Hallo Ihr Lieben,
danke für Eure lieben Worte. Ich habe keinen Ausraster gehabt, bin nicht stiften gegangen, habe nichts zerrissen oder kaputt gemacht, wir machen die Woche noch irgendwie rund. Gut, dass meine Frau einen klaren Kopf behalten hat und sich auf kein Gespräch eingelassen hatte.
Wir waren gemeinsam beim Suchtberater, Ehegespräch, ich wusste nicht genau warum, habe es einfach doch mitgemacht, sie bat darum, um auch andere Vorgehensweisen und Ansichten aufzuzeigen, als wir sie hier vertreten, da es für mich nur hier, nur schwarz weiß gibt. Das Gespräch war gut und wichtig, schade nur, dass kein Band mit läuft, keiner mit schreibt und das leider das Meiste anschließend aus dem Kopf ist, nicht nachlesbar irgendwo steht, keine Nacharbeit möglich ist. Therapeut sein ist eine achtbare Aufgabe, eine schwierige und brisante.
Wir haben zwei grundsätzliche vereinbare oder nicht vereinbare Einstellungen festgestellt:
1. gibt es einen Unterschied in unserer Lebenseinstellung, in der Betrachtungsweise der Dinge.
Ich lebe nicht in Büchern, nicht mit Hinterfragungen, nicht mit S/W-Absicherung, nicht mit dem Suchen nach Begründungen, Rechtfertigungen, Hinterfragen und Diskutieren, bin fatalistisch, mache und tue, auch einfach so, ab einem bestimmten Punkt, dann ist es einfach so und gut ist, z. B. Thema Verstehen. Ich habe getrunken, denke manchmal darüber nach, kann auch diskutieren, gut ist. Ich brauche keine Beweise, Begründungen oder genetische Untersuchungen, auch nicht von ihr. Sie ist genau das Gegenteil, sucht, und sucht, und sucht und diskutiert endlos, sie nennt es Intellekt. Das Verarbeiten, Aufarbeiten ist eine Sache, ihre, ich bin da, kein Therapeut, ich kann da sein, zuhören, sie in den Arm nehmen, aber es bleibt ihre Sache, sie spricht nicht darüber, versteckt es, auch vor mir.
Ich finde, wir ergänzen uns im Alltag hervorragend. Wo sie steht, schubse ich, wenn ich über das Ziel schieße, bremst sie mich. Ich war so, bin so, auch wenn ich hier viel gedacht habe, ich bleibe so. Sie bleibt wie sie ist. Ich kann damit umgehen und gut leben, ihre Einstellung annehmen, wenn sie nicht mit meiner leben kann, dann ist es so und gut ist, die Wege trennen sich, ich halte das für schade.
2. Unterschiede in der Behandlung und im Umgang mit dem Thema Alkohol.
Ich habe keinen Behandlungsunterschied vernommen, auf die Grafik an der Wand verwiesen, gesagt: da steht wo es lang geht, es gibt keine Alternativen. Sie meint, es gehe auch ohne den Tiefpunkt erreicht zu haben, sie braucht nicht am Boden zu sein. Braucht sie auch nicht, sie ist schon längst da und es ist doch egal, ob morgen oder in einem Monat, in einem Jahr, sie kommt da an, dann ist es zu spät, tot. Klasse, wenn sie noch wählen kann, bald nicht mehr und der Verfall, der ist nicht zu diskutieren, den sieht man, jeder sieht es. Ich habe auch gewählt, ohne Tiefpunkt, ohne im Randstein zu liegen, aber das Elend vor Augen und es war der einzige richtige Weg.
Ich bin nicht anders, weil ich eine Krankheit habe, weil ich den Rest meines Lebens Alkoholiker bleibe und da stehe, wo ich heute bin, auch nicht weil ich Co. war und raus bin, es ist einfach so. Mein Leben ist offen danach ausgerichtet, mir der Situation bewusst zu sein und es immer zu bleiben, morgen hätte es zu spät sein können, ich hätte es nicht gemerkt. Es gibt kein Verstecken, nur ein offener Umgang, kein umhängendes Schild, aber ich rede mit wem es mir passt darüber und meine Co-Abhängigkeit betrifft nun mal auch sie, also rede ich auch über sie. Da gibt es keine, auch gar keine Kompromisse und die Projektionen anderer Menschen sind deren, nicht meine. Ich bin kein Hypochonder, aber ein trockenes und co-freies Leben steht vor meiner Frau, vor der Ehe, der Beziehung. Entweder ist das akzeptiert oder erledigt, man kann es nicht trennen.
Sie spricht von Vertrauensbruch, da ich zu offen damit umgehe und möchte selbst entscheiden, wem sie davon berichtet. Ja, das ist ihr Ding, nicht meins. Bisher belügt und betrügt sie sich. Es gibt kein Verschweigen, Verstecken und Verkriechen. Sind Alkoholiker Lügner, war im Forum die Frage. Ja, wenn ich den Therapeuten im Beisein des Ehemannes belüge und schön rede. Ich gebe es aus Rücksicht nicht wieder, Deckel drauf, zu und weg, aber ich frage mich, was sind die Gespräche wert, wenn ich mich nicht voll und ganz öffne, wenn Scham über allem steht? Ich weiß, ich kann es nicht verstehen, ich brauche und will es nicht mehr verstehen.
Was ich hier schreibe, ist mein Ding. Ziehen wir woanders hin, ist und bleibt es meine Sache, ich habe es für mich zu verarbeiten und dazu gehört dazu zu stehen und wenn ich eine Vertrauensperson kennen lerne, einen Bedürftigen treffe und es für angebracht halte, dann rede ich darüber.
Es geht nicht um Vertrauensbruch, nur um trauen. Steht sie nicht zu ihrer Krankheit und lässt das was im Hirn anderer ist nicht deren Sache sein, kann ich es nicht ändern. Ändern kann es die LZT, wir werden sehen. Sie kann in SHG darüber sprechen, sonst wo oder mit einem Schild rumlaufen, ihre Sache, ich respektiere das voll und ganz, meine ist meine. Passt es deshalb nicht, trennen sich die Wege, eben, schade.
Intellekt, den erwarte ich bei diesem, uns beide sehr belastenden lebensbedrohlichen Thema, wir haben ihn nicht, reden nicht darüber, sie schweigt.
Einen Dritten Punkt haben wir nicht angesprochen, Lavendels Frage nach den Werten. Das ist ein Thema für eine Partnertherapie nach ihrer Rückkehr.
Ich bin mir viel wert, sie ist mir viel wert, was sie sich, was ich ihr wert bin, keine Ahnung, ich komme momentan nicht in ihrem Sprachschatz vor. Wertschätzung und Maßhaltung, vielleicht Teile der Therapie, wenn es gerichtet werden kann OK, wenn nicht, vergessen, eben, schade.
Jeder von Euch hat seine Erfahrungen gemacht und ich glaube dass einige von Euch in bestimmten Eskalationssituationen Dinge über den Partner dachten oder sagten, die nicht nur unter der Gürtellinie waren. Steht hier von mir so etwas, nein, es wäre vom Adm. sofort gelöscht worden. Ich habe mich vergewissert, ob ich irgendwem schon einmal irgendetwas Niedermachendes geäußert habe. Nein, auch nicht in meinem Kopf. Es ist ihre Projektion, dass muss sie verarbeiten oder vergessen, eben, schade. Ich fühle mich gelegentlich wertlos, unnütz, leer, in meinem Kopf, egal was je im meinem Leben passiert ist oder passieren wird, ich fühle mich deshalb nicht als ein Stück zu Löschendes, es bleibt ihre Sache die Werte richtig einzustellen.
LZT: ich hatte damals eine große Angst, was alles passieren kann, wie sie sich verändern kann, dass wir nicht mehr zusammen passen, uns entfremden, da war auch Vor-Eifersucht, bei all den Kerlen, was alles passieren kann (Gedanken an Stoffel), ich habe zu allem gestanden und nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass ich selbst ein „eben schade“ in die Waagschale legen würde. Jetzt ist es so, gut ists, oder eben, schade.
Ette : ein Freund meinte, ich hätte nichts Prägendes mit ihr erlebt. Was ist prägender als dieses Jahr hier, diese Erfahrungen, diese Erlebnisse. Es wird uns nie mehr los lassen auch wenn wir los gelassen haben, weit fort sind, ein Bein, einen Arm verloren haben, sie kommen nicht zurück, wachsen nicht nach, wir werden immer erinnert dass etwas fehlt, bei jedem Schritt, jeder Bewegung, auch wenn der Schmerz längst fort ist, aber es gibt kleine Erinnerungen, die uns auch einbeinig stehen, laufen lassen, weil wir es müssen und wenn wir es nicht schaffen, ich muss es schaffen, für mich.
Was ich jetzt zu machen habe? Mir wurde eine Selbsthilfegruppe angeboten, die habe ich hier, der Rest geht seinen Weg, ich bin da, einfach da, werde das Angehörigen Seminar während der LZT besuchen, Akkus laden, der Rest wird sich ergeben.
Manchmal müssen wir die Weide im Wind sein, uns biegen, biegen lassen, mit dem Gummi des Gummibaumes abgeschossen werden, weit fliegen und hart aufplatschen, zu Unkraut werden, um eines Tages als unbeugsamer mächtiger Tropenbaum das Treiben unter unserer gewaltigen Krone gelassen zu genießen, zu erleben.
LG kaltblut