Beiträge von kaltblut

    Hallo Blaubärchen,

    dürfen sich Kerle auch melden? Normal ist, dass Kerle und Frauen anders konstruiert sind und das auch immer bleiben werden und wenn ich nicht gerade irgendwie beschäftigt bin, dann denkt mein Hirn an die Streuung meiner Kaltblutzellen, beeinflusst durch Größe, Stärke und Ausdauer und wenn einer dieser Komponenten nicht mehr funktioniert, dann liege ich im Evolutionsknick. Das war normale Denke, bis ich anfangen durfte anders denken zu lernen.

    Als ich in das Forum kam, las ich gerade ein Buch über Liebe, Beziehung und Kommunikation. Wir hatten schließlich eine enge, intime, umschlungene, auch wilde und abwechslungsreiche Ehe, gehabt. Infarkt, Suff, Medikamente hinterließen Spuren, wobei ich mir nicht vorstellen konnte, dass meine Frau plötzlich keine Lust mehr haben konnte. Kerl ist klar, geht nix, geht nix, aber Frau?

    Als ich das Buch fertig hatte, stand fest, dass der Autor ein Spinner sein musste, dem nach hatten wir weder Kommunikation, die Grundlage jeder Beziehung, noch Beziehung, noch Liebe, noch Hin- und Her, alles futsch. Ich habe mir damals eine geistige Kommunikation eingebildet, auf einer höheren Ebene, Paranoia trifft es eher. Das ist so wie Lotto spielen. Millionen sitzen vor der Bildschirm und ersehnen sich Reichtum, nach der Ziehung hauen sie sich den Lottoschein vor den Kopf, zum Glück sind die nicht mehr aus Stein, auch ein Mittel gegen Paranoia. Ich hätte damals Platten gebraucht, ich brauchte noch 2 Jahre Betonplatten um daraus zu kommen.

    Es gibt Zeiten wo etwas nicht passt, wo etwas nicht funktioniert, wo die Harmonie weg ist, die Kommunikation, die Anfangseuphorie, die Bedürfnisbefriedigung, wo der eine nicht mehr im anderen das sieht, was ihn einmal so intensiv angesprochen hat, wo er sich mehr mit sich beschäftigt oder Kindern, wo die Wonne des Gewöhnlichen den Alltag bestimmt. In einer gesunden Beziehung, wenn zwei Menschen klar im Kopp sind, verändern sich die Menschen losgelöst ohne zu klammern, ohne zu fordern permanent und genauso verändert sich die Beziehung. Ich kann nicht zweimal die gleiche Luft atmen, ich würde ersticken. Unangenehme Schweigemomente sind vielleicht genau das, was eine Beziehung zur Wonne führt. Schweigen, Stille, das Aushalten der Stille in mir, in der Liebe, im Partner, im Umfeld.

    Eine Frau, von der ich das Gefühl habe, dass sie mir hinten rein kriecht, hat immer ein Problem wenn sie raus kommt und genauso würde es mir auch gehen, ich würde einfach sch... aussehen. Eine Beziehung ist, die ist einfach so, ohne dass sich irgendwer dafür den Poppes aufreißen muss, sonst ist es was anderes.

    Komm mal hoch, geh mal an die frische Luft und sieh Dich um wie schön es draußen ist. Wann denkst Du denn etwas zu tun, für Dich und was?

    Lieben Gruß und ich drücke Dir die Daumen, dass Dir „Was“ einfällt Kaltblut

    Zitat von Amelie


    Muss doch mit erschrecken feststellen wieviele Beziehungen/Ehen an dem Alkoholismus des Partners gescheitert sind.

    Wer von Euch kann denn sagen, das er das alles gut durchgestanden hat?
    Vorallem, weil der Partner es geschafft hat trocken zu werden?

    Liebe Amelie,

    um es einmal so auszudrücken:
    dreienhalb Jahre sind gut durchgestanden und haben sich prächtig entwickelt. Vorallem weil meine Frau trocken wurde.

    Wir sind 1 1/2 Jahre endgültig getrennt, ich habe meine Frau verloren aber ein neues Leben mit intensiv fühlbaren Höhen und Tiefen geschenkt bekommen.

    Erst durch die Krankheiten meiner Frau und ihre Trockenheit, als weg war, woran ich micht festhielt, durfte ich mich kennen und lieben lernen, ich mich und damit die Grundlage schaffen auch anderen Müll in mir zu entsorgen.

    Das wäre unmöglich gewesen und hätte zwangsläufig irgendwo hingeführt, woran ich heute nicht mehr dran denken kann. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, nochmals meine Süchte so auszuleben.

    Unsere Ehe ist nicht am Alkoholismus gescheitert, das war nur der Auslöser, sondern daran, was weit dahinter vergraben war. Ich bin heute nicht vergraben, ich stehe freudestrahlend, aufrecht und ich bin meiner Frau für ihre Krankheiten dankbar, dankbarer Alkoholiker, dankbarer Coabhängiger und dankbar, dass ich das alles erfahren durfte und weil es gerade so schön paßt: Danke Forum.

    LG Kaltblut

    Hallo shirley,

    Blut an der Gesundheit zu lecken kann ganz schön weh tun. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du noch ein Stück ruppiger und offener wirst und Dich dabei annimmst.

    Unter uns: ich habe einmal genauso gedacht, hier viel zu viel Zeit zu vertrödeln und mir manchen Schuh angezogen, der mir überhaupt nicht paßte.

    Einen guten Austausch Kaltblut

    Hi shirley,

    da hast Du vollkommen recht. Zu viel Computer und Forum sind nicht gut.

    Im Verhältnis zu den durchschnittlichen täglichen 2,5 Stunden TV-Konsum, hilft es aber gesund zu werden.

    Im Verhältnis zu den verquerten Gedanken, die mich einmal begleiteten, lähmten, krank machten, war das schon OK.

    Im Verhältnis zur der Zeit, die ich auch in Wartezimmern, Behandlungsräumen oder krank im Bett verplempern könnte, ist das schon akzeptabel.

    Eine Schreib- und Lesetherapie haben schon die Schreiber vor hunderten von Jahren erfahren, es dauerte nur was länger.

    "So schlecht geht es mir doch nicht" ist ein guter Vergleich. Er schafft mir den Freiraum nicht nur den Alkohol zu verdrängen, auch was da ständig hinter steht und nicht stimmt, in mir.

    LG Kaltblut

    Hallo,

    heute laufen, leichter Schnee über der Eisdecke, mit teilweise Augen zu. Gut, einmal ging es in die Büsche, aber keinmal in Richtung Böschung. Ich gehe für gewöhnlich nicht mit Augen zu durchs Leben, ich heiße ja nicht Hans, sondern Karl, aber es macht mich zufrieden, dass ich auch in neuen unbekannten Situationen dem Leben trauen darf. Darf ich.

    Gotti, einreiben oder lassen, immer gut einreiben lassen.

    LG Kaltblut

    Hallo Underground,

    herzlich willkommen und ich wünsche Dir einen guten Austausch.

    Zitat

    Aber das ist wohl die eigene Abhängigkeit.


    Eine gute Erkenntnis.


    Zitat

    Er sieht nur sich selbst. Alles dreht sich um ihn.


    Was tust Du für Dich?

    Zitat

    Wir haben mehrmals zuhause einen Entzug gemacht.


    Du weißt schon, dass dieses „zuhause“, mal eben diskret in die Tonne auch in der Kiste enden kann?

    Zitat

    Ich hoffe ich hab nicht allzu wirr geschrieben und ihr könnt mich verstehen.


    Nö, Du bist klar und deutlich zu verstehen.


    Zitat

    Es gäb noch vieles zu erzählen, aber das ist erstmal genug


    Dann auf, wie kannst Du Dir helfen?


    LG Kaltblut

    Hallo Gotti,

    Dir natürlich auch noch ein gutes Schlittenfahren im neuen Jahr, bekommst ja am WE genug zum Räumen. Nicht zu schreiben heißt ja nicht weg zu sein, ich lese schon immer wieder wo es lang geht. Die Menschen hier, einige begleiten sich ja schon länger, sind ja wie gute Freunde. Manche teilen hier in kürzester Zeit mehr, als manche, die sich 10 Jahre kennen.

    Es gibt da Schwabbelschuhe, die fordern die Muskulatur und sind auch im Alltag ganz prima. Ansonsten, Popo rauf und Popo runter, nicht hin und her wie beim Stippefötchensdanz, das wirkt auch auf die Füße oder den Kopf, naja, für irgendwas ist es schon gut.

    LG Kaltblut

    Hallo,

    heute lief ich am Fluß auf dem Fahrradweg, da war es spiegelglatt und ich dachte, ups, da kannst du ganz schnell die Böschung runter ins Wasser fallen. Was solls dachte ich wieder, ich kann ja schwimmen. Da ging es doppelt so leicht zu laufen, auf dem Eis. Vor 2 Jahren trug ich noch eine Carbon verstärkte Hightechkniestütze, da ich gelegentlich mit dem Knie einbrach, psychosomatisch bedingt, passierte einfach so, wenn ich im Lauf an meine Frau dachte. Später sah ich einige Leute, wie sie sich mit unsicherem Schwabbelgang durch den Eisschnee zur Bushaltestelle quälten, als ich an ihnen vorbei lief und einen Bus der Behindertenwerkstatt mit der Aufschrift: wir bewegen.

    LG Kaltblut

    Hi Ihr Lieben,

    so kann das Jahr bleiben. Das ging heute morgen ganz schön zu Sache, schlüpfrig, die Hüfte schön bewegen, vorne, hinten, rechts, links, außen, innen, jeden Millimeter genau spüren, so natürlich und es knarrte bei den strammen, gleitenden Bewegungen immer so schön, fast wie Holzsparren.

    Als erster durch den Schnee zu laufen, ohne kalte Füße zu bekommen, das ist irre, gut wo der Schneeschieber seine Spur hinterlassen hatte, war es schon was schlammig. Gut, dass wir uns nicht über den Weg gelaufen sind. Der hätte bestimmt keine Rücksicht auf einen Schneespinner genommen. Paar Fahrradspuren, Hoppelmännerspuren, Spuren eines Dinosauriers, das Graureiher so riesige Latschen haben, ist mir noch nicht aufgefallen.

    Wenn alles zugeschneit ist, habe ich keine Chance darauf zu achten, wo einer hingekackt hat, also einfach durch. Ich bin weder reingerutscht, noch ausgerutscht. Die Ängste haben mich früher immer begleitet. Auch die Drehungen, die gehen ja auf Eis und Schnee viel leichter, ich muss ja auch von vorne herein die Füße etwas mehr anheben und nicht so schlunzig laufen. Zehn Drehungen links rum, zehn rechts rum und die jeweils 2meter Schwankungskurskorrektur voll und bewusst auskosten. Rückwärts auf Eis und Schnee den Fahrradweg hoch, mit kleinen Schritten, den vergangenen Spuren genau folgen. Sie sehen genauer und präziser aus, als ich gedacht habe. Ich habe immer schon zu viel gedacht. Im Schnee kann ich sehen was ich für Blödsinn anstelle. Eigentlich ist das gar kein Blödsinn, eher sinnvoll denn ich rutsche nicht mehr aus, wo ich dachte dass ich ausrutsche.

    Wie mag das wohl barfuß im Schnee sein, ich gehe das mal ausprobieren.

    Das Jahr kann ruhig noch etwas schlüpfriger werden. Ich bin zufrieden.

    LG Kaltblut

    Zitat von Katzenmum


    und hab nichts mehr von dem, dass mir lieb war...

    Hallo Conny,

    so dann bekommt die mum endlich einen Namen.

    Und Dich, hast Du Dich nicht lieb?

    Es gibt reale Selbsthilfegruppen, das Forum hier bietet riesige Schätze und je mehr Du anfängst in Dir zu kramen, wirst Du auch auf Erstaunliches stoßen.

    Klasse, dass Du dir treu geblieben bist und nicht 8 Jahre fortgeworfen hast.

    LG Kaltblut

    Hallo,

    heute war es verschneit, unten drunter ziemlich glatt, die Betonplatten am Aufgang vom Fluss, über den Bahndamm auf die Brücke rutschig. Gestern bin ich dort noch rückwärts gelaufen. Ich habe im neuen Jahr rückwärts die erste Steigung genommen und darauf vertraut, dass mich kein irrer Radfahrer umfährt und keine wildgewordene Amazone entführt. Ein schönes Gefühl, sich blind im neuen Jahr trauen zu können. Gestern war ja auch nicht glatt, nur schön. Heute war glatt. Mit kleinen, sicheren Schritten, nicht nur abrollend, sondern den ganzen Fuß plattfüßig aufsetzend ging es sicher nach oben. Fast wie rückwärts, nur mit vorwärts gucken, das macht mich auch zufrieden.

    LG Kaltblut

    Hi Questor,

    wer hat Schuld, wer ist das Übel, nicht wer, sonders was tut Dir gut ist die Frage.

    a) Was nützt es Dir das zu wissen, wer das Übel ist, macht es Dich gesund, gibt Dir das irgendwas? Was wenn es gar keine Schuld, kein Übel gäbe? Was wenn Du alle Schuld, alles Übel übernehmen könntest und dann gäbe es das gar nicht? Was wenn Du alles auf Deine Frau projektierst und dann gäbe es sie gar nicht?

    b) Richtig, wenn Dich etwas krank macht, ist es Deine Pflicht dafür zu sorgen dass es Dir gut geht, Deine Pflicht dem Leben gegenüber. Wenn Du das nicht tust, wo ist der Unterschied zu dem, der sich nicht von seiner Sucht lösen kann?

    Du über alles Questor. Wenn es Dich nicht mehr gibt, was dann, wer soll dann für Dich da sein? Nur mit Dir geht es für Dich weiter, Du als eigenständiges Individuum.

    Was das Ziel, die Lösung ist: vollkommen losgelöst vom Außen gemeinsam zu wachsen. Was kann denn mehr Kraft geben und schöner sein, als einem selbstständigen, freien Partner in die Augen zu sehen und zu wachsen, gemeinsam.

    Wer sagt denn, dass unter dieser Voraussetzung irgendwas nicht gemeinsam gelebt werden kann? Hast Du es ausprobiert? Utopie ist, was wir sich so entwickeln lassen.

    LG Kaltblut

    Hallo questor,

    stell Dir vor, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, mit seinem Leben zu tun und machen was er will, zu saufen, sich auszuleben oder wegzuwerfen. Es ist sein Leben. Es geht mich nichts an. Es hatte mir verdammt weh getan, dass es mich nichts angehen sollte, was meine Frau tat und machte, denn ich war doch ihr Kerl, in guten wie in schlechten Zeiten, ich hatte doch und sollte und musste.

    Im Heute bleiben und nicht bewerten was andere tun, sagen und machen, schließ aus was mich unbewußt jahrelang Antrieb. Da war z. B. die Sucht meine scheinbaren Mängel mit meiner Frau zu befriedigen. Im Widerspruch an sich zu leben, bringt heute eine herrliche Resonanz, in mir.

    Nach Gründen suchen endet immer in einer Rechtfertigung. Ich habe mein Leben nicht mehr mir gegenüber zu rechtfertigen, ich bin einfach wie ich bin, mit jedem Pikel, jeder Falte, jedem grauen Haar und jeder Hirnlücke die ich habe. Dafür habe ich mich früher geschämt, ganz tief drin, mich gerechtfertigt, mir Unterstützung und Anerkennung bei meiner Frau geholt, sie dazu missbraucht mich zu halten. Ich habe meinen Halt in mir gefunden, da macht es doppelt spaß sich immer wieder mal selbst zu zerlegen und wieder zusammenzubauen.

    Jedes Mal, wenn ich auf etwas abfahre, betrifft es mich, denn sonst würde ich mir ja keine Gedanken darüber machen. Wenn ich so was feststelle, darf ich mir das heute ansehen. Das tut gut, ich muss nicht mehr vor Angst den Schwanz einklemmen, das passierte ja ohne dass ich es merkte, es geht diese Rechtfertigungen zu zerlegen und die Ängste frei zu lassen. Freilassen und nicht unter den Teppich zu kehren.

    Da bist Du wieder bei Dir. Du bist der der bei Dir verändern kann und da bist Du auf einem ganz tollen Weg. Danke, dass ich Dich hier lesen darf.

    LG Kaltblut