Hallo Ihr Lieben,
damals, habe ich gefragt, wo der Unterschied zwischen Hilfe für einen Kranken und einen Alkoholkranken ist? Es wurde gesagt: ein Kranker lässt sich helfen, er würde alles dafür tun, um gesund zu werden, der Alkoholiker nicht, der denkt nur an sich, seinen Bedarf und die Angehörigen bleiben auf der Strecke.
Damals, da fragte ich: warum soll sie mit dem Trinken aufhören, wenn die Aussichten keine Aussichten sind? Da wurde gesagt: um die Zeit bis zum nächsten Infarkt bewusst zu erleben.
Damals, stieg ich aus, sie nahm fremde Hilfe an, wurde trocken, für sich und dann war sie es und zog an mir vorbei wie eine trockene Feststoffrakete, die von allen mit großen Augen beäugt wird. Wisst Ihr eigentlich, dass ein Rückfall, heute, etwas anderes wäre als vor einigen Monaten? Es würde mich nicht mehr auf Abwege bringen, ich ging meinen Weg und würde es als Test für uns beide sehen.
Damals, da fand ich laufend neue Gedanken, die mich betrafen, nur mich, nicht sie, Krankes in mir, dass es zu richten galt. Meine eigenen Abhängigkeiten, Liebesbedarf, Überliebe, Helfersyndrom, Kontrolle, Kindheitserlebnisse, Masochismus, fehlender Selbstwert, keinen Egoismus, unkoordiniertes Handeln, Ausweichen vor der Angst, der Stille, dem Alleine sein, Schuldgefühle, Wiederholungen, Fortlaufen, Erkenntnis und ich war noch nie auf mich ausgerichtet, jetzt musste ich. Alles war dafür und dagegen, alles war schon längst in mir, ich habe es nur nicht gesehen.
Neulich noch, da fand ich, dass meine Frau immer negativ gepolt war und platzte, aus mir unerklärlichen Gründen, denn ich machte doch gar nichts, außer jedes Mal wenn ich den Mund aufmachte und irgendeinen negativen Krams von mir lies, vielleicht noch gepaart mit männlicher, unbefriedigter Wortwahl, da wurde sie gereizt, dumm gelaufen, ich habe es nicht verstanden, bis ich jedes Wort selbst spürte.
Irgendwann ist ausgerichtet, läuft alles gerade in der Spur, ist ausgesehen. Bis es nicht mehr geht. Dann kommt etwas Neues auf uns zu, auf dem gleichen Gleis. Dann ist alles unbedeutend, vergessen, gestern, weil wir nur heute, hier und jetzt leben. Ein lieber Mensch hat mir gerade eine Schelte verpasst, schade, aber es ist seine, nicht meine, ich brauche das nicht anzunehmen, früher hätte ich mich gegrämt. Dann sehe ich es wieder: das Wenige was ich begreifen kann, was tatsächlich in mein Bewusstsein wandert, was ich sehen, fühlen, spüren, riechen, schmecken und hören kann. Ein Nichts, gegen all das Unbekannte, was täglich von mir ins Hirn aufgesaugt wird.
Ich habe das Denken abgestellt, es war ein schönes Wochenende, wir hatten Spaß, den goldenen Kompass haben wir gesehen und uns seit langem das erste mal wieder „verstanden“. Wir haben über Dinge geredet, über die wir schon lange nicht mehr redeten und waren einfach nur offen. Ich hatte Angst, dass es nie mehr so sein würde. Ich habe ihre Hand gespürt, ihren Kopf auf meiner Schulter und ich weiß nicht so richtig, wem es mehr „gut“ getan hat, ihr oder mir und sie hat sich einfach beim Spazierengehen eingehackt, Kleinigkeiten, die normal sind, für uns waren sie es nicht mehr, nicht wirklich.
Es gibt Missverständnisse und Dinge, die sich zwischen Menschen aufbauen können, die tun einfach nur weh, wenn man sie betrachtet oder auch nur falsch deutet. Ich war auch vor kurzem eifersüchtig, auf was eigentlich? Heute ist es mir egal, das war es auch schon am Donnerstag, als ich los fuhr, da hatte ich schon losgelassen. Trotzdem tat es gut zu spüren, dass es kein „auf was eigentlich gibt“. Nachdem einiges aus meinem Kopf ist, vieles geklärt wurde, können wir anderen Dingen gelassen entgegensehen, wir haben alle Zeit die wir haben und wenn wir eine Chance haben, dann werden wir sie nutzen.
Da sprach eine Frau von „kaputt gekümmert“, dass sie die Nase so voll hat von all den Menschen, die irgendwas geben und irgendwas wollen, als verdeckte Gegenleistung, dass sie nichts mehr annimmt, die Menschen nicht mehr an sich ran lässt. Als ich das hörte hatte ich ganz schön Muffe, dass meine Frau mich zukünftig auch ablehnen würde, weil sie vielleicht mich, mein Tun und Handeln, vollkommen ablehnen würde, ablehnen muss, um zu sich selbst zu finden. Das ich so handeln müsste, dass wir nicht mehr miteinander sprechen würden, nicht mehr reden könnten. Dabei wäre „wird schon wieder, alles wird gut“ so einfach und das ist es auch.
Vieles ist nicht so wie es scheint und noch viel mehr scheint anders als es sein sollte. Also lassen wir mal alles so im Raum stehen, ohne zu klammern, ohne etwas zu wollen, es „wird schon wieder, alles wird gut“.
Es gibt auch Menschen, die sagen, ich empfinde zu viel für meine Frau. Kann ich zu viel empfinden?
Ab wann ist zu viel zu viel, wenn es mich krank macht oder wenn es mir zu gut tut oder wenn andere es sagen?
Was hindert mich daran, mit meiner Frau wieder glücklich zu werden, ein zufriedenes Leben zu führen? Nichts, denn es wird schon längst. Was mich wirklich hindert? Meine Gedanken- ich habe einige Tage nicht über irgendwelche tiefsinnigen Gedanken gegrübelt und es ging mit gut, einfach nur gut. Ich möchte noch mehr von dem „nur gut“.
Alles was ich will geht nur, wenn es in mir ist, durch mich passieren kann, wenn es in ihr ist, durch sie passieren kann und ich wünsche mir, dass wir noch viel passieren lassen - wir haben alle Zeit die wir haben.
Vielleicht ist es irgendwie wie beim Lampen aufhängen:
Wir haben eine Lampe gekauft, irres Teil, schwer, wie macht man das fest, wenn die Altbaudecke mit Rigibs was abgehängt ist? Die Decke weg und den alten Stuck aufarbeiten, aber es hat seinen Grund, dass irgendwer die Decke einzog. Der Baumarkt ist voll von Ideen, die Fachleute haben noch Bessere und meine Kumpels, die haben noch viel bessere Ideen, fast Patent reife Ingenieursarbeit kommt da zusammen, Maßarbeit vom Feinsten. Dann gehe ich die Sache an, was denkt Ihr was da abgeht? Richtig, Chaos, strukturierter, gedachter, klarer, aufgezeichneter Hirnschrott. Kalli nimmt die Leiter, die Bohrmaschine, bohrt „ein“ 3mm Testloch, trifft gleich auf Holz, Hacken rein, hängt unverwüstlich bombenfest an der Decke. Genauso und nicht anders kann das im Leben auch gehen. Kann, wenn ich mir nicht selbst im Hirn rum stehe.
LG Kaltblut