Hallo Ihr Lieben,
heute ist einbesonderer Tag, ich war dabei, als etwas besonderes passierte, dann wollte es nur raus, weg, tief unten ins Hirn und ich stand aufrecht im Bett. Es steht geschrieben, dass man es alleine nicht schaffen kann. Das stimmt, ich bin nie alleine gewesen.
Heute Morgen sind mir so viele wenn und aber, paradoxe, warum nicht, begegnet. Eine gestern noch Zugeknöpfte, die heute kurze Hosen auf dem Fahrrad trug und ich dachte, alle Achtung, hat die Beine. Eine ältere sehr kräftige Dame auf dem Fahrrad und ich dachte, woh, hat die sensationelle Waden. Ein junger zierlicher Hüpfer, der an mir vorbei hüpfte, dass ich aus dem Takt kam, stehen blieb, hinterher sah und dachte (nix von Hüpfern), wie kann so ein zierliches Ding nur so schnell laufen. Da fallen unendlich viele Dinge auf und ich dachte, was sind das für armselige Geschöpfe, die den halben oder ganzen Tag einen in der Birne haben und all die Feinheiten des Tages nicht mehr mitbekommen, sich im Eiltempo verleben.
Bisschen was gestört hat mich der Gang auf die Waage, plusplus, eigentlich müsste das minus anzeigen. Wahrscheinlich wächst da was an mir, die Waden oder so.
Ich werde ausziehen, einen neuen Meister suchen, der mir mit wenigen Worten, wenigen Gesten, die fehlenden Griffe zur Festigung meiner Technik vermittelt. Ich hatte einen, er ging sehr früh und lies mich mit meinen Gedanken alleine, aber da war meine Frau, sie hielt mich, drückte mich und sagte: jetzt bist du mein Mentor, sie war da, einfach da. Es gibt diese Menschen, die uns verändern, die bewegen, die etwas bedeuten. Es gibt Menschen, die sehe ich einmal im Jahr, wenige, manche alle 10 Jahre, manche habe ich nur einmal gesehen, manche werde ich nicht mehr sehen, sie sind in uns, ganz tief, sie sprechen mit uns, geben uns Rat, wir sind ihnen begegnet, wie ich Euch, vor über einem Jahr.
Wann immer ich etwas habe, sieht jemand von Euch auf, legt sein Buch weg, macht den PC aus, kommt zu mir rüber, gibt mir Fünf und fragt wie geht es Dir, hast Du es verstanden? Gelegentlich drücken sich einige um mich rum und ich frage, was geht, hast Du verstanden und ich spüre, wir brauchen Stift und Papier, das ist nicht so einfach zu verstehen, ich verstehe es selbst nicht und wir schreiben gemeinsam.
In den vergangenen 7 Wochen, da hat es in mich gehagelt, ist viel passiert, es war meine LZT, hier im Forum, eigentlich sind es 1 ¼ Jahre, aber die letzten Wochen, sie waren sehr real, gingen ins Tiefe, ins Unterhirn, unter den Bauch, dahin wo wir nicht denken, viel tiefer als das wo Kerle normal mit denken.
Ich hatte tolle Unterstützung, eine liebe Kollegin, meine Frau, ja auch sie, meine Familie, Freunde, Menschen. Meine Frau, was glaubt ihr, sie war mir am Nächsten, als sie dachte weit fort, geschützt, unerreichbar hinter hohen Pazermauern zu sein. Da waren die unbekannten ganz Nahen, nicht real, nicht zum Anfassen und Drücken, nicht zum miteinander Aufwachen und zum Frühstückstisch dackeln, aber nah, ganz nah in mir. Vor wenigen Jahren hätte man mich noch als Psycho eingesperrt, heute gehe ich einfach auf Tour und besuche den einen und anderen Mal, weil ich mir frei genommen habe. Ich nehme mir das einfach mal heraus, dazu brauche ich mir nicht rein zu ziehen, ich habe alles schon längst in mir.
Stoffel und ich, wir drücken uns jedes Mal, dann drücke ich seine Kids und sage: es ist nicht so wie ihr denkt. Dann schauen sie immer so ratlos und ich muss ihnen das erklären. Wisst ihr, in Deutschland und bla bla bla, dann lachen wir uns kaputt, streichen was im Haus für die große Party. Würde ich Euch auf Stoffels Party begegnen, ich würde wie ein Honigkuchenpferd breiter als breit strahlen. Nur Stoffel, passen denn alle überhaupt da rein, über 7000 Angemeldete?
Bei Ette habe ich schon oft am Schreibtisch gesessen und all die verzaubernden Gedanken gelesen, da ist mir oft ganz anders geworden. Ette, oft muss ich einfach was von Dir in mich aufnehmen, dann lese ich das und noch mal und dann wir der so schwierige Stoff einfach ganz leicht, schwebend bunt, sehbar, greifbar, fühlbar und dann habe ich es begriffen.
Als ich noch neben Muddi wohnte, da bimmelte sie oft abends und brachte was Frisches aus dem Garten mit, wie leicht man abhängig werden kann, aber ich brauche ja nicht viel, als Single und Appenzellerquittenstückchen wachsen nicht im Garten.
Dia und Speedy sind meine Morgensterne, irgendwo habt ihr, seid ihr, werdet ihr das Hoffnungs-Nachschlagewerk, das Ereignisfach, ein Stück Leben. Ich liebe Euer Leben.
Lavendel ist für mich die selbstsichere B9 Flitzerin, kennt alle Blitzer, kommt, parkt sicher ein, steigt elegant aus, geht und wenn ich an der Ampel an Deine Scheibe klopfe, dann lachst Du breit und erwachst aus den Morgengedanken.
Bei Klaro war ich auch gelegentlich. Er ist einer dieser Meister, ein gelassenheits Seinlasser, manchmal habe ich ihn nur mal kurz mit dem Finger angestupst und saß 2 Stunden abgetreten auf seinem Küchenstuhl.
Ayki ist für mich das Paradoxe. Sie könnte meine Tochter sein und hat die Reife einer starken gefühlvollen, erfahrenen Frau. Das Paradoxe ist, dass reife Frauen mit unerfahrenen Kerlen überfordert sind, sie wollen etwas Gestandenes, Älteres. Gestandene Kerle wollen meist junge Hüpfer, damit sie nicht überfordert werden, also 10-20 Jahre jüngere Dummerschen, die in scharfen Gewändern, Besen schwingend durch den Haushalt fliegen und dem eintreffenden Herrn lustvoll die Klamotten runter reißen. Paradox ist, dass Frauen eine deutlich höhere Lebenserwartung haben, Kerle früher abnippeln. Zum Schluss beißen sich alle in den Schwanz, weil sie überfordert sind, nie begreifen wie paradox das Leben ist und das alles einfach so zusammen passen kann..
Spedi sehe ich oft als den platzenden Urbayern, der gewaltig auf der Schreibtisch klopft das der Monitor hüpft, die Kids auf dem Schoss und die Familie ruft: Papa was war.
Elle sehe ich verträumt in Beuel sitzen, dann haue ich in die Bremsen, lege ihr schnell paar neue Seiten auf den Tisch und krache winkend weiter.
An Annika muss ich auch manchmal denken, sie erinnert mich an einen blonden Engel aus dem Lipperland, da fallen mir immer schöne Sachen ein, aber ich darf dann nicht dran denken.
Yorkie, treffe ich manchmal, wir quatschen dann über unsere Gleichungen, bis zu den Vierbeinigen.
In der realen Welt, das treffen wir oft Menschen, sie hinterlassen nichts, keinen Eindruck, nichts, sie sind einfach, nichts. Hier sind so viele Menschen, Altbekannten, unbekannte Neue, Individuelle, manche gleichen sich, sie alle hinterlassen etwas, ein Stück von sich und jeder sieht was er sieht, Bleibendes, wir bedienen uns und nehmen was wir brauchen, einfach so.
Meine Frau, stellt Euch vor, jahrelang habe ich diesen Irren, meinen Nebenbuhler, mit in der Kiste gehabt, egal was wir auch anstellten, egal ob wir nur ganz einfach erregt regungslos da lagen oder wild bebten, der Typ war überall dabei, bis ich ihm die Nüsse knackte, das müsst Ihr eigentlich gehört haben, Voigtländer Nussknacker, nicht die aus den Erzgebirge, Voigtländer, die haben diesen nachhaltigen leicht ätzend seufzenden Echoklang, wenn sie knacken, seine Nüsse. Jetzt ist er weg, die Schallwellen im Nacken, läuft und läuft, Maratonman, chancenlos. Meine Frau hat mir nie liebevoll die Hand gereicht, das war auch OK, es war ihr Ding nicht meins. Ich sitze oft an ihrem Bettchen, halte sie in meinen Armen, streichelte ihr sanft über den Kopf und erzähle eine Eurer Geschichten und dann hat sie diesen Blick, den ganz entspannten zufriedenen nasilabialfaltenfreien Babyblick und schnarcht.
Wisst Ihr, wenn die Partner aus der LZT entlassen werden, dann sind alle ihre Drückeberger wieder in ihrem normalen Leben und was bleibt sind Gedanken, Erfahrungen, Erinnerungen, Gefühle, die müssen sie tragen, die müssen sie durch das Leben bringen, die müssen ihnen helfen immer da zu sein, wenn sie es brauchen, auf Knopfdruck und sie müssen immer wissen, wann sie auf das Knöpfchen drücken können, sollen, müssen.
Wo ist der Unterschied zu uns?
Sie haben nicht das Glück wie wir, real verrücktes zu Denken, sie müssen erst zurück, normal werden, um verrückt zu denken, einfach so. Ich denke an diesem Tag daran, was mir all die Monate hier gebracht haben, wie viel sie noch bringen werden, wie es ist Euch gefunden zu haben, wie schön das Seinlassen ist.
Wenn der Mensch nicht komplett ist, nicht so wie wir, wenn etwas fehlt, wenn sie all die schönen Dinge nicht fühlen, nicht spüren, nicht sehen, nicht begreifen können, weil ihnen etwas fehlte, weil das bisschen Vorhandene noch zerstört wurde, vielleicht können wir ihnen sehend davon erzählen, es aufschreiben, damit sie es sich vorstellen können, wie Blinde.
Vielleicht ist unser Co. irgendwann keine Dauerkrankheit mehr, vielleicht müssen wir nur selbst sehen lernen, unsere Blindheit überwinden. Da erkläre mir doch jetzt mal einer, wie er sehen soll, wenn ihm genau in diesem Augenblick etwas Geliebtes abgeschnitten wird? Irre, ist das alle kompliziert, ich liebe diese komplizierten Dinge, warum nicht?
Ihr hattet Recht: man kann nichts verstehen, es gibt nichts zu verstehen, nur, wir wissen es schon lange, es ist alles in uns. Da fallen mir einige Vorwürfe meiner Frau ein, angenommen hatte ich sie nie, aber ganz tief innen drin, da waren sie schon, irgendwie. Sie war immer so stolz auf ihren Intellekt, ihr Bildung, ihre Belesenheit und manch einer vor mir muss ihr da ein Machtwerk in die Hand gelegt haben, das bei mir nicht zog. Weil, was nütz das alles, wenn ich nichts mit anfangen kann. Das ist so, als würde ich auf einer Goldmine sitzen und ein Plumsklo drauf bauen, unbrauchbarer Sche…. Tausende Bücher lesen und nichts rausziehen, für was so viel Lebenszeit verschwenden, Maßlosigkeit.
Sie sagte einmal, war denn alles in unserer Beziehung so schlecht, bleibt denn nichts? Wir alle hatten einmal die tollste, schönste, erotischste und liebevollste erfüllte Zeit aller Zeiten. Kaputt ging das auch nicht nur durch den Alk, der war brachiale Auslöser. Der eigentliche Blitzeinschlag, war die Uneinsichtigkeit sich gegenseitig nicht mehr so zu nehmen wie wir waren, als wir uns mit großem Schrecken erkannten, selbst erkannten, gegenseitig erkannten. Das ist der Schwachsinn an sich, das Irre in uns.
Neulich fuchste mich nochmals richtig eine blöde Bemerkung, ich wäre hier um mich zu profilieren, würde alles nur einseitig in mein Licht stellen. Funnie, hol die Nadeln zum Anstecken raus und lass uns HIHI-Luft ablassen:
Meine Frau hat vollkommen Recht, ich bin hier um mich zu profilieren, um mich zu finden, mir mein passendes Profil zu verpassen, meins, gesund zu werden, es geht nur um mich, ich schreibe hier, meine Gedanken, nicht sie, nicht für sie, nicht um sie, sonst wäre ich in Ulm und nicht hier und ich bin eigentlich wieder ziemlich heile, komplett, ganz, gesund, gut was irre, ein verrückter Verrücker, warum nicht.
Heute habe ich mir um 6.30h ein besonderes Frühstück gemacht:
Zwieback, Kiwi, Dolomitenbergkäse, irren Appenzeller vom Käsepapst mit Quittengelee – warum nicht? Stellt Euch doch einfach mal vor, jetzt einen vergorenen Saft dazu, der würde doch alles kaputt hauen, dagegen ein grüner Tee, man kann sogar die Teepflücker sehen, wenn man will.
LG kaltblut