Hallo Ihr Lieben,
heute frage ich mich wo stehe ich eigentlich? Es gab einmal ein klares entweder oder. Dazu kann ein erst unverständliches „sowohl als auch“. Das bezog sich auf den Alk, meinen Nebenbuhler, später auf meine Frau, später auf mich, dann auf alles was ich so machte.
Gelassen, ruhig, organisiert, Stück für Stück, sich nicht sofort und eventuell falsch mit einem Entweder Oder festzulegen, sondern sowohl als auch einfach im Raum schweben zu lassen. Sowohl als auch mit entweder oder zu mischen und anzunehmen, ein ganz neues Gefühl.
Dann frage ich mich auch: bin ich jetzt wieder Co weil ich mit meiner Frau zusammen bin, nach Berlin mitziehe, gerade den Umzug mache, sie unterstütze, wieder neu verliebt bin oder was? Ich werde schon gelegentlich was dumm angesehen, aber das ist mir genauso egal, wie einige Abhängige sich sträuben aus ihrer Haut zu krabbeln.
Angenommen, irgendwelche Gedanken führen zu nassem Denken, die Prävention wird vernachlässigt, auslösende Gewohnheiten drücken auf den Auslöser, „Er“ wäre drin und ich dran. Dabei würde es abgesehen von den Auswirkungen keine Rolle spielen, ob es sich um Kippen, Alk oder Co handelt, wäre dann einfach so. Ich hätte nie gedacht, dass ich einen Rückschlag einmal nicht persönlich nehmen würde.
Ich mache alles was ich z. Zt. mache gerne, für mich, auch für uns, es macht Spaß, es belastet mich nicht. Als ich in meine Bude zog, da bin ich aufgeblüht, jetzt ziehen wir in unsere, warum soll das jetzt anders sein? In Gegenteil, sie überfordert sich z. Zt. und muss gebremst werden. Ich halte es für normal, dass eine Herzkranke unterstützt wird, nicht blind bis zur Selbstaufgabe wie früher, aber auch nicht, dass sie die Kisten in den 3. Stock schleppt und auf der Fensterbank rum turnt. Ihr wisst was ich meine, zu sagen: nein, ich möchte heute meine Ruhe haben, mein Tag ist eine Sache, gemeinsam einen schönen Tag zu haben ist klasse, etwas für den anderen zu tun, kann gut sein, so lange wir nicht in alte Muster zurück fallen. Gedanken an alte Gewohnheiten sind jetzt fremd, es steht nicht mehr auf meinem Programm darüber zu grübeln, was sie grübelt, welche Prävention sie betreibt und wie sie ihren Alltag strukturiert. Es ist ihr Job mir zu sagen was nicht schmeckt und meiner meinen aufzutun.
Wäre ich jetzt wieder Co-abhängig, würde ich es nicht gleich merken, aber meinen Bauch fragen, reagieren und ich weiß: lieben heißt nicht Co sein und andere stützen ebenso wenig, weil das auch etwas mit Mensch sein zu tun hat.
Würde ich anfangen zu qualmen, würde ich wissen es tut mir nicht gut, es tötet, aber wahrscheinlich alles verschönen, abwerten, als halb so schlimm darlegen, tolerieren, sogar als Genuss deklarieren. Nur ich würde geräuchert, stinken, hätte ein Loch in der Tasche, immer Kippen in der Hand, würde krank und könnte es sehen, riechen, schmecken, fühlen. Würde ich anfangen Alk zu trinken, wäre es ähnlich.
Das genau zu zerlegen und akzeptieren, hätte mich vor einigen Monaten um den Verstand gebracht. Heute kann ich das mit einem ganz neueen Gefühl, als „sowohl als auch mit entweder oder“ gemischt im Raum stehen lassen. Mich, sie, meinen Job, mein Umfeld. Das mit dem Arbeiten, habe ich auch mal zerlegt, mal sehen. Also, das zieht sich alles hier wie ein roter Faden durch das ganze Kaltblut.
Kommen zwei Alte ins Restaurant und bestellen. Er eine Suppe und sie ein Steak. Später bestellen sie das Gleiche nochmals. Der Kellner staunt nicht schlecht, als sie ihm schnell das Gebiss rüber schiebt, damit er sein Steak essen kann. Es hat schon etwas, wenn man gemeinsam lebt. Körperlich ist meine Frau eigentlich ganz gut drauf, ich auch. Birnenmäßig weiß ich nicht wer sich in den vergangenen Monaten rasanter entwickelt hat. Beide zusammen laufen wir gerade akzeptable Rundenzeiten, aber auch alleine kann ich ganz gut überleben. Ich denke heute, dass weder eine gesündere Frau, noch eine Klosterabstinenz meine Gedanken mehr beeinflussen können, als ich selbst. Wenn ich weiß was ich zu tun habe, um mich in das richtige Fahrwasser zu bringen, ist der Partner an sich unwichtig, aber es ist schöner vertraute Nähe neu zu erfahren. Aber das ist wie mit der Ühl, dem ein sing Ühl, es dem andere sing Nachtigal.
Wisst Ihr, ich würde gerne mehr Leuten hier Mut machen, aber wenn ich sehe, wie vieles heute OK ist und morgen nicht mehr, wenn ich mir überlege, das meine Ehe sowohl weiter existieren als auch morgen beendet sein könnte und das es mir in beiden Fällen trotzdem super ergehen kann und wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dass mir irgendwer vor einem Jahr, als ich gerade von erholsamen Berlintagen geflohen war, erstmals meine Klamotten gepackt hatte, so etwas erzählt hätte, ich hätte gedacht: ein Bekloppter, zu viele Betonspeiler geköppt. Betonpfeiler köppen macht Spaß, fast wie Nüsse knacken.
LG kaltblut