Beiträge von kaltblut

    Hallo Ihr,

    rum das Jahr. Von hinten betrachtet war es gut. Ansonsten will ich so was nicht nochmal. Kurzablauf der letzten 1 1/2 Jahre:
    Meine Hausratversicherung hatte mir gekündigt, machen die so bei 3 Schäden, nur was kann ich dafür, wenn durch anderes Verschulden was passiert und ich mit dran bin? Nix, aber ohne Versicherung, möchte ich nicht mehr dran denken. Es gab einen Kurzschluss letztes Jahr, da hatte es gebrannt, einen Blitzeinschlag, da war vieles hin, nebenan einen Leitungsbruch, da stand der Keller unter Wasser und paar Tage später Haus und Garten voll mit Partygästen, die Trockner liefen volle Kanne, es war trotzdem kein ausgetrocknetes Fest. Die angehende Schwiegertochter wurde wieder sehr krank, Hochzeit verschoben, aber ein Schutzengel hat aus dem seidenen Faden wieder ein kräftiges Tau gemacht und jetzt ist es bald so weit.

    Dann fuhr einer Absichtlich in die neue Karre und stand sich ganz gut dabei, nur ich nicht. Die Verwirklichung als Küchenbauer nahm etwas mehr Überlegungszeit in Anspruch als gedacht, Gebrauchsanleitungen sind eben oft Müll, da fing die Birne an zu qualmen und maßgeschneidert beinhaltet so viele Toleranzen, kopfschüttel, dafür ist die neue Küche schon was Besonderes und ich habe wieder Experimentierspaß.

    Es kommen halt jetzt Dinge auf mich zu, wo ich denke: wie hätte das heute funktionieren sollen, wenn sich nicht rechtzeitig etwas geändert hätte? Ich werde auch immer kritischer, scheint daran zu liegen, dass immer früher immer mehr Blödes auffällt, wie dieser Küchenprofi, der sich um 2.5cm vermisst. Toleranz, sowas brauche ich im Leben auch, mehr Toleranz.

    Wir standen voriges Jahr z. B. am Berg und mir ging die Puste aus und das Herz ging in die Hose, der Hypochonder wurde geweckt und gleichzeitig war ich stink sauer auf meine motzende Frau, wo die doch überhaupt nichts dafür konnte. Eine vollkommen neue Situation. Alles untersucht, mit Geräten rumgelaufen, bis zum Umfallen gestrampelt, sogar Strahlemannzeug in mich reinspritzen lassen, was ich nie machen lassen wollte, aber plötzlich war ich hilflos, alles war anders und natürlich habe ich mich auch nicht gesund gefühlt. Die mich in Röhren geschoben und alles durchforstet, aber alles in Butter. Dann sagt dir einer: wie, wo war das, aha, das ist doch normal, ab so 2000m muss man mal häufiger eine Höhenanpasspause einlegen und was trinken, dann geht’s wieder, je älter man wird, umso häufiger kann das vorkommen. War mir neu, für mich gab es so was nur am Himalaja. Da kommen so viele neue Dinge auf einen zu und auf die heißt es sich einzustellen. Der ganze Untersuchungsmüll, der auch bestimmt nicht preiswert war, wäre komplett überflüssig gewesen, wenn ganz am Anfang einer richtig zugehört und kombiniert, was fachmännisches vor sich gegeben hätte, aber da haben einige ganz legal gute Kohle mit gemacht, durch gewolltes Weghören. 1 Stunde in einer richtigen „Sprechstunde“ und das Ding wäre gegessen gewesen, aber der Hypochonder brauchte was zum Festhalten.

    Fehlverhalten aus Jahrzenten kommt gebündelt auf einen zu, dazu Unwissenheit, also nicht aufgepasst oder mit anderem beschäftigt, als Sahnehäubchen einiges vergessen, daraus wird ein richtiges Paket. Heißhunger auf irgendwas z. B. bedeutet, dass irgendwas innendrin passiert. Fehlende Bewegung und es geht was nicht. Unruhe im Kopf und es läuft was durcheinander, schon haste die Lauferei. Der Unterschied zu früher ist, dass ich es schon fast riechen und fühlen kann, obwohl es noch nicht da ist und mich trotzdem oft falsch verhalte. Das ist wie kleine Saufattacken. Gut, einen Rausch mit einer Kugel Eis zu vergleichen ist lachhaft, aber wenn ich mich anschließend von der Zuckerbombe schlecht fühle?

    So oder so langt dir irgendwer in die Tasche und du kannst einfach nur still da sitzen und musst zuschauen oder startest als Rumpelstilzchen und stampfst Löcher in den Boden, das gibt Gelenkverschleiß mit Folgeärger oder langst dir selbst ins Hirn. Laufend ins Hirn langen, das hatten wir ja auch schon, habe ich ja hier gelernt, zum Glück. Es wiederholt sich alles, nur etwas anders.

    Es hieß dann immer du musst agieren und nicht reagieren, weil ich als guter Co ja immer auf meinen trinkenden Partner eine Reaktion zeigte. Ich kann gar nicht so viel ändern und agieren wie ich müsste, um all meine überflüssigen Reaktionen weg zu bekommen. Was ich kann ist nix tun, einfach nix und es so annehmen wie es ist und wenn es in mir stimmt, komme ich gut klar. Wenn nicht, dann zerreißt es in mir, also ist mein Job dafür zu sorgen dass es stimmt und nicht auf anderen Hochzeiten rumzutanzen.

    Es gibt einiges wo es in mir ruhiger geworden ist, langsamer, bedachter, jedes Jahr mehr, das kann mich auch aufregen. Was habe ich mich gesträubt und Stress verursacht. Weniger Adrenalinausstoß durch Nixtun könnte ja auch weniger Lebensqualität sein, da fehlte mir noch was, habe ich gedacht. Es gibt Entwicklungen, wo ich vor 1-2 Jahren noch an die Decke gegangen wäre oder die ich vollkommen abgelehnt hätte. Scheinbar kommt das alles von ganz alleine. Wer will, der kann ja seine Energie verpulvern, nur nicht auf meine Kosten.

    Neulich las ich hier meine Erkenntnisse von vor 11 Jahren. Was muss ich einen an der Waffel gehabt haben. Da war so vieles undenkbar. Das geht ja nicht weg, so wie ein Pickel, das ist ja da, nur immer anders. Ich lebe gut, fühle mich gut, stehe im Leben und nicht am Abgrund und irre Gefühle und Gedanken habe ich auch keine.

    Es macht also Sinn, die Dinge in seinem Leben zu ändern, immer wieder zu ändern. Das fing so unbedeutend mit lesen hier im Forum an.

    Manchmal lese ich hier auch Geschichten, wo sich vieles zum Guten hin geändert hat. Dann denke ich: ja, dafür sind wir auf der Welt, dass es uns gut geht. Solche Geschichten hier in diesem Forum zu verfolgen ist selten und ein Highlight. Leider gehen viele bevor sich etwas ändert und wenn ein neues Kapitel beginnt, dann endet meist auch die Selbsthilfe und das Mitteilungsbedürfnis.

    Eigentlich ja nicht, denn es kommt immer was Neues und im Kern, also ganz tief drin, da ist das was ich hier mitgenommen habe der Grundstein zum Ändern, also dass es mir gut geht, immer wieder gut geht und dass ich mit den kommenden neuen Dingen klar komme. Das Wiederholen und das Nichtvergessen, das ist das Schwierige.

    Jetzt gehts auf den Berg, Urlaub, bis bald mal.

    LG und gute 24Stunden Karl

    Hallo Sireena,

    herzlich willkommen hier in diesem Forum.

    Wir haben ein Kind mit ähnlicher Doppeldiagnose, das getrunken und gekifft hat, abhängig war.
    Heute lebt es in einer Einrichtung, trinkt nicht mehr, kifft nicht mehr, raucht nicht mehr und hat auch einen Betreuer. Damit ist das Kind jetzt nicht wieder geheilt, sondern das was gekifft wurde hat einiges zerstört und dafür gesorgt, dass anstelle der illegalen Drogen jetzt ärztlich verschriebene Hämmer ihren Dienst tun. Die verursachen neue Reaktionen, die wieder was Neues verursachen.

    Das hört nie auf. Immer kommt etwas Neues, immer passiert etwas Neues.

    Ich schreibe Dir dass als Angehöriger, als Ehemann der Mutter. Ich darf das heute nackt und klar von außen betrachten, dass was bei meiner Frau aufbricht, wenn etwas Neues passiert. Die Mutter und die Bindung zu einem Kind ist nochmals ganz anders als zu Geschwistern oder einem Partner, mehr als ich verstehen kann und heute nicht mehr verstehen will. Wenn etwas Neues passiert und die Gefühle, die Hormone passen nicht im Organismus, dann geht es ab in den Keller und da kannst du nichts dran tun, bis es wieder passt. Klar gibt es dafür Medizin, Heilmittel, Therapien, Hammerschläge auf den Hinterkopf, die machen das was im Menschen passiert nicht weg.

    Zitat

    „Dass ich einfach nicht sagen kann, rutsch mir den Buckel runter, hat wohl drei Gründe.
    1) ich fühl mich schuldig, weil ich ihn nicht mit rausgeholt habe, als ich gegangen bin, sondern ihn mit diesem Mist einfach zurückgelassen habe
    2) ich hab meiner Mum auf dem Totenbett versprochen, dass ich mich um ihn kümmere
    3) Er ist nicht wie die typischen Junkies oder Alkoholiker, zumindest macht er nicht diesen Eindruck.

    Es gibt dieses Gleichnis, wo sich das Mädchen um den kranken Vater kümmerte. Da kam, wie das so ist, ein Kerl und sie verliebte sich. Kerl ging nicht, weil Vater, Vater ging nicht mehr, weil Kerl. Zwischen den Stühlen wurde sie so von beiden Seiten zerdrückt, dass sie es nicht aushielt und sich das Leben nahm. In einer ähnlichen Situation befindet sich der Coabhängige. Er kann nicht loslassen und verbraucht sich, bis nichts mehr geht.

    1) Hätte es nichts geändert, zumindest weiß das niemand. In unserem kranken Hirn bilden wir uns oft Dinge ein, die vollkommen überflüssig sind, uns aber ausreichend das geben, was uns gerade fehlt, z. B. Bestätigung für fehlenden Mut uns anders zu verhalten.

    2) Das zieht und sitzt so tief, wie kein Stachel kommen kann. Treue, Ehre, Glaube, damit wurden Kriege geführt und unzählige Menschen haben sich aus so einem Grund gegenseitig aufgeschlitzt. Gut, bei Dir ist das etwas anderes, es ist Deine Mutter gewesen. Wo ist jetzt der Unterschied in dem v. g. Gleichnis, zwischen Dir und dem Mädchen? Was soll mit Dir passieren, wenn Du Dich dazu entscheidest, dass die Kümmerzeit rum ist?

    3) Es gibt nicht den typischen Abhängigen, der existiert nur in unserem Kopf. Unser Kind möchte nichts mehr, als die Folgeschäden des Missbrauchs aus dem Hirn und Körper zu bekommen, gesund zu werden und das geht nicht, im Gegenteil, es kommt immer was Neues.

    Grundvoraussetzung ist, dass Dein Bruder nicht mehr konsumiert. Sonst nimmt ihn keine Einrichtung. Gesund streicheln oder gesund kümmern geht immer auf Deine Kosten, bis da nichts mehr ist. Drei Gründe, die nichts ändern. Worauf also warten?

    Zitat

    „Ich war bei Selbsthilfegruppen für Alkoholiker und psychisch Kranke, bei ner psychologischen Beratung... aber i.d.R. kommen die Menschen schnell an ihre Grenzen, weil ihnen entweder zum einen oder zum anderen Aspekt die Erfahrung fehlt.“

    Mit Betreuern und Ärzten ist es so: sie tun das, was sie glauben was richtig ist. Das hat eine große und oft auch eingeschränkte Bandbreite und da neigt der Angehörige gerne dazu, sich viel tiefergehendes Wissen anzueignen und die Welt verändern zu wollen. Was glaubst Du, was wir Angehörige alles wissen. Wir wissen alles über Alkohol, die Krankheit, was der Abhängige wie tun muss um gesund zu werden, wie es im Abhängigen aussieht und wie alles gut wird.

    Das funktioniert nicht und ist fehlgeleitete Lebensenergie, die an anderer Stelle fehlen wird.

    Bei einer Doppeldiagnose kommt nochmals eine Etage obendrauf die so hoch ist, das Du ganz oben in dicken undurchsichtigen Wolken bist. Es gibt da überhaupt nichts mehr zu verstehen.

    Wenn ein Betreuer da ist und der ist ja dafür da, dass Du den Kopf frei bekommst, dann ist es ja nicht besonders förderlich, wenn Du alles hinterfragst oder infrage stellst, was ein Betreuer entscheidet oder Arzt anordnet. Das ist das, was der Coabhängig besonders gut kann: den Kopf in den Abhängigen und jetzt noch in den Betreuer, den Arzt, in Medikamentationen, in immer was Neues stecken.

    Es geht darum, den Kopf für sich freizubekommen, das eigene Hirn zu heilen, das Vergangene aufzuarbeiten, neue Weichen zu stellen und sich nicht laufend selbst mit neuen Querschlägern zu blockieren.

    Eine Selbsthilfegruppe kommt von sich selbst helfen. Heilung erfolgt nicht nach Abrechnungstarifen und Sprechminuten, dahinter stehen oft unbezahlbare Sprechjahre, Gedanken die irgendwann eine Veränderung hervorgerufen haben, für andere unbedeutende Kleinigkeiten, die plötzlich etwas bewirken, die uns lernen anders mit den Situationen umzugehen.

    Saufen, Drogen, paranoide Schizophrenie, da hast Du Dir große Brocken aufgetragen, zumal Du einen Bruder nicht einfach austauschen kannst, wie einen saufenden Partner.

    Eine Selbsthilfegruppe kann Dir im Kern wenig helfen, solange es nicht um Dich geht, nur um Dich, nicht um Deinen Bruder, nicht um dessen Krankheiten. Alles was wichtig ist um Deinen Weg zu finden steht hier in den Forenzeilen. Vielleicht nicht so, wie Du es gerne wünschst. Wenn Du eine praktische Anleitung zum Trockenlegen und Glücklichsein suchst, die gibt es nicht.

    Wenn Du aufhörst etwas zu suchen, was es so nicht gibt, dann wird sich einiges für Dich ändern.

    Deine Frage war: Kontakt halten oder nicht? Die Frage ist, wie starkt Du Dich da rein hängst, einnehmen läßt, Grenzen ziehen kannst und selbst damit klar kommst.

    LG Kaltblut

    Hallo Topaz,

    es ist eine große Leistung alles aufzuschreiben, von unten raus zu holen und es öffentlich zu stellen. Das ist Therapie, das hilft, das bringt vieles in Bewegung. Es ist etwas anderes nur zu denken, als das Gedachte aufgeschrieben vor sich zu sehen. Das macht es einfacher etwas zu begreifen, etwas tun, etwas zu ändern, sich zu verändern.

    Du schreibst:
    „Um den Kreis zu schliessen: So ging es mir auch hier. Ich hatte wieder diese Gedanken und Gefühle!“

    Schau, das ist ein springender Punkt in der Genesung. Du bist hier für Dich, Du machst alles nur für Dich, ohne Schulterklopfen, ohne Anerkennung, ohne etwas dafür zu bekommen, auch um Dir Gedanken aus ganz anderer Sicht anzuschauen, da ist jede Erwartungshaltung ein Klotz am Bein. Damit umzugehen, damit klar zu kommen, darauf baut vieles auf.

    LG Karl

    Hallo Blumenfrau,

    noch ein herzliches Willkommen.

    Was ist ehrlich beantwortet? Ehrlich mit dem jetzigen Verständnis? Kann das morgen auch schon wieder anders sein?

    Selbstverständlich kann man mit einem Alkoholiker zusammen sein, ohne Co-Abhängig zu sein.
    Die Frage ist immer welchen Sinn das macht und wer die Grenzen festlegt. Wenn jemand darin seine Erfüllung sieht und mit den ganzen Konsequenzen klar kommt, warum sollte das nicht gehen?

    Ich hätte mich damals nicht für coabhängig gehalten. Erst später, als ich hier in dieses Forum kam, als ich mich hier, in realen Gruppen und mit Therapeuten über die Thematik austauschte, machte es immer mehr klick, da sah ich immer mehr wo ich drin saß.

    Wenn ich mir heute nochmals all die Fragen beantworten müßte, dann wäre schon etwas falsch gelaufen.
    In einer funktionierenden Beziehung ist das überflüssig.

    Irgendwann war all das was ich geben konnte aufgebraucht, da war nur noch ein Organismus der Leben wollte.
    Gesund leben schließt den ganzen Rattenschwanz den ein Abhängiger mit sich rumschleppt aus, da ist dafür kein Platz.

    LG Kaltblut

    Hallo Karsten,

    während der regen Austauschjahre kommen 100 oder mehr Teilnehmer zusammen, mit denen ich einen intensiver Austausch hatte, aus dem ich einiges für mich mitgenommen habe, bestimmt noch mehr. Das kann ich noch recht gut nachlesen und mich in die Situationen zurückversetzen, auch wenn das was hier steht längst nicht mehr im Kopf abrufbar ist, aber dafür steht es ja hier :)

    Dazu gehören Menschen, die ich besucht habe, die ich heute noch treffe, Menschen die ich aus Dankbarkeit oder aufgrund der tiefen Gedanken unbedingt kennen lernen wollte oder meine Frau :), mit der ich heute verheiratet bin. Dazu gehörten auch meine Ex, wegen der ich hier aufgeschlagen bin, unglaubliche Geschichten, Prozesse, Auseinandersetzungen und Entwicklungen.

    Wenn ich an die Gedanken denke die hier stehen, dann frage ich mich heute schon, wo auf dieser Welt, im welchem Zustand und in welchem Umfeld bin ich in der Lage, so etwas von mir zu geben, so intensiv über die Dinge nachzudenken, nachzulesen oder mich sogar auszutauschen? In der realen Gruppe, etwas, da sind die 90 Minuten immer schneller vorbei als ich denken kann, in meinem Freundeskreis, gähn, Langeweile, nicht schon wieder, in meiner Familie, hallo, nix von wissen wollen, mit meinen Kindern, Papa, schalt mal ab, mit meiner Frau- ja, wir sind die kleinste Selbsthilfegruppe und es tut uns immer gut. Dann bleiben noch der hofierte Profi, ein Therapeut, das geht ins Geld.

    Da bleibt Dein Forum. Tolle Sache, überall zu erreichen, anonym und einzigartig. Was ich draus mache ist dann was ganz anderes. Ich kann ja auch den ganzen Tag streiten, besser wissen und sonst was oder einfach nur meine Konsequenzen aus den vielen Erfahrungen ziehen.

    Die Lebensgeschichten müssten eigentlich überquellen wie Hefeteilchen.

    Ja, die meisten haben abgeschlossen, für die ist das Thema erledigt oder auch nicht, es wäre schön zu wissen, dass es denen gut geht.

    LG Karl

    Hallo zusammen,

    die letzten Wochen waren etwas lähmend, Sommerhitze und im Hirn brodelte es. Einige in meinem Alter sind vom Berg gefallen, andere vom Motorrad und wenn der Algorithmus sein Unwesen treibt, dann meldet das Handy jeden Morgen als Erstes jeden der unter die Räder gekommen ist. Das Ding ist mir unheimlich, vielleicht ist es besser, wenn das Handy den Berg runter fällt. Der Provider ist schon fürsorglich, denn zwischen den Nachrichten gibt’s was für Oldies alle 11 Minuten, Einkaufswägelchen mit E-Motor, günstigem Zahnersatz und Fettweg-Gesundheitsinfos. Die Leute da drin wissen alles von mir, alles was ich brauche, was mir gut tut, wo es lang geht, wo ich mein Kreuzchen machen soll. Was mache ich nur, wenn mal der Strom ausfällt. Gelegentlich vergesse ich es. Das ist schon fast wie etwas Übermütiges tun, was Halbseidenes, normal und frei sein illegal, vielleicht doch mal was Brodelwasser abschütten.

    Ich bin jetzt älter als die Prognosesoftware mit 48 meinte, dass ich werden könnte. Die ganzen umfangreichen Checks in den vergangenen Monaten haben nichts Auffälliges hinterlassen. Es könnte an dem Kram liegen, den ich die letzten 12 Jahre mit mir veranstalte. Der Stein, der mit dem Forum ins Rollen kam, mit kleinen Schritten immer mehr zu ändern, war anfangs so nicht absehbar. Wer denkt denn auch so weit.

    Ein lieber Mensch schrieb vor 9 Jahren: Du und Dein Vorruhestandsleben… Das stimmt so nicht, denn ich bin mit jetzt 60 immer noch voll am Schaffen. Geht ja auch schlecht, denn es gibt viel auf- und nachzuholen. Unsere 5 Jungs, meine Frau natürlich auch, sorgen schon dafür, dass immer was los ist. Eheleben, Familienleben, Haushalt, Selbstständigkeit, Blitzeinschlag, Brand, Wassereinbruch, das geht alles besser zu verarbeiten, wenn der Müll, der damals in mir war, gut entsorgt ist.

    Meine Belastungsgrenzen sind besser zu spüren, halt Stopp kommt von ganz alleine.

    Geladen bin ich 2006 durch die Supermärkte und habe die Verkaufsfläche für alkoholhaltige Getränke ausgerechnet, den Marktanteil, was das alles verursacht und wie das verboten werden könnte. Alle Gläser wurden bei mir entsorgt, alle Flaschen, alles radikal geändert. Auf der letzten Party waren mein Frau und ich zwei von vierzig. Welches Recht habe ich, anderen den Spaß zu nehmen, nur weil ich, also nur ich ein Problem habe? Es ist mein Ding damit umgehen zu lernen, andere haben damit nichts am Hut. Wir hatten ein richtig schönes Fest, auch wenn wir die einzigen waren, die keinen Alkohol getrunken haben. Andererseits, das komische Kunstlimettenzeugs ist mir überhaupt nicht bekommen.

    Würde jemand fragen, was ich besser machen würde, dann könnte ich nur mit den Schultern zucken und sagen: gestern war gestern, heute ist heute und was morgen ist, das weiß ich nicht. Es ist alles richtig, so wie es heute ist.

    Manchmal fehlt mir die Naivität, dieses dumm sein, dieses Zusammenhänge nicht zu erkennen, da möchte ich schon nochmal so richtig dumm sein, dann, wenn ich mit dem Alltag nichts zu tun haben will. Es gibt diese Situationen wo was falsch läuft, wo du genau weißt wo der Hase im Pfeffer liegt, aber nichts tun kannst ohne es schlimmer zu machen, wo dir in die Taschen gelangt wird und du kannst nichts tun, demokratischer Wildwest. Wenn alles richtig tickt, dann sind auch die merkwürdigen Ängste und Gefühle weg. Da hatte sich lange etwas breit gemacht, Verlust, Fehlen, Leere, auffüllen, etwas wollte immer etwas, was überflüssig war.

    Ich denke gerne an die Menschen, die nicht mehr hier sind, auch die, nicht mehr unter uns sind, mit denen ich einen tiefen Austausch hatte, die mir weitergeholfen haben, die dafür sorgten, dass mein Hirn arbeitete.

    Danke.

    LG Karl

    Hallo Hull,

    nun schreibe ich schon 12 Jahre in diesem Forum, seit 11 1/2 Jahren bin ich trocken und der Rest steht ja hier irgendwo.

    "Oder etwas milder formuliert: Was bringt es euch, in diesem Forum zu schreiben?"


    Lesen - schreiben - verarbeiten - auseinandersetzen - ändern, das kommt dabei raus, wenn ich hier bin.

    "...im Grunde auch nicht auf den Alkohol zurückzuführen"
    Der Alkohol ist ja immer nur ein Teil des sichtbaren Eisberges, wie bei allen anderen Krankheiten auch, nur die Spitze.

    Es geht mir nicht mehr um den Alkohol, nicht um die Coabhängigkeit, nicht um all die Dinge, durch die ich einen weg hatte und mich in einer Situation wieder fand, in der ich nie sein wollte. Es geht mir heute darum, dass ich bei mir Verhaltenskombinationen erkenne, die etwas auslösen können, was mir nicht gut tut. Ja, Du hast recht, dafür brauche ich kein Forum, das steht alles in Büchern, läuft im Fernsehen, in YouTube, wird in realen Gruppen und Therapiezentren behandelt.

    Mir hilft das Lesen hier, der Austausch oder einfach nur für mich zu schreiben. Dabei kann ich denken und für mich Mut zum Ändern finden. Andere schaffen das u. U. in wenigen Minuten auf dem stillen Örtchen.

    Wenn ich nach 20 oder mehr Jahren dann meiner Frau zurufe: ..und was habe ich jetzt davon gehabt.....dann habe ich nichts davon gehabt.

    LG Kaltblut

    Hallo Karotte,

    genau das meine ich: „Therapien und Aufstellung, meine Fortbildung, die ganze Auseinandersetzung usw. und immer noch kleben diese alten Muster wie Kletten an einem.“

    Das zieht sich durch das ganze Leben. Alkohol kannst Du ablegen, fehlendes Wissen lernen, Verhalten ändern, das was da ist, so wir Du bist, ist schwer änderbar. Menschen studieren und wollen als Ärzte Fehler korrigieren, als Lehrer Lücken schließen oder als Therapeuten andere vor den gleichen Fehlern (z. B. Coabhängigkeit) beschützen, immer mehr, mehr, mehr. Mehr, mehr, mehr hilft aber nicht, genau wie immer mehr Suchtmittel, das bringt nichts. Anhalten, resetten, sich selbst anpassen und in eine ganz andere Richtung gehen. Warum soll das bei Dir nicht gehen? Wenn Du jetzt die 1 Million wenn und aber und überhaupt weg lässt?

    So lange wie es Dich zerreißt die Dinge einfach stehen zu lassen und Du etwas tun musst, wirst Du immer wieder durch Drehtüren laufen.

    LG Karl

    Hallo Karotte,

    wenn Du oben rechts unter suchen Karotte eingibst, findest Du aus 11 Jahren bald 3000 Beiträge.
    Alles noch da, da hast Du einiges vor.

    Alter Trick beim Auto: Batterie kurz abklemmen, dann werden allerlei Fehler gelöscht, die sich nebenbei eingeschlichen haben.
    Dann läufts meist wieder.

    LG Karl

    Hallo Karotte,

    herzlichen Glückwunsch zu Deiner Entscheidung hier wieder zu schreiben. Du warst damals sehr aktiv, hast vieles ausprobiert, gelernt, gepaukt und gebüffelt, denn irgendwie musste doch diese Beziehung funktionieren.

    Du schreibst: „Ich weiß nicht, aber es fühlt sich so vieles wie früher an.“

    So liest es sich auch, da gehen 8 Jahren einfach so ins Land und alles beginnt wieder da, wo es aufgehört hat. Ist das nicht unglaublich, 8 Jahre sind ja kaum noch im Hirn vorhanden, aber hier im Forum schon.

    Ich wünsche Dir, dass Du den richtigen Weg findest.

    Viele Grüße Karl

    Hallo Jana,

    danke, dass ich Dich hier lesen darf und dass Du nach einem Jahr nochmals einen Status durch gibst.
    Dazu kommt es selten, denn viele hängen einfach in diesem Strudel fest, zucken nur noch resigniert mit der Schulter oder
    wollen nach einem Beziehungsende nichts mehr damit zu tun haben, was ja verständlich ist.

    Du schriebst damals: "...Manchmal denke ich er hat recht, er macht das seit Jahren stabil so und ich komme daher und mische mich ein."

    Es ist Dein Recht, dass es Dir in einer Beziehung gut geht. Wenn es Dir nicht gut geht, dann ist es nicht das Richtige. Faule Kompromisse sind nun mal faul. Alles was fäult, stinkt und zerfällt, das gehört doch irgenwie nicht zusammen.

    Du bist da raus gekommen und das gibt bestimmt vielen Mut und Hoffnung auch etwas bewegen zu können.

    Liebe Grüße Kaltblut

    Hallo,

    es ist wieder was Wasser den Rhein runter geflossen. Vor 12 Jahren fing ich an hier im Forum zu lesen. Nach einigen Wochen habe ich mich angemeldet, große Augen und dicke Backen bekommen, der Kopf rauchte, es schüttelte mich durch und der Sabber lief aus mir heraus. Hier war ich nicht alleine.

    Vielleicht war es die Erkenntnis, dass meine Exfrau Alkoholikerin war, die Vorstellung an all die kommenden Konsequenzen oder coabhängig zu sein, selbst alkoholabhängig zu sein, das Unvermeidliche nicht ändern zu können, als Macher machtlos zu sein, ich war ohnmächtig. Sicher ist, dass jeder Gedanke Angst erzeugt hat, Verlustangst, dass ich dachte etwas tun zu müssen, was nicht richtig schien. Dazwischen, also zwischen der Veränderung und der Gewohnheit, da ist es wie mit nacktem Hintern auf dem drehenden Schleifstein zu sitzen.

    Ich denke immer noch darüber nach, wie so eine Situation entstehen konnte, was da in mir falsch gepolt war. Nichts. Ich war nur noch in der Lage, mit den neuen Situationen umzugehen, sie anzusehen, anzunehmen, zu handeln, etwas zu ändern.

    Mit den ersten Menschen darüber zu reden, mich zu öffnen, zu begreifen, dass es nicht um das ging, wo ich mich drum drehte, sondern um mich, um mein Verhalten war anstrengend. Monatelang ging alles um meine Frau. Monatelang drehte sich alles um den Alkohol. Später um meine Abhängigkeiten und dann um mich, nur noch um mich. Was war das für eine gewaltige Anstrengung mit Gewohnheiten zu brechen, mit Menschen, mit Verhalten, mit Eingeprägtem, mit Erziehung, mit Gefühlen. Nicht zu trinken z. B. ist eine Sache, die darauf folgenden Andeutungen und Konsequenzen wegzustecken war etwas ganz anderes, in der Familie, im Job, mit Freunden, auf Feiern. Die Kunden schauen plötzlich misstrauisch, wenn sie eine Flasche Wein zum Abendessen alleine trinken sollen. Oder anderen Menschen weh zu tun, weil es nicht um sie, sondern um mich ging, das war auch neu für mich. Gedanken aus dem Kopf zu bekommen, die da seit Jahrzehnten fest saßen, nur daran denken und sie zu erkennen, war wie Schleifstein sitzen. Ich kann heute nichts mehr viel dabei empfinden, wenn ich daran denke, wie ich damals Rotz und Wasser geheult habe und nächtelang um die Häuser gelaufen bin und nicht verstehen konnte, was in mir ablief. Ich möchte auch nicht mehr daran kratzen, denn durch Kratzen gibt es Entzündungen. Die Erfahrungen musste ich damals machen. Stirb und werde.

    Im Heute sein, lassen, grundlos, ordnen, ehrlich sein, Ernährung, Bewegung, Umfeld, Sonne, Luft, Schlaf und auf den Punkt kommen, Müll weg, Umwelt, Umfeld. Da liegt alles drin, mehr ist das nicht. Mir helfen die paar Worte enorm weiter, wenn mal was nicht stimmt. Einfach nacheinander nachschauen, sortieren und die Löcher wieder füllen, die Gedanken auspacken oder suchen und ausgraben. Gelegentlich oder für einen anderen, ist das genau das Gegenteil.

    Ich habe sie mir aufgeschrieben, diese paar Worte, denn oft genug habe ich sie vergessen, dann sind sie weg. Aber Neues, das kommt von ganz alleine immer wieder und dann fängt das eine und andere wieder von vorne an. Nur, es gibt jetzt immer mehr was ich mir nicht mehr erlauben kann, denn aus unendlich ist endlich geworden.

    Gene, Erziehung, Angeeignetes, Gesellschaftliches, Umweltbedingtes, Situationen, haben mich unbewusst und bewusst geformt und das ist ja nicht unbedingt so, wie meine Zellen das so wollen. Ein natürlicher Bewegungsdrang wird durch die Sitzerei am PC bestimmt nicht gefördert. Würde ich täglich an der Liane durch den Urwald schwingen, dann wären die herunterrutschten Muskeln bestimmt noch da oben, wo sie gut aussehen und nicht wampidar im Mittelpunkt des Geschehens.

    Je mehr Abweichung, je mehr Anpassung ist erforderlich. Je mehr Anpassung, je mehr Auseinandersetzung, je mehr krank, je früher verbraucht oder hin. Ganz einfach. Meine Uhr läuft nicht schneller ab, weil ich 1 Stunde Sport mache oder mich gelegentlich aufrege, sondern weil ich permanent Dinge in meinem Organismus zu Recht rücke, tagsüber mit offenen Augen und nachts, wenn ich abgeschaltet bin.

    So was zu denken und danach zu handeln wäre mir von 12 Jahren nicht möglich gewesen. Vielleicht auch, weil ich anders konnte, weil ich einen schwierigen Weg einfach gehen konnte und weil es heute einfach sein kann, einfach sein muss.

    Danke, an die Vielen, die mich begleitet haben, zum Nachdenken und Handeln brachten. An "in 12 Jahren" hätte ich nie gewagt zu denken, an heute schon und da ist viel Zeit draus geworden, die wünsche ich jedem.

    LG Kaltblut

    Hallo Ziele,

    willkommen im Forum. Wenn etwas falsch verankert ist, dann wird etwas passieren, was nicht gut ist.

    Liebe besteht aus freigesetzten Gefühlen und Hormonen, aus der Befriedigung von Vorstellungen.

    Frage: wenn diese Hormone nicht mehr produziert werden, wenn diese Gefühle nicht mehr da sind, wenn etwas anders ist als es mir vorstelle, hört dann die Liebe auf und höre ich auf zu leben?

    Kaum, es sei denn, bei mir ist etwas falsch gepolt, falsch verankert und dann kommt eine Welle und haut mich auf die Klippen. Diese Welle ist hier der Alkoholiker und von den ausgelebten eigenen Anteilen, meinem Abgeben an den anderen, gibt’s gleich noch einen Sturm obendrauf.

    Wenn ich nicht in die Klippen gerate und warte bis der Sturm aufhört, dann brauche ich doch nur darauf zu warten, bis es von vorne losgeht. Wo ankere ich mein Boot also? Im sicheren Hafen und der kann nur in mir selbst sein. In mir und nicht auf Wasser, nicht auf einem Kerl oder Kerlin und nicht in Gefühlen, Gedanken und Hormonen. So lange wie ich das nicht mache, bin ich von Gefühlen, Hormonen und Fehlverhalten hin- und her geschmissen. Ich brauche nur darauf zu warten, bis sich der Ablauf wiederholt.

    Was 42 Jahre fehlprogrammiert wurde, braucht seine Zeit. Vor allem lieg der Wert ja nicht draußen, bei anderen, sondern bei Dir. Was bist Du Dir denn wert?

    Dir weiter einen guten Austausch.

    LG Kaltblut

    Hallo Camilla123,

    willkommen hier im Forum, in den bunten Ratespielen, bei den zerreißenden Gedankenverdrehern und dem nicht verstehen können.

    Sofern Dein Mann keine Krankenbescheinigung hat, ist er sogar noch gesund. Regelmäßig zu trinken ist ja nicht verboten. Auf dem Papier steht jedenfalls nichts. Du hast Angst, er nicht. Was willst Du denn? Er hat kein Problem, nur Du.

    Wie schlimm es ist?

    Die Frage ist nicht, was Dein Mann alles hat, wie das bezeichnet wird, welche Ursachen es hat, was daraus wird und was andere dazu meinen, sondern ob Du noch mit seinem Verhalten klar kommst, ob Du damit weiter so leben willst und kannst oder nicht.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch, viele neue Gedanken, die richtigen Entscheidungen und einen guten Austausch.

    LG Kaltblut

    Hallo Hartmut,

    für mich ist Coabhängigkeit die Unfähigkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Der ewige Widerspruch in sich selbst, also anders zu handeln, als es für den Organismus gut ist und das führt zum Kranksein. Kranksein führt dazu, dass es uns nicht gut geht und das lässt sich alles gut deckeln, bis es nicht mehr geht. Weg gucken ist einfacher als etwas zu ändern und so gehen oft Jahrzehnte ins Land, weil eine Sucht, es ist ja nicht nur Alkohol oder weg gucken oder nichts ändern, ein Stück unserer satten Kultur ist. Jemand, der neben mir sein Handy zu seinem Mittelpunkt macht, ist nicht mehr unabhängig und das belastet die Gemeinsamkeiten. Warum schaue ich bei unseren Kindern weg, wenn sie am Tisch auf ihre Bildschirmchen glotzen oder wenn Geschäftspartner gleich mehrere am Tisch auspacken? Es ist etwas Normales geworden, ich bin heute nicht mehr normal. Saufen und ein saufender Partner waren normal.

    Für mich hat Coabhängigkeit nichts damit zu tun, dass ich von Hause aus eine abhängige Rolle übernommen habe oder weil es in meiner Gesellschaftsstruktur so sein soll oder weil es die Familienentwicklung (Kinder/Einkommen/Eltern) so vorgibt. Ich bin immer im Leben von anderen abhängig, gemeinsam ist ein Stück Leben in der Gesellschaft. Ich muss vom anderen nicht abhängig sein, weder in der Beziehung, noch von den Eltern, noch von den Kindern, auch nicht von der Familie, noch vom Arbeitgeber, noch von Vereinen, Gemeinden und Grüppchen. Wäre das nicht so, dann wären alle krank. Es sind aber nicht alle Menschen krank. Das hätten einige gerne. Eine abhängige Gesellschaft ist gut steuerbar.

    Es ist woanders so und es war bei uns normal, die Eltern zu pflegen und in den Tod zu begleiten. Das ist traurig und schmerzt, ableben gehört zum Leben wie geboren zu werden. Eine Aufgabe oder Verpflichtung ist keine Krankheit. Es ist auch normal Kinder bis zum Abflug zu begleiten, auch die, die eine Behinderung haben, deshalb muss ich nicht krank werden. Es war auch einmal normal, sich im Job den Popos aufzureißen und etwas zu bewegen und sich nicht erst die Rechte auszudrucken, das hat mir damals nicht geschadet.

    Wenn ich in der Beziehung mit einem anders Abhängigen keinen Schaden nehme und nicht abhängig bin, selbst bestimme wo es für mich lang geht, dann werde ich aus der Situation auch kaum Schaden nehmen. Der Kopf ist in einer Beziehung mit einem Kranken schnell mal verbogen, schneller als in einer gesunden Beziehhung.

    Bei mir ist damals etwas ausgebrochen und dann hing ich drin, in der Abhängigkeit und das habe ich weder gemerkt, noch auf die Zurufe anderer reagiert. Das ging so lange, bis ich ziemlich verbraucht, hin war. Dann erst kam dieser unausweichliche Konflikt, zwischen wegsehen, Angst und hinsehen.

    Das war ein Entwicklungsprozess, Dinge lernen, loslassen und neu begreifen, die ich so nicht kannte. Die damit verbundenen Ängste und Gefühle haben damals einiges mit mir angestellt. Jeder Mensch wird Entwicklungsprozesse mit machen. Die werden je nach Leidensfähigkeit, also unter gesunder Voraussetzung, aufgrund genetischen Vorgaben und erlernten Verhaltensmustern immer unterschiedlich sein. Alles was mir gestern fehlte, habe ich vielleicht morgen zu viel. Über Löcher und Hügel ist anderes Fahren als über eine glatte Piste.

    LG Kaltblut