Hallo Ihr Lieben,
schön, dass wieder ein Neues Jahr beginnt. Ich traue mich nochmals, denn es gibt ja ein Leben nach der Sucht, wie ich an den Langzeittrockenen immer wieder erfahren darf und es ist mir jetzt wichtig etwas ins Codierte zu schreiben. Ich habe ja nicht ausgelebt und so lange schreibe ich halt. Einige Male hat es im alten Jahr ganz schön geknallt, weniger außen, innen, das sieht ja keiner, es setzt sich, vertieft sich und wird zu Gelebtem, also tiefes Setzen im Leben, also Haltungsänderung. Gesunde Veränderungen die mein Verhalten korrigieren, lange, was lange dauert hält länger, hm, ist eine eigenhändige Verfallsdatumsveränderung eigentlich erlaubt?
Es war erschreckend, als ich feststellte wie weit ich mich recken muss, um meinen Jungs die Arme um die Schulter zu legen, dabei sind sie doch offiziell nur paar cm größer als ich, also bin ich geschrumpft. Ich schrumpfe, obwohl ich mich gewachsen fühle. Gut, Länge ist nicht alles, da haben Kerle eh ein Hirndernis. Größer, breiter, schneller, länger zu denken führt zur Unwirtschaftlichkeit und falsch gewirtschaftet habe ich Jahrzehnte viel zu viel, vor allem mit mir, eingenistet ins Hirn. Das was meine Jungs die letzten drei Jahre versuchen zuzulegen, habe ich ein Vielfaches abgenommen, wir holen uns gegenseitig ein, wir kommen auf uns zu. Meine Haut ist mein größtes Organ, 2qm Organ, so wie ein Einzellbettbettmatratze, auch wenn zwei drin sind, nur wie eine, auch wenn ich auf Doppel hätte anwachsen können. XXXXL ist damit der vollende volksverdummende Größenwahn. Na ja, dass sich die Mädels die Nase an der Scheibe platt drücken, bekomme ich wohl nicht mehr hin, die haben anderes im Sinn, andererseits, neulich hat ein Politiker ne 40 Jahre jüngere geehelicht. Irgendwem muss da ein Licht aufgegangen sein. Sie muss die Kunst des Segelstreichelns gut beherrschen, des Gaumensegels, klar ne. Wie eine liebe Freundin immer sagte: sie kann keinen Wind machen. Ich möchte nicht wissen, was ein 40 Jahre älterer Kerl für Geräusche machen kann und wie das für eine junge Frau wohl ist, sich mit Kopfhörer und Ohrstöpsel unter der Daunendecke anzukuscheln, während sich die Segel bis unter die Decke aufblähen. Eine Antirunzelspritze direkt in den Gaumen könnte ja einiges straffen und eine erfrischende Mondscheinsonate bewirken.
Aus einer fehlenden Tiefschlafphase bin ich damals direkt in die Schnarchüberwachungsphase übergegangen. Übergewicht, Qualmen- und Trinken, waren der ideale Nährboden für ein scheinbar berauschendes Segelflattern mit brechendem Hauptmast. Ein Codiertes war, dass ich mir Sorgen machte, dass meine Frau durch meine Geräuschkulisse nicht schlafen konnte. Beim eigenen Einschlafen durch sein Schnarchen wach zu werden ist eine tolle Sache, da freut sich doch jeder Partner drüber, gleiten im ruhigen Fahrwasser, schlaffsegeln. Bis es Störungen gab, da hieß es mit dem Abnormen Kerl ab in Schnarchklinik, vom Venushügel gleich auf den Venusberg. Da sollte plötzlich alles OK sein, diese Falschtester. Die Umstände brachten dieses Jahr hervor, das es auch Überhörer gibt, also Menschen die das Gegenteil eines Schwerhörigen sind, die viel mehr hören können als der Durchschnittsmensch und da das Gehör nicht einfach abstellbar ist, leiden diese Menschen. Es gibt nicht mal eine Scala auf den Hörtestformularen für „Vielhörer“ oder „Überhörer“ die nichts überhören können. Daraus entwickelten sich zwei Pole, so wie Magnete, nur eben anders, eher so wie der Vesuv, über dem Hügel, hinter dem Berg, wir ahnungslos mitten im Krater und dann bricht er aus, der Venusvesuv. Begnadet in Liebe loslassen, das ist dann so ähnlich, vulkanisiert mit Blick vom Mond auf den verschwindenden Hügel.
Die Gesundheit ist top, ich war dieses Jahr nie richtig krank, gut, im Kopf, aber das ist was anderes, also organisch. Ich bin zufrieden mein Bettmass schrumpeln zu lassen. Mal länger gepennt gut, aber so richtige Gelbscheinepisoden hatte ich nicht. Die Anzüge sitzen, auch im Stehen und wenn es hier und dort mal was Festliches mehr auf den Rippen gibt, die Statistiknummern stimmen, die Leistung nimmt weiter zu. Eigentlich leiste ich weniger, nur das Bewusstsein öffnet sich in vielen noch nicht dagewesen Dimensionen, sozusagen Technik, Alltagstechnik, Lebenstechnik, Alterslebenstechnik. Ich freue mich darauf älter zu werden. Je älter ich werde, je mehr flitzt alles an mir vorbei. Ich muss ja nicht mit hechten, ich kann mit gewohnt kleinem Schritt, mit lustigen erfrischenden Übungen, mein Ding durchziehen, kleine Dinge die für mich riesengroß sind.
Nach Abschluss der Insolvenz und Restschuldbefreiung fiel es mir schwer in alten Schuhen zu laufen, Altlasten gehören nicht mehr zu mir und so driftet alles immer weiter davon ab, was einst mein Tagesinhalt im Job war. In der neuen Selbstständigkeit mache ich schon noch was ich kann, aber anders. Der Unterschied ist, dass ich mir ein neues Gebiet ausgesucht habe, das große Angriffsflächen bietet, mir aber viel mehr liegt und so leicht von der Hand geht, dass ich eines Tages davon auch gut leben zu kann. Alles geht immer mehr dazu hin, sich aus alten Berufsstrukturen weiter herauszuwinden. Die Vorstellung war mir noch vor Kurzem fremd und schien unmöglich.
Als Pleitier bleibt mir natürlich der Zugang zu den Bankiers weiterhin verschlossen, da kann es noch so gute Fördermittel geben. Ich habe gelernt ohne sie zu leben und das ist gut so. Als ich neulich einige Plastikkarten aus der Brieftasche aussortierte, habe ich die so blöde gedankenlos weggelegt, dass ich sie anschließend stundenlang suchen musste und ein ganz blödes Gefühl der Hilflosigkeit bekam. Das hatte ich lange Zeit abgelegt. Ich möchte wieder mehr ablegen. Es tut gut mit wenig erfüllter zu leben, als mit viel im Kreis gegen Betonpfeiler zu laufen. Der Weg in die Gesundheit ist von einem schmalen Grad zu einem ausgeprägten Highway betoniert worden, da geht es bequem um die Dumpfeiler drum herum.
Im Laufen habe ich viele Entscheidungen getroffen, denn da ist der Kopf ganz gut mit dem Körper verbunden, nimmt die Umwelt, die Gedanken und sich selbst ganz gut wahr. Da sprudeln die Wahrheiten nur so aus der Birne, stückweise, nicht gepresst oder zermatscht. Statt MP3 Player ein Birnenresonanzaufnehmer, das wäre auch ein gutes Produkt. Musik, Ohr, Klangentwicklungen, die kleine Cochlea durfte ich auf unterschiedliche Art und Weise reizen lernen, vergessene Altentwicklungen haben wir aufgearbeitet, das brachte mehr Sicherheit bei Dingen, die ich für einen alten Bock unmöglich hielt. So hat mich das Tanzen ein wenig weiter gebracht, auch Bewusstseinsübungen im Liegen, also Horizontalübungen mit mäßigem Körpereinsatz. Wenn mir was über die Leber läuft, können kleine Erfolgserlebnisse große Linderung verschaffen. Dazu zählte z. B. die Babykopfhebeübung, die habe ich erst nach 51 Jahren wieder gelernt oder Bodydrehen, das hat Monate gebraucht, bis ich das, was ich mit geschlossenem linken Auge im rechten linken Augenrand sehen kann, auch mit einer 360° Rechtsrumpfdrehung im rechten Augenblickwinkel sehen konnte. „Monate“ hört sich für so einen Pillepalle so anstrengend an. Es ist mein Pillepalle und was sind einige Monate auf dem Weg zu mir, zu den vergorenen Jahrzehnten? Wer faul ist, muss auch schlau sein, es gibt Muskeln, die kannte ich noch nicht und Schuhe, die unbekannte Muskeln im Gehen ansprechen, wie Gangschalter. Ich habe meinen Trott gefunden und die Gesundheitsschuhe sehen zu dem lustig aus, bin ich jetzt ein Trottel? Mein größter Erfolg war in diesem Jahr bewusst, im Lauf, über einen umgestürzten dicken Baumstamm zu springen, nicht drum rum, drüber, ohne schon 100m vorher daran zu denken, dass dort der Baum liegt und ich stundenlang im Wald auf der Fresse liegend vielleicht und eventuell nicht gefunden würde. Andere haben Häuser gebaut, Kinder gezeugt und Berge versetzt. Ich habe den Baum genommen, wir wurden Freunde. Danach konnte ich mir viele seiner Freunde ansehen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Von oben, aus seiner Krone, sieht vieles ganz anders aus. Einen in der Krone und einen Knall haben bekommt doch da einen ganz neuen Sinn.
Als meine großen, gut gebauten durchtrainierten Jungs und Freunde auf dem Weg zur Disco die Falschen trafen, gab es Haue und Brüche, mitten im Gesicht. Aus dem Krankenhaus durften sie nur, weil Vater sie abholte, sahen die klasse aus. Besorgt habe ich sie nach Hause gebracht, war schließlich nachts, Mutter und Stiefvater verreist. Da saßen aber schon eine Reihe gut aussehender Pflegedamen, ich übergab sie, verdrückte mich schnell und dachte noch mit staunenden offenem Mund: haben die Glück gehabt. Tags drauf haben sie viel lustigen Blödsinn gebaut, ich dachte wieder, warum passiert mir so was nicht. Schön war das dann doch nicht, als geflickt wurde. Zum Schutz lerne ich jetzt neue Flugrollen. Im Laufen eine Rolle und sicher wieder auf die Beine kommen, ich schaffe das irgendwann, das macht mir großen Spaß. Mit Tablett in der Hand, das wäre eine Steigerung in 1 oder 2 Jahren übe ich mal sicher über eine Kuhflade zu fliegen. Diese Bewegungsabläufe, die Wahrnehmung, ich mag mitbekommen was im Körper und auch sonst alles passiert und der ist so flexibel, so dehnbar. Vor allem kann ich viel besser wieder aufstehen, wenn ich hier und dort eine verpasst bekomme, wenn ich eine Flugrolle kann. Es muss ja keine real verpasste sein, es könnte ja auch was in meiner Birne knallen, einfach so, von heute auf morgen.
Eine der letzten tiefen Erkenntnisse in diesem Jahr, die haben mich nochmals richtig durchgerüttelt. Asthma, weil Zuhause so viel nicht OK war, benutzte ich Pa´s Asthmaspray als Gegenmittel, so hatte ich wenigstens etwas Aufmerksamkeit von Vater. Später war Rauchen, als Anti irgendwas, bei uns rauchte keiner, ein gutes Aufmerksamkeitsmittel. Damit verschwand das Asthma. Rauchen hält mich gesund, war die Ansage im Denkapparat, hatte es ja selbst gespürt und die Entscheidung zwischen sofortiger Atemnot und nicht absehbarem späten Atemtot fiel mir leicht. Die Programmierung dahinter klebte wie ein Kuhfladenreinlatscher Jahrzehnte an mir, obwohl ich schlauer wurde: dann rauche und arbeite ich mich eben kaputt, sieh doch zu wie du mit den Lebensversicherungen glücklich wirst, war eine Ansage an meine erste Frau. Ich habe nicht verstanden zu leben und brauchte nur aus den Kinderschuhen auszusteigen, es ging nicht. Dabei hatte es so schön geklappt: Familie gründen, ganz neue Richtung einschlagen, da war kein Platz mehr für Kippen und Ballaballa. Nach 9 Ehejahren hatte ich wieder irgendeinen Grund, zurück ins alte Muster. Später, mit dem Ausstieg und Neuanfang war die Birne klar, alles gesäubert und frei.
Dann kam meine 2. Frau, bei irgendeinem Grund riss alles auf, das dauerte weniger als 1 Jahr, zack, wieder ins Muster, wenn du nicht aufhörst, dann rauche ich wieder und ich habe demonstrativ gequalmt. Der eine macht was und der andere ist so doof und denkt er könne das aufhalten, mit irgendwas, 20,30,40 jahrelang das gleiche irre Muster. Das hatte nie etwas mit einer Frau oder anderen zu tun, nur mit mir. Nur ich konnte mir in die Birne gravieren: dann saufe ich eben mit, den letzten Weg gehen wir gemeinsam. Was für ein Schwachsinn, vor drei Jahren stieg ich aus.
Ob ich die ganze Bandbreite nochmals rechtzeitig erkenne? Ich arbeite daran. Gut, dass es nie so weit kam, dass man mich deswegen aufschnitt, bestrahlte oder mit Pillen voll dröhnte. Sterben um zu leben, aber nur durch meinen Geist, ich nehme mir mein Leben. Das ist das Schwierigste. Da geht ein Clontyp aus dem Laden, ein Flügel macht ihn von oben kommend platt und ein weißer Strahlemann schickt ihn gegen ne Kaffeehütchenmaschine nochmals zurück. Solange meine Gedanken dadurch noch ergriffen werden, habe ich viel Arbeit vor mir. Klar, ich bin doch erst am Anfang, vielleicht wie ein Dreijähriger, da sagt auch keiner mehr: has: du das Höschen so schön voll Kaka gepupst, ein Stinkerchen gemacht, bubububu und alle freuen sich lachend. Da heißt es vorwurfsvoll: hast du gefurzt? Es gibt diese Dinge von außen, die mich von meinem Kurs abbringen, die mich nicht das tun lassen was mir gut tut, weil ich mich von meinem Inneren unbewusst abwende. Ich darf heute erkennen und agieren, nicht mehr reagieren, mich an mir erfreuen und dieses Dürfen darf ich nicht aus den Augen verlieren, dieses Agieren, etwas grundlos tun, bevor es mich packt.
Natürlich mache ich auch Müll, das ist doch auch normal, nach jedem guten Essen muss ich es ja entsorgen, auch nach jedem Schlechten, es riecht nur was mehr. Da kommt schon mal Kaffee in die Birne und sorgt für aufgedrehtes Verhalten, dabei weiß ich doch genau, dass es mir nicht gut tut, Ehrenrunden. Was hindert mich daran zu lernen, zu erfahren, falsche Entscheidungen zu treffen? Das ist das pure Leben. Neulich habe ich den Metrolügen vertraut, fuhr in den Süden, mit Sommerreifen und es schneite, war doch mal klasse. ABS, ESP, ESP, ABS, ich habe noch nie so viele bunte Lämpchen in meinem Auto angehabt, ein innerer W-Baum mit freundlicher Begleitstimme. „Es“ spricht mit mir, bisschen gehauchte Erotik wäre nicht übel. Die Liebe meldet sich schon mal an und macht mich Plemplem, dann darf ich laufend prüfen wo ich bin und stehe, bis nix mehr geht oder erst recht. Dann koche ich mal für die Jungs einen Batzen Fleisch und schlage mir die Wampe mit voll, dann passiert halt irgendwas oder auf Meeting und Geschäftsessen, da wird dann was in mir verstellt, ich bekomme das schon noch hin. Auch Türmchen kann ich immer noch bauen, Anhäufungen von besser gleich Gemachtem, statt das später mit Druck und Hetze zu erledigen, dann bin ich meist erlegt. Ich komme auch gut ohne Sport aus, paar Tage, sagen ja auch viele, Sport ist Mord und macht süchtig. Dann passiert halt was, der Stoffwechsel kommt durcheinander und ich falle in alte Abläufe und Gedanken zurück, die zwar bequem sind und irgendwas machen, aber nicht gesund sind. Angehäufte kleine Häufchen sind mein Grundstock um erbarmungslos einen emotionalen Rückfall zu bauen, also die Vorstufe von irgendwas, von Lawinen, die mitreißen. Das geht ganz schnell und da führe ich lieber ein bewegtes entschleunigtes Leben. Regungslos werde ich noch früh genug, auch ohne dass es an mir reißt und zerrt.
Das Zusammenspiel von Musik, Bewegung, Bewusstsein und natürlich kochen, das hätte ich ja fast vergessen, vollwertiges Essen und Kochen. 2009 durfte ich fast jeden Tag etwas Neues kochen, voller strotzender Wertigkeit leben, da greift ein Stein in den anderen und wird zu einem schimmernden Diamanten voller kleiner Orgasmen. Die Dinger passieren auch im Mund, es macht mir richtig Freude zu horchen wie unterschiedlich jedes einzelne Nahrungsmittel klingen kann, beim Essen, beim Beißen, das reinste Klangkonzert. Da hatte ich früher kein Verständnis für, im Gegenteil, schling nicht so, hieß es jahrzehntelang. Sogar meine Frau meinte: schling nicht so, während ich rund wurde und sie strahlte, denn was aufgegessen wird muss gut sein. Was Tolles auf den Tisch stellen und sagen: iss maßvoll. Das war wie ihr saufen, trink nicht so viel, worauf sie sich ein Extraglas genehmigte. Zwei Schluckspechte oder Geier, später Assgeier, Assgeiger, wir machten uns ganz schön faule Musik unterm Hintern.
Einiges färbte ab, der Junge trainiert intensiver in seinem Leistungssport und wartet ungeduldig auf den Saisonstart, der Ältere ist voller Begeisterung in eine neue Sportgruppe eingetreten und so können wir uns alle drei immer was fegen und Flugtechniken ausprobieren. Das ist besser, als wie im Frühjahr, als ich den Anruf bekam: Papa, ich hab sie zerlegt, im Beton, alles kaputt. Abflug mit ziemlich schnell, steht auf, nichts passiert, wie im Bilderbuch mit Glanzbildschutzengel. Die Bilder, als er später einmal vor mir geradeausfuhr, statt in der Linkskurve zu bleiben, die sind auch gut eingeprägt, kommt aus dem Graben gekrochen, zieht seinen Helm aus, knallt ihn irgendwohin und meint später: hast du meinen Helm gesehen? Alles ist möglich, obwohl wir regelmäßig Sicherheitstrainings machen. Wenn ich nicht dran denke, kommt was angeflogen, liegt was auf der Straße, gibt’s was auf den Sack. Abstürze und Rückfälle gehören zu meinem Leben und ich darf lernen gestärkt wieder auf die Beine zu kommen. Wenn sich Unregelmäßigkeiten in meine Regeln einschleichen, dann passiert meist was. Es sind ja nicht die großen Kracher die mich umhauen. Es ist immer die Summe der klitzekleinen aneinandergereihten Unachtsamkeiten. Daran darf ich arbeiten, an mir und den kleinen winzigen Futzemännern, die in mir unbekannt rumoren. Vater hatte in seinen letzten Tagen eine armdicke Aorta. Er schlief damals nicht ein weil die dicke Ader platzte, sondern weil die kleinen, verzweigten Äderchen nicht mehr versorgt wurden. Unversorgte Lebensadern, dagegen kann ich etwas tun: täglich, heute, nur heute, bei mir bleiben, nicht bewerten und grundlos tun. Dann kommt langsam hoch, was ich vergessen hatte und ich vergesse viel, sehr viel und deshalb bin ich ja auch immer wieder am Anfang, jeden Tag neu, immer wieder nur 24h.
Dieses Jahr durfte ich sehr liebe und tolle Menschen kennen lernen, die alle einen festen Platz in mir haben, meine Frau natürlich auch noch. Kontakt habe ich keinen mehr zu ihr und halte sie so in Erinnerung, wie es mir gut tut. Der Rest ist durch die Toilettenspülung in den Fluss, in den Strom und irgendwo im Ozean gelandet und ich wünsche ihr, dass sie auf ihrem trockenen Weg geblieben ist. Ja, Gedanken an meine Frau tun mir heute wieder gut, an eine beindruckende, stolze und klasse Frau, die mir viel mit auf den Weg gegeben hat.
Dieses Jahr durfte ich auch sehr viele Worte entschlüsseln, die in meiner Birne eine ganz andere Bedeutung hatten, die mich Jahrzehnte in eine falsche Richtung lenkten. Wir haben es uns zum Sport gemacht, mit diesen Worten zu spielen, die tieferen Bedeutungen zu suchen, Fremdworte, Bedeutungsfremdworte, Reaktionsfremdworte, so kann ich besser reagieren und die Kids dürfen 30 Jahre früher als ich etwas mit auf die Reise nehmen. Es ist ja nie zu spät was zu lernen. Einige sind so wie die hier:
Selbstständig ist so ein Wort. Für mich bedeutete das immer, selbst ständig was zu tun, für andere, das was die nicht können oder nicht können wollten tun, ich kann das, für die, dafür sind sie Kunden, bis ich mal was von denen wollte, da gab es immer nur Stinkefinger, hinten rein und Abzug. Ständig ich selbst sein gefällt mir da besser, da kann ich gut auf Stinksäcke verzichten. Das sind ja nicht nur Finger und Säcke, da kommen ganze Unternehmensstrukturen zusammen die täglich zum Fingerriechen antreten und nichts mehr schnallen.
Horchen ist so was. Simmer widder am Horchen, hammer widder Ohren wie Rhabarberblädder, hieß es früher immer, das will ja keiner, also gleich Kompott draus gemacht. Horchen ist ja nicht hören, denn das Meiste was ich höre nehme ich ja nicht wahr. Also entspricht vieles nicht der Wahrheit, denn es kommt von außen, von anderen, so wie geklonte fliegende Kaffeeflügel. Es sei denn, ich übe was als Kind nicht gewünscht war, horche in mich hinein und was da an Wahres auf mich zukommt, war und ist ganz schön.
Orgasmus ist auch so was. Was wir aus dem Wort gemacht haben. Ob wir vor 2000 Jahren noch bewusster waren und viel mehr kleine Dinge in uns wahrnahmen oder ob wir das erst seit der freudvollen Entwicklung unserer Gedanken rund um den **xualtrieb bekamen, wer weiß das schon wirklich. Ich weiß, dass wenn ich schon mal nachts auf einen Fernseher sehe, kommen da Nummern und Mädels, wo ich für irgendwelche Kunstgeräusche, die mir für normal verkauft werden bezahlen soll. Da sitze ich lieber mit einem netten Wesen zusammen und keiner bekommt wirklich mit, was gerade für sensationelle Dinge in meinem Hirn abgehen.
Leben nehmen ist auch so was. Ich nehme mir meins. Ich nahm mir ja lange unbewusst was mir nicht gut tat. Einige in meinem Kreis nahmen sich zu viel, sie sind nicht mehr, ich nehme mir in vollen Zügen was mir zusteht, meins, das wird nicht verschenkt, nicht vergeben und auch nicht mehr genommen, meins und für mich tue ich was. Wir haben die hinterlegten Karteibilder beim Hausarzt ausgetauscht, denn es gab zu viel Abweichung. Wie die Prognose ist, hihihi, ich werde es wohl alt erleben. Stirb und werde, das hat ja auch was gedauert, obwohl mich der Suizid lange scheibchenweise begleitete, aber jetzt ist er getan, die tote Vergangenheit ist begraben.
Sogar dumm und beschränkt sein ist so was. In der Regel gibt es gleich eins aufs Maul wenn einer sagt: du bist beschränkt, wer will schon dumm und beschränkt sein. Ich kam so auf die Welt, ausgestattet mit allem was ich heute habe. Intelligenz spielt sich im Hirn ab, dachte ich, dass es Hirnzellen im Bauch gibt oder im Rückenmark, die selbstständig Entscheidungen treffen, war mir neu. Was nützt mir ein Superhirn, wenn der Rest aus den Lot ist und nicht zusammen funktioniert? Dumm zu sein ist ein Privileg, dass es mir ermöglicht unversperrt Informationen und Verhalten aufzunehmen, die mich aus meiner Beschränktheit herausführen. Nur zugeben konnte ich das nicht, ich hätte lieber ausgeteilt, meine Ehre und was sonst noch so alles in meiner Schrittleiste rumkrabbelt verteidigt. Bis ich erfuhr, dass es angenehmer sein kann gezielt auf die Fresse zu fliegen, um gekonnt in eine bessere Ausgangsposition zu gelangen. Ist ja jetzt auch klar, was für den Körper zu trifft, muss ja auch irgendwie für den Geist und das Hirn zutreffen. Masochist schrieb spedi damals, wie hatte mich das getroffen. Hinfallen um in eine bessere Position zu kommen, das verstößt gegen die Grundgesetzte der Zellsymbiose. Jede Zelle arbeitet gegen die Erdanziehung, meine Schneckchen sorgen dafür dass ich sicher auf den Beinen bin und da soll ich mich aufs Bett schmeißen und vernaschen lassen? Naja, wenn die Natur es doch gut mit mir meint, sie wird das schon richten.
Mangel ist so was. Mangelhaft, wie schlecht, wie ungut, keiner darf Mängel haben, aberzogen nach gesellschaftlichen Verordnungen. Ich habe viele und ich mag sie, ich durfte lernen dass ich sie haben und dass ich sie lieben kann, denn ich bin unvollkommen. Erst die Potenzierung meiner Mängel, also dass was mir gesellschaftlich umerzogen wurde und nicht meins ist, schickt mich auf die Suche, in die Sucht, in die Abhängigkeit, bis ich wieder dort bin, wo ich dachte nicht hinzugehören, bei mir, in mir und zu mir. Ich habe einen guten Platz gefunden, ich bin mein Platz.
Vor fast 2000 Jahren meinte mal einer, wenn du die linke Backe hin hältst, sollst du auch die rechte hinhalten. Wenn ich schon eine verpasst bekomme, ist es meine Pflicht dem Leben gegenüber alles dafür zu tun, um nach vorne preschend, mir so wenig wie nur möglich einzufangen. Dabei kann ich mit dem Tablett in der Hand, einige Orgasmen bekommen, mich tanzend und schmatzend satt machen, in mich horchen und ständig bei mir bleiben, Orgabletten, die hatte ich auch noch nicht.
Dieses Jahr habe ich mich auf den Weg zurück in den Muttermund gemacht und dabei schon Merkwürdiges getroffen. Das ist noch ein ganzes Stück, es bleibt spannend, das hält jung und macht Spaß. Die Kinder sind ja schon recht weit oder auch nicht, auch wenn ich sie aus dem Nest geschubst hätte, wir haben uns nie richtig gefegt oder verbissen. Sie kommen und gehen, ungezwungen, unaufgefordert, befreiter von Altlasten. Sie sind groß und nehmen nur noch wenig an, ich muss mich beeilen um von ihnen noch etwas mitzubekommen.
Mitbekommen kann ich auch viel von den Älteren, die in meinem direkten Umfeld sind. Die, die Jahrzehnte dort sind, wo ich hin will, in ein ausgeglichenes, zufriedenes Leben und ich brauche mir nur abzugucken wie das geht. Ich habe ja alle Zeit die ich habe. Viele Alte haben ja etwas mehr auf den Rippen, auch im Gesicht, um den Mund und wenn sie lachen oder nur gucken, können sie ja nicht mehr so ernste Grimassen schneiden, das ist dann meist ein durch den ganzen Kopf gehendes Griemeln, so entspannt, so wie bei den Babys, da bin ich auf einem guten Weg.
Ich bin dankbar für die Entwicklungen, für jeden Augenblick, die seid meiner ersten Veränderung, diesem kleinen Aufbäumen, seit meinem ersten „ich trage die Tüten nicht mehr“ passiert sind. Natürlich habe ich eine Frau verloren, aber ein Leben bekommen und meinen Nebenbuhler, ich schätze ihn heute sehr, in seiner Urform, für das was er alles kann, wofür er gut ist, er hilf und schützt, ein Wertvoller, dieser Alkohol.
LG, trockene 24h, schöne Festtage und ein gutes Ankommen im neuen Jahr Kaltblut
Der Rest steht im Butterweichen und Steinharten, da habe ich Steine weich gekloppt und Butter hart geschlagen, für die Harten gestreichelt. Ich bin hier nicht alleine. Viel mehr steht bei den anderen. Ich bin hier nicht alleine, alle die hier schreiben hinterlassen ein Stück ihres Lebens, jeden Tag neu, unbezahlbar, kostbar erfahren, einige zahlten mit Lebensstücken. Wem sein Leben etwas wert ist, der wird auch einige Taler für den geschützten Bereich finden.