Guten Tag Ihr Lieben,
ich muß das für mich was offizieller machen, los werden, los lassen, damit es weg ist, zu texten:
2007, im Juni stand ich hier, und wollte freudestrahlend verkünden, was so alles in einem Jahr passiert, wie toll es ist, daß meine Frau einen Entzug gemacht hat und in Langzeittherapie ist, daß wir zwar getrennt sind, aber man weiß es ja nicht. Ich war ein guter Co, ich hatte mich gut entwickelt und stand vor einer Wende.
2008, im Juni stand ich hier und wollte freudestrahlend verkünden, was so alles in einem Jahr oder in zwei Jahren passiert, wie toll es ist, daß meine Frau weiterhin trocken ist, daß ich jetzt ganz in Berlin lebe und wie glücklich ich bin, aber man weiß es ja nicht. Ich bin ein guter Co, ich hatte mich gut entwickelt und stand vor einer Wende.
Wir hatten einmal eine Beziehung, Gefühle, Nähe, Kommunikation, Intimität, Liebe, hemmungslose wilde Aktivitäten, wir waren glücklich, meine Frau meinte eines Tages: Karl, ich bin zu Hause, meine Reise endet hier, ich bin geborgen, angekommen, wir haben geheiratet, waren auf einem guten Weg, meisterten alles, bis zu ihrem Infarkt. Sie hatte mit 43 Jahren einen Infarkt, ich drehte durch, aus Liebe, aus Abhängigkeit, aus Verlustangst, aus, aus, aus und landete hier im Forum.
Später hatten wir weniger hin- und her, weniger Liebe, weniger Gefühle, weniger Intimität. Die Kommunikation wurde einseitig und verschwand ganz, die Nähe war fort, Gefühle lösten sich auf und die Beziehung war weg. Ich kündigte, zog aus, startete mein neues Leben, aber in der blinden Hoffnung, bei ihr würde sich etwas ändern, sie würde es packen, wir könnten neu anfangen. Sie machte einen Entzug, eine Langzeittherapie und wir trafen uns auf ein Lebewohl in der Klinik und gingen lange redend spazieren. Wir wollten ein Abschiedsessen, da streikte das Auto, Diagnose: elektronik Defektus auf dem behinderten Parkplatz der Kreissparkasse. Unerklärlich, meine Frau war nur eben auf den Fahrersitz und wollte das Auto gerade einparken, weil jemand meckerte. Das hätte mir zu denken geben müssen. Wir sind mit dem Taxi ins Büro, habe den Ersatzschlüssel geholt, zurück, haben herzhaft gelacht auf der 1 ½ stündigen Fahrt, die Elektronik funktionierte trotzdem nicht mehr. In meiner Schizophrenie hielt ich das für ein Zeichen vom lieben Gott, um alles nochmals genauer zu betrachten. Haben wir dann, lange geredet, gut gegessen und ich fragte sie, ob sie Gott die Hand reichen kann, konnte sie nicht, ob sie mir die Hand reichen kann, konnte sie nicht, ob sie sich selbst die Hand reichen kann, da meinte sie: sie versucht es gerade. Da haben wir es langsam angehen lassen. Mein Auto wurde abgeschleppt, die B9 erhielt im Sonntagnachmittagrückreiseverkehr eine Vollsperrung und ich durfte erleben, wie die Menschen auf einen Anzugträger mit Warnweste wütend reagieren und rücksichtslos vom deutschen Straßenrecht gebrauch machen. Der Abschleppdienst stellte eine klasse Rechnung aus und die Werkstatt fragte mich, wer so dumm gewesen ist, die elektronische Zündkarte durch den ganzen Schlitz zu schieben, wobei Zündeinheit samt Schlüssel hin waren. Passiert, wenn man über den Sitzt hüpft. Ein behindertes Zeichen, danke. Ich hatte vergessen, daß solche Tollpatchigkeiten alltäglich bei meiner Frau passierten. Ich vergaß auch ihre Worte, daß sich ab jetzt alles ändern würde, daß sie ab jetzt leben wolle und sich frei bedienen würde.
Sie ging nach Berlin, das Trennungsjahr war rum, ich zog hoffnungsvoll die Scheidung zurück, wir suchten eine Wohnung, die Sachen gingen rüber, wir richteten ein und wir sahen abwartend und distanziert den Entwicklungen entgegen. Ich ungeduldig wartender, sie distanzierter abgewendeter. Die Ehe wurde nicht mehr vollzogen, es gab weder hin- und her, noch Nähe, noch Intimitäten. Unsere unser Kommunikation wurde dünner. Ich dachte, naja, wenn du nur eine Fernbeziehung hast, nur zweimal im Monat da bist, da kann sich ja nichts aufbauen und vergaß, als wir damals zusammen kamen, sind wir an den seltenen Wochenenden wild übereinander hergefallen, so schnell haben wir nie mehr die Klamotten aus gezogen, ich übersah, daß da etwas ganz anders war. Ich vergaß auch Currlinger der mal meinte: da würde ich gar nicht so weit fahren. Currlinger, danke, ich habe Deinen Satz oft im Ohr gehabt, nur immer zur falschen Zeit.
Du bist so anders als alle anderen Kerle sagte meine Frau damals, nicht so arrogant, nimmst dich nicht so wichtig, du machst einfach, bist für mich da, ich bin dir etwas wert, wichtiger als dein Job, als das ganze Geprotze, du zeigst Gefühle und bist so verständnisvoll. Ich bin aus einem guten Co-Holz, ideal um sich einzuschnitzen, um mich handbar zu machen, bis ich immer mehr zurückfand, auf meinen Weg. Vieles werde ich immer sein und zeichnet mich aus, anderes werde ich nicht mehr machen, meine teuerste Erfahrung sind die Jahre mit meiner Teuersten, sie sind mir die Kostbarsten und Wertvollsten, wenn auch am Allerwertesten.
Ich habe mal eine Bestandsaufnahme gemacht, wie schlecht wir doch zusammen paßten, es war nie wie meine Frau es sich vorstellte, immer gab es irgendwas Unpäßliches, immer Neues, unersättlich Neues. Sich auf einer Augenhöhe begegnen, sich ansehen können, was für gewaltige Worte, sie stand immer auf ihrem erhöhten Treppchen, wir hatten keinen Kontakt mehr, nur einseitig.
Hier würden jetzt rund 100 Punkte aufgeführt, die ich in den letzten Tagen aufschrieb, die so einseitig waren, wo die Meisten sofort sagen würden: ist der dumm. Ich hätte und habe es nicht so gesehen, für mich war das eben OK, akzeptiert, in Ordnung. Ich habe mich selten beschwert, selten gemeckert, wenig gefordert und wenn wir uns zankten, dann war das so, aber das Positive überwiegte alles. Erst jetzt kann ich neutral mich selbst, die Umstände betrachten, bilanzieren.
Ich habe im April meine Wohnung aufgelöst, alles für einen Apfel und ein Ei verscherbelt und bin nach Berlin gezogen. Ich zahle den Kram noch lange ab, mir war es das zu dem Zeitpunkt wert. Die Firma ist in Auflösung, die Mitarbeiter entlassen, alles war anders, schneller geplant und auf einen neuen gemeinsamen Weg ausgerichtet. Ich hatte sogar attraktive Jobs für sie und dachte: halt Co, das ist ihr Ding, Finger weg. Als ich die letzten Wochen nach Hause kam, sprach sie nicht mehr mit mir und war nur noch voll Apathie und weg. Schlimmer abgetreten als in süffigsten Tagen. Wochenlang Tag für Tag im Bett am Lesen.
Als Böse Dinge vorfielen, gepaart mit Unehrlichkeit und Vertrauensbruch, da habe ich auch meinen Respekt und meine Achtung verloren. Niemand sagt mir, daß ich meiner Ex die Miete erhöhen soll, meinen Kindern die Stütze kürzen muß, erpreßt mich mit der Bekanntgabe von Geschäftsgeheimnissen, um den eigenen Arbeitsunmut zu vertuschen, auch nicht, wenn ich die zur Ader gelassene Milchkuh bin, niemand muß sich mich schön saufen und investiert falsch in einen Kerl, der 5 Jahre die Existenz sicherte. Ich war erschrocken, wie kalt und abweisend ihre Tochter ist, wie sie ihre Tochter maßregelt und sich immer weiter alles versaut, wie sie mit dem Vater der Tochter umspringt. Ich wünsche mir, daß dieses Kind es schafft diese Verkettung der Gefühlsverwüstung zu durchbrechen.
Trocken sein, nicht trinken, damit sind die Gefühlswelten nicht OK. Ich bin jetzt wieder in mir, sie hat einen meterweit neben sich gehen. Schamvergrämte Menschen die zu unverschämten Monstern mutieren sind es nicht wert.
Ich hatte wieder meine Opfer-, Helfer und Corolle voll eingenommen. Ich wußte genau wo lang, konnte das auch hier prima schreiben, einfach nach rechts und ich ging nach links. Eifersucht trieb mich in eine Paranoia, scheinbare weitere Krankheiten meiner Frau ließen mich erstarren, abrutschen, erzittern, es eskalierte. Ich dachte, wir stehen alles gemeinsam durch, wie ein Freund aus Düsseldorf, der seit 24 Jahren unter MS-Schüben leidet und dessen Partnerin hinter ihm steht oder wie trockene Alkoholiker und Cos das hier im Forum, das in meiner realen Gruppe praktizieren. Meine Frau hat 6 Wochen nicht mit mir gesprochen, nur ignoriert und gefordert, ist mir aus dem Weg gegangen und ich bekam schlimmste gesundheitliche Endstadiumsbefürchtungen, nächste Paranoia, die Ärmste spricht nicht mit mir, weil sie so krank ist. Dann macht sie halt ne Chemo und gut ist, dachte ich, wir packen das. Ich bin gesund, gut meine Lunge, die wird nicht mehr, aber ich bekomme den Hintern hoch und tue was. Aber da passiert nichts bei ihr, rumrakeln bis in den Sarg, das wäre dann Langzeitabdecken. Pferde schickt man zum Abdecker, sie hat da keine Veranlassung zu. Sie wurde böse, ungenügsamer, protzte mit Hocharroganz, vertauschte einseitig die Meßbecher und läßt ihrer Vergnomung freien Lauf.
Ich mußte da weg, jede noch so kleine Geste des Entgegenkommens artete aus. Es geht nicht um Opfer, Täter, Schuld oder Unschuld, wer Recht, wer Unrecht hat, wer besser oder schlechter ist, es paßte nicht mehr. Als Co habe ich gelernt, tief verletzende Treffer zu landen, ich brauche keine verbalen Kraftausdrücke, aber ich erhob meine Stimme und wurde lauter und meine Frau kann ebenso mächtig austeilen. Es geht nur noch um Schutz vor der Eskalation. Sie hat „böse Dinge“ gemacht, ich kann sie nicht anders bezeichnen weil alles zu dumm ist. Sie muß damit leben, ich kann es. Den Rest richtet die Natur von ganz alleine, schade.
Falls das so noch nicht richtig rüber gekommen ist, ich bin ausgezogen, löse die Ehe und werde meinen Weg gehen. So oder so. Ich bin alkoholabhängig und Co, ich bin dankbar, daß ich durch dieses Forum auf die Umstände gekommen bin, klarer denken lernte und meinen Weg gefunden habe, ich bin dankbar durch diese Umstände so viel gutes über das Leben gelernt zu haben und ich fange ja gerade erst an. Die Beziehung ist gescheitert, es gehören immer zwei zu, wir sind entzweit. Ist jetzt was blöde, Trennungsjahr, mit Trennungsjahr des Trennungsjahrs und zahlen und zahlen, hihi, ich bin voll verarscht, geöffnet und ausgenommen wie ein Aal, spedi würde jetzt „Masochist“ rufen, ich habe eher Masern am Poppes bekommen oder noch weiter, es geht mir schon was auf den Sack, zumal, nem nackten Kerl in die Taschen greifen, was für eine Säckelei.
Die nackte Tatsache bleibt, daß in solchen Situationen die Eskalation zu Messern im Bauch und Hämatomen im Gesicht führen kann. Meine Frau mag im Zuge ihrer Vergnomung allem Hass freien Lauf lassen, aber ich habe mich nicht auf ihr Niveau herunterziehen lassen, ich kann in den Spiegel sehen, auch mit viel dümmerem Hirn.
Drüsch is nit drüsch, es reicht nicht. Ich wünsche meiner Frau alles Gute, was immer sie wie veranstaltet, es ist ihre Sache, ihr Leben, sie ist der Bestimmer über sich selbst, nicht über mich. Die Monate haben mich verändert, ich komme hervorragend klar mit mir, so oder so, es ist einfach nur schade. Wenn ich meine Bilanz lese, frage ich mich: wie dumm kann ein Mensch sein?
Ich habe mir ja viele Grenzen gesetzt, aber Dummheit ist und bleibt grenzenlos. Ist doch das Geilste überhaupt, ewig grenzenlos dumm zu bleiben und man kann nichts dagegen tun außer immer was mehr zu verstehen.
Ich bin nie so richtig losgekommen, ich war bis zum Schluß meine von oben betrachtete Flasche. Der Hals besteht aus einem runden O und geteilt aus einem C, ich war meine Flasche und habe sie ungeniert angesetzt, leer, aber in vollen Züge die Leere genossen. Jetzt ist sie Deckel auf- im Container, Entsorgung, weg.
Ich liebe diese Welt und meine Frau, hm, ich werde in mir mit ihr machen was mir beliebt, das geht sie nichts mehr an, aber hassen, ne, nix da, ich hasse sie nicht, da kann sie noch so mutieren.
LG Karl
NS: in den letzten Wochen konnte ich einige Menschen hier ganz besonders gut verstehen. Es ähnelte sich so. Eine Person in der Berliner Gruppe erzählte, sie erhält Kraft indem sie morgens erst in den Büchern liest und ich dachte, es gibt viel mehr Menschen die anders sind, die mehr Gleichheiten zu mir haben, wo ich ich sein kann, als solche wie meine Frau, ich war einfach nur dumm. Da fällt mir so ein blöder Spruch ein. Schon wieder vergessen. Auf jeden Fall, ich bleibe mir treu und das bißchen Hin- und Her, die paar Stunden, dieses rumgesabbers, ist das wirklich so wichtig?