Hallo,
ich war die ganze Zeit immer damit beschäftigt, die vielen Beiträge zu lesen. Das hat mich alles so berührt. Aber ich habe ja noch mein eigenes Thema:
Ich habe meinem Freund vor einer Woche eine Email geschickt und ihm meinen Trennungswunsch und kurz die Gründe mitgeteilt.
Unser Zusammenleben war bis jezt recht ruhig, etwas distanziert. Es gab keine großen Emotionen, keinen Streit, ist alles so dahin geplätschert.
Die ganze Woche ging er nicht an seinen PC, weiß nicht warum Das hat er sonst nie gemacht. Vermutlich, weil ich ihm gesagt, dass er eine Email bekommt.
Aber heute morgen war es dann soweit. Er hat die Email gelesen und mich auch selbst darauf angesprochen. Ich hätte es nicht getan.
Ich habe mich bemüht, wenig zu sagen, ihn reden zu lassen.
Er meinte, er wäre ja sowieso ständig auf der Suche, Arbeitssuche, Wohnungssuche. Aber so schnell ginge das nicht. Ich habe nur genickt, nichts dazu gesagt und gewartet, dass auch mal etwas von ihm kommt.
Dann meinte er, wenn ich nicht mehr wolle, könne er das verstehen, er wäre gerne mit mir zusammengeblieben. Wir hätten doch eine schöne Zeit gehabt. Aber er will sich nicht unter Druck setzen lassen.
Das Thema Alkohol hat er natürlich nicht erwähnt, ich erst einmal auch nicht.
Wir haben dann noch über alles möglich geredet, dass wir uns in letzter Zeit öfters gestritten haben. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm nicht vetrauen kann und dass ich so keine Basis für unser Zusammenleben sehe. Dann kam das Thema Alkohol.
Er meinte, er würde einen Entzug machen, in eine Klinik gehen, wenn ich das wolle. Im Moment sei es sehr unpassend, weil er ja arbeitslos sei.
(Früher war es unpassend, weil er noch gearbeitet hatte).
Ich fragte dann direkt, ob er das denn wirklich wolle. Das könne er doch jetzt nicht sagen, er müsse erst einmal sehen, wie das läuft.
Ja und dann meinte er, er hätte dann alles getan, aber was wäre dann mit seinem Leben? Er könne nicht mehr in Urlaub fahren. Na ja, sei ja sowieso alles egal, dann bleibe er nur noch zuhause.
Ach, ich hatte dann auch keine Lust mehr darüber zu reden. Was soll er in Entziehungskur, wenn überhaupt kein bißchen Motivation von seiner Seite da ist? Das bringt doch nichts !
Dann kam noch das Thema von unserem letzten Urlaub. Dass er danach einen so schlimmen Entzug hatte und bereit war alles zu tun, damit es ihm wieder besser geht. Dass er zuhause zitternd wie ein Häuflein Elend da saß und Angst um sein Leben hatte. Das wollte er gar nicht hören. Das wäre ja auch das erste Mal gewesen und das hätte er auch nicht so gewollt. Würde nicht mehr vorkommen. Er hatte damals auch noch gesagt, als ihm wieder gut ging, dank der Schüssler-Salze, die ich ihm gegeben hatte (würde das heute nicht mehr tun !) seine Strategie sei nicht aufgegangen. Weche Aussage, das hat mich damals schon sprachlos gemacht.
Also, wir haben immer drum herum geredet. Er fragte mich dann, ob er mir jemals etwas getan hätte, er mache doch nichts Schlimmes.
Er möchte doch nur leben und man solle ihn in Ruhe lassen.
Und schon kommen mir wieder Zweifel. Sehe ich alles zu eng, verbinde ich zuviele schlechte Erinnerungen von früher mit ihm.
Also, es war ein schwieriges Gespräch. Immer wieder das Abblocken von seiner Seite. Er hat mir jetzt erst einmal versprochen, mich nicht mehr zu belügen.
Ich weiß nicht, ob er das überhaupt kann. Manchmal habe ich das Gefühl, er findet das völlig normal.
Er hat mir gesagt, er will sich nicht mehr betrinken, will doch nur in Ruhe mal einen guten Rotwein trinken. Diskussionen darüber, dass er das evtl. gar nicht beeinflussen kann, sind sinnlos.
Ich habe ihn gebeten, darüber nachzudenken, welchen Stellenwert doch der Alkohol in seinem Leben hat. Dass er dafür beinahe alles aufgeben würde, mich, die letzten 17 Jahre und ob er das als normal ansehen würde.
Er wolle noch einmal darüber nachdenken.
Muss ich mir jetzt auch noch Gewissensbisse einreden, weil er seinen geliebten Rotwein nicht mehr trinken kann?
Puhh, das war so schwer für mich. Gibt es doch noch Hoffnung, haben wir doch noch eine Chance?
Bestimmt habe ich auch Fehler gemacht, es ist so anstrengend immer mit einer Wand zu reden. Da tickt man leider manchmal auch aus.
Ob es bei ihm angekommen ist, weiß ich nicht. Aber ich habe mich bemüht, ihm klarzumachen, dass ich erster Linie von ihm Ehrlichkeit und Offenheit erwarte, auch was sein Alkoholproblem angeht. Ich kann und will ihn zu nichts zwingen. Wenn er meint, er kann mit Alkohol umgehen, dann ist es sein Problem.
Trotz allem weiß ich, dass ich einen Schritt weiter bin. Wir bleiben zwar zusammen, aber ich merke, dass ich nicht mehr bereit bin, alles so bedingungslos zu akzeptieren.
Wie es jetzt weitergeht, wird die Zukunft zeigen.