Beiträge von Pierre64

    Wenn man einfach mit dem Trinken aufhören könnte ,zum Beispiel aus einem Schuldgefühl heraus,wäre es wohl keine Suchtkrankheit.Dieses Schuldgefühl,wenn überhaupt,kommt aber nun mal erst wenn man selbst merkt das man den Alkohol nicht mehr kontrollieren kann.Vorher ist ja alles ok und entspricht der allgemeinen Norm ( über die man sich trefflich streiten kann ) oder eben dem Umfeld. Keiner hat ja angefangen um Alkoholiker zu werden.Es hat sich ,wieso auch immer,entwickelt.Und letztlich ist auch dieses Schuldgefühl etwas das gern mit Alkohol verdrängt wird.Ich mag weder mir noch anderen Schuld geben .Ich habe begonnen für mich Verantwortung zu übernehmen,auch für das was durch meine Abhängigkeit entstanden ist.Nicht aus einem Schuldgefühl heraus,sondern weil es nun mal zu mir und meinem Leben gehört,es mir ein Bedürfniss ist.Es ist Teil meiner Motivation Trocken zu bleiben.Wenn jemand das gleiche aus einem Schuldgefühl heraus macht,dann ist das eben sein Weg.wichtig ist doch das man es schafft.

    - edit, bitte keine externen Zitate einfügen, danke, Linde -

    Man hat irgendwann aus irgendeinem Grund für sich den Alkohol entdeckt und hat ihn genutzt.Ist von ihm abhängig,krank geworden.Darin allein besteht meines Erachtens noch keine persönliche Schuld.Auch wenn jemand nicht wie andere die Kraft hat oder findet sich davon zu befreien,trifft ihn nicht wirklich Schuld.Es entspricht dem Krankheitsbild.Ich gebe mir zwar an manchem die Schuld,aber das waren Dinge ,die ich zwar unter Alkohol ,aber dennoch bewußt getan habe.Die einfach Verantwortungslos waren.

    So lange ich noch getrunken habe sah ein Alkoholiker natürlich schlimmer aus als ich.Und wenn man lange genug sucht findet sich auch immer einer mit dem man sich vergleichen kann.Ich habe funktioniert und war der ganze Kerl,der genauso viel trinkt wie er arbeitet.Und ich glaube das ,das Bild vom Alkoholiker schon deshalb so weit herab gesetzt ist,weil keiner es sein will.Ich habe über 20 Jahre getrunken und dabei auch einiges versoffen und verloren.Angefangen hat es damit das ich dazugehören,gleichwertig sein wollte.Genausoviel und möglichst mehr wie andere vertragen.Geendet hat es damit das ich nur noch damit beschäftigt war,neben meinem Alltag,das ich jederzeit genug Bier zu Hause und auf Arbeit hatte.Das ich wenn das Geld an der Kasse nicht reichte das Brot zurück gelegt habe.Und,und,und.Irgendwann ,nachdem ich geschieden war,der Führerschein mal wieder weg war,ich Schulden ohne Ende hatte,mein Umfeld mir unmissverständlich zu verstehen gab das ich mir mal Gedanken machen solle,habe ich mir vorgenommen das ganze drastisch zu reduzieren und zu kontrollieren.Ging natürlich nicht gut und endete immer wieder in Abstürzen.Letztlich hab ich mit dem Glas in der Hand beschlossen ab dem nächsten Tag nix mehr zu trinken und mir vorgenommen eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.Gegen jede Empfehlung habe ich einen kalten Entzug durchgezogen.Im nachhinein war es für mich zwar kein Fehler wenn auch nicht leicht,aber ich würde anderen immer empfehlen sich an einen Arzt zu wenden.Ich bin mit Hilfe dieser Selbsthilfegruppe seit 8 Jahren trocken und bin dort mit Alkoholikern zusammen die in Bildung und Beruf wirklich nicht dem allgemeinen Bild des Alkoholikers entsprechen.

    Seit wann und wie lang sollst Du diese Medikamente noch nehmen ?
    Mag sein das sie nicht abhängig machen,aber so lang du nicht weißt ob du ohne sie zurecht kommst,bist du von ihnen abhängig.Sie nehmen dir die Möglichkeit für dich zu erkennen wo du stehst,wie stabil du bist.
    Du solltest darüber mit deinem Psychiater sprechen.

    Es gibt einen Rat den ich für solche Fälle oft in der Selbsthilfegruppe höre : " In Liebe fallen lassen ".

    Du kannst ihn nicht Trocken legen oder zu einer Therapie bewegen wenn er sie nicht selbst anstrebt.Du kannst ihn sagen oder schreiben wie es dir mit ihm und seiner Sucht geht.Ohne Wertung oder Vorwurf.Sag ihm das dir die Kraft fehlt es länger mit ihm auszuhalten.Er weiß doch das er trinkt und er weiß auch was er dagegen tun kann.Es ist an ihm sich zu entscheiden.Selbst wenn du ihn verlässt nimmt ihn das nicht die Chance etwas für sich zu tun und wieder zueinander zu finden.Wichtig ist das du konsequent bist.Im Moment gibt es keinen Grund für ihn aufzuhören.

    Wenn wir Neue haben,dann stellt sich die Runde der Reihe nach kurz vor und wer ein Problem zu besprechen hat meldet dies bei der Gelegenheit an.Erst dann kommen die Neuen dran und später kommt man auf die zurück die noch ein Problem haben.Auf die Uhr guckt da keiner.Ansonsten ist es zwar löblich seine eigenen Probleme hintenan zustellen,hilft aber auf Dauer keinem etwas.

    Es gibt einiges was mich Trocken hält.Nach mittlerweile 8 Jahren ist es selbst ohne Verlangen nach Alkohol das alltägliche Bewußtsein das ich Alkoholiker bin.Ich werde tagtäglich in der Firma mit Alkohol konfrontiert ohne diesen allerdings angeboten zu bekommen.Einfach weil ich mich vor langer Zeit geoutet habe und so eine Art Schutzring entstanden ist der auch im sonstigen Alltag funktioniert.Es kommt vor das ich irgendwo eingeladen bin und andere schon vor mir darauf hinweisen das ich keinen Alkohol trinke.Außerdem hilft mir noch immer der Kontakt zu meiner Selbsthilfegruppe,ohne die ich nie soweit gekommen wäre.Mir hilft das Bewußtsein das ich sofort wieder abrutschen würde wenn ich auch nur einen Schluck trinke.Ich habe prinzipiell nie Alkohol im Haus! Mich halten auch meine Kinder Trocken ,ich bin alleinerziehend,und wenn ich rückfällig werde dann bricht hier wirklich alles zusammen.Das mag ich mir garnicht ausmalen.Mir hilft aber auch der Rückblick,was Abhängigkeit für mich bedeutet hat,wieviel ich durch das Trocken sein erreicht habe.