Beiträge von Penta

    Entschuldige Vollwaise,

    du schriebst gar nicht von Hass, sondern über Verachtung. Aber auch da gilt, was ich zum Schluss schrieb, ich verachte weder dich noch mich.

    Zitat

    Ich bin jetzt seit 2 Monaten trocken und habe eine sehr große Distanz zum Alkohol. Diese hat verschiedene Bausteine, aber eben auch die wirklich abgrundtiefe Verachtung des besoffenen Idioten von damals, der wider besseres Wissen immer weiter und weiter gemacht hat....

    Ich finde mich in der Saufzeit total lachhaft, absurd, ekelhaft und total zum ko..., aber vor allem unendlich dämlich! Ich habe eine stinkende Wut auf mich, dass ich mich erst so spät gegen mich selber durchgesetzt habe und ich könnte mir selber in die Fr..... hauen dafür, dies so lange, bis mir die Faust wehtut.

    Am meisten ekelt mich meine Lügerei mir selbst gegenüber an, die das mit Abstand größte Hindernis war, endlich mit dem Trinken aufzuhören. Wahrscheinlich das einzige Hindernis, Selbstbetrug.... Wenn ich daran denke, überkommt mich eine geradezu rasende Wut mir selber gegenüber.

    Das finde ich auch aus anderer Sicht sehr interessant, denn ich habe seinerzeit ähnliches gefühlt.
    Heute weiß ich, dass ich Verachtung, Wut und Ekel brauchte, um meine Distanz zum Alkohol herzustellen und überhaupt halten zu können.

    Erst nachdem ich auf andere Art und Weise Distanz zum Alkohol hatte, z.B. durch die Gewohnheit an mein alkfreies Leben und das Fortschreiten der Trockenheit (Zeit) legten sich bei mir diese unangenehmen Gefühle meine Saufzeit betreffend. Ich brauchte sie nicht mehr.

    Penta

    Hallo Vollwaise,

    Zitat

    Ich verstehe eben nicht mehr, was einem der Selbstbetrug "Hey Leute, bei mir ist alles OK" bringen soll.... Er ist vielmehr ein sicheres Zeichen für eine riesigen Schritt (zurück) in die falsche Richtung....


    Ich z.B. sehe auch vieles, lese vieles, denke mir dabei vieles.

    Aber bei allem gilt: Zuständigkeit prüfen!
    Ich bin zuständig für MEINEN Selbstbetrug.
    Ich kann ihn unendlich fortführen, wenn ich das will. Da kannst du dich gern auf den Kopf stellen, wenn du magst. Ich tu das, was ich für richtig erachte. Machst du doch auch!
    Wie leicht fällt es dir, Anregungen und Anstöße anzunehmen?
    Bisher hast du z.B. meine Fragen ignoriert. Warum?
    Im Normalfall würde ich darüber hinwegsehen, weil es absolut deine Sache ist, was du tust.
    Aber ich versuche es nochmal, gerade weil ich mir denke: Hey, er ist noch nicht so lange ohne Alk.

    Im Gegensatz zu dir hasse ich dich nicht nicht. Mich im Übrigen auch nicht.

    Grüße, Penta

    Hallo Aliengirl,

    ich war auch die erste trockene Alkoholikerin in meiner Familie.
    Ich habe es aufgegeben, ihnen irgendwas großartig zu erklären. Auch meine Familie trinkt sehr viel.
    Nach einiger Zeit haben sie respektiert, dass ich ihre Feiern verlasse, wenn sie die Flaschen rauskramen oder dass ich mich nicht dazusetze, wenn sie beim Trinken sind.
    Im Sommer richten sie inzwischen alkholfreie Grillabende aus. Keine Ahnung, ob sie trinken, wenn ich weg bin.
    Sie respektieren meinen Lebensstil.
    Sie wollten nie wirklich viel von mir wissen. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht viel bringt, zu erklären. So haben wir unsere Basis eben so gefunden. Respektvoll irgendwie.
    Ich hatte seinerzeit hauptsächlich dieses Forum. Hier bekam ich Anregungen und erhielt Anschluss.
    Hauptsächlich im erweiterten Bereich. Heute bin ich nur sehr selten hier. Jetzt gerade eigentlich nur, weil ich vergangene Woche Zeit zum Lesen und vor ein paar Tagen meinen Trockengeburtstag hatte. Das ist immer so ein Datum, das mich erinnert.

    Ich wünsch dir und deinem Sohn alles Gute auf deinem Weg!
    Penta

    Ja, Aliengirl, das ist es.

    Naja, vielleicht.
    Ich finde, die Ängste sind irgendwie alle gleich. Unsere und die von "denen".
    Was denkst oder dachtest du denn über Leute, die nicht (mehr) mit dir trinken wollten?

    Grüße, Penta

    Hallo Hartmut,

    wenn überhaupt, kann ich mein Risko einschätzen.
    Und das war anfangs recht wackelig, weil ich mich gern überschätzte.
    Das bedeutet, dass ich nicht immer fehlerlos war in der Einschätzung meines Risikos. Es hat ne Weile gedauert, bis mir klar war, dass jedes alkohollastige Umfeld ein Risiko für mich bedeuteten kann.
    Bei irgendwelchen Zweifeln war Sicherheit mein Kriterium und meine Orientierung. Und ich habe oft gezweifelt. Aber es hat irgendwie funktioniert.

    Heute steht die Sicherheit nicht mehr im Vordergrund, wenn ich entscheide, wohin ich gehe oder woran ich teilnehme.
    Mein Leben ist weitestgehend alkfrei. Die wenigen Aktivitäten, bei denen Alk konsumiert wird, besuche ich fast immer in Begleitung von Leuten, die auch keinen Alkohol trinken. Lange halte ich es in einem alkoholgeschwängerten Umfeld nicht aus.
    Ich denke nicht, dass ich mich damit überschätze.

    Gruß, Penta

    Hallo MieLa,

    oder du darfst dich bewusst um deinen seelischen Zustand bemühen.
    :wink:
    Nur nochmal kurz, mir hilft auch heute noch, nicht immer gleich meinem ersten Impuls zu folgen.
    Manchmal ist es hilfreich, (wie ein Kollege von mir oft sagt) erstmal locker durch die Hose zu atmen.
    Außerdem war anfangs meine Wohnung durch ihre Alkfreiheit ein sicherer Ort. Es war nicht möglich, schnell an Stoff zu kommen.

    Viele Grüße nochmal und alles Gute beim Erforschen deines seelischen Zustandes.

    Grüße, Penta

    Hallo Maria,

    ich wollte einen Gruß hierlassen und dir schreiben, dass ich mich nicht nur ein bissi :wink: gefreut habe, von dir zu lesen und dass es dir offenbar gut geht.

    Viele Grüße und bis dann denn,
    Penta

    Hallo MieLa,

    ich finde deinen Namen auch wirklich schön. Und willkommen möchte ich dich auch heißen.
    Ich mag Menschen, die sich "analysieren". Man kommt damit zwar nicht immer groß raus, aber ich erlebe immer wieder, dass mir genau das guttut.

    Zitat

    Ich hatte keine größeren Aufregungen - weder beruflich noch privat. Aber wie werde ich reagieren, wenn so eine Aufregung kommt? Reicht meine Selbstanalyse aus oder brauche ich präventiv professionelle Beratung? Wie hast du es gemacht? Wie habt ihr anderen es gemacht, die ihr gerade mitlest?


    Bei mir war es so, dass kurz nach meiner Trockenheit eine Situation eintrat, in der ich dachte, sie würde meine Existenz bedrohen.
    Sie dauerte viele Monate an, löste sich aber irgendwann auf.
    Mir half sehr, dass ich zu dieser Zeit bereits ein Umfeld hatte, das entspannt und "sicher" für mich war. Es gab Menschen, mit denen ich reden konnte, ohne viel zu erklären. Außerdem wusste ich recht gut, was mir guttut und hatte Möglichkeiten zum Abschalten in der Freizeit. Bei mir war und ist es das Rumwerkeln an meinem Heim oder der Aufenthalt in der Natur. Entweder mit dem Rad oder zu Fuß.
    Ich legte bewusst Pausen ein und verschob belastende Gedanken. Freitags läutete ich ganz bewusst das Wochenende ein, indem ich z.B. auch meine Sorgen auf Montag verschob.
    Die Möglichkeit professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ließ ich mir immer offen. Ich gestatte mir diese Option regelrecht. In Anspruch genommen habe ich sie nicht.

    Ich wünsche dir in diesem Sinne ein schönes Wochenende,
    Penta

    Hallo Vollwaise,

    deinen Verbesserungsvorschlägen für das deutsche Gesundheitssystem kann ich nichts hinzufügen. Ich finde sie klasse.
    Wie wirst du dich konkret einbringen und etwas anschieben? Gründest du eine Initiative? Trittst du einer Partei bei, die nicht an der Groko beteiligt ist? Gründest du eine SHG oder einen Verein zur Unterstützung von Alkoholikern, die aus dem Entzug kommen?
    Möglichkeiten gibt es viele. Welche nimmst du in Angriff?

    Bei Aliengirl schriebst du folgendes:

    Zitat


    Es ist super und es wird Dich irre nach vorne bringen, wenn Du, wie Du nun vorhast, ganz klar sagst, was Phase ist: Du willst und wirst keinen Alkohol mehr trinken, weil Du Alkoholikerin bist und dies nicht mehr sein willst!


    Willst du kein Alkoholiker mehr sein?

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Aliengirl,

    auch von mir willkommen hier!

    Für mich war es sehr wichtig, meinen Leuten zu sagen, dass ich Alkoholikerin bin und vor allem: immer bleiben werde. Ohne wenn und aber.
    Mit meiner Großen gingen viele Gespräche sogar noch ein Stück weiter. Wir redeten oft darüber, was passieren kann, sollte ich rückfällig werden. Sie litt sehr unter meiner Sucht und der Gedanke, dass ich mein ganzes Leben Alkoholikerin bleibe, war für sie zunächst sehr beängstigend.
    Der Rest meiner Familie war recht skeptisch. Das legte sich mit der Zeit.
    Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück für deine Gespräche!

    Viele Grüße
    Penta

    Hallo Hull,

    ich finde nichts Schlimmes daran, bestens über sich informiert zu sein. Leider ist mir diese Gabe aber nicht vergönnt.
    Ich wollte niemals Alkoholikerin werden. Dennoch wusste ich, dass ich eine werden könnte, sollte ich (zu) viel Alkohol trinken.
    Ich spielte Russisch Roulette, hatte verloren und war eine schlechte Verliererin. So ungefähr.

    Gruß, Penta

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier nochmal ein Thema eröffne, aber ich versuche es nochmal.

    Zitat von Hull

    Berichte doch mal darüber, wie es dazu kommt, dass das frustrierend ist? Ich habe diesen Gedanken nie kennengelernt, da mir schon im Jugendalter klar war, diese Substanz anders zu konsumieren als andere Personen.

    Hallo Hull,

    Meine Sicht darauf, wie ich den Moment wahrnahm, dass ich Alkoholikerin bin, veränderte sich mit der Zeit.
    Und ja, ich muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass ich als frisch Angetrocknete diesen Moment anders wahrnahm, als ich ihn heute für mich mit etwas Abstand beschreibe.
    Während meiner Saufkarriere bezeichnete ich mich nicht immer als Alkoholikerin.
    Zunächst war ich es ja auch nicht. Ich trank grenzwertig, ja. Aber ich nahm meine Abhängigkeit vom Suchtstoff erst wahr, als sie bereits da war.
    Der Weg vom Missbrauch zum unkontrollierten Trinken dauerte viele Jahre, nahm aber zum Ende hin an Fahrt auf. Mehr Stoff, kürzere Pausen, tiefere Rausche, heftigere Angstattacken am nächsten Morgen...

    Die tatsächliche Erkenntnis Alkoholikerin zu sein, ist für mich nochmal etwas Anderes, als mein Gerede von Abhängigkeit kurz vor meinem Ausstieg. Da hatte ich für mich, wenn überhaupt, dann „ein Problem“ mit oder ohne Alkohol, wie man es sehen will.
    Ich zwang mir den Titel Alkoholikerin auf, als ich begann hier zu schreiben. Wo ich konnte, erwähnte ich ihn, um mich selbst daran zu gewöhnen. Damit zusammen hingen alle „Maßnahmen“, die nur Alkoholiker treffen, um mit dem Trinken aufzuhören (Grundbausteine). Heute nenne ich das die Konsequenz aus dem Eingeständnis Alkoholikerin zu sein.
    Dass ich diese Maßnahmen dringend benötigte, war mir nach einigen Tagen ohne Alkohol sehr klar.

    Meine erste Zeit ohne Alkohol war von großen Zweifeln geprägt, ob ich es jemals hinkriegen würde.
    Ich sah mich als Versagerin. Dazu kam, dass ich keine Ahnung hatte, warum die Trockenen in diesem Forum sich derart feierten und keine Gelegenheit ausließen, das schöne neu gewonnene Leben zu loben, denn ich quälte mich gerade und fand nicht viel bis gar nichts schön und toll.
    Wenn es mir damals bewusst gewesen wäre, hätte ich wohl zugeben können, dass mir das nun auch mir anhaftende Stigma Alkoholikerin zu schaffen machte. Dahinter steckte meine Eitelkeit und irgendwie auch die Angst vor der nicht zu übersehenden Wahrheit.

    Ich wählte die Offensive. Ich habe keine Ahnung, warum ich das tat.
    Ich sagte, dass ich Alkoholikerin bin und verbot mir irgendein „Aber“ dahinter. Immer wieder.
    Das empfand ich als sehr lästig und anstrengend. Erst recht, wenn irgendwer meine Selbstzweifel wieder dadurch weckte, dass er mir bescheinigte, dass ich keine Alkoholikerin sei. Es war Kampf. Und es war manchmal auch Quälerei.
    Irgendwann fühlte ich nichts mehr bei dem Satz: Ich bin Alkoholikerin. Ich bin es.
    Ob trocken oder nicht, erwähne ich heute nur sehr selten. Seit wann, fast nie.

    Wie habt ihr diese Erkenntnis für euch wahrgenommen?
    Gab es überhaupt so einen „Knackpunkt“ oder war es ein fließender Übergang?
    Ich würde mich freuen, wenn andere hier auch ihr Erleben schildern, ohne meine Fragen im Katalog abzuarbeiten.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Hartmut,

    als ich begann trocken zu werden, habe ich überhaupt nicht verstanden, warum die Langzeittrockenen so sehr drauf pochen, lange Zeit trocken zu sein.
    Seinerzeit waren unter ihnen welche, die mir erklärten, dass es keinen Sinn macht, mich nach anderen, schlimmeren Alkoholikern umzuschauen oder eine Statistik nach der anderen zu wälzen, damit ich mich eventuell mit irgendwelchen schlauen Theorien hervortun und damit meine noch recht kurze Trockenheit etwas strecken könnte.
    Ich denke noch sehr oft an sie.
    Es war kränkend für mich, immer wieder zu spüren, dass ich Anfänger war. Ich möchte fast sagen, dass es ähnlich frustrierend für mich war, wie die Erkenntnis Alkoholikerin zu sein.
    Der schöne Schein war weg, der Lack bröckelte. Mein Drama damals: Ich konnte keine Einser-Schülerin sein, denn dazu mir fehlte der Schein der Langzeittrocknung. Bitter.
    Ich hab's tatsächlich überlebt.
    Es wurde ab da besser, als es mir wirklich (!) wurscht war, was andere über mich denken. So entstand Raum, um mich um mich zu kümmern.
    Ich tat das, was seinerzeit ebenfalls oft Thema war in diesem Forum - ich versuchte mich auf mich zu besinnen.
    Es waren dieselben Langzeittrockenen, die mir klar machten, dass es nicht auf die Show ankommt, sondern einzig und allein darauf, trocken zu werden.
    Gerade das, was piekste, sammelte ich auf und veruchte es zu bearbeiten. Ohne Show, ohne Ausweichen, ohne Spielchen. In der Selbstverarschung war ich jahrelang Künstlerin. Das wollte ich nicht fortführen. Also tat ich es auch nicht.
    Ich kann nicht genau sagen, ab wann es besser wurde.
    Heute weiß ich, dass die Erkenntnis, nicht allwissend zu sein und vor allem: nicht allwissend sein zu müssen und mich nicht mehr so wichtig zu nehmen für mich mindestens so wichtig war, wie die Trocknung. Ich würde sagen, sie gehört bei mir dazu.
    Ich muss weder Recht haben noch muss ich Erste sein oder jemandem etwas beweisen (außer mir selbst).
    Und genauso muss niemand mir irgendwas beweisen.
    Vollwaise schrieb neulich erst wieder etwas von "Hochdienen" zu den Langzeittrockenen. Gott bewahre!
    Ich freue mich ehrlich für jeden, der beginnt, sich selbst tatsächlich zur Disposition zu stellen und sich auf den Weg macht, denn ich habe erlebt und erlebe heute immer noch, wie wohltuend manche Erkenntnis für mich ist.

    Ich möchte nie wieder der Oberflächlichkeit verfallen, die mich jahrelang ausmachte und mich fleißig bei der Sucht hielt.
    Ich will nicht alles und jeden Fussel bearbeiten und am Ende für irgendwas ne Eins in Mitarbeit kriegen. Is mir viel zu anstrengend.
    Mir genügt, heute trocken und dabei sogar noch zufrieden zu sein.

    Grüße, Penta

    Hallo Tom,

    darauf vorbereitet zu sein, finde ich sehr wichtig.

    Zitat

    War ein grober Fehler. Daraus lernt man.


    Das schriebst du nach der letzten Feier, auf der es Sekt gab und du in der Folge mit Suchtdruck zu kämpfen hattest.
    Lerne!
    Eventuell ist es hilfreich, nicht nach, sondern vor solchen Events hier zu schreiben und Strategien zu erarbeiten?
    Ich habe es so verstanden, als ob auch das jetzt nichts Ungeplantes war.

    Ich denke, niemandem ist mit Rasuren oder Schaufeln hier geholfen. Du möchtest trocken leben. Das kann auch recht stressfrei funktionieren. Allerdings gibt es das nicht zum Nulltarif.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Cadda, entschuldige Vollwaise,

    Zitat

    Allerdings verändern sich diese Situationen vermutlich im Laufe der Jahre.


    bei mir war es so. Es dauerte Jahre.
    Was für mich heute gut ist, war es damals nicht so.
    Für mich war und ist sehr wichtig, mir über all das Gedanken zu machen und mich darüber auszutauschen, warum ich etwas wie tue.
    Am Anfang meiner Trockenheit sah ich in meinem Ausweichen vor mir selbst eine große Gefahr. Da fiel mir Offenheit noch ziemlich schwer.

    Gruß Penta

    Hallo Vollwaise,

    Blumen bringe ich nicht vorbei, aber meine Erfahrungen möchte ich gern hierlassen.
    Ich gehe offen mit meinen Erkrankungen um.
    Anfangs habe ich versucht, vielen von mir zu erzählen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es gar nicht alle interessierte. Manche glaubten mir nicht. Andere lenkten umgehend vom Thema ab.
    Ich erzähle heute nicht jedem, dass ich Alkoholikerin bin.
    Als ich nass war, war mir ziemlich wichtig, was andere sich vielleicht von mir zusammen denken könnten.
    Heute ist es mir vollkommen wurscht, ob ein Fremder aus meiner Ablehnung von Alkohol oder wegen irgendwelcher "Gerüchte" denkt, dass ich eventuell Alkoholikerin wäre. Warum auch?! Ich bin ja eine.
    Und warum sollte ich den Arbeitskollegen, die früher meine Fahne gerochen haben, heute was erklären? Sie riechen schon seit Jahren keine Fahne mehr. Jedenfalls nicht bei mir. Das ist mir wichtiger, als alles Lamentieren.
    Es geht fremde Leute einen Sch... an, ob ich trockene Alkoholikerin bin. Es genügt, wenn sie mir keinen Alkohol anbieten. Das tun sie nicht.
    Genauso geht es andere auch nicht an, mit wem ich verheiratet bin und welche Krankheiten ich noch so habe.
    Etwas Anderes ist es, wenn ich das Gefühl habe, jemand interessiert sich für mich und ich komme ins Gespräch. Freunde, Familie und direkte Arbeitskollegen wissen natürlich, was mit mir los ist. Das betrifft aber nicht nur den Alkoholismus, sondern alles andere auch.
    Es ist nicht nur am Arbeitsplatz meine Sache, was ich erzähle. Es ist generell meine Sache, was ich wem erzähle. Das bedeutet aber nicht, dass ich lüge. Was ist das auch für ein schräger Zusammenhang.
    Offenheit ist ganz klar ein sehr wichtiger Grundbaustein. Es ist wichtig, sich ein sicheres (trockenes) Umfeld aufzubauen. Das funktioniert nicht ohne Offenheit. Wenn du es so handhabst, dass du vielen von deinem Alkoholismus erzählst, bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite.
    Ich habe das anfangs auch so gemacht, weil ich es seinerzeit für mich so entschieden habe.
    Ich werde es heute weiter so halten, dass ich entscheide, wem ich was von mir erzähle. Dass ich Alkoholikerin bin, steht nicht mehr ganz oben auf meiner Liste. Das hat sich mit der Zeit verändert. Erstens komme ich sehr selten bis gar nicht in die Situation, Alkohol ablehnen zu müssen und zweitens ist Alkohol bei vielen Menschen, mit denen ich heute zu tun habe, gar kein Thema.
    Ein Rückfallrisiko sehe ich darin nicht, sondern eine weitere Sicherheit durch mein inzwischen verändertes Umfeld, mein erholtes und gestärktes Selbstvertrauen und meine wachsende Unabhängigkeit von Meinungen anderer.
    Bei den meisten Menschen, mit denen ich heute zu tun habe, muss niemand erklären, warum er keinen Alkohol trinkt. Es ist normal. Unabhängig davon, ob jemand Alkoholiker ist. Ich habe Bekannte, die keinen Alkohol trinken, von denen ich nicht weiß, ob sie trockene Alkoholiker sind. Mir ist das nicht wichtig. Ich bin einfach nur gern mit ihnen zusammen.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Aliengirl,

    willkommen hier.
    Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich mich zu Beginn meiner Trockenheit in einer Trinkpause sah.
    Genau genommen, war es auch nichts anderes. Ich habe, wie viele Male vorher auch, aufgehört Alkohol zu trinken. Ein Leben komplett ohne Alkohol konnte ich mir für mich nicht vorstellen. Auch das war nicht anders als in den Trinkpausen vorher. Und etwa eine sinnvolle Freizeitgestaltung oder neue Freunde waren auch nicht auf Schlag da.
    Außerdem war ich mir dessen bewusst, dass ich sofort wieder im alten Trott wäre, würde ich mir Alkohol besorgen.
    Dazu kam, dass mir niemand in meinem Umfeld zutraute, dass ich nun dauerhaft trocken bleiben würde.
    Mir hat genau das geholfen, weiter am Ball zu bleiben, deshalb versuchte ich die jetzige Trinkpause anders zu gestalten als alle vorherigen.
    Früher hatte ich nie in einer Trinkpause eine alkoholfreie Wohnung, ich ging fleißig weiter auf Partys und ich erzählte niemandem davon, dass ich Alkoholikerin bin.
    Erst dadurch, nicht durch den Plan, für immer trocken zu werden, wurde die jetzige Trinkpause anders. Um mir den Druck zu nehmen, dachte ich nur an die nächsten 24 Stunden. Und so wurden aus vielen 24 Stunden inzwischen einige Jahre.
    Heute ist es mir egal, ob ich in einer Trinkpause oder dauerhaft trocken bin. Wenn ich es genau betrachte, befindet sich wohl jeder trockene Alkoholiker in einer Trinkpause.
    Die alkoholfreie Wohnung, der alkoholfreie Freundeskreis und die anderen Partys sind heute normal für mich. Ich fühle mich gerade mit diesen Dingen, die mir anfangs schwer fielen und mich trocken halten, sauwohl.
    Du hast den Anfang gemacht. Weiter geht's!
    Ich wünsche dir einen schönen trockenen Tag,
    Penta