Beiträge von Penta

    Hallo Marco,

    natürlich kannst du heute schon Pläne für in zwei Jahren machen.
    Aber wenn dir heute die Trockenheitsarbeit schon sehr anstrengend vorkommt, warum erschwerst du sie dir nochmal, indem du dir deine Entscheidungen von morgen (in zwei Jahren) noch dazu aufbürdest?
    Mach doch erst mal heute, da is doch schon ne Menge. Und für in zwei Jahren empfehle ich, erst zu kratzen, wenn's tatsächlich juckt.

    Schönes Wochenende.
    Penta

    Hallo Marco,
    Vielleicht fühlst du dich ja nicht trotz, sondern wegen der ganzen Trockenheitsarbeit abgekämpft?
    Die oder eine ähnliche "Entspannung", die es sonst im Rausch gab, wird es ohne die Suchtmittel nicht mehr geben.
    Aber die Kehrseite dieser vermeintlichen Annehmlichkeiten eben auch nicht mehr.
    Für mich ist Trockenheit genau deshalb mehr als nur nicht trinken.
    Auch ich hatte ähnliche Gefühle, wie du sie nun beschreibst. Manchmal half mir über die Zeit, einfach nur über sie zu reden oder zu schreiben. Gefühle kommen und gehen ja bekanntlich und nicht immer muss ich den großen Zauber veranstalten, nur damit es mir auch ja gut geht. Es ist durchaus erlaubt, mal ne "ich finde alles doof"-Phase einzulegen.
    Manchmal ist es für einen Alkoholiker eben doch sehr viel, nur nicht zu trinken. Ich geh mal davon aus, dass es gestern bei dir geklappt hat.
    Heute ist ein neuer Tag.
    Gruß, Penta

    Hallo,

    auch Gewalt beginnt nicht mit dem ersten Schlag.

    Ich nahm es einem Täter ab, als er mir mal in Hinblick auf seine Taten sagte, dass "einer das besser weg steckt als jemand anderes" und es erschreckte mich, denn mir wurde wohl das erste Mal bewusst, wo Gewalt oft ihren Ursprung hat. Sie ist nicht nur für Täter, sondern auch für Opfer so normal, dass es in der Tat wohl kaum helfen würde, Gesetze zu verschärfen.
    Ich gehe sogar davon aus, dass einige Taten von einigen Opfern gar nicht mal als "Übergriff" eingestuft werden. :?

    Studien, Öffentlichkeit, Aufklärung - alles das kann helfen, nicht nur den Tätern, sondern gerade den Opfern oder Mitwissern bewusst zu machen, dass auch sie Alternativen und Möglichkeiten haben, die Gewalt zu beenden, denn die gibt es zum Glück in Deutschland, bei allem, was an den bestehenden Gesetzen oder Strukturen durchaus auch kritikwürdig ist.

    Penta

    Hallo Renate,

    niemand ist frei von Erwartungen. Du nicht und offensichtlich auch deine Schwester nicht.
    Allerdings bringen verschiedene Menschen ihre Enttäuschung über nicht erfüllte Erwartungen auch unterschiedlich zum Ausdruck, der eine beginnt zu fordern, der nächste macht Vorwürfe, wieder ein anderer zieht sich vielleicht schmollend zurück oder ein anderer beherrscht die große Kunst der Akzeptanz.
    Einen Denkfehler kann ich nirgends erkennen. Aufgewühlte Emotionen schon eher.
    Ich bin nun in der Co-Bearbeitung nicht so sehr bewandert, halte aber Enttäuschungen oder Trauer über nicht erfüllte Erwartungen nicht für außergewöhnlich.
    Und das betrifft in dem Beispiel mit deiner Schwester offensichtlich ja euch beide.
    So wie du nun enttäuscht über ihre Reaktion oder ihr Fernbleiben bist, war sie es vielleicht auch über deine Äußerungen.
    Es menschelt.
    Grenzen zu ziehen ist enorm wichtig. Es gibt keinen Grund (auch keine aufgebrachte Schwester) an deiner Entscheidung zu eurem zukünftigen Umgang, die nun gefallen ist, etwas zu ändern. Deine Schwester bleibt sie ja trotzdem. Und das ist auch gut so!
    Wie sich deine Zukunft allerdings entwickelt, ob und mit wem du zukünftig auf ner Bank sitzt und vielleicht nicht über die letzten hundert Jahre sinnierst, sondern mit dem du das eine oder andere Erlebnis aus verschiedenen Leben austauschst, kann ich dir auch nicht sagen. Ich wünsch dir etwas, was ohne Großzügigkeit oder Hilfsbereitschaft als Pflicht und Geben und Nehmen als Geschäft auskommt. Das soll es durchaus geben. Ich glaub da fest dran. :wink:
    Viele Grüße, Penta

    Hallo Renate,
    Erwartungen und sogenannte Wünsche an andere und mich selbst sind schon sehr lange auch mein Thema, deshalb finde ich sehr interessant, was du gerade schreibst.

    Zitat

    Ich denke frei von Wünschen oder Erwartungen ist kein Mensch


    Das zeigt mir meine Erfahrung auch. Und dabei kommt es gar nicht darauf an, ob ich die Erwartungen gewaltfrei "Wünsche" nenne oder aus Wünschen harte verbale "Erwartungen" oder "Forderungen" mache.
    Für mich macht es nur einen Unterschied, welche Erwartungen ich habe, wie deren Erfüllung geschehen soll und was mit mir im Falle der Nichterfüllung "passiert"
    Ich halte es für das Normalste der Welt, nicht gern immer allein sein zu wollen oder zu "erwarten", dass sich jemand freut, wenn ich ihm etwas schenke oder zu erwarten, dass jemandem das Essen schmeckt, das ich ihm zubereite.
    Allerdings wird auch ein noch so friedlich geäußerter "Wunsch" ganz schnell zur Manipulation, wenn er bedeutet, dass jemand in seiner eigenen Entscheidung eingeschränkt wird, wenn z.B. jemand nicht mehr sagen oder tun darf, was er selbst möchte.
    Die kleinste der Erwartungen, die ich inzwischen an andere habe, ist, dass sie sind wie sie sind. Deshalb bedeutet, jemanden oder etwas loslassen für mich auch nicht, ihn oder es fallen zu lassen oder weg zu stoßen, sondern sein lassen. Und selbst das ist nicht immer unproblematisch.
    Für mich sind diese Erwartungen immer wieder auch sehr großes Thema gewesen. Die Lösung für mich war nicht, sie mir komplett zu versagen nach dem Motto: Meine Erwartungen sind nicht stimmig, also weg damit! So einfach funktionierte es bei mir nicht.
    Da gibt es wohl ganz unterschiedliche Strategien. Ich freu mich aber immer, wenn jemand zu seinen Erwartungen "steht" und da ansetzt. So oder so ähnlich hab ich es auch gemacht. Mir hat es geholfen und sicher trug es auch dazu bei, dass ich nun mein fünftes Jahr trocken genieße. Danke, dass du deine Gedanken hier aufschreibst.
    Gruß, Penta

    Zitat

    Das Knie hat halt nun mal eine kalkulierte Haltbarkeit


    Ja. Und bei einem Unfall ist es mit der Haltbarkeit schon früher vorbei.
    Mein Unfall passierte vor ca. 20 Jahren und ich lebe heute super mit den Schrauben im Gelenk und bei entsprechender Bewegung (Training) sogar tatsächlich schmerzfrei.
    Skifahren (ich hatte bis vor zwei Jahren gedacht, dass ich niemals wieder Abfahrt machen kann), Wandern und das wunderbare Radfahren - alles möglich. Trotz bereits abgelaufener oder künstlich verlängerter Haltbarkeit meines Gelenks. Ich freu mich darüber grad richtig dolle, denn früher wäre ich wohl schon längst Opfer des Säbelzahndingens gewesen. Puh... :shock:
    Gut, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt! Und wenn doch, radel ich einfach etwas flotter, wenn mir einer begegnet - Kniehaltbarkeit hin oder her.
    Auch beim Radfahren (bei sportlicher Betätigung insgesamt) gilt der Spruch: Wer will, findet Wege...
    Ich sage: Wer nicht Rad fährt, verpasst was. 8)
    Viele Grüße und gute Fahrt weiterhin.
    Penta

    Hallo Lindi,

    ich bin definitiv Spaß-Radlerin, keine Gebrauchsradlerin. :lol:
    Trotzdem nutze ich klamottentechnisch beides - Baumwoll- und Normalsommerbekleidung und Funktionszeugs für Schlecht- oder Kühlwetter (bei Kaltwetter bleib ich gern zu Hause).
    Die Feierabendtouren mache ich schon in Sportklamotten. Bei Tages- oder Wochenendtouren richtet sich die Kleidung nach dem Wetter, kann aber schon auch ganz normale sein. Ich fahre allerdings nur sehr ungern in Jeans (hab ich wohl noch nie gemacht, wenn ich jetzt so drüber nachdenke). Bequem muss es sein.
    Die Wind- und Regenjacke (is ne Funktionsjacke wegen des geringen Packmaßes) hab ich, wenn ich sie nicht anhabe, inner Tasche. Ich habe manchmal auch schon ne Regenhose mitgehabt, brauchte sie jedoch bisher noch nie.
    Ich mags um den Hals rum nicht gern kalt, deshalb hab ich oft lang- und kurzärmlige Rollis an.
    Nen Helm trage ich immer, Handschuhe eher selten.
    Ich bin definitiv ne Freizeitfahrerin und kleide mich so, wie mir grad ist.
    Aber ich hab immer etwas zu trinken und einige Müsliriegel dabei, wenn ich weiß, dass ich länger unterwegs bin.
    Grüße, Penta

    Hallo allerseits,

    was marcomarco über seine Knieschmerzen schreibt, kann ich genau so bestätigen. Eins meiner Knie wird mit Schrauben zusammen gehalten, aber nur im Frühjahr spüre ich es manchmal. Wenn ich ne Weile gefahren bin, gibt sich das.
    Erstaunlich finde ich inzwischen jedes Jahr, was ich an "Restkondition" über den Winter rette und wie schnell ich mit relativ wenig Aufwand wieder fit bin.

    Zitat

    Im Sommer kommt das mit den Touren von ganz alleine. Es gibt nichts besseres als im Sommer bis zum Sonnenuntergang zu fahren!


    So seh ich das auch. Ich freu mich wieder sehr auf den Sommer, der ja nun fast schon beginnt, wie es aussieht. 8)

    Gruß, Penta

    Hallo Hartmut,
    Ich fürchtete früher die Einsamkeit und "sah" sie bei denen, die weniger unter Leute gingen oder so langweilige Dinge tun, bei denen es weniger "gesellig" (also alkfrei) zuging.
    Ich machte mich dadurch einsam, dass ich andauernd Dinge tat, die mir gar nicht entsprachen und leidete letztlich darunter. Mein Antidepressivum war für mich der Alk.
    Eine fatale Situation.
    Ich lehnte genau das ab, was mir heute guttut.
    Mir fielen bei "unter Leute gehen" lediglich Veranstaltungen oder Aktivitäten ein, die in irgendeinem Zusammenhang zu Alk standen. Richtig abgeschossen habe ich mich jedoch meistens allein.
    Zunächst war es die blanke Risikominimierung, die mich zu anderen Aktivitäten drängte. Sie eröffnete mir Möglichkeiten, die ich bis dato immer abgewehrt habe. Inzwischen habe ich Möglichkeiten gefunden, so "unter Leuten" zu sein, wie es mir gefällt und ohne mich zu verleugnen. Auch für mich sind heute die intensiven und klaren Begegnungen wertvoll.
    Davon gibt es nicht so sehr viele. Das ist für mich genau das Richtige.
    Als ich noch trank und in der ersten Zeit meiner Trockenheit wusste ich nicht, wie alkfreie Aktivitäten für mich aussehen könnten und lehnte sie teilweise aus Angst vor Einsamkeit ab. Wie ich nass und "gesellig" war, weiß ich heute und will es gerade deshalb nicht mehr.
    Das macht für mich den wesentlichen Unterschied aus.
    Einsam bin ich immer noch hin und wieder. Angst macht mir das jedoch nicht mehr. Die Einsamkeit gehört für mich inzwischen dazu, wie auch das sehr starke Gefühl der Geborgenheit, das ich aus meinen nassen Zeiten so nicht kenne und heute bei den Leuten empfinde, bei denen ich mich wohlfühle.
    Gruß Penta

    Hallo Carpenter,

    ich finde schon, dass man, also ich, manchmal die Grenze meiner Empathie festlege. Meistens schraube ich sie hinaus, wenn mir bewusst wird, was es ist, was mich davon abhält, Mitgefühl zu zeigen oder von vornherein abzuwehren, denn das liegt meistens bei mir und meinen Gefühlen.
    Ich kann manche Gefühle verstehen, auch wenn ich sie selbst nicht habe oder empfinde.
    Das führt dazu, dass ich durchaus verstehen kann, warum mich die Kollegin gerade anmotzt, wenn irgendwas nich richtig funktioniert. Nett finde ich das deshalb trotzdem nich und gefallen lasse ich mir deshalb auch nicht alles. Aber verstehen kann ich es schon. Zumindest will ich es inzwischen und es klappt immer öfter.
    Das verändert vieles. Die Kommunikation, mein Gefühlsleben wegen der immer öfter fehlenden Konfrontation und ich kann recht ungestört arbeiten.
    Mein gesunder Egoismus besteht dann auch noch im Setzen von Grenzen. Aber hauptsächlich im Setzen von Grenzen für mich. Mich zurücknehmen, nicht dem ersten Impuls folgen, Anschauen und dann irgendwann, wenn's einigermaßen sortiert is, reagieren. Oder, wenn mir das sinnvoll erscheint, nicht reagieren oder absagen oder im übertragenen Sinne zurück rudern. Das ist für mich die weitaus schwierigere Seite.
    Selbstfürsorge ist für mich gesunder Egoismus und hat nichts mit Egoismus im engeren Sinne oder Selbstherrlichkeit zu tun, sondern nimmt mich in die Verantwortung und trennt meins von dem anderer.
    Am Anfang jeder Rettungsaktion steht die Eigensicherung. Ich übertrage es durchaus auch auf andere "Disziplinen".

    Gruß Penta

    Hallo,

    ... und ganz oft sind die toten Frauen auch Mütter.
    Sie leben ihren Kindern vor, dass es "dazu gehört", dass geschlagen und/oder gesoffen wird und sie selbst darunter leiden.
    Die meisten Täter machten diese Erfahrungen als Kind. Zum Glück wird aber nicht jedes Kind, dass diese Erfahrungen machte, auch zum Täter.
    Ich denke, oft ist es tatsächlich für diese Täter schwer begreiflich, warum sie bestraft werden, wenn sie gewalttätig sind.
    Vielleicht kann es für die Mütter ein Anreiz sein, sich und ihre Kinder aus diesem Umfeld heraus in Sicherheit zu bringen, weil sie damit ihren Kindern eine sehr ungewisse Zukunft ersparen können. Der Kreislauf kann durchbrochen werden.
    Möglicher Weise kann diese Frage eine Entscheidungshilfe sein: Erziehe ich mit meiner Zögerlichkeit und meinem Verweilen in einem gewalt- und alkoholgetränkten Umfeld gerade einen Täter der Zukunft?
    Die Frage kam mir neulich, als mir ein Täter offensichtlich voller innerer Überzeugung sagte: "Der eine steckt das besser weg als der andere...".

    Gruß Penta

    Hallo Quantensprung,
    wenn man es so nennen will, lebe ich seit Anfang 2010 nach den Grundbausteinen.
    Viel wichtiger als die Grundbausteine als Liste war und ist mir jedoch, dass ich dem Alkohol nie wieder so viel Bedeutung beimessen muss, dass er mich irgendwie einschränkt.
    Ich mag den Geruch von Alkohl nicht, also habe ich keine Angetrunkenen im Auto. Ich mag mich nicht mit Leuten unterhalten, bei denen ich nicht sicher bin, ob sie das, was sie sagen, auch so meinen, deshalb wirst du mich nicht mit irgendwem im Restaurant sitzen sehen, der zu unserer Unterhaltung seinen Wein oder das Bier braucht...
    Ich hab noch nie jemandem "verboten", in meiner Gegenwart Alkohol zu trinken. Sie wissen aber, was ich mag oder was mit mir geht und was nicht.
    Dafür ist es vollkommen unerheblich, ob der Andere Alkoholiker ist oder nicht und wie diese üblicher Weise so sind.
    Da gibt es einige, deren Trinkverhalten ich entweder von früher kenne und/oder aufgrund von Äußerlichkeiten mir heute meinen Teil denke. Mit dem, was ich tu oder mitmache, hat das aber nichts zu tun. Wie geschrieben, trinken sie nicht, wenn ich dabei bin. Und wenn ich den großen Partys heute fernbleibe, ist es für sie ok.
    Bei meiner Trockenheit geht es für mich nicht darum, dass ich irgendwelche Grundbausteine einhalte, damit ich sie einhalte. Sie halfen mir anfangs jedoch sehr dabei, überhaupt zu erkennen, wo ich ansetzen muss, damit es nun wirklich mal anders wird, als es bis dahin immer war.
    Da gibt es nun diese eine Ausnahme, ansonsten sind die Grundbausteine erfüllt. Und gerade die belastet deinen Alltag, blockiert dich. Ja, es liest sich für mich auch wie der springende Punkt.
    Das Wir in meiner heutigen Beziehung ist sehr wertvoll für mich. Es gibt mir Halt, Vertrauen und Sicherheit. Für mich ist ein Wir, das Zukunft haben soll, bei dem der Alk in der Form, wie du es beschrieben hast, mit an Bord ist, heute unvorstellbar.
    Ich weiß, dass ich nicht dauerhaft trocken bleibe, wenn es irgendetwas gibt, was wichtiger als meine Trockenheit ist. Ich rate dir sehr, die eine Ausnahme bei den Grundbausteinen nicht aus den Augen zu verlieren. Hier gibt es einen Spruch, der lautet, dass es da, wo es wehtut, lang geht.
    Alles Gute dir!
    Gruß Penta

    Hallo allerseits,

    ich lese nicht regelmäßig in diesem Bereich, aber nun lese ich etwas von Risikominimierung und von der bin ich wirklich sehr angetan.
    Für mich bedeutet sie eben nicht nur den Abstand zu meinem Suchtmittel zu halten oder herzustellen.
    Wesentlicher Bestandteil meiner Risikominimierung ist neben dem regelmäßigen Austausch über das Thema eben gerade auch dieses "Anderstun".
    Dazu gehört für mich, mich nicht komplett an etwas zu hängen, von dem ich aus Erfahrung weiß, dass es mich in kurzer Zeit wieder belasten könnte, auch wenn's verlockend ist, Konflikte zu lösen und sie nicht unterschwellig zu mir wichtigen Menschen schwelen zu lassen oder bei einem Wort zu bleiben, was ich mal gegeben habe oder nicht hinter jeder Kritik die große Verschwörung zu vermuten und Gesagtes auch mal als das stehen zu lassen, was es ist, Gesagtes. Ich versuche hinzuschauen, ob meine gerade stattfindende Abwehr sinnvolles und wichtiges Grenzenziehen oder ein Rückfall in ein altes nasses Abwehrmuster a la "ich sauf doch nicht!" ist.

    In der ersten Zeit war es für mich ein praktisches Abarbeiten meiner eigenen Vorgaben und sicher etwas holprig hier und da, aber ich kann spüren, wie sich gerade, was das betrifft, für mich sogar sowas wie ne neue Normalität einstellt. Meine "Vorgaben" ergaben sich sehr oft im Austausch.

    Insofern halte ich eine individuelle Risikominimierung, die nicht nur auf Austausch oder Abstand zum Suchtmittel beruht, für unabdingbar. Für mich als Depressive passt das ziemlich ähnlich wie für mich als Alkoholikerin.
    Risikominimierung ist für mich ein Gesamtpaket.

    Gruß Penta

    Hallo Tina,

    auch ich lebe in dieser Konsumgesellschaft, die es nicht ohne Werbung gibt. Werbung gehört für mich dazu und beschert auch mir mir manches "Schnäppchen".
    Allerdings ist für mich mit meiner Geschichte und meinen Erlebnissen Werbung nicht gleich Werbung und was ich für mich heute nicht mehr will, hat nicht zwangsläufig etwas mit meiner "Lebensangst", sondern vielmehr mit Überzeugung zu tun.
    Immer wieder höre ich davon, "ängstlich" zu sein, wenn ich Dinge, die andere ("normale") Menschen tun, nicht tue. Schön, dass es auch an dieser Stelle wieder zur Sprache kommt.
    Alkoholwerbung verbietet sich für mich als trockene Alkoholikerin. Angst hin oder her. Er ist der Stoff, der durch sein Weglassen mein heutiges Leben begründet. Da werbe ich doch nicht dafür.
    Da ist das Argument, dass Werbung generell nicht so dekorativ in meinen vier Wänden wirkt, für mich zweitrangig, erleichtert aber diese Entscheidung.
    Für mich wäre Alkoholwerbung in meiner Wohnung ungefähr so als wenn sich einen Grünen-Politiker mit einem Pro-Kernkraft-T-Shirt in den Bundestag setzt. Mag sein, dass die Grünen "Angst" vor der Kernkraft haben. Unbegründet finde ich persönlich die nicht.

    Gruß Penta

    Hallo Frank,

    ich finde es fast sehr gut, dass du weiterhin eine Fernbeziehung führst, denn allein damit, dass jemand da ist, der "aufpassen" oder dich beschäftigen kann, wirst du deine Saufanfälle möglicherweise nur weiterhin verschieben und die Quartale womöglich nur verlängern bis zum nächsten Mal Alleinsein.
    Risikominimierung bedeutet für mich, erstmal selbst diese "Löcher" für mich zu schließen. Das gelingt manchmal durch Beschäftigung und Sport. Manchmal durch Nixtun.
    Sich allein zu ertragen und auszuhalten, ohne dabei in blinden Aktionismus zu verfallen oder zu beginnen, anderen Idolen oder Menschen hinterher zu laufen oder mich an sie zu kleben, fiel mir nicht so leicht und immer wieder war es ne Herausforderung.
    Inzwischen genieße ich immer öfter diese Alleinseinzeit. Sie ist anders als Gemeinsamzeit, aber nicht wesentlich "schlimmer". Vor allem ist sie durchaus ohne Alk zu bewältigen, denn einen wirklichen Grund für's Saufen gibt und gab es für mich nicht.
    Von einer Wochenendbeziehung in eine zu wechseln, bei der beide immer da und zusammen sind, hat natürlich die Vorteile des Zusammenseins, aber auch dessen Nachteile. Wenn es jetzt Gründe für's Saufen gab, wird es sie dann sicher auch geben.

    Gruß Penta

    Hallo Hartmut,

    ich erwarte von meiner Trockenheit, dass ich ohne Alkohol leben kann. Hätte ich die nicht, würde ich wieder saufen.
    Meinen Wunsch nach einer heilen Welt, in der Probleme und Hindernisse gar nicht vorkommen, habe ich ewig im Alk ersäuft, weil ich erlebte, dass mein Leben so nicht funktioniert. Eben das will ich gerade nicht mehr.
    Probleme und Hindernisse sind immer mal wieder da, also habe ich keine heile Welt. Aber ich lebe wesentlich entspannter als noch vor einigen Jahren.
    Weil ich keine Zeit mehr für irrsinige Träume und die damit verbundene Enttäuschung oder irgendwelche Machtspielchen vergeuden will, hab ich genügend Gelegenheiten, um endlich wieder Hobbies zu pflegen und zu genießen. Ich muss mich nicht mehr wegrauschen, um das Elend der großen Welt, die dann doch nicht heil werden will, zu ertragen.
    Ich glaube, Reinhard Mey meinte mal sinngemäß, je kaputter die Welt draußen wäre, umso heiler müsse sie innendrin sein. So sehe ich das inzwischen auch.

    Gruß Penta

    Hallo Volkmar,

    deine Antwort freut mich.
    Ich halte diese "Diskussionen" nicht für "akademische", denn es geht nicht darum, wer Recht bekommt oder sowas.

    Es ist für mich immer eine Frage meiner Einstellung, welches Bild sich mir ergibt. Ich könnte auch schreiben: Ich sehe, was ich sehen will. Und was nicht sein kann, ist dann eben nicht da (für mich).
    Habe ich gegenüber einer Gefahr schon von vorneherein Zweifel über deren Bestand, werde ich niemals auch nur den leisesten Anlauf nehmen, achtsam zu handeln, geschweige denn, ein Risiko zu minimieren. Wozu auch?! Ist ja keins da.

    Zitat

    das sind m.E. alles akademische Diskussionen, die keinen auf dem Weg ohne Alkohol weiterbringen. Deshalb wollte ich diese auch nicht mehr führen.


    Du musst ja letztlich gar nix. Ich sehe das für mich etwas anders.
    Gerade um das, worüber du hier nicht diskutieren willst, geht es. Zumindest bei mir.

    Penta

    Hallo Carl, entschuldige Volkmar,

    Zitat

    ich kann nicht so ohne weiteres erkennen, dass Volkmar
    unüberlegt und leichtsinnig mit der (Alkohol)Gefahr umgeht.


    das tut er nicht.
    Er schließt eine Gefahr für sich von vornherein aus, indem er sagt, dass es "DAS Risiko" gar nicht gibt.
    Ob das leichtsinnig und unüberlegt von ihm ist, weiß ich nicht. Für mich ist es das.

    Gruß Penta