Beiträge von Penta

    Hallo Manni,
    ich bin wirklich beeindruckt davon, wofür solche Dinge wie Meditation und Yoga regelmäßig herhalten dürfen.
    Bei dir sind sie nun mal "Rädchen" (etwa Waffen? :?) in einem Kampf gegen den Gegner Alkohol.
    Okay.
    Zweifelhaft bleibt nach wie vor für mich deine Intention hier zu schreiben.
    Schönen Gruß, Penta

    Hallo pingi,

    zu Beginn meiner Trockenheit litt ich sehr unter Schuldgefühlen und Selbstmitleid.
    Ich habe eine Tochter, die die volle Breitseite meiner Depression und der Alkoholabhängigkeit ab bekam und nicht unbeschadet aus meiner Geschichte heraus kam.
    Inzwischen geht es ihr gut und mir auch. Wir haben wieder Kontakt. Vielleicht sogar so ähnlich wie der zwischen anderen Töchtern und Müttern.
    Aber da sind ne Menge Verletzungen. Da ist ne Menge verlorenes Vertrauen.
    Nichts davon ist irgendwie weg zu diskutieren oder weg zu erklären. Auch nicht durch das Argument, dass ich krank bin.
    Ihre Verletzungen sind da. Und das Vertrauen kann vielleicht wieder neu entstehen und das tut es wohl auch mit jedem Tag, jeder Woche, jedem Monat, jedem Jahr, das anders ist als das, was sie und ich früher kannten. Dafür kann ich nun sorgen, indem ich für mich sorge.
    Manchmal kommen auch heute noch in mir Schuldgefühle auf. Ich weiß nicht, ob sich das mal ändert.
    Daran, weiter zu machen und abstinent zu bleiben, hindern sie mich nicht. Ganz im Gegenteil.

    Gruß, Penta

    Hallo Marco,

    Zitat

    Natürlich kommen und gehen Gefühle oder diese Tiefs eben, aber wenn ich damit länger als Wochen konfrontiert bin...


    .... auch dann kommen und gehen sie. Dass sie kommen und gehen, sagt ja nichts darüber aus, wie lange sie bleiben oder weg sind. Meine Depressionen dauerten viele Jahre.

    Gestern war nun ein besserer Tag.
    Was heute kommt, werden wir alle sehen. Jeder für sich.

    Ich erwarte von meiner Abstinenz Abstinenz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Für mich ist es wichtig, mir genau das immer wieder bewusst zu machen.
    Ich will nicht in irgendeine Nichterwartungshaltung geraten, sondern genau hinschauen, welche Erwartungen realistisch und welche überzogen sind. Die Abstinenzerwartung kann ich heute für mich erfüllen. Dafür "brauche" ich erst mal nichts, außer der Überzeugung, es auch zu können. Es ist machbar.
    Bei einem Vorsatz zu bleiben ist für mich einer der Nebeneffekte der Abstinenz, die ich zwar nicht erwarte, aber als Sahnehäubchen für mich gern mitnehme.
    Ich trinke heute nichts. Das weiß ich. Wie der Tag sonst so wird, weiß ich vielleicht heute Abend. Das reicht.

    Und was ist, wenn heute Abend wieder ein schlechterer Tag ist? Ist dann der lustlose Zeitvertreib wieder minderwertiger als das Trinken?
    Was, wenn dich doch der Mut verlässt?

    Schönen Tag dir, Penta

    Hallo Marco,

    Zitat

    heute war ein besserer Tag.


    das freut mich wirklich sehr für dich!

    Vielleicht kann das ja als Beweis dafür gelten, dass Gefühle tatsächlich kommen und gehen?
    Das im Hinterkopf zu behalten, bewahrt mich manchmal vor Prophezeiungen wie deiner von gestern, dass sich auch am nächsten Tag nichts ändern würde.
    Auch so ein Tag hat ja zunächst mal ne Chance verdient. Erst recht, wenn er noch nicht mal begonnen hat. Oder so.

    Schönen Abend dir, Penta

    Hallo Marco,

    ich halte absolut gar nix davon, mir irgendwas zu verbieten. Das erzeugt bei mir den totalen Druck und damit meistens Frust.
    Ich darf zweifeln! :wink:
    Nur tu ich es nicht, wenn es ums Trinken geht.
    Du darfst es nicht und tust es scheinbar doch... :?

    Trinken steht für mich als Alternative für das, was ich tue, wenn es mir mies geht, nicht mehr zur Debatte. Es steht auf der Palette der Dinge, die ich tun will (!) nicht mehr zur Verfügung. Da ist inzwischen vieles, auch Langweiliges oder Notwendiges, nur nicht das!

    Ich könnte dir hier nun versprechen, dass alles gut wird. Mach ich aber nicht.
    Aber vertrau mal auf das, was noch kommt und vor allem auf das, was du da tust.
    Das is echt ne Menge.
    Mir hat das Schreiben hier immer sehr geholfen. Für die Leser war es sicher oft ne Zumutung, aber es sortierte sich bei mir tatsächlich eins nach dem Anderen.
    Von vollkommen planlos kam ich zu Plänen und von vollkommen verpeilt zu dem, was ich wirklich will.
    Das kann klappen, bleib dran!

    Viele Grüße dir, Penta

    Hallo Marco,

    Zitat

    Meine Gedanken sind im Moment das einzige was mich vor einem Rückfall bewahrt.


    Das stimmt insofern ja nicht ganz so, als dass du bisher doch noch nix getrunken hast. Noch haste ja nix getan, also sind es ja nicht nur die Gedanken.

    Was macht lustlosen Zeitvertreib minderwertiger als Trinken?

    Macht der neue (trockene) Zustand Angst?
    Nimmt das Trinken diese Angst vielleicht, weil es die "bekannte" Lösung ist?

    Zitat

    Bisher hast du dich dagegen entschieden. Zweifelst du das nun an?


    Wie sieht's aus?

    Wenn du heute Abend nichts trinkst, hast du zumindest einen weiteren trockenen Tag geschafft.
    Auf diese Art und Weise habe ich Monate verbracht.... :oops:

    Gruß, Penta

    Hallo Marco,

    keine Ahnung, ob ich eine Suchtverlagerung erlebt habe, denn ich trank auch in nassen Zeiten viel Kaffee und rauchte.
    In meinen ersten Monaten ohne Alk trank ich fast nur Tee. Das lag daran, dass es mir seelisch nich so dolle ging und ich eigentlich weder essen noch trinken wollte oder konnte. Ebenso rauchte ich zunächst fast gar nicht.
    Wenn ich jedoch zu viel Kaffee trinke oder rauche oder im Internet surfe, weiß ich heute immer öfter, warum das so ist.
    Ich versuche heraus zu finden, warum ich etwas nicht tue, was ich auf der anderen Seite gern tun würde.
    Meistens verstecken sich dahinter bei mir ganz erhebliche (oft überzogene) Erwartungen an das zu erzielende "Ergebnis". Mal soll das, was ich tun will, mir gefallen, möglichst noch bevor ich beginne. Dann soll es mir zumindest währenddessen unglaublich fantastisch gut gehen....
    Besser "fahre" ich im Zweifel mit etwas, was mich vom übermäßigen Genuss ungesunder Dinge abhält und dabei hilft, z.B. den Tag zu verbringen. Für mich als Depri ist jeder Tag ohne das graue Nix schon oft ein sehr, sehr guter Tag gewesen.
    Und vieles, was ich so tat, entpuppte sich am Ende als echter Genuss statt des erwarteten Zeitvertreibes.
    Viel mehr erinnert mich dein Geschriebenes an andere Diskussionen hier, bei denen es um den Verzicht ging. Es scheint für dich bisher noch keine wirkliche Alternative zum Alkohol zu geben, wenn du tatsächlich darüber nachdenkst, dir Bier zu kaufen?
    Es ist ja nicht irgendeine Seele, die das Bier im Falle des Falles kauft, sondern es wäre deine Entscheidung und du würdest sie ausführen. Bisher hast du dich dagegen entschieden. Zweifelst du das nun an?

    Gruß Penta

    Hallo Bruce,

    unser Zusammentreffen war für mich hier etwas Besonderes, denn es geschah in einer für mich ziemlich "wilden" Zeit. Das werde ich nicht vergessen.
    Danke dir.

    Penta

    Hallo Marco,

    klar, kannst du ne Depression haben. Ob es so ist, sollte ein Fachmann abklären.
    Ich hatte oder habe vielleicht immer noch Depressionen. Schon seit meiner Jugend. In der Spitze war ich dabei meinen Abgang ernsthaft zu planen.
    Aber vollkommen unabhängig von der Depressions-Diagnose ist es wohl so, dass viele Alkoholiker im Suff einer Realität zu entfliehen versuchen, die sie nicht ertragen. Bei mir war es so, dass der Alkohol ein Loch füllte, das schon lange vorher entstand und nun natürlich anders gefüllt werden muss. An dieser Stelle gab es vorher nix, dann kam der Alk und nu?!
    Ne ganz große Rolle spielte bei mir dabei, meinen Zustand zu keiner Zeit als okay akzeptieren zu wollen. Immer schielte ich woanders hin und suchte Möglichkeiten, nur um möglichst niemals akzeptieren zu müssen, was gegeben war. Das klappte mit Alkohol grandios. Nur machte er mich süchtig... Sch...!
    Mein Problem ist zwar schon auch der Alkoholismus. Aber eben auch, oder gerade, mein Unvermögen, mich mit allem zu akzeptieren. Das betrifft, die Anteile in mir, die ganz passabel sind, genau so wie die Anteile in mir, die mir nach wie vor das Leben an manchen Stellen schwer machen. Ich bin z.B. dabei zu akzeptieren, dass ich mir hin und wieder selbst im Wege stehe. Bei einer Lösung hin zur Veränderung bin ich (noch) nicht. Vielleicht erreiche ich sie nie. Das kann ich aber derzeit gut akzeptieren, ohne mich dafür selbst zu verurteilen oder zu verletzen oder was auch immer. Ich bin eben nicht perfekt und habe den Versuch endgültig aufgegeben, es werden zu müssen.
    Deshalb ist es für mich heute auch nicht nötig zu saufen oder mir mein Hirn anders wegzuballern.
    Mir hilft es übrigens gar nicht, wenn mir jemand in einer schwierigen Phase mit dem grandiosen Tipp kommt, mal an was Schönes zu denken. Ganz im Gegenteil.

    Gruß und ein schönes Osterfest dir,
    Penta

    Hallo,

    ohne jetzt hier auch nochmal meine Meinung zu Geschriebenem zu äußern, möchte ich nur mal darauf hinweisen, dass das hier ein Erfahrungs-Austausch ist.
    Unabhängig davon müssen einige Dinge konkret angesprochen werden, besonders wenn es sich um gefährliche Lebenssituationen oder Gewalt dreht. Gar keine Frage.

    Und dennoch fällt es mir als Nicht-Co auf, wenn plötzlich jemand bei den Cos zum Powerposter wird.
    Mich erinnert es an meine eigenen Situationen, in denen ich einen Abend lang soff und nicht aufhören konnte, über ein Thema zu referieren, den Rausch.
    Und immer gab es den "Grund" dafür.
    Hinter ihm habe ich mich lange versteckt, besonders dann, wenn es darum ging, meinen Rausch zu rechtfertigen. Was passt da besser als tatsächliche Ungerechtigkeiten oder vielleicht hier jetzt Gefahren oder Gewalt?
    Ich will hier keinem zu nahe treten und schon gar nicht irgendwas verharmlosen. Aber vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, dass der eine oder andere auch mal wirklich bei sich schaut.

    Gruß, Penta

    Hallo Engel,

    es tut mir sehr leid, dass es mit der Verabredung mit deiner Tochter nicht geklappt hat.
    Dass die Gedanken unkontrolliert "wandern", kenne ich auch. Das tun sie bei mir weniger, wenn ich etwas tue, was mich wirklich irgendwie "beansprucht", beim Radfahren z.B. oder beim Heimwerkeln, Papiere sortieren oder Lesen, aber auch unter Menschen.
    Zumindest steht der Versuch "Alkoholiker verstehen" nicht mehr auf deiner Liste. :wink:
    Aber die Suche nach Alternativen ist vielleicht auch schon ne sinnvolle Beschäftigung für die sonst unkontrolliert wandernden Gedanken.
    Ob nun mit oder ohne deine Tochter, Frei-Zeit darf es ja in jedem Fall sein, oder?
    Ich wünsch dir alles Gute!
    Penta

    Hallo WeinenderEngel,

    ob eine Tochter immer die beste Ansprechpartnerin für die Probleme der Mutter ist, weiß ich nicht.
    Aber wenn du sie besuchst und mit ihr über deinen LG und seine Alkoholsucht sprichst, dann kannste ihn auch gleich selbst mitnehmen. Er sitzt dann zwar nicht persönlich mit am Tisch, ist aber immer dabei.
    Ihn eben nicht überall mit hin zu nehmen, ist eine Form des Loslassens. Nimm dir frei von deinen Sorgen und Ängsten, genieß einfach mal die Frei-Zeit.

    Gruß, Penta

    Hallo Olli,

    ich finde dieses Forum besser als ne reale SHG. Ich finde es auch besser als andere Foren zu dem Thema, die ich bisher gesehen habe, deshalb bin ich hier und nicht woanders.
    Mein Austauschbedürfnis hat sich jedoch mit der Zeit gewandelt. Es war lange so, dass ich viel schrieb und fragte und antwortete. Mir hat das sehr geholfen und nicht zuletzt wurde ich mit Hilfe dieses Forums trocken.
    Anfangs besuchte ich parallel dazu noch ne reale Gruppe und besuchte einige Male die Suchtberatung. Reale Gruppe und Suchtberatung gibt es für mich nich mehr, das Forum schon. Zwar anders, aber immerhin.

    Gruß, Penta

    Hallo Engel,

    Zitat

    Ok, auch wenn ich Ihn verstehen würde, würde das von meinen Ängsten nichts ändern.


    naja, zumindest stehen da nun schon mal die Ängste. Ich gehe mal davon aus, dass es eigentlich hier heißen müsste: Wie werde ich meine Ängste los?
    Da gibt es nämlich noch sinnvollere Methoden als einen Abhängigen verstehen zu wollen.
    Du kannst aktiv etwas dafür tun, dass deine Ängste sich ändern. Wenn du den Fokus dorthin legst, wirst du vielleicht einen Weg aus der Sackgasse, was das Projekt Alkoholiker verstehen nämlich ist, finden.
    Das darfst du!

    Gruß, Penta

    Hallo Marco,

    es freut mich sehr für dich, dass du diese positive Erfahrung machen konntest.

    Zitat

    Ich habe meinen Alkoholismus mir und auch jemand anderem eingestehen können und mich damit wieder ein Stück weiter befreit seelisch.


    Das kann ich sehr gut nachempfinden, mir ging es in vergleichbaren Situationen ganz ähnlich.
    Ne angenehme Woche wünsch ich mal.
    Penta

    Hallo Engel,

    Zitat

    Dumm gell?


    nee, ich find' das nich dumm!
    Nur bezweifle ich, dass du nicht mehr "durchdrehst", wenn du dann verstehen würdest.
    Der Weg ist so lang, die Anstrengung sehr groß und das Ende (dass du tatsächlich verstehst) total ungewiss, denn auch mir ging es zum Beispiel so, dass ich vieles, was mich betraf und besonders mein Saufen, nicht verstand.
    Es besteht die Gefahr, dass dir die Luft ausgeht, während du alle Kraft dafür aufwendest, etwas fast Unmögliches zu bewältigen und noch bevor es klappt, klappst du ab.
    Selbst heute bin ich nicht hinter alles gestiegen, was mich manchmal so umtreibt. Wie soll das jemand Anderes verstehen?! Und dann noch jemand, den fast alles verletzt, was ich tue?!
    Ich sage nicht, dass jemand dieses oder jenes niemals verstehen kann, aber ich denke, dass es unmöglich wird, so lange jemand verletzt oder instabil oder labil oder wie auch immer ist.
    Ich habe mir tatsächlich abgewöhnt, alles verstehen zu wollen. Ich schaffe das nicht.

    Gruß, Penta

    Hallo weinender Engel,

    für mich wäre die Frage wichtig, was sich für mich ändert, wenn ich denn verstehe.
    Der Suff, die Aussetzer mit Polizei, Schlägerei, freiwilligem Gang in die Psychiatrie würden ja bleiben, nur du würdest es verstehen.
    Ist es das, was du dir für deine Zukunft wünscht?

    Gruß, Penta

    Hallo Jim und willkommen hier.

    Sicher genügt allgemein auch ein "Ich trinke nichts", wenn ich aushalten kann, dass die dummen Sprüche dann aber wahrscheinlich nicht aufhören.
    Aber wenn ein Partner seiner Partnerin nicht von einer erheblichen Erkrankung erzählt, finde ich das schon recht merkwürdig.
    Ich möchte wissen, was mit dem Menschen los ist, mit dem ich beabsichtige, mein Leben zu verbringen und wäre wahrscheinlich enttäuscht, wenn mir wichtige Informationen vorenthalten würden, wozu ich die über eine Alkoholismus-Erkrankung durchaus zähle.
    Außerdem kommt hinzu, dass gerade beim Trockenwerden das Umfeld sehr gut bei der Loslösung vom Suchtstoff und bei der Stabilisierung helfen kann, indem es die Maßnahmen mitträgt, die der Alkoholiker für sich beansprucht.
    Der nächste Punkt ist eben der, tatsächlich sein Verhalten zu ändern. Geheimniskrämerei gehört zum Alkoholismus für mich genauso dazu wie der Stoff selbst. Und unter die Kategorie "Nur nicht trinken reicht nicht" gehört für mich eben auch die mit der Sucht verbundenen Verhaltensweisen zu sehen und ggf. zu ändern.
    Bei der Offenheit bezüglich des Alkoholismus geht es nicht darum, jedem auf die Nase zu binden, was mit einem los ist. Es geht darum, sich durch Informationen ein Netzwerk aufzubauen, das ggf. unterstützt und hilft und nicht aus Versehen oder Unwissenheit das Trockenwerden oder -bleiben boykottiert.
    Gruß, Penta