Hallo Karmadorje,
ein verspätetes herzliches Willkommen.
Ob jemand nur „trinkt“, „säuft“ oder „abhängig“ ist, dürfte im Grenzverhalten genauso schwer zu bestimmen sein, als würdest Du fragen, glaubst du. Ich habe bei mir körperliche und verhaltens Veränderungen festgestellt und der Weg auf dem ich mich befand, wurde immer schmaler, ob ich deshalb abhängig war? Ich denke mein Körper machte mir klare Ansagen, andere Menschen meinten nein. Es ist mir jetzt nicht mehr wichtig das zu wissen, weil ich meine Entscheidungen getroffen habe: es gibt kein Bißchen, es gibt für mich keinen Weg das herauszufinden, ich lebe abstinent.
Co steht vor der Abhängigkeit, also spielt bei mir irgendwas verrückt, macht mich abhängig. Daß es so was gibt und daß es mir schadet, daß es Wege gibt etwas dagegen zu tun, davon hatte ich keine Ahnung. Ich kam hierhin, weil meine Frau alkoholkrank ist, ich hatte nichts an der Waffel, ich trank normal, ich rauchte, ich war normal und dann, irgendwann mußte ich akzeptieren, daß ich nicht normal war, sondern schon ziemlich lange unter dem Waffeleisen kokelte.
Diese Zeile spricht für mich Bände:
,über welche Themen sie in der ersten Sitzung gesprochen haben. Ich bin ehrlich gesagt noch etwas mißtrauisch
Ich fühlte mich damals im Recht alles über meine Frau zu wissen, schließlich war sie der Mensch, der sich mir voll geöffnet hatte, dem ich mich bis in die kleinste Zelle geöffnet hatte. Es hat mich und Dich nicht zu interessieren. So lange wie es uns juckt und belastet etwas nicht zu wissen haben wir ein Problem, nicht der andere, wir, Du und ich. Es ist schön darüber zu reden, ein „Muß“ macht alles kaputt.
„Habe Angst selber in ein Loch zu fallen, unabhängig von dem was mit meiner Freundin los ist. Das alleine sein läßt ja eben viel Zeit zum nachdenken.“
Stimmt, das ist ein Problem, ich hatte damit ein großes Problem und mußte damit umgehen lernen, heute macht es richtig Spaß. Trotzdem falle ich regelmäßig in ein Loch und ich komme immer schneller wieder raus.
„Ich überlege sogar schon in eine Selbsthilfegruppe zu gehen“
Ich hatte das nicht nötig und da wo ich war, war es mir nicht passend. Ich habe viel Zeit verschwendet und hätte gleich eine passende reale SHG als Ergänzung zu diesem Onlineforum suchen sollen. In meiner Gruppe lauscht man still was andere sagen, das war für mich eine neue Erfahrung. Versuche es einfach, es wird Dir helfen.
„Ich habe gelesen, daß Co-Abhängigkeit eine Verhaltenstörung ist“
In meinem Kopf gibt es Überangebote und Mankos, wie bei allen Menschen, reinsehen können wir ja nicht in die Köpfe. Jetzt nimmst Du mal, alle Süchte, Nikotin, Alkohol, Spiel, Drogen, Workoholic, S**, Beziehungssucht und da gibt es noch einiges, dazu alle Angehörigen und fragst Du Dich was und wer noch normal ist. Was willst Du denn stoppen? Mir ging es gut, als ich nichts von Co wußte, bis es mir schlecht ging. In gut 1 1/2 Jahre wurden dieses und das aufgearbeitet, aber es gibt keine Versicherung dafür, daß ich mein Leben lang richtig ticke. Eine Lebensversicherung ist da einfacher abgeschlossen. Sieh mal, ich kann permanent mit 130 Richtgeschwindigkeit über die freie Autobahn düsen und nie passiert was, trotzdem schützt mich nichts davor, das ich nicht eines Tages abhebe. Ich kann noch so viel über die Krankheiten oder mich lernen, nichts schützt mich vor meinem Fehlverhalten, es gibt keine Versicherung.
„Hat einer von euch Co-Abhängigen selber eine Therapie. „ Ja, ich quatsche mich da aus und hoffe darauf, daß der Therapeut einen Weg sieht, den ich nicht sehe. Ob der Therapeut mir in den paar Stunden so viel vermitteln kann wie ich hier erfahren und erlesen durfte, das lassen wir mal offen.
Du sprichst an, daß wir alle was Älter sind. Vor 10 Jahren, vor 20 Jahren, wärst Du mir mit so was gekommen, ich hätte nur lachen können, erst mit 48 ist mir das Lachen vergangen, davor war wirklich keine Zeit an so einen Quark zu denken, ich doch nicht. Aber wenn Du einmal genau hinsiehst, dann wirst Du feststellen, daß hier sehr viele jüngere Menschen sind, die die Situation erkannt haben. Ich wäre dankbar gewesen, hätte ich vor 20 Jahren etwas darüber gewußt, heute.
Ich habe festgestellt, daß ich ohne Therapeut auskomme (er hatte Urlaub), ohne SHG (ich war verreist),
ja, auch ohne das „Wichtigste“: dieses Forum hier. Das ist wie auf dem Drahtseil balancieren, wenn ein Windstoß kommt, dann geht es ab und deshalb bleibe ich auch weiterhin bei allem und noch bevor ich nach Berlin umziehe, werde ich dort bereits eine reale SHG suchen und finden. Alleine bei Deinen Texten, finde ich so viele parallelen, daß alle meine Warnblinckis angehen und ich mich mal schnell selbst wieder hinterfragen muß.
„Da befürchte ich leider, dass sie bald nicht mehr hingeht und ich dann schon wieder zu sehr von ihr abhängig bin.“ Lies den Satz nochmals, ich kann dazu nichts schreiben außer: Du bist Du, nicht sie.
Lieben Gruß kaltblut