicht, wenn ich das Gefühl habe, er hat etwas getrunken.
    Warum habe ich das Gefühl, er provoziert förmlich Streitigkeiten, oder bin ich es? Ich weiß es nicht.

    Aber, oh Wunder, ich kann ruhig gelassen bleiben. Das macht ihn noch hektischer. Er nervt dann ständig mit Fragen, ob ich etwas hätte, mir eine Laus über die Leber gelaufen sei usw.

    Heute habe ich im Keller nachgeschaut, ob er wieder Apfelwein gebunkert hat. Vor 2 Tagen hatte ich in einem kleinen Schrank einen Kasten mit leeren Flaschen gefunden. Es fehlten 3 Flaschen.

    Nun gab es auf einmal einen 6er Kasten mit 4 vollen Flaschen Apfelwein.
    Dann habe ich etwas getan, was ich bisher noch nie gemacht habe. Ich habe den Apfelwein entsorgt.

    Ich weiß nicht, ob es richtig war. Bisher hatte ich ihn immer direkt darauf angesprochen. Aber dazu habe ich einfach keine Lust mehr. Er hat schließlich wieder mal sein Versprechen gebrochen.

    Heute mittag hatte er ein Bewerbungsgespräch, das recht positiv verlaufen war. Er machte auch einen guten Eindruck. Aber eine endgültige Entscheidung kann ja erst nach unserem Urlaub geschehen.

    Ich glaube, er hat die Veränderung im Keller, im kleinen Schrank noch nicht festgestellt. Zumindest hat er sich nichts anmerken lassen. Bald geht er in die SHG-Gruppe, wie jeden Freitag abend.

    Aber irgendwann wird er ja wieder seinen Apfelwein suchen .... Mal sehen, ob er etwas zu mir sagt. Ich muss natürlich auch mit Aggressionen von seiner Seite rechnen. Ein wenig Bammel habe ich schon, alte Erinnerungen an meinen Ex kommen wieder hoch....