Beiträge von heidi13

    Hallo zusammen,

    erst mal die gute Nachricht: meine Mama erholt sich zunehmend von ihrer Krebsoperation, mein älterer Bruder hat sich gut um sie gekümmert.

    Im Anschluss war ich dann wieder 5 Tage bei ihr und hab sie umsorgt, gekocht, geputzt, gewaschen - was in einem Haushalt halt so anfällt.

    Letztes Mal hatte ich ja einen heftigen Streit mit meinem Vater (Alkoholiker seit mehr als 40 Jahren). Teile des Streits hatte er meiner Mama vorgeworfen. Dieses Mal habe ich ihn ignoriert und nicht ein Wort mit ihm geredet. Nicht mal "Guten Morgen" oder "Gute Nacht". Ich habe einfach keine Lust mehr, heile Welt zu spielen. Und ich wollte ihm keine Munition mehr liefern.

    Das Ganze war insofern sehr wirkungsvoll, als ich ihn damit sehr aus meiner Gedankenwelt ausklammern kann. Um mich zu fragen, warum ich schweige, war er zu feig.

    Hilfe bekommt sie von ihm NULL. Er ist zwar in Rente - findet aber ständig Gründe, warum er stundenlang abhauen muss, kümmert sich gar nicht um sie, verbreitet Lügen über sie im Dorf und kommt dann besoffen heim.

    Macht eines der erwachsenen Kinder etwas, beschwert er sich lauthals, dass er zurückgestellt wird und nicht helfen darf. Beispiel: ich habe Altglas & Altmetall entsorgt, das seit Wochen im Keller vor seiner Werkstatt stand und er ignoriert hat. Da hiess es dann, dass er das doch auch hätte machen können. Tut er aber ja nicht. Er hatte 4 Wochen Gelegenheit dazu.

    Nachdem ich dann weg war, hat Mama mit ihm gestritten und ihm alles an den Kopf geworfen, was sie belastet. Das war für sie sehr befreiend und sie gewinnt zunehmend an Stabilität und Klarheit. Ich habe ihr einiges hier vom Forum erzählt und sie erkennt inzwischen immerhin, dass sie keine Schuld hat und co-abhängig ist. Inwiefern sie dann an ihrer Situation etwas ändern will und kann, muss sie selbst entscheiden.

    Ich überlege, ob ich ihr ein gutes Buch zu dem Thema schenken soll. Was meint ihr dazu?

    Danke für dieses Forum - es ist echt Gold wert.

    Liebe Grüsse,
    Heidi

    Juhu :)

    "Schlechte Zeiten im Meer versenken" tönt gut ... :)

    Ich hab das mit der 4-Länder-Region letztes Mal kurz vor Lindau zum 1. Mal gesehen (nach 12 Jahren *räusper*) und hatte nur gestutzt, weil das 3-Länder-Eck meines Wissens eben bei Basel ist (Frankreich, Deutschland, Schweiz) und mir neu war, dass Österreich neben Frankreich liegt ... ;). Nachdem ich meinen Geographiekenntnissen nur begrenzt traue, hatte ich extra gegoogelt.

    Wie auch immer ... eigentlich ist das ja wurscht, ich weiss, was Du gemeint hast und bin ich eigentlich ja ein sehr grosszügiger Mensch und nehm nur ganz wenig ganz genau.

    Am Bodensee isses wunderschön - in der Schweiz aber auch.

    Liebe Grüsse aus den Bergen
    Heidi

    Hallo Desperates,

    kannst Du Deine Mobiltelefon nicht so einstellen, dass seine Nummer blockiert wird? Das würde ich mal als allererste machen.

    Und Bekannte, die Dir seine Lästereien erzählen, würde ich nicht weiter treffen. Bau Dir einen eigenen Freundeskreis auf.

    Und nur als Gedankenanregung, nicht um Dich irgendwie bremsen zu wollen: Neu anfangen in einer neuen Stadt tönt wunderbar und aufregend. In der Praxis sieht das aber oft anders aus. Ich bin vor vielen Jahren ausgewandert, ganz alleine, habe niemanden gekannt, neuer Job. Das 1. Jahr habe ich Rotz und Wasser geheult vor Einsamkeit. Damals gab es auch noch keine Internetforen etc. Es ist nicht einfach, sich ein komplett neues Leben aufzubauen, aber ich bin froh, dass ich es gewagt habe. Ich habe inzwischen meine Heimat hier und in mir gefunden.

    Liebe Grüsse, Kopf hoch und schütze Dich vor seinen Angriffen,
    Heidi

    Hey superunknown,

    wenn Du es herausgefunden hast, lass es mich wissen. Ich habe auch noch kein Mittel dagegen gefunden. Allerdings grüble ich nicht mehr darüber nach. Jeder kann nur sich selber ändern, niemand anderen. Traurig macht es mich aber auch, wenn jemand sein Leben so wegwirft. Tröstlich finde ich, dass es nicht nur mir so geht ...

    LG
    Heidi

    Hallo,

    ach .. ihr seid hier alle so lieb und hilfsbereit - das ist echt unglaublich!

    Ja - vermutlich gäbe es Reha-Möglichkeiten. Aber vermutlich nicht von gestern auf heute und sie muss es auch wollen. Ich kann sie ja nicht zwingen dazu. Und - Gott seis gedankt - ihr geht es von Tag zu Tag besser und sie wird immer stabiler und mobiler.

    Gestern hat sie mir am Telefon erzählt, mein Vater würd ihr jeden Tag alles vorwerfen, was ich zu ihm gesagt habe ... :evil:. Ich mags gar nicht erzählen, was er alles bringt ... :?. Das ist alles einfach nur noch krank.

    Jetzt frage ich mich, wie ich mich am besten nächstes Mal verhalte, um es für Mama nicht noch schlimmer zu machen?

    Ich tendiere dazu, ihn einfach zu ignorieren. Heile Welt spielen kann ich nicht mehr. Aufregen will ich mich nicht mehr. Und neues Futter liefern will ich ihm nicht mehr.

    Diese verdammte Machtlosigkeit ... :roll:

    Lieben Gruss an euch alle
    Heidi

    Dass die Kinder nichts mitbekommen, dachte meine Mutter auch - jahrzehntelang .... bis ich sie mal aufgeklärt habe. Bei uns war und ist auch immer eher Psychoterror denn körperliche Gewalt angesagt gewesen.

    Kinder bekommen mehr mit, als man meint.

    Ich wünschte, meine Mutter hätte den Mut aufgebracht, sich zu trennen ...

    Hallo Lillemöp,

    oh ja ... ich glaube, dieses "keine Hilfe annehmen können", "stark sein müssen" kennen fast alle EKA hier ...

    Ich kann da auch ein Lied davon singen und weiss erst jetzt viele, viele Jahre später, warum vieles so lief, wie es lief.

    Besser wurde es erst, als ich mein Leben selbst in die Hand genommen habe. Aber auch dann gab es immer wieder "Fallen", in die ich getappt bin. Man ist da einfach wahnsinnig anfällig dafür und opfert sich bereitwillig bis zur Selbstaufgabe auf.

    Heute versuche ich meine Energie zu nutzen, um mich zu ändern und die Energie nicht daran zu verschwenden, um mich über meine verpfuschte Kindheit zu ärgern oder mich zu rechtfertigen, warum was wie ist. Aber das ist verdammt schwer.

    Fühl Dich gedrückt!

    Heidi

    Hallo zusammen,

    danke für eure guten Vorschläge.

    Ach - ich weiss auch nicht, warum man sie so heim gelassen hat. Ich lebe einfach schon sehr lange nicht mehr in D und hatte nicht damit gerechnet. Es ging auch alles sehr schnell - von Diagnose zu OP. Von der Ferne lässt sich da auch wenig organisieren ..

    Wir werden jetzt noch ca. 3 Wochen sehr viel helfen müssen - danach sollte es ihr körperlich besser gehen. Die Tumorzellen konnten wohl alle herausgeschnitten werden, so dass sie noch Glück im Unglück hatte - soweit man davon reden kann.

    Sobald sie etwas transportfähig ist (und das auch will !!), nehme ich sie mit zu mir. Sie kann halt sehr schlecht Hilfe annehmen. Ist aber nun auch nicht so, dass ich beliebig lange und oft Home-Office machen kann. Ich hab ja meinem Arbeitgeber gegenüber auch Verpflichtungen.

    Diese schreckliche Ohnmacht diesem Ekel gegenüber ist für mich einfach furchtbar. Es platzen gerade auch wieder viele Wunden aus meiner Vergangenheit auf, wo ich wieder damit konfrontiert bin. Ich kann mit so viel Egoismus ganz schlecht umgehen.

    Traurige Grüsse,
    Heidi

    Hallo MrHardcore,

    ich hätte ihn schon vor Jahrzehnten vor die Tür gesetzt - das Problem ist aber, dass er das so nicht akzeptieren wird und dann Terror schlagen wird. Das ist das Letzte, was Mama brauchen kann.

    Wenn ich nicht da bin, kümmert sich mein älterer Bruder um sie. Sie kann gar nichts momentan machen, nicht mal Tee kochen. An Einkaufen ist nicht zu denken. Durch meinen Beruf und dank meines verständnisvollen Chefs kann ich bei ihr Home-Office machen, d.h. tagsüber versorg ich sie, nachts programmier ich. Ab und zu muss ich aber zu Besprechungen runter. Alles geht nicht per Skype. Ich brauche die Zeiten auch, um mich wieder zu erholen.

    Ich bin ein recht stabiler und belastbarer Mensch - aber es ist schon nicht einfach. Deshalb habe ich momentan meine eigene Firma und meine Doktorarbeit mehr oder weniger auf Eis gelegt. Mein Umfeld kennt die Problematik - ich mache da kein Geheimnis mehr darum. Ich kann nichts dafür, es ist nicht meine Schuld, ich muss mich nicht dafür schämen.

    Danke & liebe Grüsse,
    Heidi

    Hallo Mikesch,

    das mache ich ja schon - Bedingungen stellen. Ich bin da auch sehr hart dabei und wundere mich über mich selber, dass ich das überhaupt sein kann. Leider hält das immer nur ein paar Tage an.

    Die anderen Verwandten verharmlosen das Problem ziemlich und wollen ihr noch Schuld einreden .... da könnt ich ausflippen. Sie will dort auch nicht hin. Momentan kümmert sich mein älterer Bruder um sie. Der jüngere Bruder schafft es gerade mal alle 3, 4 Tage anzurufen und tut einfach nichts.

    Sie schafft es nicht mal, sich einen Tee zu kochen, so schwach ist sie noch.

    LG
    Heidi

    Hallo Linde,

    das Problem ist, dass sie noch reichlich Arzttermine (Nachsorge und Bestrahlung) in nächster Zeit hat - ich denke nicht, dass Hin- und Hertransport alle paar Tage für die Genesung förderlich wären.

    Nachdem ich im Ausland lebe, kann sie hier auch nicht zum Arzt gehen.

    Ich habe ihr das auch schon vorgeschlagen, aber sie will das nicht. Ich kann sie auch irgendwo verstehen. Freitag fahr ich wieder hoch.

    Mein Vater hat ihr heute sogar 2 rote Rosen mitgebracht (das erste Mal seit Jahren), aber es steht einfach eine absolute Mauer zwischen den beiden. Sie will und kann nichts mehr von ihm annehmen. Und auch das kann ich mehr als verstehen. Auch mir geht es so.

    Grüessli,
    Heidi

    Hallo zusammen,

    auch mein Vater ist Alkoholiker - und das seit mehr als 40 Jahren. Früher mit immer wieder wochenweise Pausen dazwischen, seit 1-2 Jahren gibt es höchstens mal 1, 2 Tage Pause.

    Deshalb bin ich selber auch vor 20 Jahren sofort nach dem Abi ausgezogen und habe lieber gearbeitet und mein Studium selbst finanziert als mir das Elend länger weiter anzuschauen. Ich wollte nie nie nie wie Mama von irgendjemandem abhängig sein.

    Vor vielen Jahren bin ich ausgewandert und lebe seither mehrere hundert Kilometer entfernt. Mit Mama hab ich viel Kontakt (hauptsächlich per Telefon), mit ihm kaum. Wenn ich da war, hielt er sich mit Saufen ziemlich zurück, so dass seine Sauferei für mich keine direkte Belastung war. Ich habe vieles auch schlicht nicht mitgekriegt und bin überzeugt, dass er nicht vom Alk weg kommt, wenn er das nicht will. Und er will auch nicht. Das hatte er noch Anfang Jahr im Spital zu Protokoll gegeben, nachdem er besoffen auf der Strasse aufgesammelt und auf die Intensivstation eingeliefert wurde.

    Mir tat immer meine Mama leid, weil sie es nicht schaffte, sich von ihm zu lösen und sich immer wieder von ihm klein machen liess. Aber: es ist ihr Leben, es ist sein Leben - ich kann es nicht ändern. So weit, so gut.

    Vor 1 Monat dann die Schreckensnachricht, dass meine Mama Krebs hat. Sie wurde inzwischen operiert und aus dem Spital entlassen, muss aber noch 4-6 Wochen liegen und es wird auch mindestens ein halbes bis ganzes Jahr dauern, bis sie auch nur annähernd wieder fit ist. Deshalb war ich in den letzten Wochen sehr viel daheim, oft mehrere Tage am Stück.

    In der Zeit bin ich 2x mit meinem Vater aneinander geraten und es gab heftigste Auseinandersetzungen. Dann wollte er immer reden mit mir, was ich kategorisch ablehnte mit "Red mit mir, wenn Du nüchtern bist". Am nächsten Tag tut er so, als ob nichts gewesen wäre, reisst sich dann aber immerhin ein paar Tage zusammen und trinkt weniger / nichts. Die Angriffe sind hauptsächlich verbaler Natur denn körperlicher Gewalt und fallen für mich unter Psychoterror. Wer möchte schon vor einer sehr grossen und riskanten OP hören, dass die Urne dann auf die Eckbank kommt, weil verbrennen billiger als begraben ist und man so noch den Pfarrer sparen kann?

    Für Mama ist das alles natürlich keine Umgebung, in der sie gesund werden kann. Mit zu mir nehmen kann ich sie nicht, weil die weite Fahrt zu viel wäre für sie und sie ja auch noch mehrere Bestrahlungstermine vor sich hat. Reha wäre noch eine Möglichkeit - sie braucht aber spezielles (selbstgekochtes) Essen, weil ihr schon einige Organe fehlen und hatte damit schon im Krankenhaus massive Probleme. Sie sagt, dass sie sich scheiden lässt, wenn sie gesund ist - ich glaube das aber erst, wenn es soweit ist. Ich würde sie darin absolut unterstützen - das weiss sie auch.

    Mir geht es jetzt aber nicht um die ferne Zukunft, sondern um die unmittelbare. Wie verhalte ich mich denn in der jetzigen Situation "richtig", um Mama am meisten zu helfen?
    Stillhalten? Weitermachen, um wenigstens immer wieder ein paar Tage Ruhe zu ermöglichen? Ganz was anderes?

    Mir geht es nur um die momentan aktuelle Situation. Meinen Vater erkenne ich nicht wieder - der hat seinen Verstand inzwischen versoffen und ist in meinen Augen nur noch böse. Er ist Mitte 60, Mama 2 Jahre jünger. Das Umfeld ist ein hoch konservatives.

    Danke & liebe Grüsse,
    Heidi